Seiten

Posts mit dem Label FDP werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label FDP werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 12. Januar 2014

Diverses 2014, die Erste

Dieser Post wird ein wenig in viele Richtungen gehen, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, einen eigenen Hashtag einzuführen, der es mir erlaubt, ihn jederzeit wiederzufinden, damit ich später auch noch weiß, über welchen Quatsch ich geschrieben habe. ^^

Beginnen möchte ich mit der Politik. Als erstes mal mit der Bundespolitik.
Ja, wir haben die Große Koalition. Ja, ich war dagegen, bin es immer noch. Aber als guter Demokrat und SPD-Parteimitglied trage ich natürlich die Entscheidung von drei Vierteln der abgegebenen Ja-Stimmen mit, anstatt mich wie eine beleidigte Heulsuse zu verabschieden und zu brüllen: "Macht Euren Scheiß doch alleine!"
Ich kann allerdings nur hoffen, dass Genosse Sigmar Recht behält und dass, anders als bei der letzten GroKo, es der SPD gelingt, ihre Erfolge auch als ihre Erfolge zu verkaufen, anstatt diese von Aussitz-Mutti vereinnahmen zu lassen. Die mag zwar in der Physik besser aufgehoben gewesen sein als in der Politik, aber sie hat ein unbestreitbares Talent dafür, die Wähler zu polarisieren und sich ihre Mehrheit zu sichern. "Sie kennen mich", sagte sie im Rededuell mit Peer. Das hat gereicht, um die einfache Mehrheit bei der BW-Wahl zu erreichen. Gut, gut, Stinkefinger-Peer hat auch einen suboptimalen Wahlkampf geführt, aber mir hat die Geste gefallen. War auch ein tolles Foto...
Egal. Sigmar, sieh zu, dass wir nicht wieder an der nächsten Wand enden. Denn das bedeutet nach der nächsten Wahl garantiert!!!, dass all jene SPD-Mitglieder, die in einem Brief an alle Parteimitglieder FÜR die GroKo geworben haben, bei den nächsten Wahlen hochkant fliegen werden. Das Risiko muss Dir und dem Rest der Führungsspitze bewusst sein. So ein Damokles-Schwert wünsche ich mir auch, denn Mutti KANN Erfolge gut an sich reißen und für sich verbuchen.

Apropos Mutti. Da bricht sie sich die Hüfte an und verschiebt ihren Staatsbesuch in Polen - aber zu Barry muss sie um jeden Preis? Nur zwei Wochen später und dann auch noch per neunstündigem Flug? Schätzt sie Polen so wenig, oder hat sie so viel Schiss vor Barry Obama und der USA?
Was mich ohnehin fragen lässt: Da hat Mutti Merkel ganz scharf die USA und die NSA kritisiert, als herauskam, dass ihr Handy abgehört wird: "Darüber müssen wir reden." "Unter Freunden geht sowas nicht." - Und was macht sie im neuen Jahr? Fliegt rüber in die USA. Barry hätte doch auch rüberkommen können, oder? So nicht, Frau Bundeskanzlerin. So nicht.

Landespolitik: Die FDP in Niedersachsen schießt sich ja mehr und mehr ein auf einen gewissen Staatssekretär, der sich einen zu dicken Dienstwagen bestellt hat. Und ich frage mich, was sie damit zu erreichen hofft. Der Mann ist weg. Das Ansehen des Dienstherrn hat dadurch unvermeidlich Schaden genommen, aber nicht zu sehr. Aber loslassen will die FDP das Thema nicht. Die Frage ist, ob die Blaugelben tatsächlich glauben, auf diese Weise die Rotgrüne Landesregierung stürzen zu können. Ihre Hartnäckigkeit lässt das zumindest vermuten.
Was? Die CDU ist auch dabei und wettert mit? Das ist mir ehrlich gesagt kaum aufgefallen. Dieser McAllister ist so ein blasser Bursche, den übersieht man schnell.

Kommunalpolitik: Wo soll ich da anfangen? Nun, in der Samtgemeinde Gronau wird wegen sinkender Schülerzahlen eine Grundschule geschlossen. Sinkende Geburtenraten, fehlender Zuzug und Wegzug junger Leute sind der Grund dafür. Dann ist da noch die neugebaute Grundschule der Stadt Gronau, die wohl ursprünglich mit dem Gedanken geplant worden war, mal alle Grundschüler an einem Standort zu vereinen. Dort, in Steinwurfweite zur Gesamtschule (mit zukünftiger Abitur-Stufe), wären die Kinder auch gut aufgehoben, gäbe es nicht in Eime und Banteln noch je zweizügige Grundschulen. Vor einigen Jahren war in Rheden ebenfalls die Grundschule geschlossen worden (soweit ich weiß war einer der Gründe, dass Klassen wegen fehlender Schülerzahlen und deshalb mangelnder Lehrerzahlen kombiniert wurden. Wo sind wir, in 1910?). Nun haben Eltern, Politik, Verwaltung, externe Moderatoren und, und, und entschieden, dass es zum Schuljahrwechsel Eime treffen soll, weil die Bantelner Schule knapp die Nase vorn hat. Zumindest, bis die Schülerzahlen so weit gesunken sind, dass die Schülerzahlen auch für Banteln nicht mehr reichen.
Nun kann man drei Dinge machen.
1) Man kann die Gronauer dafür verdammen, dass sie ihre "verdammte Prachtschule von vorneherein vierzügig bauen wollten", wovon ein dreizügiger Schulbetrieb übrig geblieben ist.
2) Man kann wie die Eimer Zeter und Mordio schreien, eine Verschwörung wittern und von "sechsundzwanzig Geisterschülern" sprechen, die aus "einer Statistik rausgefallen" sind und die die Entscheidung zugunsten Eimes und zulasten Bantelns beeinflusst hätten, und darauf hoffen, dass der CJD als privater Investor die Schule weiterbetreibt (was eventuell sogar was an den Schülerzahlen ändern wird).
3) Oder man kann versuchen, für die Samtgemeinde eine Initiative für Zuzug zu organisieren, gerade wenn man wie Eime ein neues Baugebiet ausweist. Dass sich allerdings alle, die zu sehen oder zu hören sind, für Variante eins und zwei entschieden haben, finde ich als Kommunalpolitiker höchst bedauerlich.

Das Gleiche wird übrigens auch gemacht, wenn es um das neue Fachmarktzentrum vor Gronaus Westtoren geht. Die Gemeinschaft der örtlichen Einzelhändler schreit Zeter und Mordio und sucht den offenen Machtkampf mit dem Stadtdirektor. Geht es so weiter, heißt es garantiert bald: "Bist du nicht für uns, bist du gegen uns." Nun, dann muss ich wohl gegen euch sein. Denn als Bantelner kann ich mir kaum etwas Besseres vorstellen, als im Westen der Stadt einen Vollversorger-Supermarkt zu haben. Besser wäre nur noch, wenn der Supermarkt direkt im Ort gebaut werden würde... Also in Banteln. Lieber Landkreis Hildesheim, kann man das Fachmarktzentrum dann nicht einfach bei uns, in Banteln...? Danke, das wäre nett.
Ansonsten bin ich von den Gronauern Einzelhändlern schon enttäuscht. Klar, der REWE fürchtet zu Recht die Konkurrenz eines zweiten Vollversorgers (der aber vom Landkreis für Gronau und Umgebung klar empfohlen wird), ein Drogeriefranchiser fehlt eh, seit in Gronau gleich ZWEI Schlecker-Filialen den Bach runter gegangen sind, und die neue Planung hat schon den Elektrofachhandelmarkt streichen müssen - etwas, was in Gronau noch weit mehr gefehlt hat als ein zweiter Supermarkt. Nur verstehe ich nicht ganz, was die harten Worte von Gronaus Einzelhändlern in Richtung Fachmarktzentrum sollen, wenn es um einen Schuhfranchiser, eine Bowlingbahn mit Sportsbar oder ein chinesisches Restaurant geht. Und ich verstehe auch nicht, was dieses ständige "füllt erst mal die Leerstände in der Innenstadt auf" bedeuten soll. Liebe Gronauer Einzelhändler, meint Ihr nicht, das Fachmarktzentrum wäre in Gronau direkt gebaut worden, am Stadtkern, wenn es dort für einen Vollversorger genug Platz gegeben hätte? Die letzte größere, annehmbare Fläche wurde ja vor einiger Zeit vom neuen DRK-Wohnheim verreinnahmt - da stand mal ein Vollversorger, btw.
Klar dürfen die Gronauer Kaufleute Einnahmeneinbußen befürchten. Klar dürfen sie sich gegen "die Konkurrenz" organisieren. Was sie aber nicht dürfen, ist, zu glauben, das würde meine Meinung ändern. Gegen das Strohkraftwerk-ler, gegen Windpark Heinum-ler und jetzt die gegen das Fachmarktzentrum-ler; ich erkenne leere Argumente und Worthülsen, wenn ich sie um die Ohren gehauen bekomme. Und ich wiederhole das auch gerne noch mal: Als Bantelner habe ich vom Fachmarktzentrum nur Vorteile. Und sollte es hart auf hart gehen, habe ich auch absolut keine Probleme damit, nicht mehr bei Gronaus Einzelhändlern einzukaufen. Ich sage das, falls die "Diskussion" noch sachlicher wird oder sogar Töne anschlägt wie die Bürgerinitiative damals vor der Kommunalwahl, als man meinte, pauschal alle Mandatsanwärter darauf hinweisen zu müssen, dass man ihr Pro und Contra auf der eigenen Website veröffentlicht würde und dass das Auswirkungen darauf hätte, ob und wer gewählt würde. Ich erwähne das nur, weil mir solch ein Ton damals schon nicht gefallen hat. Heute würde es mir noch viel weniger gefallen. Und mit dem Druck, den die Gronauer Einzelhändler gegen die Verwaltung aufbauen, sind sie davon nicht mehr weit entfernt.

