Mittwoch, 21. Oktober 2009

Zahlenprobleme mit der BLÖD-Zeitung

Es kommt vor. Wirklich, manchmal passiert es einfach. Da stehe ich vor dem Zeitschriftenregal und greife interessiert nach einer BILD-Zeitung.
So ist es auch heute geschehen. Der Aufmacher der BLÖD diesmal: Renommierter Professor befürchtet neununddreißigtausend Tote durch die Schweinegrippe-Epidemie.
Dazu noch etwas weiter unten: Schwerer Verlauf der Schweinegrippe und neue Epidemiewelle im Winter befürchtet. Dreißig Millionen Krankheitsfälle.
...sacken lassen.
Ich will jetzt nicht auf den Offensichtlichen Dingen herum reiten, wie zum Beispiel der Tatsache, dass nächste Woche die Massenimpfungen gegen H1N1 beginnen sollen, und sich viele Bundesbürger (nicht verschrecken lassen) gegen eine Impfung sind, weshalb es der Bundesregierung womöglich an fünfundzwanzig Millionen Impfkandidaten für das teure Produkt fehlen wird. Oder zu bedenken geben, ob ein Mensch, der gegen Schweinegrippe geimpft wurde, auch Impfschutz genießt, falls der Virus mutiert und damit einen vollkommen anderen Aufbau hat. Und ich möchte auch nicht großartig darauf herumreiten, wie oft schon ein "schwerer Verlauf der Infektion" herbeigeschrieen haben, der aber nie eingetreten ist. Fakt ist, dass man nur mit äußerstem Wohlwollen laut unserer Medienlandschaft einen einzigen Todesfall in Deutschland bestätigen könnte. Wie gesagt, mit äußerstem Wohlwollen und drei zusammengedrückten Augen, inklusive Hühneraugen.
Nein, darum geht es in meinem Blog nicht.

Diesmal geht es um die Zahlenmagie von BLÖD.
Nebenbei bemerkt, manche mögen sich wundern, warum ich einerseits BLÖD und dann BILD schreibe. Das ist leicht erklärt. BLÖD ist meine Meinung. BILD dient dazu, damit auch wirklich jeder versteht, WEN ich meine.
Die Zahlenmagie. Angenommen, Schweinegrippe mutiert. Angenommen, es kommt tatsächlich durch den neuen Virus zu einer Grippewelle, die dreißig Millionen Bundesbürger erfasst.
Und angenommen, es kommt in dessen Folge zu neununddreißigtausend Toten...
Dann haben wir prozentual gesehen IMMER NOCH einen milden Verlauf, da in diesem Fall der Virus für 0,1% der Bevölkerung tödlich wäre.
Zynisch? Giftig? Keineswegs. So rechnet man nun mal in Mathematik. Und in der Seuchenkunde misst man eine Grippe an ihrer Verbreitung und ihrer Tödlichkeit.
Einmal ganz davon abgesehen, dass eine Infektionswelle, die mehr als jeden dritten Bundesbürger mit fiebriger Erkältung ins Bett bannen würde, mehr als ungewöhnlich für eine Grippe wäre, um nicht zu sagen der pandemiale Super-GAU, befürchtet besagter von BLÖD zitierter Professor diese (theoretisch möglichen, praktisch nicht wahrscheinlichen) Zahlen für eine mutierte H1N1-Form. Und da gilt wieder die Frage: Wirkt die Impfung in diesem Herbst gegen H1N1 auch gegen eine mutierte Form? Und ich spreche hier von einer Schutzimpfung, keiner Aktivierung des Immunsystems. Eine Impfung macht den Körper mit einem Erreger vertraut, er bildet Antikörper und sorgt im Idealfall dafür, dass die Krankheitserreger bei einer tatsächlichen Infektion gar nicht erst dazu kommen, sich zu vermehren, weil sie erkannt und vernichtet werden. Ich glaube eher nicht.
Andererseits wird die Industrie sicherlich drei, vier Monate, nachdem der mutierte tödliche Killervirus mit dreißig Millionen Infizierten und neununddreißigtausend Toten durch Deutschland gezogen ist, einen Impfstoff entwickelt und zur Verteilung bereit haben.
Andererseits, wenn über zwei Fünftel der deutschen Bevölkerung diese Grippe bereits gehabt haben, ist das schon eine eigene Immunisierung.
Bleibt nur noch eine Frage: Wer bezahlt BLÖD für diese Schleichwerbung?

Edit am 22.10.: Heute habe ich die BLÖD tatsächlich mitgenommen. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, sie war umsonst.
Der großer Aufmacher waren zehn Redakteure, die zur Impfung geschickt wurden, und die anschließend unisono darüber berichteten, wie harmlos die Impfung doch gewesen war, wie wenig man gespürt hat und wie wichtig es doch ist, dass Menschen im öffentlichen Leben nicht zur "Virus-Schleuder" werden.
Alles schön und gut. Wir haben nun zehn in gut zwei Wochen immunisierte BLÖD-Redakteure.
Der Haken bei der Geschichte ist schlicht und einfach: Die Diskussion geht nur sekundär um die Nebenwirkungen der Impfung (siehe Verstärker und den ganzen anderen Nonsens, der durch die Medien schleicht), es geht um den NUTZEN! Da H1N1 sich dazu entschlossen hat, in Deutschland weder tödlich zu sein, noch einen so genannten schweren Verlauf zu verursachen, ist genau diese Nutzen mehr als fraglich.
Und, wie ich oben schon erwähnte, ist diese Impfung nicht effektiv, falls sich H1N1 zur neuen Supergrippe durchmutiert, weil wir es dann mit einem neuen Virus zu tun haben.

Ich betätige mich mal wieder als Prophet: Es wird nicht lange dauern, und die BLÖD-Zeitung wird die Zwangsimpfung fordern, um "Deutschland vor der Katastrophe zu retten". Oder, zwischen den Zeilen gelesen, um die fünfzig Millionen Einheiten angekauften Impfstoff zu verbrauchen, damit er nicht vollkommen sinnlos Staub ansetzt.

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