Sonntag, 4. Januar 2015

Die Piggy-Bank ist böse - woran man merkt, dass den Lobbyisten der ***** auf Grundeis geht

Freitag war er in meiner Zeitung, in der LDZ, der Artikel über Leute, die ihr Geld Zuhause horten, anstatt es trotz Niedrigzins auf die Bank zu bringen. Tja, vorgestern konnte ich mich nicht dazu aufraffen, darüber zu bloggen, und heute habe ich (wegen akuter Erkältung) keine Lust, das Altpapier zu durchforsten, um aus dem Artikel ein paar Fakten zusammenzukriegen. Den Grundtenor möchte ich jedoch gerne wiedergeben und dann auf einen Artikel bei Yahoo Finanzen verlinken und ihn kommentieren, weil er ins gleiche Horn stößt.
Was stand da doch gleich noch mal? Ach ja, Deutsche horten in diesen unsicheren Zeiten die Bargeldsumme X Zuhause und stellen es damit nicht der Wirtschaft zur Verfügung. Der Witz ist, im Artikel wird dieses Argument nicht erwähnt, obgleich es das einzige, treffende Argument zur Situation ist. Stattdessen reitet der Artikel darauf herum, dass man ja keine Zinsen für das Geld unter der Matratze oder im Sparschwein auf dem Sideboard bekommt. Ja, Leute, richtig gelesen. In Zeiten, in denen Banken und Lebensversicherungen damit drohen, ihren Kunden Geld abzuziehen, anstatt ihnen auf Sparkonten Geld zu bezahlen, jammert man in der Fachpresse darüber, dass man ja Geldverluste einfährt, wenn Geld Zuhause liegt. Ich meine, wir erinnern uns alle, die Bundesregierung hat Anleihen herausgegeben, bei denen die Käufer Geld drauflegen mussten, anstatt Zinsen zu erhalten, nur um sie zu erwerben. Allerdings reden wir hier über Summen, die weit über das hinausgehen, was ein Privathaushalt durchschnittlich Zuhause bunkert.
Und dann wird der Artikel richtig bunt, zitiert sogar einen "Experten" zum Thema. Ja, das Geld kriegt nun keine Zinsen, und die Gefahr von Einbrüchen und damit dem Verlust des Geldes steigt ja auch, und dann braucht man ja eher noch Geld für ein Schließfach oder muss in einen Tresor investieren, und die Einbrüche, die steigen ja, und dann ist das Geld weg...
...sacken lassen.

Okay, ich bin jetzt kein Fachmann für Ökonomie, obwohl ich gelernter Kaufmann bin. Aber mein Einzelhandelskaufmann macht mich nicht zum studierten BWLler, das gebe ich gerne zu. Das heißt aber nicht, dass ich keine Meinung zum Thema habe. Und diese Meinung ist verwundert bis verärgert. Wir befinden uns gerade in einer Phase, in der die Leitzinsen sehr niedrig sind und Kredite dementsprechend billig. Das hat der Christian Wulff schon Jahre vor uns erkannt und für seinen Hauskauf einen Kredit mit effektivem Jahreszins von unter einem Prozent erhalten. Normalsterbliche hingegen bekommen Geld von der Bank heute schon für unter drei Prozent effektivem Jahreszins. Das war durchaus mal höher. Zum Vergleich erinnere ich an Bausparkassen, die, wenn sie die gleiche Summe wie die Sparguthaben ihrer Kunden verleihen, im Schnitt drei bis vier Prozent Zinsen verlangen - daran kann man erkennen, wo ungefähr der Normzinssatz in den letzten zehn Jahren gelegen hat, also wesentlich höher, bei sieben oder acht Prozent. Es gab auch Zeiten, wo man für Baugeld fünfzehn Prozent und mehr bezahlen musste. Und ich erinnere mal fix an den berüchtigten Überziehungskredit, der selbstverständlich einfacher als ein richtiger Kredit ist, aber schon mal bis zu achtzehn Prozent kosten konnte - bis diesem Preiswucher ein Riegel vorgeschoben wurde. Man sieht also, Kredittechnisch befinden wir uns im Schlaraffenland, wenn man Geld braucht.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber eben auch, dass, leihe ich meiner Bank Geld, ich so gut wie keine Zinsen bekomme, ja, es geht sogar so weit, dass die Banken tatsächlich Geld dafür wollen, dass ich mein Geld bei ihnen einzahle. Zumindest würden sie, wenn man sie ließe.
...sacken lassen.