So, das war mein aktueller Rundumschlag. Mal sehen, vielleicht mache ich daraus eine eigene Rubrik. Andererseits: 178 Blogeinträge 2012, 189 in 2013 - ich brauche eigentlich kein Tool, um mehr Blogeinträge zu generieren. ^^

Freitag, 15. November 2013

Große Koalition der SPD und CDU - warum ich mit Nein stimmen werde

Wer meinen Blog aufmerksam liest, weiß, dass ich bekennendes SPD-Mitglied bin. Ich habe meiner Partei die Stange gehalten, selbst als sie sich mehr zur Mitte hinbewegt hat, selbst noch, als diese Bewegung zur Mitte mein eigenes Leben negativ beeinflusst hat. Im Sinne der Tradition und des guten Willens eines Lasalle, eines Schumacher, eines Brandt und Schmidt, für alle Menschen ein erstrebenswertes Leben zu schaffen, bin ich dabei geblieben.
Nun stehen die Zeichen auf Große Koalition, nicht zuletzt deshalb, weil es CDU/CSU und FDP gelungen ist, der SPD und den Grünen einzureden, eine gemeinsame Regierung mit der Linken sei bäh. Dabei hat das linke Bündnis keine solide, aber doch eine rechnerische Mehrheit unter einem Kanzler Gabriel. Und dass die Linke mitregieren kann, sieht man jeden Tag in den Neuen Bundesländern (die irgendwie noch immer so heißen, irgendwie, wenn man nicht "Zone", "DDR" oder "Osten" sagen will. Wir brauchen ein neues Wort, oder wir schaffen die alten ab).
Aber wie gesagt, Merkel hat's gerichtet und Mutti ruft jetzt laut nach der Großen Koalition. Weil dies eine von zwei Möglichkeiten für sie ist, ihre Kanzlerschaft zu sichern. Die sichere der beiden Möglichkeiten. Die unsichere wäre die Neuwahl und das Hoffen auf eine erneute Mehrheit oder einen Wiedereinzug der FDP, die dann garantiert über die 5%-Hürde kommt. Wofür, bleibt dann die Frage, aber sie würde es schaffen.

Jedenfalls hat die SPD Verhandlungen aufgenommen und leistet großartige Arbeit. Die Schwarzen sind zu zahlreichen Zugeständnissen bereit, und ich als Mitglied kriege regelmäßig Updates zu den Verhandlungen von Nahles und Gabriel. Die tun was. Die tun wirklich was. Eine Menge Kompromisse werden beschlossen und auch der Mindestlohn wird endlich kommen. Aber ich werde dennoch mit Nein stimmen, und ich hoffe, dass das die große Mehrheit der SPD-Mitglieder in Deutschland auch tun wird. Dies sind meine Gründe:

1) Bei der letzten Großen Koalition hatte ich nicht nur subjektiv den Eindruck, dass die Hauptarbeit von der SPD geleistet wurde, die Lorbeeren aber Mutti geerntet hat. Das wird bei einer Neuauflage nicht anders sein. Die einzige Möglichkeit, mich mit einer Großen Koalition anzufreunden sehe ich durch einen SPD-Kanzler und einen CDU-Vizekanzler. Aber das wird nicht kommen.

2) Die CDU ist unter Druck. Richtig so. Nicht umsonst bezeichnet man Merkels Politik als Aussitz-Politik. Zuletzt im NSA-Skandal hatte man diesen Eindruck. Mutti hat sich erst kritisch geäußert, als es ihr selbst an den Kragen ging, beziehungsweise ihrem Handy. (Und von ihrem Mailaccount wollen wir besser nicht anfangen.) Aber so ist es ja immer mit ihr. Wäre sie doch in der Physik geblieben.

3) Man kann der CDU nicht trauen. Kaum war die Große Koalition Geschichte und kaum war man mit der FDP wieder regierungsfähig, hat Merkel als Allererstess den Atomausstieg gecancelt. Ein Jahr später hat sie dann wegen Fukushima den Ausstieg aus dem Ausstieg gecancelt, obwohl ihre Leute zuvor noch vierzig, ja sogar sechzig Jahre Laufzeitverlängerung für "sichere" Kraftwerke gefordert haben. Was also wird Merkel tun, was wird sie wieder vernichten, was jetzt mühsam ausgehandelt und mindestens ebenso mühsam von den Roten aufgebaut wird? Genügend. Sobald die FDP wieder zu einer Regierungsmehrheit beitragen kann. Und das ist nicht das Verhalten, das ich von einem Partner erwarte. Würde das unsere CDU hier in meinem Heimatort mit uns machen, hätten wir hier Eiszeit, aber bestimmt keine Gespräche.

4) Die CSU. Solange Mutti ihren größenwahnsinnigen bayrischen Landesverband nicht im Griff hat, spuckt die Seehofer-Truppe in jede Suppe. Da wird schon mal vollmundig eine Mautgebühr verlangt, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wie es funktionieren soll, ohne EU-Recht zu brechen oder den deutschen Autofahrer zusätzlich zu belasten. Und das ist nur ein bajuwarischer Zwischenruf. Davon wird es viele, viele, viele geben, das sagt die Erfahrung. Solange die Christunion also mit sich selbst koalieren muss, ist sie in keiner Form ein guter Partner, ein perfekter schon gar nicht.

5) Wir können besser. Wenn wir, die SPD, jetzt nach außen hin wieder zu "Kreuze kriechen", stürzen wir bei der nächsten Wahl unter zwanzig Prozent, und das vollkommen zu Recht, denn alles, was wir erarbeiten, wird sich die CDU als stärkere Partei auf die Fahnen schreiben, auch vollkommen zu Recht. Was mit uns passiert, wenn wir Juniorpartner spielen, haben wir gesehen. Nicht nur, dass unsere Zahlen abgeschmiert sind, Merkel meinte neulich im TV-Duell mit Steini: "So schlimm war es doch gar nicht (die große Koalition)." Doch, Frau Merkel, war es.
Die einzige Chance der SPD ist NICHT die Große Koalition. Ich setze auf eine Minderheitenregierung Merkel oder aber auf Neuwahlen. Denn alle Erfolge bei den Koalitionsverhandlungen und jede durchgesetzte Reform wird uns, der SPD, weggenommen werden. Funktioniert es, macht es sich die CDU zu eigen, funktioniert es nicht, "war es die SPD". Mag ich beides nicht.
Und bereits jetzt ölt die Propaganda-Maschine ihre Zahnräder und wirft der SPD vor, sie wäre nur "auf Ministerposten scharf". Wie das bei der nächsten Wahl aussehen wird, kann dann jeder für sich selbst fortdenken. Nämlich noch schlimmer. Gute Regierungsarbeit? Durchgesetzte Projekte? Mindestlohn? War dann alles Mutti.

6) Wo ist die Besteuerung höherer Einkommen geblieben? Ich rede jetzt nicht vom Ingenieur, der seine Sechzigtausend im Jahr nach Hause bringt. Ich rede von denen, die so viel verdienen, dass sie gar nichts davon abgeben wollen. Ich rede von sozialer Gerechtigkeit. Davon, dass die Umverteilung von unten nach oben zumindest gebremst wird, und das, indem die "oben" ihren gerechten Anteil leisten, ebenso wie die "unten". Und "unten" ist ein viel breiteres Feld, als wir alle glauben oder glauben wollen.

Deshalb stimme ich mit Nein. Ich hoffe ehrlich, diese Koalition kommt NICHT zustande. Einen sichereren Selbstmord kann es für die große alte Dame nicht geben. Und das will ich bei meiner SPD nicht erleben müssen.

Montag, 28. Januar 2013

Lass mich schlafen, Spieß - Ansichten eines ehemaligen Wehrpflichtigen

So, es ist passiert. Hellmut Königshaus, FDP, und als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, auch noch Wehrbeauftragter der Bundeswehr, fordert tatsächlich, dass Bundeswehrsoldaten länger schlafen dürfen sollen. Hier geht's zum Spiegel-Bericht. Darin wird mockiert, dass Zapfenstreich um dreiundzwanzig Uhr ist, Wecken aber schon um vier Uhr dreißig.
...sacken lassen.

Args. Args! Aaaaaaargs!
Ich HOFFE, das ist nicht authentisch und es taucht auch nicht im Wehrbericht auf. Denn wenn es das ist, dann haben wir den dümmsten Wehrbeauftragten, der mir je untergekommen ist. Und ich habe einen wirklich oberflächlichen Verteidigungsminister erlebt, der nicht in der Lage war zu begreifen, dass die gerichtliche Erlaubnis, das Kurt Tucholski-Zitat "Soldaten sind Mörder" dürfe tatsächlich zitiert werden, keinesfalls ein Angriff auf die Truppe war, sondern im zeitgenössischen Kontext (Erster Weltkrieg) gesehen werden muss.
Also, ich hätte nie gedacht, dass da mal jemand einen noch größeren Bock schießen könnte. Aber es ist geschehen. Und während man Volker Rühe, obengenanntem Verteidigungsminister a.D. zumindest noch zugutehalten kann, dass er der Truppe den Rücken stärken wollte (wobei es ja eigentlich nichts zu stärken gab), hat Herr Königshaus vollkommene Inkompetenz bewiesen und Äpfel mit Birnen vermischt - wenn er es denn wirklich so gesagt hat. Denn ich hoffe noch immer, dass hier falsch zitiert wurde, denn so %*§$)§&/§%$%)§$ kann ein einzelner Mensch doch gar nicht sein.

Um meinen Unmut zu verstehen, und meine Kopfschmerzen, will ich erst ein wenig zur Sache schreiben und danach aus meiner Bundeswehrzeit, damit Ihr da draußen, die Ihr nicht gedient habt, versteht, warum der Mann so einen großen Bockmist verzapft hat.


