Donnerstag, 31. Januar 2013

150 Mal neues MAD in Deutschland

Und damit meine ich nicht unseren aktiven Militärischen Abschirmdienst.
Nein, ich meine das Satire-Magazin MAD, das einst aus Amerika zu uns herübergeschwappt kam, sich bis zum Anfang der Neunziger großer Beliebtheit erfreute, eingestellt wurde, und 1999 die Chance auf eine Revitalisierung bekam. Diese hält das Heft jetzt schon einhundertfünfzig Exemplare und etliche Specials lang durch. Dazu herzlichen Glückwunsch von einem Leser der ersten Stunde des neuen MADs.
Allerdings, und das muss hier auch mal gesagt werden, habe ich seit einiger Zeit Sorge um das Magazin, da es von einem monatlichen zu einem Irgendwas rund um zwei Monate-Magazin geschaltet wurde. Sowas ist normalerweise das erste Anzeichen vom Ende, und das fände ich sehr, sehr, sehr schade. Denn das neue MAD hat mehr als die Version aus den Achtzigern gerade deutschen Künstlern eine Plattform geboten, die einige von ihnen mehr als zu nutzen wussten.
Machen wir gleich bei diesen Künstlern weiter.
Ralph Ruthe war, wenn ich mich recht erinnere, von Anfang an dabei und erfreut uns jedes Heft unter anderem mit den "Szenen aus der Red.". Aber auch seine Onepager in seinem unverwechselbaren Zeichenstil kommen sehr gut rüber. Legendär auch seine ganzseitigen Werbeparodien, die ihn wohl nicht nur zu einem seiner Cartoons oder Videos inspiriert haben dürften.
Erwähnen muss man natürlich auch, wenn man das neue MAD meint, Klaus Gehrmann, der mit seinem symbolhaften Stil und frecher Kodderschnauze perfekt zu MAD passt.
Neues MAD meint aber auch immer Guido Neukamm und seinen Texter/Colorierer Daniel Gramsch, die nicht nur die Dinge sehr treffend auf den Punkt bringen und einen einmaligen Stil beherrschen - sowohl was das Zeichnen als auch was die Themen angeht - sie sind frech, ehrlich, fies, sexistisch und wissen ganz genau, worüber sie sich lustig machen.
Unter anderem geht die Parodiefigur Filia Paed auf ihr Konto, die sie ursprünglich erschaffen haben, um Manga und Anime zu parodieren. Was mich noch fix zu dieser Aussage bringt: Die Jungs fassen jedes Eisen an, auch wenn es politisch unkorrekt ist. Dazu gehört eben auch mal eine ungehörige sexuelle Aussage, die andere nicht mal mit der Kneifzange anfassen, geschweige denn in den Mund nehmen würden. Das kann man mögen, das kann man hassen, aber kalt lässt es einen eher nicht.
Und das war nur die Spitze des Eisbergs: Alle deutschen Zeichner, die mir sofort und ohne jede Recherche eingefallen sind.

Dagegen stehen natürlich die Klassiker, die Urgesteine des amerikanischen MAD und der internationalen Zeichnerwelt, die nicht mehr wegzudenken sind: Allen voran NATÜRLICH der Meister der unaussprechlichen Namen, der riesigen Nasen und der übergroßen Füße: Don Martin persönlich.
Auf Platz zwei setze ich persönlich den meisterhaften Bekritzler der Ränder des MAD, der Herr über die einteiligen Cartoons irgendwo im Heft verteilt, das Genie des Bildwitzes, der Erfinder von Groo, dem Herren der Thematisierung von Filmen und Themen und Meister eines unglaublichen Witzes, dem jeder Gag gelingt: Sergio Aragonés.
Von etwas jüngerem Kaliber, aber nichtsdestotrotz eine wichtige MAD-Instanz ist m.E. der Erschaffer der kleinen, frechen, knuddligen und besonders akzentuierten Menschen: Don "Duck" Edwing, der mit seinen spritzigen, morbiden oder auch einfach nur bissig treffsicheren Cartoons wirklich zu MAD gehört.
Und vergessen wir nicht in diesem Reigen den Meister der alltäglichen Szenen und ihrer Absurditäten, der Selbstporträtierer und Aufdecker menschlicher und gesellschaftlicher Schwächen selbst: Dave Berg.
Natürlich hört es hier nicht auf, aber diese drei Zeichner sind die, die ich unbedingt erwähnen muss.
Wohl gemerkt, ich schreibe das hier unrecherchiert und spontan.

Kurz erwähnen sollte ich wohl noch von den Newcomern die, die mir als Erste einfallen.
So zum Beispiel das Team Kit Lively und Scott Nickel, die mit kurzen, frechen Ein Bild-Cartoons, lustig, teils hämisch, teils sarkastisch wunderbar zu unterhalten verstehen.
John Caldwell ist auch so ein wunderbares Beispiel. Obwohl schon älter, kam er erst mit dem neuen MAD nach Deutschland. Und was wäre uns da entgangen. Mit größtem Verzücken erinnere ich mich an seine "Wenn sich XXXXX dem Bösen zuwenden"-Serie, bei der Clowns, Lehrer, Nonnen, Massenmörder und viele mehr ihr Fett wegkriegten.

Mein Fazit: Die vielen sehr unterschiedlichen Zeichner deutscher und amerikanischer Herkunft, darunter wahre Legenden (und viele habe ich aus Faulheit gar nicht erst erwähnt), machen aus MAD ein unschätzbares Kulturgut. Und genau deshalb werde ich treu wie immer jedes neu erscheinende MAD kaufen. Nicht aus Gewohnheit, sondern weil ich ein Heft oftmals drei-, viermal lese und immer wieder aus dem großen Stapel hervorkrame.
Darum: Lest MAD. ^^b

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