Ich könnte jetzt noch weiter gehen, darüber philosophieren, WARUM die Lobbypresse dafür plädiert, dass Onkel Max und Oma Hertha ihren Sparstrumpf auf die Bank bringen sollen, obwohl die EZB die Zinsen niedrig hält und das Angebot-Nachfrageprinzip den niedrigen Zinssatz hält - wenig Nachfrage nach Geld, zuviel Geld auf dem Markt, der Preis sinkt, das sollte auch einem Nichtökonomen einleuchten. Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht, ist es doch Prinzip jeder Bank, für jeden Euro, den sie sich "leiht", zehn Euro (die sie also eigentlich gar nicht hat) als Kredit zu vergeben, mit dem einen real eingelegten Euro als Sicherheit. Ja, das habe ich nicht erfunden, das ist eine Tatsache. Und manche Banken würden sogar ohne diese Sicherheiten Kredite vergeben, wären sie nicht vorgeschrieben. Nun. Geld ist genügend da. Warum also die Sparstrümpfe anknabbern? Warum nicht eher dafür plädieren, dass Oscars Piggy-Bank in eine Playstation4 investiert wird, um den Inlandskonsum anzukurbeln? Oder dass Onkel Peter seiner Frau Nina endlich den versprochenen Zweitwagen aus deutscher Produktion kauft und die Inlandskonjunktur ankurbelt?
Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann als Nicht-Ökonom nur vermuten. Und diese Vermutung lautet, dass die Banken die große Kapitalflucht unters Kopfkissen befürchten, wenn sie keine Zinsen mehr auf Spargeld geben wollen können. Und deshalb eilen die Apologeten der Banken herbei und malen in Horrorszenarien aus, was mit dem Zuhause gesparten Geld passiert.
Es ist ja alles so unsicher heutzutage. Es wird ja so viel eingebrochen. Und man muss ja in Tresore oder Schließfächer investieren.
Wird die Einbruchssituation besser dadurch, dass man sein Geld NICHT Zuhause hortet? Nein? Habe ich auch nicht erwartet.
Nun, nachdem meine Meinung feststeht, warum die Banken auf die moralische Tränendrüse drücken, um die Sparer dazu zu bewegen, ihr Geld eben DOCH einzuzahlen, möchte ich noch auf den oben erwähnten Artikel verlinken und ihn kurz abhandeln.
Punkt zwei der Argumentationskette der Autorin stach mir da besonders ins Auge. Sie schwadroniert großartig darüber, dass Geld unverzinst zu lassen ja Geldvernichtung bedeutet, weil die Inflation dafür sorgt, dass die Kaufkraft sinkt. Etwas verschämt kommt dann ihre Forderung, zumindest den Inflationsausgleich zu schaffen, und das wäre mit Tagesgeld heutzutage FAST möglich. Zwei wichtige Punkte erwähnt die Autorin Frau Kühn dabei nicht, nämlich den niedrigen Zinssatz auf Einlagen, der die von ihr angenommene Inflation von 2,5% auch und gerade bei Tagesgeld NIE ausgleichen wird - und das ist bei einer tatsächlichen Inflationsrate weit unter einem Prozent handfeste Panikmache - und die zweite Möglichkeit, wie man sein Geld vor Wertverlust beschützen kann.
Hier Möglichkeit zwei: Bei solchen Gelegenheiten fällt mir immer die alte, und mittlerweile verstorbene Frau Budde ein, die zwei Straßen weiter gewohnt hat. Die hat eine echte handfeste Krise, nämlich die Finanzkrise in den Zwanzigern mit der horriblen Geldentwertung tatsächlich noch selbst mitgemacht. Wie sagte sie doch gleich zu mir? "Die Krise damals hat mich und meinen Mann nicht berührt. Ich war ja damals sehr umtriebig und habe unser ganzes Geld in den Ausbau des Hauses gesteckt. Als dann die Krise herrschte, hatten wir das Haus und kaum Verluste durch die Geldentwertung."
Richtig, Frau Budde. Das ist Methode Nummer zwei, um sein Geld vor Verlusten zu bewahren: Investition. In Sachwerte. In Immobilien (möglichst solche, die man selbst nutzt, denn als Geldanlage lohnt es gerade auch nicht so besonders - eine Folge von hunderttausenden leerstehenden Wohneinheiten bei etlichen Neubauten im Jahr). In alternative Anlagen wie Grundstücke. In Aktienbeteiligungen bei Firmen, nicht zum spekulieren, sondern als Investition. In Gold. In Silber. In ein neues Auto. In andere Elektronikprodukte.
DAS wären sinnvolle und sichere Investitionen (außer, man kauft Schrott). Die Autorin erwähnt das nicht, weil das Ziel ihres Artikels augenscheinlich ja ist, die Sparer dazu zu bringen, ihr Geld trotz Niedrigstzins weiterhin den Banken zu leihen, nicht etwas anderes Sinnvolles mit dem Geld anzustellen.