Zuallererst zur Sache:
Der Zapfenstreich, nicht zu verwechseln mit dem großen Zapfenstreich, ist die allgemeine Umschreibung für den Befehl: Ab in die Betten, Truppe. Das Militär ist ja, man mag es kaum glauben, eine militärische Organisation. Und diese Organisation bedient sich militärischer Regeln und Verhaltensmaßnahmen, um sich zu organisieren. Dazu gehört auch, dass man der Truppe zwar ihre Freizeit gönnt, aber irgendwann auch sagt: Nun reicht es aber. Morgen wird sonst sehr lang für euch.
Tatsächlich geht der Zapfenstreich weit in die Vergangenheit zurück, als man sich noch in nicht gepanzerten Uniformen in großen Formationen gegenüberstand. Eventuell noch früher, als die Hauptwaffe ein Spieß war. Damals soll, wenn es Zeit wurde, die Männer für den nächsten Tag in die Betten zu schicken, ein Unteroffizier durch die örtlichen Kneipen gegangen sein, um auf die Zapfhähne zu klopfen, um anzuzeigen, dass es das jetzt war mit Bier und Schnaps. Später wurde er durch ein Signal ersetzt und auch heute noch findet er  - während der Ausbildung, wohlgemerkt - seine Anwendung. Was ja auch Sinn macht, denn während der Ausbildung wird die Truppe körperlich belastet, zum Teil schwer. Da macht es Sinn, vor allem wenn man die Fürsorgepflicht der Offiziere ihren Soldaten gegenüber berücksichtigt, dass man ihnen aufgrund ihrer langjähriger Erfahrung sagt, wann denn Schluss ist mit lustig.
Ich betone absichtlich, dass es hier um Ausbildung geht. Nach der Grundausbildung sieht das vollkommen anders aus. Da ist Dienstschluss wirklich Dienstschluss und man kann sich so lange und so weit frei bewegen, wie immer man es möchte. Zur Zeit der Nachtwache sollte man sich allerdings nicht im Mat-Bereich rumtreiben. Da schießt die Wache scharf.
Und es ist ja wohl anzunehmen, dass ein erwachsener Mensch, der weiß, dass er den nächsten Morgen um halb fünf raus muss, selbst einschätzen kann, wann er ins Bett gehen sollte. Spätestens an Tag zwei sollte er es so oder so wissen. Denn was der Wehrdienstbeauftragte bewusst NICHT ERZÄHLT, das ist, dass Dienstschluss und Zapfenstreich NICHT IDENTISCH SIND!
Das bedeutet schlicht und einfach, dass man NICHT bis zum Zapfenstreich warten muss, wenn man schlafengehen will. Autschautschautschautsch.
Bei der Umfrage, auf die sich Herr Königshaus stützt, müssen entweder ein paar Spaßvögel teilgenommen haben, oder aber er hat die Kadetten der Gorch Fock-Mission nach Argentinien befragt. In derem Jahrgang gibt es ja Großmäuler genug.
Also, Ziel verfehlt, Herr Abgeordneter. Ich schätze mal, mit dieser Forderung können Sie sich gar nicht genug blamieren.
...sacken lassen.


Jetzt wie versprochen der Einblick in meine BW-Zeit. Das war '94, und ich war Pionier in Holzminden. Unglaublich, aber wahr: Ich bin Obergefreiter der Reserve, aber nicht der Mob-Reserve, d.h. ich muss nicht mehr auf Übungen.
Als ich ankam, haben wir den Tag mit Beziehen der Stuben verbracht und das erste Mal den Dienstschluss und den Zapfenstreich kennengelernt. Der wurde resolut durchgeführt, aber unfreundlich war niemand. Natürlich habe ich die Nacht nicht geschlafen. Ich war viel zu aufgeregt. Die nächste Nacht, mit der entsprechenden Müdigkeit, ging es besser.
Als es dann mit dem Drill und der Waffenausbildung losging, hieß es für uns: Wecken um fünf, Revier machen (Jedes Zimmer hat etwas gereinigt, vom Waschraum über den Flur bis zur Toilette), Frühstück, und viertel nach sieben antreten zum Morgenappell. Anschließend Dienst, der normalerweise bis siebzehn Uhr gedauert hat. Großzügige Pausen bei voller Versorgung mitgerechnet. Anschließend, wenn wir nicht noch Material gereinigt haben, war Dienstschluss. In der Grundausbildung gab es aber noch den Stubenappell. Ab zehn war Zapfenstreich - spätestens - und ein Pionier (so nannte man uns ohne Rang) meldete die Stube, in der gefälligst alle anderen schon im Bett zu liegen hatten, ab. Dann ging es weiter bis zum Wecken.

Kleiner Zeitsprung, etwa nach einem Monat: Da sich der Ausbildungszug gut geführt hat, wurde uns erlaubt, dass wir freien Ausgang bis zum Wecken hatten, d.h. wir durften ab Dienstschluss bis zum Weckruf die Kaserne verlassen, wenn wir wollten. Ich habe das mehrfach ausgenutzt, indem ich die fünfzig Kilometer nach Hause gefahren bin, um da zu schlafen. War natürlich hartes Brot, um fünf wieder da zu sein, weil ich eine Dreiviertelstunde gefahren bin.
Das besserte sich, nachdem der Ausgang bis zum Morgenappell erweitert wurde. Das hieß, solange das Revier der Stube gemacht wurde, musste man erst um sieben Uhr zum Appell da sein, was nach Absprache mit den Kameraden recht gut ging. Man wurde zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr zum Frühstück "geführt", sondern ging selbstständig. Bei der Bundeswehr wird viel Wert auf Selbstständigkeit gelegt. So blieb es den Rest meiner Dienstzeit. Mein Dienst war meist mit dem Abschlussappell, d.h. dem Dienstschluss um siebzehn Uhr beendet und danach hatte ich bis sieben Uhr morgens Ausgang. Nach der Grundausbildung habe ich grundsätzlich Zuhause geschlafen.
...sacken lassen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Bundeswehr heutzutage so großartig anders sein soll.
Und genau deshalb halte ich den Vorstoß von Herrn Königshaus für vollkommenen Bullshit. Und die Implikation, die Bundeswehr würde ihre Rekruten erst um dreiundzwanzig Uhr ins Bett lassen, ist beinahe schon eine dreiste Verleumdung.

Und dann muss ich immer an meinen Bruder denken, der eine Zeitlang schon um vier Uhr morgens auf der Arbeit sein musste, um einen wichtigen Auftrag zu erfüllen... Der hat von selbst gewusst, wann er ins Bett gehen musste, um morgens fit zu sein. Dem durchschnittlichen Soldaten ist das natürlich nicht zuzutrauen. ^^°°°
Bleibt noch zu hoffen, dass Herr Königshaus NIE Verteidigungsminister wird.

Edit: Ich wusste, an dieser Berichterstattung musste etwas faul sein. Auf tagesschau.de klingt der Bericht von Königshaus doch schon wesentlich professioneller. Aber ich schließe nicht aus, dass der SP0N-Bericht sachlich richtig ist.

Mittwoch, 15. August 2012

Dirk Niebel im Rausch des Zynismus

Es ist jetzt gerade zweiundzwanzig Uhr, während ich beginne, diesen Blogpost zu schreiben. Das ist eigentlich nicht meine Art. Blogposts schreibe ich am späten Morgen oder am Nachmittag, selten mal nach dem Perfekten Dinner auf Vox. Um zu dieser Uhrzeit etwas schreiben zu wollen, muss mich ein Thema also ganz schön pricken.
Dies hat ein Bericht auf tagesschau.de getan. Dort wird der FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel damit zitiert, E10 wieder abzuschaffen, weil er den Hunger in der Welt fördert.
Für alle, die mit E10 nichts anfangen können, hier ein kurzer Abriss: Im Gegensatz zum normalen Krafstoff Super, dem zum normalen Gemisch, bestehend aus Erdölraffinat, fünf Prozent Biosprit beigemengt ist (dabei handelt es sich um brennbare Ethanole, also Alkohol), der schon seit Jahren in Deutschland eingesetzt wird und von allen Autos gut vertragen wird, gibt es eine Super-Variante namens E10, bei der nicht fünf, sondern zehn Prozent Biosprit beigemengt wird. Um diesen angeblich Autozerschleißenden Sprit attraktiv zu machen, wird er um drei bis vier Cent günstiger angeboten, weshalb ich ihm mit meinem Golf sehr, sehr gerne zuspreche. Ich tanke ihn seit seiner Einführung, und mein Wagen läuft immer noch.
Laut Niebel gibt es einen Konflikt "zwischen Tank und Teller", und der Kraftstoff "sei doch eh ungeliebt".
...sacken lassen.

Ich muss es ja wirklich mal sagen, zu behaupten, dass die Erhöhung der Beimengung im Super-Benzin von fünf auf zehn Prozent für den Welthunger verantwortlich ist, ist ja wohl eine grenzenlose, menschenverachtende und peinliche Posse. Zuerst einmal wird dieser Sprit nicht besonders gut verkauft; weiterhin hält das normale Super die Hauptmarktanteile. Dementsprechend wenig E10 wird produziert. Zudem gibt es mit Diesel, Biodiesel (der aus Rapsöl besteht), Super Plus und einigen Spezialitäten wie bei Shell, das alte Benzin nicht zu vergessen, noch wesentlich mehr Sorten, unter denen sich das Käuferfeld auch noch mal aufteilt. Ich frage mich, wie bei dieser minimalen Erhöhung der Biobeimengung gleich die Weltpreise für Lebensmittel explodieren sollen.
...sacken lassen.

