Montag, 27. Juni 2011

Wenn Kernkompetenzen neu verteilt werden...

Ich kann es nicht oft genug sagen, und ich kann es nicht deutlich genug sagen: Nur weil die CDU/CSU vor der Wirklichkeit eingeknickt ist und die Atomstromlaufzeitverlängerung zurück genommen hat, bedeuet dies nicht, dass die "bürgerliche" Doppel-Partei plötzlich grüner als die Grünen geworden ist. Dies zu behaupten und es womöglich auch noch zu glauben, kann nur eine opportunistische Presse. Nämlich genau die gleiche konservative Presse, die "die Revolution auf dem deutschen Energiemarkt" bei der Laufzeitverlängerung hochgejubelt hat, und jetzt die Kanzlerin dafür feiert, dass sie all die hehren Ziele, die jene Presse bei der Laufzeitverlängerung entdeckt haben wollte, über den Jordan kickt.
Bin ich hier der Einzige, der das so klar sieht?
Ich weiß nicht worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass es niemanden stört, dass ein Teil der Presse heute Hü und morgen Hott sagt, oder darüber, dass die gleiche Presse beinahe schon verzweifelt versucht, grüne Neuwähler der CDU als Wahlvieh in den Schoß zu treiben, indem sie die CDU/CSU als neue Grünenpartei über den -ironischerweise - grünen Klee lobt.

Sicherlich, Frau Muberkel spürt den Verfolgeratem der Grünen im Nacken.
Sicherlich, es ist nicht einmal im Ansatz gelungen, aus der BLÖD-Kampagne gegen Grün-Rot in Baden-Württemberg eine medienübergreifende Kampagne zu machen, die deren Sieg verhindert - oder im Nachhinein ordentlich madig macht, damit sie keinen Spaß dran haben.
Sicherlich, die Grünen haben ein besseres Allzeithoch erreicht als die FDP jemals konnte - und beide Parteien teilen sich ja laut der Presse die Wähler, nämlich Besserverdienende Zweitwagenbesitzer, die ihren dritten Jahresurlaub im europäischen Ausland verbringen und deshalb am Klimawandel schuld sind.
Sicherlich, CDU/CSU laufen die Wähler weg. Die Konservativen, weil die Doppel-Partei ihre Werte verrät (KTG war ja nie als wissenschaftlicher Berater angestellt), die Liberalen, weil weder Schwarz noch Gelb irgend etwas anderes zu bieten hat als Lobby-Politik.

Und was bringt uns das als Fazit? Nackte Panik bei den Regierungsparteien, nackte Panik im schwarzen Doppel. Da steht Japan vor der größten Katastrophe der Geschichte, hat ein Super-Erdbeben hinter sich, eine unglaubliche Tsunami und muss darüber hinaus mit der radioaktiven Verseuchung rund um Fukushima Daiichi kämpfen - ab jetzt noch dreißig Jahre, um die schlimmsten Folgen zu überstehen - Deutschland wird die Unberechenbarkeit und die Gefahr von Atomkraft sehr deutlich vor Augen geführt, und die gleiche Koalition, die noch eine Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung herbeigeredet hatte, als es an die Laufzeitverlängerung ging, sieht die gleiche Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung darin, die eigene Verlängerung, mit der das Rot/Grüne Modell nachhaltig zerstört wurde, wieder zurückzunehmen?
Und dann wagt es die Kanzlerin auch noch, uns dies als Erfolg zu verkaufen, nicht als reine Zweckentscheidung und Notwendigkeit?
Und dann wagt es die Jubelpresse von Schwarz/Gelb tatsächlich, den Grünen eine Krise herbei zu schreiben, die gar nicht existiert?
Kernkompetenz sieht anders aus, meine Damen und Herren von der Presse.
Und wenn ich mal etwas Nachhilfe geben darf: Wenn die Grünen ihr Hauptanliegen, den Ausstieg aus der Atomkraft, erreichen, nachdem sie diese dreißig Jahre gefordert haben, ohne an der Regierung beteiligt zu sein; wenn ausgerechnet die Atomstromlobby-Partei Nummer eins, die CDU/CSU, gezwungen ist, ihre Lobby-Politik aufzugeben, ohne das die Grünen über ihre Stimmen im Bundesrat auch nur Druck ausüben müssen, dann kann nur ein wirklich verzweifelter Schreibsklave noch behaupten, es wäre "eine Revolution" und das "Ende der Kernkompetenz der Grünen".
Anders herum, meine Damen und Herren Schreiberlinge, wird ein Schuh draus. Die ganze Atomlaufzeitverlängerung stand auf mehr als tönernen Füßen. Mit Fukushima bekam der Sockel meterhohe Risse, und der Ausstieg aus dem Wiedereinstieg war die letzte Rettung für Muberkel und Konsorten.
Ich bedaure jeden, der tatsächlich glaubt, dies wäre eine Art Sieg gegenüber den Grünen. Aber ich verstehe jeden, der dies behauptet, um CDU/CSU williges Stimmvieh zuzutreiben.

