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Freitag, 11. Januar 2013

Was ist ein Gutmensch?

Ich finde, das ist eine sehr berechtigte Frage. Seien wir uns dabei über eine Sache zu einhundert Prozent im Klaren: Es ist ein Fluch, eine Verwünschung, ja, eine Beleidigung, ausgesprochen mit dem festen Willen, jemand anderen zu klassifizieren, zu brandmarken, ihn oder sie auszugrenzen.
Doch weiter im Text. Gestern auf Twitter (sorry, keine Ahnung, wie man Tweets embedded) hat der @BGehrels gesagt, es wäre Zeit, das Wort #Gutmensch zu claimen und sich selbst als solcher geoutet. Dem habe ich mich natürlich sofort angeschlossen. Grund genug für mich, überhaupt mal über das Thema nachzudenken, denn Gutmensch, dieses Wort benutzen die, die es aussprechen, als wäre es etwas Schlimmes. Abgesehen davon, dass es eine Beleidigung ist.

Schauen wir doch mal drauf auf den Gutmenschen. Ist es tatsächlich eine Beleidigung, oder nicht eher sogar eine Auszeichnung, eine Aufwertung?
Das Wort Gutmensch kommt ins Spiel, wenn jemand zum Beispiel in irgendeinem Forum:
- glaubt, dass auch ein Vergewaltiger Rechte hat und im Rahmen der Gesetze bestraft gehört, anstatt ihn für immer wegzusperren, oder, im Fall der Vergewaltigung eines Kindes, die Eier abzuschneiden und ihn auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. (Der Menschenschlag, der dies propagiert, gehört übrigens zu den Ersten, die den Missbrauchskandal in der katholischen Kirche als irrelevant und nicht so schlimm herunterspielen.)
- an "Multikulti" glaubt, wie es schon seit Jahrhunderten erfolgreich in diesem Land betrieben wird.
- Tatsächlich denkt, dass die Todesstrafe auch für geringere Delikte nicht die Ideallösung darstellt.
- die Todesstrafe an sich für ein anachronistisches Relikt hält, das wir in Deutschland dankenswerterweise überwunden haben, egal was die BLÖD sagt.
- dazu neigt, sich eben nicht über die BLÖD über die Welt zu informieren und lieber andere Informationsquellen sucht.
- bei einer eingeschossenen Scheibe nicht automatisch beim ausländischen Nachbarsbalg die Schuld sucht.
- sagt, dass Ausländer auch in Deutschland Rechte haben, egal wo sie herkommen.
- er nichts dagegen hat, wenn Raser mit Radarfallen "abgezockt" werden und nur mitleidig mit der Schulter zuckt, wenn Nachbars unversteuertes Geld in der Schweiz nachversteuert werden muss, anstatt mit ihm über den "Steuerirrsinn in Deutschland" zu wettern.

Diese Liste kann man und lässt sich noch fortsetzen. Wenn Ihr, meine lieben Leser, Lust habt, dann schreibt mir in die Kommentare doch ein paar Phrasen, mit denen Gutmenschen karikiert werden.
Ich jedenfalls kann mit der Phrase Gutmensch sehr gut leben, wenn das bedeutet, dass ich tolerant bin, ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden für jedermann habe, ungeachtet von Geschlecht und Nationaliät, geschweige denn Hautfarbe, nicht auf die unsäglichen journalistischen Machwerke der BLÖD reinfalle und mit Steuersündern, die ihr Geld gerne in Deutschland verdienen, es hier aber nicht versteuern wollen, kein Mitleid habe.
Es mag daher jeder selbst entscheiden, auf welcher Seite dieser Argumentationsmauer er oder sie stehen möchte. Ich bleibe Gutmensch. ^^V