Es ist noch nicht sooo lange her, da haben sogenannte Heuschrecken mit Warentermingeschäften für eine künstliche Verknappung der Rohölpreise gesorgt. Dabei wurden große Mengen Rohöl geordert, aber noch nicht bezahlt, geschweige denn abgenommen. Bezahlung und Abnahme erfolgte erst später. Da die Ware, das Rohöl, rechnerisch gesehen vom Markt war, verringerte sich das Angebot, was bei gleicher oder steigender Nachfrage aber für einen höheren Marktpreis sorgte. Nun wurde das Erdöl erst bezahlt und weiter verkauft - dank der künstlichen Preissteigerung zu einem höheren Preis als zuvor. Das klappt natürlich nicht mit einem einzigen Supertanker, oder deren drei oder vier. Da muss schon ein finanzstarker Fondsmanager ein paar Milliarden investieren, weil das Öl irgendwann ja auch bezahlt werden muss. Je mehr dieser Fonds auf Warentermingeschäfte auf Öl einsteigen, desto "knapper" wird das Erdöl, und desto höher wird der Preis. Wir sind gerade wieder in einem solchen Preishoch, obwohl real genügend Rohöl zur Verfügung steht, und die Raffinerien nicht mal ausgelastet sind. Das ist nicht nur ein Nachteil von Warentermingeschäften, es ist nichts weiter als die Ausbeutung des normalen Bürgers durch geldpotente Fonds, die Reiche noch reicher machen, während der Durchschnittsbürger mehr und mehr draufzahlt.
Nun kommt aber der Witz bei der Geschichte. Diese Heuschrecken können ja nicht ewig beim Öl bleiben. Zwischendurch muss sich der Markt auch entspannen, weil ansonsten weiterverarbeitende Firmen und Verbraucher nach Alternativen suchen und die Abnehmer wegbrechen. Also suchen sich die Heuschrecken ein neues, lohnendes Betätigungsziel. Dies waren vor knapp drei? Jahren, als der Ölpreis geradezu in den Keller rauschte, Fonds für Lebensmittel. Die Folge davon war, das in vielen afrikanischen Ländern die Lebensmittelpreise explodierten, obwohl genügend Nahrung produziert worden war, was mancherorts und vollkommen zu Recht fast zu Aufständen geführt hätte.
Nun haben wir gerade mal wieder ein Hoch beim Öl überwunden (hoffentlich), und die Heuschrecken suchen ein neues Operationsgebiet. Warum nicht wieder Lebensmittelfonds?
Hinweis darauf: Eine deutsche Großbank hat sich erst neulich dazu verpflichtet aus "ethischen Gründen auf den Ankauf von Lebensmittelfonds" zu verzichten.

Zur Zeit droht in der sogenannten Sahel-Zone eine große Hungersnot wegen anhaltender Trockenheit. Die Menschen dort können sich nicht selbst ernähren und sind auf internationale Hilfe angewiesen.
Dazu ist Afrika groß, und in den über fünfzig Ländern auf diesem Kontinent sind nur wenige, und von denen wieder nur wenige regelmäßig, von Hungersnöten betroffen. Herr Niebel soll mir mal erzählen, wie die Produktionsausfälle in einer Dürreregion, die eine Hungersnot auslösen, irgend etwas mit deutschen Biosprit zu tun haben sollen. Anstatt auf die Spekulanten zu schauen, die ihre Warentermingeschäfte mit Rohstofffonds im Lebensmittelbereich betreiben.
...sacken lassen.

Fazit: So, so. Da springt der Herr Minister mit Schwung auf den liberalen Zug auf. Weg mit dem E10, weil es will ja sowieso keiner (ich schon), und es löst ja Hungersnöte aus, weil die Lebensmittel der armen Menschen in Afrika ja für unseren Biosprit verwendet werden müssen...
Er versucht auf diese Weise gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Mit zwei Geschenken an Tankstellenkonzerne, die das ungeliebte E10 loswerden können, trotz EU-Richtlinie; die mentale Beruhigung der Verbraucher, die glauben, nachdem ihre künstlich geschürten Ängste befriedigt werden - auf die dümmste und hässlichste Weise, übrigens -  Herr Minister Niebel würde was für sie tun, und sie können getrost zum teureren E5 zurückkehren, bei dem sie sich "wohlfühlen"; und er gibt Rückendeckung für Heuschreckenfonds, die ja natürlich nicht daran Schuld sein können, dass, obwohl mehr als genügend Lebensmittel in Afrika erzeugt werden, diese nicht zu annehmbaren Großhandelspreisen eingekauft und in der Krisenregion ausreichend für alle Betroffenen verteilt werden können.
Das bedeutet liberal wohl heutzutage. Ich hätte nicht gedacht, das jemals zu sagen, aber da war mir Westerwelle lieber. Eine Primadonna, ein Narziß, weichgespült und konturlos, aber er hat wenigstens nur deutschen Hoteliers Steuergeschenke gemacht, und nicht den Lebensmittelfondsheuschrecken jegliche Mitschuld am Welthunger abgesprochen.
Alles in allem eine Peinlichkeit hoch drei. Aber was will man von dieser FDP auch noch anderes erwarten?

Und Herr Minister, Deutschland kann seinen Biosprit durchaus alleine erzeugen, ohne dass allein die Preise auf dem deutschen Rohstoffmarkt explodieren. Immerhin wurden von der EU vor fünfzehn Jahren etliche landwirtschaftliche Flächen gegen Prämienzahlung für fünf, zehn oder zwanzig Jahre stillgelegt, um die Überproduktion zurück zu fahren. Aber auch ohne diese zu reaktivieren, kommen wir nicht in Not, oder werden vom Exporteur zum Importeur. Denn das müssten wir sein, wenn unser Biosprit Afrikanern die Yamswurzel aus dem Topf klaut. Zynischer und dümmer kann man mit dem Thema nicht umgehen.

Dienstag, 24. April 2012

Diverses im April

Heute mal in aller Kürze durch die Themen gehüpft und kurz abgehandelt, denn alle Themen verdienen ihre Betrachtung.


Thema eins: Das Endlager Gorleben.
Tja, da taucht es wieder auf, das niedersächsische Schreckgespenst vom sicheren Endlager von einhunderttausend Jahre strahlendem Atommüll im ach so sicheren Salzstock, während die Schachtanlage Asse II unter Wassereinbruch leidet und die teilweise nicht erfassten Atommüllfässer verschiedener Strahlungsstärke längst zurück geholt werden sollen... Grund hierfür ist nach rund zweihunderttausend Jahren Stabilität der Region geologische und (da irre ich aber vielleicht) tektonische Bewegungen des Asse-Höhenzugs, der auf den Salzstock drückt und den Wassereinbruch verursacht.
Es gibt nur einen Vorteil für ein Endlager Gorleben, und das ist die hohe Wärmeleitfähigkeit des Salzes. Das war es aber auch schon, denn wer kann garantieren, dass es in Gorleben oder einem anderen Endlager nicht zu tektonischen Bewegungen kommt, und uns unser eigener Atommüll über das Grundwasser wieder auf die Füße tritt?
Wir brauchen weder Gorleben noch Asse noch sonst einen Salzstock oder Granitendlager. Wir brauchen auch keine Druckwasserreaktoren, die weiteren Atommüll produzieren. Wir brauchen Generation IV-Kraftwerke, die Atommüll als Treibstoff verbrennen, und deren Müll je nach Reaktortyp nur fünfzig bis dreihundert Jahre eher moderat strahlt.
Wird sich aber wohl nicht durchsetzen, solange die Wiederaufbereitung von Uranbrennstäben auch die "Ernte" von waffenfähigem Plutonium bedeutet. Man sollte meinen, es gäbe mittlerweile genügend Atomwaffen auf unserem Planeten.


Thema zwei: Ist der Islam Teil von Deutschland und unserer Kultur?
Ich möchte an dieser Stelle auf ein Youtube-Video verlinken, das mir zu diesem Thema einfällt. Es stammt aus der deutschen Fassung der Monty Python-Komödie "Das Leben des Brian" und umfasst die Was haben die Römer je für uns getan?-Szene.
Nach dem Video bitte ich weiter zu lesen.
Tatsächlich hat sich der katholische Schriftsteller Martin Moosbach in einem Interview eindeutig dagegen positioniert, indem er dem Islam jeden Einfluss auf Deutschland absprach.
Das ging schon ein wenig in die Richtung des Youtube-Videos. Leider kann ich nicht auf das Zitat verlinken, und auf religiöse christliche Seiten verlinken will ich nicht. Man folge dem Google-Link und entscheide selbst, wo man nachrecherchiert.
Ja, was hat der Islam schon für uns getan? Den Aquädukt gebaut, die Krankenversorgung, den Wein, oder sogar den Frieden gebracht? Sicherlich nicht. Hat Herr Moosbach also Recht?
Nun, das erfordert eine diffizile Betrachtungsweise und eine längere Erklärung, die man aber vorab zusammenfassen kann: Nein, er hat nicht Recht. Der gute Mann spinnt ein geschichtsignorantes Garn.

Wenn wir die Moslems in Deutschland, wenn wir den Islam in Deutschland mit der Kultur dieser Menschen gleich setzen, so wie es Herr Moosbach für das Christentum und Deutschland sieht - das Judentum nicht zu vergessen, das die letzten zweitausend Jahre in Europa immer wieder verfolgt wurde - dann müssen wir in der Geschichte ein wenig zurückgehen.
Dreihundertdreißig Jahre vor Christi Geburt eroberte der makedonische König Alexander der Dritte, der unter dem Beinamen der Große in die Geschichte einging, das Staatsgebiet des alten Angstgegners Persien. Von diesem Feldzug beflügelt gründete er etliche Städte mit seinem Namen in der Region und führte die griechische Schule auf seinem neuen Staatsgebiet ein. Weitere Feldzüge führten ihn nach Ägypten, über den Hindukusch, und schließlich sogar bis nach Indien. Er erschuf das größte Reich seiner Zeit, das seinen Tod aber nicht überdauerte und in die Diadochen zerfiel.
Jetzt kommt die Crux der Geschichte: Durch die Einrichtung griechischer Schulen in Persien, durch die Ausbildung junger Männer in griechischem Wissen stockte Alexander seine Legionen auf und konnte noch weiter vordringen... Oder anders ausgedrückt, das griechische Wissen wurde im Mittleren Osten weit verbreitet.
Der größte Verlust für das griechische Wissen war zweifellos der Brand der Bibliothek von Alexandria in Ägypten, der die Konzentration zehntausender Bücher in Asche verwandelte, einen unermesslichen Kulturschatz vernichtete, ein Archiv mit den vermutlichen Gesamtwerk der griechischen Kultur ein für allemal zerstörte.
Die politischen Nachfolger Alexanders, die Römer, bewahrten als ehemalige griechische Kolonie dieses Wissen auf. Leider waren die Zeiten nicht gut zu ihnen, und zuerst fiel das eigentliche Rom, Westrom in Italien, und darauf das zweite Rom Konstantinopel, das Ostrom. Damit endete nicht nur die Vorherrschaft der griechisch-römischen Kultur, die inzwischen entstandenen Nationalstaaten im Norden wurden von dieser Kultur abgeschnitten. Dies aber teilweise schon durch die Völkerwanderungen der Westgoten, Ostgoten, Sachsen, Hunnen und Dänen.
Es folgte eine lange Zeit des kulturellen, wissenschaftlichen und philosophischen Niedergangs der Welt... Der ganzen Welt? Natürlich nicht. Die Chinesen waren von dem Untergang nie betroffen, die Inder kochten weiterhin ihr Süppchen, und die Japaner hatten dort bereits eine zweitausendjährige Geschichte hinter sich. Es betraf nur das Gebilde, das sich heute Europa nennt. Das meiste griechische Wissen war verloren -  und zudem begann eine christliche Sekte damit, den Mittleren Osten, Jerusalem, Nordafrika und schließlich Südspanien unter ihre Kontrolle zu bringen. Ihr Name: Der Islam.