Kommentare:

SilviaK hat gesagt…

Heute mußte ich sehr lachen, als ich zeit.online las. Wie wir ja wissen, war letztens Fukushima. Und für viele ist Atomkraft immer noch sicher. Dann hieß es: in den USA bedrohte ein Hochwasser einen Reaktor am Fluss ... keine Ahnung, wie es dem jetzt geht, aber sieh an, ganz so ungefährlich wird es wohl doch nicht mehr eingeschätzt. Und heute dann: Brand bedroht Reaktor in den USA. Das waren mehr Achtungs-Meldungen über mögliche und echte Gefahren rund um Reaktoren, als ich seit Tschernobyl mal mitbekommen habe - in einem Vierteljahr.
Da sage noch mal jemand, die Dinger wären unkaputtbar.

Ace hat gesagt…

Da ist natürlich auch viel Hysterie dabei. Die heilige Kuh Atomkraft wurde geschlachtet, und jeder Mediendienst will jetzt Steaks oder wenigstens den Pansen haben.
Beton brennt nun mal nicht. In diesem Fall ist es also hauptsächlich Medienhysterie.
Es ist in etwa vergleichbar mit einem Kernkraftwerk in meiner Nähe, Grohnde an der Weser, und einem Waldbrand auf einem der Berge in der Nähe. Zwei- dreitausend Meter nur Beton, Wohnhäuser und Gras, ein Überschlagen auf die Gebäude ist nicht möglich, aber man kann es ja mal erwähnen. -.-°

Hysterie hilft uns bei der Abschaffung der Atomkraft auch nicht weiter. Oder Geilheit auf Medienpräsenz. Oder wie zeit.online zeigt, Geilheit auf Klicks. Nein, eher schadet es durch Unsachlichkeit unseren Argumenten.

Davon aber mal abgesehen hast Du natürlich Recht, Silvia. Die Mistdinger sind garantiert nicht unkaputtbar. Und was ein Buschfeuer wohl nicht schafft, könnte vielleicht ein einzelner Terrorist mit einer guten alten deutschen ROLAND-Panzerabwehrrakete auf der Schulter erreichen. Das ist dsa eigentliche Problem hier. ^^°

SilviaK hat gesagt…

Eigentlich erstaunlich, dass das noch keiner versucht hat.

Ace hat gesagt…

Ja, das gibt mir auch zu denken.
ROLAND-Paks liegen zwar nicht gerade auf der Straße rum, aber in Zeiten des Zerfalls war das russische Äquivalent auf dem Schwarzmarkt doch sicher für nen Appel und'n Ei zu haben...
Vielleicht sind wir einfach kein lohnendes Ziel für Terroristen - außer, sie sind Deutsche.

SilviaK hat gesagt…

Oder selbst die sind nicht so irre drauf, sowas zu riskieren.

Ace hat gesagt…

Es ist ja seit einigen Jahren in der Terrorbekämpfung im Gespräch, dass Terroristen sogenannte "schmutzige Bomben" basteln könnten. Also eine Bombe, die mit nuklearem Abfall bestückt ist, der dann entsprechend fein und weitflächig nach der Explosion verteilt wird. Das wäre ein Angriff auf ein sogenanntes "weiches" Ziel, zum Beispiel ein öffentlicher Platz. In unseren Tagen sollte es leicht fallen, wenn man Beziehungen hat, zum Beispiel an "Yellow Cake" heran zu kommen, ein strahlendes Produkt aus der Atomindustrie... Im Irak haben sich Dutzende Menschen beim Plündern einer irakischen Atomanlage daran Strahlungsverbrennungen zugezogen.
Wenn es keine Anschläge mit schmutzigen Bomben gibt, obwohl es weit einfacher ist als der Anschlag auf ein Atomkraftwerk, ist es für internationale Terroristen vielleicht wirklich keine Option.

Oder schmutzige Bomben können wegen der Radioaktivität zu gut entdeckt werden.