Hier noch ein paar Phrasen, die man als Gutmensch zu hören bekommt:
"Mit den Blitzern will der Staat uns nur das Geld aus der Tasche ziehen." (Obwohl es vollkommen reicht, sich ans Tempolimit zu halten, wenn man nicht geblitzt werden will.)
"Wenn es Ihre Tochter oder Ihre Frau mal erwischt, dann denken Sie anders." (Dennoch ist es keine Lösung, dem Täter die Eier abzuschneiden und ihn in kleine Streifen zu filetieren. Denn unglaublich aber wahr  - das ist in Deutschland eine Straftat.)
"Die Ausländer stehlen den Deutschen die anständigen Jobs." (Der Klassiker, wird aber im Grunde nur auf Türken, Schwarze und Südländer mit schwarzen Haaren und dunkler Haut angewendet, was ihn aber nicht wahrer macht. Blonde Schwedinnen werden mit derlei nie bedacht.)
"Türken sind ja alles Machoschweine, aber Sie haben ja mit jedem Mitleid." (Wohl dem, der jeden einzelnen Türken persönlich kennt und das behaupten kann. Ich persönlich glaube nicht, dass Mezut Özil so ein Machoschwein ist, und Mitleid muss man mit ihm auch nicht haben. Mehrfacher Millionär, der Mann.)
"Das muss doch auch mal gesagt werden dürfen." (Klar. Stimme ich zu. Aber dann muss auch mal gesagt werden dürfen, dass es sich bei den Sätzen, die hiermit verteidigt werden, zum größten Teil um rassistischen Müll handelt, der zudem auch noch unhaltbar ist.)
"Das sind keine Neger. Das sind Maximalpigmentierte." (Mein absoluter Liebling, beweist er doch, dass Political Correctness überhaupt nichts bringt. Man verbietet nur Wörter, verändert aber nicht die Geisteshaltung, was viel wichtiger wäre. Aber ein neuer Anstrich ist vielen Deutschen ja lieber als eine Innenrenovierung.)
"Ja, ja, er ist Nazi-Skinhead, aber ansonsten ist er nett und haut auch keinen. Außer, jemand macht seine Freundin an." (Okay, er ist nett. Aber deshalb hält er trotzdem ein totalitäres, diktatorisches System für toll, das in Deutschland sechs Millionen Menschen mit industrieller Präzision getötet hat. Und das ist nur ein Aspekt von vielen, die dagegen sprechen, heutzutage Nazi zu werden oder das Dritte Reich gut zu finden.)
"Mit dir rede ich nicht mehr darüber, bevor du nicht vernünftig geworden bist." (Übliche Rückzugsphrase, wenn jemandem die Argumente ausgehen, er oder sie es aber nicht zugeben will, vielleicht sogar im Unrecht zu sein.)

Auch hier bitte ich darum, wenn Ihr noch den einen oder anderen Spruch hört, kennt oder loswerden wollt, schreibt es mir in die Kommentare.

Bis zum nächsten Blogpost verbleibt der Gutmensch Ace Kaiser. ^^V

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Hallo Ace,
dies ist natürlich alles möglich. Für mich beschrängt sich das Wort Gutmensch, auch abwertent gemeint, auf Personen welche warm und trocken leben und meinen das man nur wenn man mit einander redet, alle Probleme dieser Welt löst. Dies vorallem aus meiner mir zu eigenen militärischen Sicht.

Stinkstiefel hat gesagt…

Hier etwas Humor für dich:


http://www.der-postillon.com/2012/12/imperium-will-todesstern-aus-deutscher.html

Ace hat gesagt…

Danke, den Postillion-Artikel kenne ich natürlich und habe ihn schon getwittert. ^^

Was Deine Definition von Gutmensch angeht: Solche Leute neigen eher selten zu Engagement. Meistens tragen sie selbstgestrickte Pullover, essen Gurkensandwichs und trinken Weizenkeimtee und machen alles von negativen und positiven Schwingungen abhängig. Ein Gutmensch ist m.E. jemand, der sich auch für seine Meinung engagiert und sich aktiv für jene einsetzt, die an Stammtischen pauschal in die Gaskammer geschickt werden. Ich gebe zu, ein diskussionswürdiges Thema.
Aber in einem Punkt sind wir uns wohl einig: Für jene, die das Wort verschwenden, ist es ein klassifizierendes Schimpfwort.

Stinkstiefel hat gesagt…

Wie mir aufgefallen ist, gibt es sogar eine genau Defination für einen Gutmenschen. Wirklich interessant.

Ace hat gesagt…

Wie, kein Link?

Stinkstiefel hat gesagt…

Wir wär's mit googlen?

Ace hat gesagt…

Ein bisschen kannst Du ruhig tun. XD

Stinkstiefel hat gesagt…

Meiner Meinung nach passt dieser Link gut zum Thema 'Gutmensch':

http://seefahrer.blog.de/2013/01/16/mali-links-gleich-links-15435549/

Ace hat gesagt…

Danke, ein sehr informativer Link, der sowohl von den "Eingreif"-, als auch den "Es geht nur um Rohstoffe"-Geschichten weggeht. Habe ihn gleich getwittert. Aber Du willst doch hoffentlich nicht andeuten, die deutsche Linke würde repräsentativ für Gutmenschen stehen? Ein Gutmensch verspricht nicht das Blaue vom Himmel, nur weil er es eh nie halten müssen wird, oder jammert, wenn Hände bereits abgehackt und Völker bereits vertrieben sind, man könne das doch nicht mit militärischer Gewalt beantworten...
Ein Gutmensch ist derjenige, der sich fragt, wie Menschen einander so etwas antun können, der sich fragt, warum die Medien jetzt erst auf das Thema anspringen und es ignoriert haben, bis es blutig wurde und der sich fragt, was die Bundesregierung und vor allem er selbst tun kann, um dieses Blutvergießen zu beenden.
Ich für meinen Teil habe meine Lektion damals gelernt, aus dem Aufstand der Rothemden in Bangkok, wo ich feststellen musste, über zu wenig Informationen zu verfügen, nachdem ich bereits gebloggt hatte - für die falsche Seite.
Hier, in diesem Fall, fehlen mir noch Informationen, denn die Beteiligung der Tuareg, die anfangs noch erwähnt wurde, wird zunehmend heruntergespielt.
Auch das ist ein Gutmensch: Er stellt manchmal unbequeme Fragen, weil er denkt, es nützt den Menschen da unten. Er will ja nur das Gute für die Menschen.