Der Vormarsch des Islam durch die Mauren über Spanien hinweg in Europa hinein endete in Frankreich 732 n. Chr. in der Schlacht von Tours und Poitiers mit dem Sieg der Franken.
Bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts wurden die Mauren zurückgedrängt, und schließlich ganz aus Europa vertrieben. Was sie hinterließen, war ihr Wissen über Mathematik, Kunst, Medizin, Architektur, Ackerbau und Viehzucht, Philosphie und dergleichen. Mit anderen Worten: Sie brachten die griechische Kultur zurück, die sie über eintausend Jahre nach Alexanders Tod bewahrt hatten, und die auch heute noch einen Grundstein UNSERER Kultur darstellt. Da die griechische Kultur diese arabisch-islamische Kultur so lange geprägt hatte, ist es also durchaus legitim, von islamischer Kultur zu sprechen. Denn die Kultur war nicht festgeschrieben und hat sich weiter entwickelt.
Auch ohne jetzt auf Bauwerke zu verlinken oder medizinische Beispiele hervor zu heben, die wir den Mauren und damit dem Islam verdanken, kann ich an einem ganz simplen Beispiel beweisen, dass Herr Moosmann absoluten Quatsch daher redet, und die islamische Kultur ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens ist. Ich rede wohlgemerkt nicht davon, das wir islamische Kultur betreiben.
Hier ist der Beweis: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9. Was haben wir hier? Richtig, wir haben arabische Zahlen.
Die sind insofern ein echtes Original, weil sie noch nicht einmal auf den griechischen Zahlen beruhen, sondern ihren Ursprung in Indien haben. Dabei rede ich nicht mal so sehr über das Dezimalsystem an sich. Ich rede von den Zahlen, die jeder von uns, der des Schreibens und Lesens mächtig ist, nahezu jeden Tag zu sehen bekommt.
Nun soll noch mal einer sagen, der Islam wäre in Deutschland nicht wiederzufinden oder gehöre nicht hierher. Fragmente anderer Kulturen können wir IMMER gebrauchen. Immerhin ist unsere Kultur, ist unsere Sprache eine lebendige, und lebendig bedeutet, dass sie neue Impulse aufnimmt, aber bewährte auch behält, so wie die arabischen Zahlen. Die sind ehrlich gesagt weit praktischer als die römischen Zahlen, finde ich.


Thema drei: Arr, klar Schiff zum Entern.
Massive Angriffe auf die Piraten. Ich muss beim Lesen von Zeitungen und Nachrichten im Web manchmal etwas heftig schlucken, wenn ich lesen muss, dass ein Journalist höhnisch-spöttisch den Landesparteitag der Piraten in NIedersachsen verfolgt und sich drüber lustig macht, das sich über dreißig Piraten berufen fühlen, die Wahlliste Niedersachsen anzuführen, anstatt sich über die basisdemokratische Form und Chance für jedermann, von allen anderen Piraten bestätigt zu werden, zu freuen.
Ich möchte das Gleiche mal in meiner eigenen Partei sehen, dass Kandidaten, die sich zumindest für geeignet halten, aufstehen und ihre Kandidatur verkünden. Mir selbst wurde von einem Genossen meines Vertrauens von einer Landtagskandidatur abgeraten, weil "die Partei erwartet, das man als Kandidat Geld mitbringt, um seinen Wahlkampf mitzufinanzieren", was ich für eine demokratische Partei wie die große alte Dame SPD schon sehr traurig finde. Nebenbei hätte ich dieses Geld auch gar nicht gehabt.
Da ist die Kandidatenkür der Piraten geradezu positiv zu benennen, auch wenn der Wahlgang um den ersten Platz und der weitere Wahlgang um alle weiteren Listenplätze bis weit nach Mitternacht dauerte.
Aber so funktioniert es eben auch. Und wenn der Journalist dann bedauert, das es wegen der langwierigen Kandidatenvorstellung und der ebenso langen Wahlen nicht mal zu Themendiskussionen gekommen ist, schüttele ich erst Recht mit dem Kopf. Vielleicht hätte ihn ein Blick ins Forum der Piraten erleuchtet. Vielleicht auch nicht. Augenscheinlich muss sich für ihn alles auf einem Parteitag abspielen, und nicht in den Neuen Medien, so auch die Themendiskussion.

Den Vogel abgeschossen hat aber Philip Rösler, der sympathische kleine Junge aus Niedersachsen, der gerade Vize-Kanzler ist - und zudem, korrigiert mich wenn ich irre - Zahnarzt.
Der hat auf dem FDP-Parteitag doch tatsächlich nicht nur die Piraten angefeindet (tatsächlich erzählte er von "einem Fotografen", dessen Bilder von den Piraten unentgeltlich und ohne Quellenangabe verwendet worden sein sollen - natürlich ohne konkret zu werden oder einen Namen zu nennen, aber nicht ohne den Mann, der vielleicht nur in der Phantasie von Röslers Ghostwriter existiert, als am Rande des Ruins zu schildern), sondern sogar mit der somalischen Seefahrtspiraterie verglichen, was ich persönlich für mehr als eine Frechheit halte.
Ich werde gerne mal zur nächsten Sitzung der Piraten in Sarstedt gehen und dort Ausschau nach schwer bewaffneten Piraten halten, die auf der Leine Frachtschiffe kapern und gegen Millionenlösegeld wieder freigeben - und von der internationalen Staatengemeinschaft bekämpft werden. Das ist natürlich nur heiße Luft, denn man kann die Forderung nach Open Source nicht mit einer abgefeuerten Maschinenpistole vergleichen. Genauso ist Klein-Philips Aussage zu verstehen. Als nichts als heiße Luft, als übelste Diffamierung. Man könnte sogar so weit gehen und ihm Hetze unterstellen. Oder vielmehr seinem Ghostwriter. Oder beiden.

Eines jedoch ist sicher: Der FDP geht es inhaltlich und wahltechnisch sehr, sehr schlecht, und sie spürt in ihrem Revier, der Verteidigung individueller Rechte und des Liberalismus den Atem der Piraten im Nacken. Klar, das sie sich dagegen wehrt, aber um sich zu schnappen wie ein verwundeter Hund zeigt nur, wie schlimm es um die FDP mittlerweile steht.
Nach den letzten Lobby-Geschenken durch die FDP muss ich aber auch sagen: Es ist in Ordnung, wenn sie als Partei aufhört zu existieren. Vermissen wird sie sowieso niemand. Und gebraucht wird sie auch nicht.
Ach, keine Sorge, die Piraten werden sich mit mehr Erfahrung schon profilieren.
Apropos profilieren: Warum fällt es den Medien leicht, die Piraten dafür anzugreifen, das sie sich nicht weit genug von ehemaligen Rechten in ihren Reihen distanzieren, aber den Anti-Ausländer-Wahlkampf eines Roland Koch (CDU) über den grünen Klee loben? Das wissen wohl nur die Redaktionen.

Nachtrag am  27.04.: Spelllord hat mir ein Video verlinkt, das ich Euch nicht vorenthalten will.
Anscheinend hat meine SPD nun auch den heißen Atem der Piraten im Nacken gespürt und ein Thesenblatt erarbeitet, das leider nicht auf den Argumenten der Piraten, wohl aber auf den Nebelkerzen der FDP beruht. Ehrlich, Genossen, das ist peinlich. ^^°°° Bitte zieht mich da nicht mit rein. ^^°°°°°°°

Mittwoch, 7. März 2012

Wie man ACTA sucht und Leistungsschutzrecht findet

Ich gebe zu, ich habe es schon vergessen. Nein, nicht ACTA, dieses unwürdige, schwammig formulierte Gesetz, das es ermöglichen würde, auf bloßem Verdacht ohne richterliche Kontrolle Webseiten zu sperren, und Provider dazu zu zwingen, ihre Kunden auszuspionieren, bzw. für sie zu haften.
Ich meine das Leistungsschutzrecht.
Um mal zusammen zu fassen, was ich noch darüber weiß: Deutsche Verlage wollen z.B. von Google Geld haben, wenn in der Suchmaschine bei einer entsprechenden Suche Teile des Textes von ihren Webseiten angezeigt wird. Dies sei, so die Lobbyisten, bereits eine Leistung, die Google erhält, und für die sie bezahlt werden sollen.
Die Koalition in Berlin hat dazu den Beschluss gefasst:
"Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass Verlage im Online-Bereich nicht schlechter gestellt
sein sollen als andere Werkvermittler. Deshalb sollen Hersteller von Presseerzeugnissen
ein eigenes Leistungsschutzrecht für die redaktionell-technische Festlegung journalistischer
Beiträge oder kleiner Teile hiervon erhalten."


