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Sonntag, 2. November 2014

And now to something completely different 3

Freitag habe ich Zeitung gelesen. Wirklich, das mache ich ab und zu. Tatsächlich versuche ich zumindest, einmal am Tag den internationalen Teil zu lesen. So auch Freitag morgen. Weshalb ich die Zeitung aufgehoben habe. Um jetzt, am Sonntag, an dem ich Zeit habe, in aller Ruhe einen Herzinfarkt zu vermeiden, indem ich mich NICHT aufrege, und stattdessen lieber einen nervenschonenden Blogeintrag zu verfassen.

Was stand denn so in der Zeitung, fragt Ihr?
Dazu muss man sagen, dass ich eine Zeitung vom Verleger Ippen lese, die Leine Deister Zeitung. Mehrere Blätter teilen sich hier die internationale und die nationale Redaktion; in heimischen Gronau Leine wird nur der Lokalteil eingebracht. Im internationalen Teil waren dann die besagten drei Dinge zu lesen, die mich ein wenig irritiert haben.

Nummer eins auf der Titelseite: Körperscanner an Flughäfen.
Bereits am 14.01.2010 habe ich über den damaligen Versuch, Nacktscanner zu etablieren, gebloggt. Dabei war mir der voyeuristische Aspekt eigentlich reichlich egal. WICHTIGER war mir, dass diese teure Technologie schlicht und einfach nicht annähernd so gut funktioniert, wie die Hersteller versprechen.
In der Markus Lanz-Show hat damals Professor Gruber den Nacktscanner bloßgestellt. Damals konnte das Gerät weder den Zünder in seinem Mund, noch die Haushaltschemikalien in seiner Jacke und erst recht nicht das Thermit entdecken, das er bei sich getragen hatte. Leider hat die Mediathek die entsprechende Lanz-Sendung schon lange gelöscht, aber auf Youtube ist sie sicher noch zu finden. Fakt ist: Die Scheiße funzte nicht, und es wäre mir auch neu, dass die jetzigen Nacktscanner besser geworden sind. Oder dass der voyeuristische Aspekt (der ehrlich gesagt irrelevant ist) entschärft wurde. Man gibt teures Geld aus für etwas, das einen unterstützen sollte. Stattdessen unterstützen Nacktscanner Terroristen. Damals, als sich ein Terrorist mit einer mit Sprengstoff gefüllten Unterhose hochjagen wollte - was nicht funktionierte, Probleme mit dem Zünder - kam er von einem niederländischen Flughafen, dessen Sicherheit mit Nacktscannern betrieben wird. Noch immer.
Was ist also die Lösung? Solange niemand beweisen kann, dass die Nacktscanner nun zuverlässig arbeiten - und damit meine ich nicht, dass sie niemals verschluckte oder in Körperöffnungen eingeführte Objekte finden werden, sondern jene, die sie zu finden in der Lage sein sollten - ist jeder angeschaffte Nacktscanner rausgeschmissenes Geld. Also wirklich, Leute, das ist aktive Terrorismusunterstützung. Muss es sowas geben, in Deutschland? Nein.

Nummer zwei war der Dobrindt, der mit seiner PKW-Maut rumnervt. Nachbesserungen hier, Schönheitsfehlerchen da, aber jetzt soll alles passen.
...sacken lassen.
Ein kluger Mann, wahrscheinlich noch klüger als ich hat gesagt, dass dieses ganze Geplänkel um die Maut nur zwei Ziele verfolgt: Alle deutschen Autofahrer zur Vignette zu zwingen, und ihnen das Gefühl zu geben, "schuld" sei Europa. Wie das? Nun, sobald die Maut einmal eingeführt ist, ist mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass die Entlastung der Autofahrer über die KFZ-Steuer von der EU als Übervorteilung ausländischer Autofahrer als nicht zulässig angesehen wird und die Bundesregierung die Entlastung streichen muss. Dann ist die Maut aber da. Und wir zahlen doppelt.
Macht ja auch Sinn, denn der eher geringe Verkehr ausländischer PKW in Deutschland könnte bestenfalls fünf Millionen Euro pro Jahr einbringen, also weit weniger als die 500 Millionen, die der Dobrindt anvisiert. Das geht nur, wenn alle deutschen Autofahrer mitgef*%&*t werden.

Nummer drei - der Putin. Stoppt ihn endlich! Wie kann er es wagen? Unglaublich, dieser Bursche! Hm, was hat er nun wieder gemacht? Er hat laut LDZ "außergewöhnlich umfangreiche Manöver des russischen Militärs abhalten lassen. Wo? An der Grenze der Ostukraine? Im Norden der Ukraine, in Steinwurfweite zu Kiev? An der Grenze zu den Balkanstaaten?
Nein, mit Flugzeugen über internationalen Gewässern. Die LDZ wartet auf Seite drei auch gleich mit einem Schaubild auf. Demnach befanden sich über dem Norwegischen Teil des Atlantiks vier Bomber und vier Tankflugzeuge, in der Ostsee vierzehn Flugzeuge, ganze zwei Bomber über dem Atlantik, und über dem Schwarzen Meer tatsächlich zwei Bomber und zwei Kampfflugzeuge. Macht also acht Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 vier Iljuschin Il-78 Tankflugzeuge und sechzehn Jagdflieger aus der Suchoi-Serie und MiG-31. Wenn man mal einen Blick in die Wikipedia zum Thema riskiert und sich die Zahlen selbst zusammenstoppelt, sieht man schnell, dass es sich bei den vier Einsätzen nicht gerade um Großmanöver handelt. Eher könnte man sich fragen, ob die russische Luftwaffe unter Geldmangel leidet, weil sie ihre Flugzeuge in homöopathischer Dosierung trainieren lässt. Aber das ist es nicht, was mich aufregt. Es ist die Formulierung "außergewöhnlich umfangreiche Manöver".
Liebe deutsche Presse, sind die paar Mücken wirklich eine ganze Seite Bericht und die ganze mediale Empörung wert? Es waren nicht mal die nuklearbestückbaren Langstreckenbomber dabei. Wenn das schon außergewöhnlich umfangreich ist, wie haben die Bomber, Jäger und Tankflugzeuge bisher über Atlantik, Ostsee und Schwarzem Meer trainiert? Einzeln? In der Rotte? Also ehrlich, DAS finde ich weder beunruhigend noch ärgerlich. Aufgeblasen finde ich es, aufgeblasen von der Zeitung.
Sollte man nicht andersherum fragen, warum Moskau keine dreißig Maschinen in die Luft bekommen hat? Das wäre doch eine viel bessere Meldung gewesen, finde ich. Die russischen Flugmanöver aber gleich auf "Bedrohung" zu stricken ist ja bei diesen Zahlen schon peinlich.

So, genug aufgeregt, genug von der Seele geschrieben. Es möge sich jeder ein eigenes Bild machen - ich habe meine Sicht der Dinge ausreichend geschildert.

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