Stinkstiefel hat gesagt…

Wenn du Gutmensch positiv bewertest dann nicht. Aber die Mitglieder der Partei 'Die Linke' welche im Bundestag sitzen haben etwas heuchlerisches an sich was mich abstößt.
Wobei man dies nicht nur auf die Partei beschränken kann.

Ace hat gesagt…

Bei den Linken gebe ich Dir Recht. Wie ich schon schrieb, das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen, weil man es doch nicht halten muss, macht mich skeptisch bei ihnen. Allerdings sind sie ein schöner Nerv-Faktor für die etablierten Parteien und werden ab und an unbequem. Das schadet nie.
Allerdings weigere ich mich, ihnen das Label Gutmensch zu überlassen. Wenn man mitten im Bürgerkrieg sagt, es könnte doch auch ohne Gewalt gehen, ist man kein Gutmensch; dann ist man einfach nur langsam.
Gutmenschen setzen auf Verhandlungen, nachdem die Kampflust abgeebbt ist und Verhandlungen eine echte Option ist. Denn verschwinden werden beide Seiten nicht einfach so. Sie werden lernen müssen, miteinander auszukommen.

Stinkstiefel hat gesagt…

Und wenn dies nie passiert?
Extremisten beabsichtigen keinen Kompromiss zu erzielen sondern zu Siegen und nach Möglichkeit den Gegner zu vernichten.

Hier eine kleine Erklärung für Gutmensch:
''Gutmensch ist sprachlich eine ironische Verkehrung des ausgedrückten Wortsinns „guter Mensch“ in sein Gegenteil, und gilt als politisches Schlagwort mit meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen („Gutmenschentum“), denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird.'' - aus Wikipedia

Und übermäßiges nichthandeln wird einem als Schwäche und nicht als Besonnenheit ausgelegt.

Ace hat gesagt…

Das kannst Du nicht wissen, ohne es versucht zu haben.

Um die Gutmenschen-Diskussion zu ergänzen: Klar ist das Wort als Schimpfwort gemeint. Deshalb claime ich das Wort ja auch für mich. Auch, um ihm im Sinne eines Menschen, der auf Kommunikation und Verständnis plädiert, ein neues Image zu verleihen. Und auch, um Stammtischtätern und Political Correctness-Idioten ein Werkzeug wegzunehmen, mit dem sie gute Menschen pauschal als Idioten abstempeln. Geben wir dem Wort Gutmensch auch eine positive Bedeutung.
Gutmensch = Jemand, der Hoffnung darin hat, dass die Welt stetig besser wird und auch aktiv etwas dafür tut - wenn auch im Kleinen.

Stinkstiefel hat gesagt…

Du bist und bleibst ein unverbesserlicher Optimist!

Ace hat gesagt…

Das heißt Gutmensch. ^^V

Stinkstiefel hat gesagt…

Hier wieder ein Link zum Seefahrer.Blog.
Es würde mich interessieren was du zu solchen Politikern sagst.

http://seefahrer.blog.de/2013/01/17/linke-bundestagsabgeordnete-bleiben-uneinsichtig-15438216/

Anonym hat gesagt…

Hallo Ace,

ich möchte, als Kritiker von Gutmenschen, eine Definition des Gutmenschen versuchen:

Ein Gutmensch ist eine Person, die zwar moralisch und sozial Positives leistet bzw. anstrebt, die Kosten für diese (Sozial-) Maßnahmen jedoch von Dritten bezahlen lässt. Zudem zeichnet sich der Gutmensch durch eine große Intoleranz denjenigen gegenüber aus, die seine moralischen Ansichten nicht teilen.

Das Gegenteil des Gutmenschen ist somit der Egoist.

Ace Kaiser hat gesagt…

Da scheiden sich unsere Geister. "Maßnahmen von Dritten" bezahlen lassen und Intoleranz gegenüber Gegnern empfinden sind meiner Meinung nach keinerlei Kennzeichen für Gutmenschen. Das ist eher ein Anzeichen für Konservative.
Worin wir übereinstimmen, das ist, dass Egoisten tatsächlich gegenteilig von Gutmenschen sind.