...sacken lassen.
Ein paar Fragen werden aufgeworfen. Wieso sehen sich Verlage als schlechter gestellt wie andere Werkvermittler? Weil sie nicht genügend Traffic auf ihre Seite kriegen, was mehr Werbeeinnahmen bedeutet? Schauen sie neidvoll auf das Milliardenunternehmen Google und wollen es ZWINGEN, Geld für Leistungen zu zahlen, die Google selbst erbringt? Denn die Verlinkung und das Zitat ist eine eigenständige Leistung von Google.
Wir wissen es alle: Wenn jemand googled, dann sind es die Zitate unter dem Link, die uns entscheiden lassen, ob wir das Richtige gefunden haben, und was wir dann anklicken. Dieser Text soll in Zukunft kostenpflichtig sein. Google soll also dafür bezahlen, dass es Traffic auf die Seiten der Verlage schaufelt. Kurios.
...sacken lassen.
Was bedeutet das konkret? Nach meinem Verständnis sind die Verlage darauf aus, für die Arbeit, die Google sich macht, Geld zu bekommen. Wie kann das ein Leistungsschutzrecht sein? Und wie kann mir irgendjemand vermitteln, dass eine international gängige Praxis in Deutschland plötzlich kostenpflichtig sein soll?

Weiter heißt es bei Muberkel und Co.:
"Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren,
sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet
ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen
gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese – mit der bisher unentgeltlichen – Nutzung
der Verlagserzeugnisse erzielen. Auch die Urheber sollen eine angemessene finanzielle
Beteiligung an der Verwertung des Leistungsschutzrechts erhalten. Einzug und Verteilung
der Entgelte soll über eine Verwertungsgesellschaft erfolgen. Die Schutzdauer soll
ein Jahr betragen."

Oder anders formuliert, die Verlinkung von Presseartikeln gilt künftig als Verbreitung.
Ich will das mal für mich erklären. Da zeigt jemand also auf die BILD, und die Springer AG will dafür jetzt den vollen Preis für das Druckexemplar haben? Wie shizo ist das denn?
Auch weist der Text ganz klar darauf hin, dass es um die Werbemilliarden geht. Die Verlage wollen mitverdienen am Werbevermögen Googles, anstatt dankbar dafür zu sein, dass durch Googles Verlinkung überhaupt erst Leser - und damit Klickzahlen  und damit Werbeeinnahmen - auf ihre Seiten finden.
Und dafür will die Bundesregierung noch eine eigene GEZ erschaffen.
...sacken lassen.

Fazit: Okay, das Leistungsschutzrecht ist nicht so schlimm wie ACTA, aber eines können sich Google, die anderen Suchmaschinen und jeder kleine Blogger wie ich - natürlich auch die Großen - in Zukunft in die Haare schmieren: Artikel auch nur auszugsweise zu zitieren und auf sie zu verlinken. Das kostet dann nämlich Geld. Viel Geld, wenn ich die Verlage richtig verstanden habe.
Tja, Pech, dann verlinke ich eben nicht mehr auf euch, und euer Traffic geht dadurch runter.

Was in jedem Fall kommen wird, und das begrüße ich, das ist sehr viel weniger Traffic für die Verlage. Warum? Weil Google, wenn es schlau ist, die Seiten von deutschen Verlagen einfach sperrt. Sie werden in den Suchanfragen einfach nicht mehr auftauchen, ganz so als gäbe es sie gar nicht. Das ist einfacher, ökonomischer und logischer als an die neue GEZ für Internet-Mimosen zu zahlen. Und es hat meine volle Unterstützung.
War ACTA ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Kommunikationsfreiheit im Internet, so ist das Leistungsschutzrecht vor allem eines: Die Idiotie zu glauben, Google und andere Suchmaschinenbetreiber würden da mitspielen. Hier denkt eine Lobby, das es ohne sie nicht geht. Sie wird eines Besseren belehrt werden. Und das zu sehr hohen Verlusten im finanziellen Sektor.
Das ist aber auch gut so. Vielleicht lernen sie daraus.

Fazit 2: Es gibt so etwas, das nennt sich Bezahlschranken. Dahinter kann ein Verlag online seine Premium-Artikel verstecken und seine Leser dazu auffordern, dafür zu löhnen. Macht natürlich kaum einer. Weil kaum einer dafür bezahlt, wenn er es nicht auch intensiv nutzt.
Es gibt aber auch Werbung, die man auf seiner Seite platzieren kann, und über die man sich refinanzieren kann. Z.B. indem vorbeikommende Surfer auf die Werbung klicken. Oder indem einfach der Traffic gezählt wird.
Ich finde, anstatt am eigenen Konzept zu arbeiten, hat die Verlags-Lobby einfach neidisch auf den großen Kuchen bei Google gestarrt und dran gefeilt, wie man ohne Aufwand was davon abkriegt.
Nur wenn die Verlinkung einbricht, weil Google ganz einfach nicht für diesen Scheiß bezahlen will, dann stehen die Verlage noch schlechter da. Mal sehen, was sie dann für ihre Rettung verlangen, anstatt etwas dafür zu tun.
ACTA=Böse.
Leistungsschutzrecht=Tolldreiste Dummheit.

Edit ein paar Minuten später: Das hier habe ich zum Thema gefunden. Lesenswert.

Edit am 08.: Das sagt der Perlentaucher.

Dienstag, 10. Mai 2011

Alles Atomkraft, oder was?

Herrschaften... Regelmäßige Leser meines Blogs - ja, ich meine Euch fünf ^^ - wissen, dass ich mich mit dem Thema Atomkraft beschäftige. Mit seinem Nutzen, seinen Risiken, dem Problem der Endlagerung, den wahren Kosten für diese Technologie, und noch einigen Dingen mehr, die mir oft genug sauer aufgestoßen sind. Ich will damit sagen, ich habe eine Menge Antworten und eine fundierte Meinung.
Aber all das hilft mir plötzlich nicht mehr.

...sacken lassen.
Versteht mich nicht falsch. Es kann immer mal vorkommen, dass einem jemand ein Argument in einer Diskussion um die Ohren haut, auf das man keine Erwiderung hat, oder über das man sich noch keine Meinung gebildet hat. So etwas kommt vor. Und ich gebe in solchen Situationen meistens meine Unwissenheit zu und verspreche zu recherchieren. Doch diese spezielle Fall hinterlässt mich doch ratlos.

Damit Ihr meine Verwirrung versteht, hier mal meine kurze Chronologie der Ereignisse.

Im Koalitionsvertrag von Rot/Grün wird 1998 festgelegt, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigt. Mit der Atomkraftindustrie wird vereinbart und festgelegt, dass bis 2020 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht. In neueren Tagen geistert sogar ein 2022 herum, warum auch immer.
Dieses Credo galt bis 2009. Da kam Angie mit der CDU und der FDP an die Macht, verabschiedete sich von der Großen Koalition, und so ziemlich das Erste was sie tat, das war - nachdem die FDP ihr Steuergeschenk an die Hoteliers abliefern konnten - der Atomlobby unbegrenzte Laufzeiten für ihre Atommüllproduzenten zu servieren. Für Strom, wohlgemerkt, der hauptsächlich ins Ausland geliefert wird. Die Atomindustrie hätte hier also nicht nur den Strompreis für einen Exportartikel kassiert, sondern auch weiterhin die beträchtlichen Subventionen. Aber das ist ja verständlich, weil sie für ihren Atomstrom im Ausland weniger bekommen als in Deutschland: Weil wir Deutschen ja ohnehin den vierthöchsten Strompreis in Europa zahlen. Trotz Atomstrom, der angeblich so billig ist. Da muss man der Atomindustrie schon mit ein paar Milliarden unter die Arme greifen.
Nächster Punkt der Handlung ist das furchtbare Tsunami-Unglück in Japan, verbunden mit dem Erdbeben und der Havarie von vier der sechs Reaktoren der Anlage Fukushima Daiichi. Da ging es Klick, ein Moratorium musste her, und eine Kommission will jetzt einen "behutsamen Ausstieg" empfehlen. Nun ringt die Bundesregierung um Ideen, Pläne und ein Konzept.

...sacken lassen.
Hallo? Bin ich der einzige, der hierbei Kopfschmerzen kriegt? Das Konzept für den Ausstieg liegt doch seit 2002 fertig in der Schublade, und die Stromindustrie hat doch Vertragsgetreu alles getan, um sich auf den Termin 2020, bzw. 2022 vorzubereiten. Und jetzt soll das alles hinfällig sein? Ich meine, ein verdammtes Jahr und die paar Monate reichen, um ein Konzept, das sieben Jahre funktioniert hat, so vollkommen ad absurdum zu führen?

Ich für meinen Teil fühle mich hier verarscht. Vor allem von gewissen Lobbyisten. Aber in erster Linie von Mama Muberkel.
Hier kommt meine Prophezeiung: Rot/Grün hatte den Ausstieg zu 2022 fertig in der Schublade, mit Segen der Atomindustrie. Schwarz/Gelb will jetzt in Panik auch aussteigen. Und ich WETTE, die Regierung kommt zu dem Schluss, dass ein sicherer Ausstieg erst 2030 oder 2040 gewährleistet werden kann... OBWOHL wir mit Rot/Grün bereits 2022 vom Netz der Subventionsschleudern gewesen wären.
Denkt da mal drüber nach.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Homöopathie in der Politik

Alle, welche die aktuelle Tagespolitik ein wenig mit verfolgen, wissen, dass die schwarzgelbe Koalition in Berlin gerade versucht, ihr Sparpaket zu formulieren. (Und das, nachdem sie ihr spezielles Sparpaket für Hoteliers geschnürt hat...)
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach, leicht zu erkennen an seiner Talkshow-Präsenz und der roten Fliege, brachte in diesem Zusammenhang das Thema auf, die umstrittene Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Ihre Wirksamkeit ist nicht erwiesen, und normalerweise bezahlen die Kassen auch nur, was funktioniert.
Die Fraktionssprecherin der Liberalen, Ulrike Flach, kommentierte dies gleich als einen Anschlag auf die Wahlfreiheit der Versicherten und Patienten.
Und auch aus der SPD kommen kritische Stimmen. Marion Caspers-Merk, fürchtete um die Therapievielfalt in Deutschland, betonte, dass mit einer Streichung der Homöopathie mit acht Millionen Euro nicht einmal ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden würde, und dass es Studien gäbe, die zeigen würden, dass diese Verfahren durchaus ihre Berechtigungen haben.
...sacken lassen.