Fazit: Versteht mich nicht falsch. Ich bin sehr dafür, dass Geld, das man nicht in die Volkswirtschaft reinvestiert, auf der Bank lässt, damit die Banken ihre Sicherheiten an realem Vermögen haben (reales Vermögen... Das Thema werde ich vielleicht in einem späteren Blog näher betrachten), aber ich bin eben auch dafür, den Banken nicht zu erlauben, für die Geldeinlage Miete zu nehmen, denn auch wenn die Zinsen niedrig sind, die Banken verdienen. Und wenn sie verdienen, und das mit dem Geld der Sparer, dann haben diese Zinsen verdient, und seien sie noch so niedrig.
Was ich aber überhaupt nicht mag, sind diese jammernden Artikel der Bank-Apologeten. Klar kann Zuhause gehortetes Bargeld gestohlen werden. Klar kann besagter Einbrecher auch die Investitionen in Frauchens Schmuck, in die PS4 oder in die kleinen Goldbarren, die in der hohlen Wand versteckt wurden, zunichte machen, weil er es klaut. Das ist ein Risiko, sicherlich. Land oder die Eigentumswohnung hingegen kann einem nur die Bank klauen. Ähemm, man verzeihe mir die kleine Spitze. Ich kann diese Jammertexte eben einfach nicht ab, egal ob im Web, oder in meiner Tageszeitung.

Und was solltet Ihr nun machen, liebe Leser? Hm. Gibt es da etwas, worin Ihr investieren wollt, aber noch zögert? Es schadet nicht, diese Investition vorzuziehen. Wollt Ihr Euer Geld lieber beisammen halten und stattdessen von niedrigen Kreditzinsen profitieren, wenn Ihr investiert? Bringt das Geld zur Bank. Irgendeine Bank wird immer bessere Zinsen anbieten als der Rest. Aber die Faustregel ist: Lasst Euch über alle Kosten informieren und wählt im Zweifel niemals Festgeldanlagen mit Laufzeiten. Mehr kann ich Euch zum Thema auch nicht sagen. Aber ich hoffe, wie ich habt Ihr Euch über das Gejammer der Bankenlobbyisten in der Presse köstlich amüsiert. Vieles lässt sich nämlich mit ein paar Klicks auf den Wahrheitsgehalt überprüfen, so die Inflationsrate, die Frau Kühn kühn bei zweieinhalb Prozent angesetzt hat. Nur in welchem Land? In Deutschland jedenfalls nicht.

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