Samstag, 24. Oktober 2009

Sarrazin und keine Ruhe

Ehrlich, es kommt selten vor, aber ich muss mich entschuldigen. Vor ein paar Tagen verfasste ich einen Blog unter der Voraussetzung, dass der Deutsche Bank-Vorstand Thilo Sarrazin tatsächlich sehr umstrittene Äußerungen zu Türken und Arabern in Deutschland, bzw. Berlin geäußert hatte.
Dabei stützte ich auf eine Meldung von Gmx.de...
Nun aber bin ich über meinen Lieblingsblogger Bildblog.de darauf gestoßen worden, dass die gesamte Thematik von der BILD künstlich aufgebauscht und gehyped wurde.
Man stelle sich vor, ausgerechnet die BLÖD steht auf der Seite der Migranten, obwohl die doch eher viel besseres Entfremdungsdiskussionsmaterial und "Darum darf die Türkei nicht in die EU"-Material bieten.
Leider verlinkten Niggemeyer und Co., die im Gegensatz zu mir journalistische Arbeit leisten, nicht auf das volle Sarrazin-Interview. Was ich aber bisher gelesen habe, lässt NICHT auf einen polternden, polemischen und rassistischen alten Stammtischmann voller Vorurteile schließen. Im Gegenteil, während er über Berliner Subventionen und über die Stadtentwicklung redet, entpuppt er sich als charmanter, leicht aggressiver (weil er den Finger auf die Wunde legt und darin bohrt) Plauderer, der zumindest den Anschein hat, über die Themen Ahnung zu haben, die er aufgreift.
Spiegel.de bringt dann noch einmal die wichtigsten Zitate, und siehe da, die Kernvorwürfe erwähnt die Sammlung gar nicht.

Herr Sarrazin, ich gestehe hiermit ein, dass ich Defizite habe. Defizite in meiner Recherche, Defizite in meinem blinden Vertrauen in vermeintliche Qualitätsmedien, Defizite auf die Untertöne zu hören. Hätte ich früh genug gesehen, dass die BLÖD diese Geschichte zuerst aufgenommen, breit getreten und entfremdet hat, wäre ich ihr nie so leichtgläubig auf den Leim gegangen.
Ich spreche Sie damit nicht frei; ich schiebe mein Urteil auf bis ich besser recherchiert habe.
Der Auszug Ihres Interviews auf Lettre International hat mich auf jeden Fall überrascht und zum Umdenken bewegt.
Ich entschuldige mich für mein voreiliges Handeln und werde weiter bohren. Sollte ich dennoch die Vorwürfe bestätigt sehen, versichere ich Ihnen, Herr Sarrazin, habe ich jetzt dennoch eine bessere Meinung von Ihnen als vor dem Auszug aus dem Interview.

Edit: Hier ein Link zum fraglichen Teil des Interviews, das ich aber mindestens noch durch eine Quelle gegenchecken werde.
Der Mann klingt mehr sachlich als verhetzend, aber auf keinen Fall befleißigt er sich der Political Correctness.

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