Es gibt hier viele Punkte, an denen man sich aufreiben kann. Daran, dass die Kassen tatsächlich für ein Verfahren zahlen, das mit "der Erinnerungsfähigkeit von Wasser" arbeiten, deren Wirksamkeit über einen Placebo-Effekt hinaus nicht eindeutig erwiesen ist, dessen Mittel noch nie als Medikament anerkannt wurden, und so weiter und so fort. Ohne das Thema wirklich auf den Prüfstand zu stellen, wird es geblockt. Und das, obwohl die Krankenkassen klamm sind, und für jede ersparte unnötige Ausgabe dankbar sein müssten.
Es verwundert mich jetzt nicht, dass sich die Lobby-Partei FDP nun dafür stark macht, die Homöopathen zu "beschützen", obwohl ihnen niemand ihre "Medikamente" weg nehmen will, nur ihre staatlichen Zuschüsse aus unserer Tasche. Eine eindeutige Betrachtung der Thematik und eine endgültige Klärung über Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wirkungsweisen der Homöopathie wären da der bessere Ansatz gewesen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich von ernsthaften Medizinern bisher nie etwas gelesen habe, was dieser alternativen Medizinmethode mehr zugestanden hätte als eine Placebo-Wirkung. Nein, ich habe nichts anderes von der Hotellobby-Partei mit ihrem Spaß-Vizekanzler erwartet.

Nun ist es nicht meine Art, auf meine eigene Partei, die SPD, einzubashen. Es ist aber auch nicht meine Art, die Klappe zu halten. Damit habe ich schon einiges an Unheil angerichtet, andere ungewollt verletzt, und noch einiges mehr. Aber ich habe auch viele Menschen erreicht, Zustimmung bekommen, und vielleicht sogar ein klein wenig bewirkt.
In diesem Fall muss ich Karl Lauterbach ganz klar in Schutz nehmen. Und das vor seiner Parteigängerin Frau Caspers-Merk.
Denn die Frau hat den größten Unsinn gesagt, den ich jemals von einem Mitglied der SPD gelesen habe. Und glaubt mir, ab Unterbezirk abwärts bekommt man einige skurrile Meinungen zu hören.
Frau Caspers-Merk wird frech, um nicht zu sagen dreist, wenn sie betont, dass mit der Streichung der Homöopathie "nicht einmal ein zweistelliger Millionenbetrag gespart wird".
...sacken lassen.

Liebe Frau Caspers-Merk, haben Sie die Bodenhaftung verloren? Haben Sie den Kontakt zum Volk verloren? DAS SIND ACHT MILLIONEN EURO! ACHT MILLIONEN! JEDES JAHR!
Ich weiß nicht genau, was ACHT MILLIONEN EURO für Sie wert sind - für mich ist es eine Summe jenseits der Beschreibung! Und die Tatsache, dass der Bundeshaushalt ein vielfaches dieser Summe hantiert, ist absolut keine Ausrede dafür, dieses Einsparungspotential klein zu reden. Ich meine, ACHT MILLIONEN VERDAMMTE EURO!
Ich finde, das sind acht Millionen verdammt guter Gründe, um die Homöopathie auf den Prüfstand zu stellen. Zumindest was die Krankenkassen-Erstattung angeht. Wer auf Homöopathie schwört, soll sie m.E. auch nutzen. Aber bitte privat, wenn ihre Wirksamkeit nicht wie bei allen anderen Medikamenten und Arzneien bewiesen werden kann.
Acht Millionen Gründe sprechen dafür. Und, Frau Caspers-Merk, die sind bei weiten "noch nicht mal ein zweistelliger Millionenbetrag", sondern vier bis sechzehn Kernspintomographen!
Bitte, Frau Caspers-Merk, überdenken Sie diese Relation. Und verschonen Sie mich mit Lobby-Politik für alternative Mediziner, die auf Homöopathie schwören.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Althaus durch den Nacktscanner schicken

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind unausweichlich. Manchen Tatsachen oder Umständen kann man nicht entkommen. Eine davon ist die allgemeingültige Tatsache, dass auf den Tag die Nacht folgt... Oder dass man in bewölkten Nächten keine Sterne sehen kann... Dass Wasser grundsätzlich bergab fließt... Dass die Schlagzeilen der BLÖD-Zeitung dazu führen, das ich mich regelmäßig aufrege...

Heute soll es um letzteres gehen. Die aktuelle BLÖD-Schlagzeile regt mich nämlich auf: Althaus fährt wieder Ski!
Mein erster Gedanke war; Will er noch jemanden umbringen?
Aber der Reihe nach. Dieser Bericht, der BLÖD die halbe Titelseite wert ist, zeigt einen Skifahrer, der Althaus im Winterurlaub sein soll, sowie ein Foto der jungen Mutter, die vor gut einem Jahr beim Unfall mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten umgekommen ist.
Und jetzt kommt der Part mit dem aufregen. Nein, Althaus hat nicht schon wieder einen totgefahren. BLÖD verschweigt nur vollkommen, das Althaus am Unfall Schuld ist, rechtskräftig verurteilt wurde und eine hohe Geldstrafe an den Witwer zahlen musste.
Ich kenne Herrn Althaus nicht persönlich und kann ihn deshalb als Mensch nicht einschätzen. Aber ich nehme es ihm übel, dass er die politischen Gegner gebeten hat, sich im Wahlkampf über den Unfall auszuschweigen, ihn aber selbst politisch ausgeschlachtet hat. Und der BLÖD nehme ich es übel, diese Tatsache ebenfalls unter den Teppich zu kehren. Gewiss, es war ein Unfall, aber der Schuldige hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Verantwortung abgewälzt und gehofft, dass sein Verbündeter, die BLÖD-Zeitung, die Sache schon verwischt oder weit genug unter den Teppich kehrt. Der Teppich hat noch ein paar Beulen, wie das Foto des Opfers zeigt. (Wofür BLÖD sicherlich die nächste Klage ins Haus rollen wird, weil die Hinterbliebenen dieser Veröffentlichung GARANTIERT NICHT zugestimmt haben.)
Aber der Verursacher des Unfalls wird schon mal rausgeschwiegen. Leider haben wir kein so schlechtes Gedächtnis, lieber Herr Ex-Ministerpräsident, liebe BLÖD-Zeitung. Und wir beobachten euch weiterhin. (Vielleicht tue ich der BLÖD unrecht, und im weiteren Bericht auf Seite zwei wird erwähnt, das Althaus den Unfall verursacht hat. Aber man möge mir verzeihen, das ich davor zurückgeschreckt habe, die BLÖD aufzuschlagen. Jeder hat eine gewisse Hemmschwelle, die nicht so leicht zu überwinden ist.)

Teil zwei meines Blogs behandelt die so genannten Nackt-Scanner, eine besondere Form der Körperanalyse, bei der ein Proband in eine Scannerkabine tritt und anschließend auf einem Monitor ohne Kleidung abgebildet wird. Bis zum heutigen Tag gilt diese - funktionierende - Technik als Verletzung der Menschenrechte, empörend und übertrieben.
Seit sich ein radikaler Nigerianer mit achtzig Gramm kristallinem Sprengstoff in der Unterhose (angeblich im Auftrag von Al Kaida) beinahe in einem Flugzeug in die Luft gesprengt hätte, ist die Koalition in Berlin laut Tagesspiegel eindeutig PRO Nacktscanner eingestellt. Tja, was man nicht alles auf dem Trittbrett mitreisen lassen kann.
Der eine versucht auf der Empörung über Kinderpornographie mal schnell aus dem Rollstuhl heraus eine Internetzensur zu etablieren, der andere versucht die bisherige Sicherheitstechnologie durch einen Milliardenauftrag an eine Einzelfirma zu pushen. Aber ich habe nichts anderes von CDU/FDP erwartet. Die Doppelfrauenspitze wird für noch mehr derartige Überraschungen gut sein.
Liebe Koalition, lasst mich ein weiteres Adjektiv, den Nacktscanner betreffend, hinzufügen: Unnötig. Was passiert wohl, wenn der Nacktscanner Standard wird, mit dem man Menschen unter die Kleidung sehen kann? Ganz einfach: Potentielle Attentäter erkennen, dass der Nacktscanner AUCH NUR bis zur Haut reicht. Bereits jetzt schlucken Drogenkuriere Heroin und Kokain, verbergen es unsichtbar von jeder Leibesvisitation, und unsichtbar für Nacktscanner in ihren Körpern, gehen dabei ein großes persönliches Risiko ein... Solche "Drogenesel" werden von erfahrenen Beamten der Zollfahndung immer wieder im internationalen Flugverkehr entdeckt. Auch Al Kaida-Terroristen werden sich nicht zu schade sein, sich ein paar Gramm Sprengstoff in den Arsch zu stecken, wenn sie damit an einem Nacktscanner vorbei kommen. Und das ist auch die Idee mit dem Nacktscanner: Im Arsch.
Stattdessen sollte man in die richtige Technologie investieren, nämlich animalische oder technische Sprengstofffinder. Die animalischen haben wir schon lange. Es lebe die Hundenase. Die technische ist bereits sehr weit in ihrer Entwicklung. Beim Umgang mit Sprengstoff ist es nahezu unmöglich, absolut sauber zu arbeiten, was bedeutet, das die Umgebung des Sprengstoffs mit Spuren kontaminiert ist. Technische Spürnasen können diese Sprengstoffspuren finden und nachweisen. Das ist zuverlässig, geht schnell und greift die Menschenwürde nicht an. Aber wahrscheinlich ist das nicht spektakulär genug. Vielleicht glaubt Frau Merkel, den Familien auch was fürs Steuergeld zu bieten, und so ein Nacktscanner vor dem Urlaubsflug ist ja immerhin ein Erlebnis.

Was mich noch ganz fix zu einem dritten Thema bringt. War da nicht noch was kurz vor der Bundestagswahl? Hat da nicht ein arabisch aussehender Mann in sehr gutem Deutsch ganz Deutschland gedroht, das es zu Anschlägen kommen könnte, wenn "wir nicht die richtigen wählen"? Hm. Oktober, November, Dezember... Immer noch kein Anschlag. Brauchen die Jungs so lange? Brüstet sich die deutsche Polizei nicht mit verhinderten Anschlägen? Fanden sie bereits statt, und Al Kaida hat sich einfach ein unspektakuläres Ziel ausgesucht? (Das WAR doch neulich eine Fliegerbombe, oder? Und das Kölner Stadtarchiv ist doch wegen dem U-Bahnbau eingstürzt, oder?)
Und da drängt sich mir der Verdacht auf, dass besagter zorniger junger Mann mit genau diesem Ausgang der Bundestagswahl zufrieden sein könnte. So zufrieden, dass Al Kaida keine Anschläge angeordnet hat? Das Ausbleiben der Anschläge springt doch geradezu ins Auge: Ist Al Kaida CDU/FDP-Wähler? Der Gedanke liegt nahe. Die Alternative wäre, dass der junge, arabisch aussehende und so gut deutsch sprechende Mann ein Hoax war, oder ein recht zorniger, aber machtloser Einzeltäter, der sich über die viele Aufmerksamkeit in Deutschland gefreut hat.
Es gibt da natürlich auch noch die Erklärung, dass die große mächtige Terrororganisation Deutschland international nicht für voll nimmt und denkt das es ausreicht, ab und an mit einem Anschlag zu drohen, um in unseren Zeitungen und anderen Medien übermäßig präsent zu sein. Aber das dürfte an den Haaren herbei gezogen sein. Ich meine, Hey, es wir doch nicht gleich durch alle Medien mit fetter Schlagzeile gehen, die damit die Bundesbürger noch extra verunsichern, nur weil jemand ein Youtube-Video hoch geladen hat? Das erscheint mir dann doch bei unserer sachlichen, kritischen und gut recherchierenden Presselandschaft nicht möglich zu sein.
Sollte es in der Zwischenzeit oder kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogs zu einem Al Kaida-Anschlag in Deutschland kommen, habe ich selbstverständlich unrecht gehabt. Daran glauben tue ich trotzdem nicht.

Edit am 04.01.: Eine Frage beschäftigt mich bei der ganzen Nacktscannergeschichte seit fünf Minuten: Hätte dieses Mistding eigentlich den kristallinen Sprengstoff in der Unterhose des Nigerianers entdeckt, oder wäre dieser nicht erkannt worden?
Auf die Antwort bin ich gespannt.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Politische Arbeit in der Regierungsmannschaft ist politisch

Oder um es anders auszudrücken, lobbyistisch.
Was ich und viele andere erwartet haben, ist eingetreten: Union und FDP einigten sich auf ein milliardenschweres Subventionsprojekt, das einigen wenigen Mega-Konzernen erstens Milliarden an zusätzlichen Gewinnen in die Kassen spülen wird und zweitens noch einmal die gleiche Summe als Subventionen. Und der Höhepunkt bei der Geschichte ist, dass der Müll, den die Konzerne produzieren, nicht von ihnen selbst entsorgt wird, sondern dem Bund. Und der sucht auch noch - auf Staatskosten - einen geeigneten Müllplatz, der natürlich auch auf Staatskosten betrieben wird.
Richtig, ich rede über die Atomkraft. Union und FDP hatten ohnehin die Laufzeitverlängerung sicherer Kraftwerke in ihren Wahlprogrammen, also überrascht es nicht wirklich, was bei den Koalitionsverhandlungen festgelegt wurde, wie Gmx.de berichtet.
Mich überrascht nur die Dreistigkeit, mit der den Menschen verkauft wird, die Atomenergie sei notwendig. Dazu kommt auch noch die Unverschämtheit, Atomkraft als "Brückenenergie" zu klassifizieren, die "bis zur Ersetzung durch alternative Energien unbedingt nötig ist".
Aber wenn die Laufzeiten "sicherer" Atomkraftwerke erst einmal durch sind, werden ihre Laufzeiten dann auch irgendwann einmal beendet sein? Atomkraftwerke halten nun mal nicht ewig, und jedes einzelne hat einen hochgradig verstrahlten Reaktor, den man nicht einfach ausbauen und endlagern kann. Wohin mit alten Atomkraftwerken ist nur EIN Problem von vielen. Der Weiternutzung der Atomkraft auf unbestimmte Zeit und der Erklärung, ALLE Atomkraftwerke in Deutschland wären sicher und könnten zeitlich unbegrenzt betrieben werden, steht somit nichts mehr im Wege.
Das Dreisteste jedoch ist die Meinung der Leser dieses Artikels. Gmx.de hat eine Umfrage dazu gestartet, und zweiundfünfzig Prozent sprachen sich gegen einen Atomausstieg aus.
Bei den Lesermeinungen stieß ich dann auf folgende Frage: Was passiert wohl, wenn wir alle Atomkraftwerke einfach abschalten?
Mein lieber unbekannter User, und alle anderen die eifrig für den Erhalt der Atomkraft stimmen, ich will diese Frage beantworten und damit den Nutzen der Atomkraft ein für allemal klären. Was passiert also, wenn wir heute, Sonntag, oder morgen, Montag, einfach mal alle Atomkraftwerke abstellen? ...Richtig, es passiert NICHTS!
Wie, nichts? Ja, es passiert rein gar nichts. Denn das bisschen Spannung, das die Atomkraftwerke liefern, wird dann automatisch von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken ersetzt, die genau für diesen "Notfall" in der Lage sind, ihre Stromabgabe rapide zu erhöhen, um die fehlende Spannung auszugleichen.
Gut, gut, ich will ehrlich sein. Wahrscheinlich käme es hier und da zum Zusammenbruch des Versorgernetzes, aber das wäre nur temporär und bei weitem nicht so schrecklich wie "In Deutschland gehen alle Lichter aus".
Und wenn alle Stricke reißen importieren wir einfach ein wenig Fremdstrom. Das tun wir ohnehin, obwohl im Inland mehr Strom produziert wird als wir wirklich brauchen.
Wie das kommt? Tja, das ist dann ein eigener Blogeintrag, der mit Subventionen, Bilanzen und gierigen Stromkonzernen zu tun hat, sowie einer Aufsichtsbehörde, die m.E. ihren Job zu machen hat.

Fazit: Schleichend öffnet das Merkel der Atomindustrie die Tür für unbegrenzte Laufzeiten, kostenlose Atommüllentsorgung und volle Subvention ihres Produkts. Und alle freuen sich darüber? Nicht alle. Nur all jene, die tatsächlich noch immer glauben, Atomenergie wäre notwendig und hätte Zukunft. Kraftwerke sind nicht unersetzlich, und der produzierte Strom wäre in der Tat billiger. Das wäre gut für uns alle.
"Aber was ist mit CO2?" Genau, was ist mit CO2?
...Seit wann produzieren Photovoltaik-Anlagen und Offshore-Windkraftparks CO2?
"Du willst ja nur die Kohlekraftwerke behalten! Die produzieren CO2!"
Richtig. Aber schon mal was von moderner Filtertechnologie gehört? Also, hinsetzen, googlen, informieren, und dann meckern. Nicht einfach der Union auf den Leim gehen und fadenscheinige Argumente nachkrächzen.
Denn sich informieren, seine eigene Meinung zu bilden ist heute leichter als je zuvor.
Ich habe es getan, wie man sieht. Und Ihr?

Dienstag, 1. September 2009

Der Westerwelle hat gesagt...

und das war am Wahlabend: "Wir sind erstmals bei einer Wahl vor der SPD. Also ich könnte mich daran gewöhnen."
Okay, heute ist Dienstag. Und ich vermisse ernsthaft die hämische Reaktion der Medien auf diese Aussage. Es ist so als hätte Westerwelle das nie gesagt.
Dabei ist der gute FDP-Vorsitzende auf die Prognosen rein gefallen, welche die SPD bei der Sachsen-Wahl bei 10,0 Prozent sahen - und die FDP bei 10,2 Prozent!
Das letztendliche vorläufige amtliche Endergebnis spricht da ganz andere Bände. Demnach kam die SPD auf 10,4 Prozent, und die FDP auf 10,0 Prozent.
Gut, gut, sehen wir den Tatsachen in die Augen. Die SPD hat sich nur minimal verbessert, und diese Wahl ist im Gegensatz zu den guten Ergebnissen in den Bundesländern Thüringen und Saarland eher eine klassische Niederlage. Dagegen hat die FDP kräftig gewonnen und kann sich durchaus als einer der Sieger in Sachsen sehen. Da will ich nix beschönigen und auch nix gutreden. Denn immerhin bedeutet dieses Ergebnis auch, dass SPD und FDP die gleiche Anzahl an Sitzen im Landesparlament haben werden - und die FDP wird voraussichtlich der neue Koalitionspartner der stärksten Fraktion, der CDU.
Aber ich kann es nicht verhehlen, dass Westerwelle genau wie 2002 der Stoiber mit seiner voreiligen Aussage mehr als daneben lag, freut mich wirklich sehr. 0,4 Prozent Differenz zur FDP sprechen da für sich.
Herr Westerwelle, erlauben Sie mir, Sie höhnisch auszulachen. Wenigstens diesen kleinen Sieg hat die SPD in Sachsen errungen.