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Sonntag, 22. Mai 2011

Abzocken als Geschäftsmodell

Es ist jetzt fast drei Jahre her, seit ich mich auf der Suche nach Open Office (nach einem wirklich miesen Computercrash, der mich die Festplatte kostete) auf der Seite Megadownload.org nichtsahnend anmeldete und damit ein verstecktes Abo abschloss, das mich im Jahr 96,-€ gekostet hätte. HÄTTE, wohlgemerkt. Denn sowohl die Anmeldung als auch das Abo waren selbstverständlich genauso wenig rechtskräftig wie die Widerrufsfrist von acht Tagen. Darüber hinaus war es ohnehin eine Frechheit, User mit dem kostenfreien Open Office zur Anmeldung zu ködern.

Heutzutage geht es nicht mehr um Megadownload.org. Es sind andere Firmen, die auf die gleiche Weise Geld zu "produzieren" versuchen. Ihr Geschäftsprinzip ist wie folgt und immer identisch: Der verbrecherische Unternehmer versucht, so viele Daten wie möglich über sein potentielles Opfer zu erlangen, am liebsten natürlich die komplette Adresse, mindestens aber die E-Mail. Dabei ist es noch nicht einmal zwingend erforderlich, dass man als User tatsächlich auch das Häkchen macht, mit dem man unwissend ein Abo abschließt. Anschließend wird Geld angemahnt. Üblich sind 96;-€, wie bei mir. Es darf aber auch schon mal mehr oder weniger sein. Das Geschäftsprinzip ist wie folgt: Natürlich ist die Forderung illegal, nicht rechtskräftig, und hätte schon längst per Gesetz mit empfindlicheren Strafen belegt werden sollen, weil diese Verbrecher einen GROßTEIL der internetbenutzenden Gesellschaft verunsichern, terrorisieren und in manchen Fällen regelrecht mental foltern. Aber diese Verbrecher haben eine einfache Rechnung: Wenn von einhundert Forderungen auch nur eine bezahlt wird, dann haben sie 96,-€ gemacht, und das für den Preis von einhundert E-Mails. Selbst wenn der User nicht zahlt, und die Forderung anschließend von einem Inkasso-Unternehmen gemahnt wird, lohnt es sich noch für die Verbrecher - wenn der User, durch den Einsatz des Inkasso, eingeschüchtert genug ist, um doch noch zu zahlen. Aktuelle Zahlen habe ich jetzt nicht, aber da es solche Firmen noch immer gibt (die auch teilweise nur Rechnungen verschicken, ohne jemanden auf eine Seite gelockt zu haben), scheint es sich selbst mit dem Risiko einer Strafverfolgung zu lohnen. Auch Anwaltskanzleien werden dabei beauftragt; sie haben aber in etwa genauso viel rechtliche Handhabe wie die Inkasso-Argenturen: Gar keine.
Warum ich das hier nach fast drei Jahren noch mal schreibe? Weil ich finde, man muss so lange warnen und informieren, wie es diese Art von Betrug noch gibt.
Ich habe damals NICHT bezahlt, habe fünf oder sechs Mahnungen vom Inkasso bekommen, rundweg ignoriert, und lebe jetzt in Ruhe und Frieden. Zumindest vor Megadownload.org.

Ich möchte hier noch einmal die wichtigsten Eckpunkte zusammen fassen:
1) Flattert bei Euch eine Forderung ins Haus, willkürlich aufgestellt oder wegen der Anmeldung auf einer Seite, widersprecht. Selbst wenn Ihr die "Abmeldefrist" schon überschritten habt, widersprecht und erklärt, kein Abo abschließen gewollt zu haben, weil Ihr von einer Gratisnutzung ausgegangen seid. Ihr könnt, wenn die entsprechende Firma im Internet bereits als Betrüger gebrandmarkt ist, natürlich auch den ganzen Vorgang ignorieren. D.h. alle Mails und alle Mahnungen einfach in die Tonne kloppen. Einen Vordruck gibt es im Web.
2)Flattert bei Euch eine Inkasso-Zahlungsaufforderung ins Haus, braucht Ihr weder anzurufen, noch zurückzuschreiben. Eine Inkasso-Argentur fordert, was ihr Auftraggeber in Auftrag gibt. Das bedeutet, dass die Argentur Euch NICHT zwingen kann zu zahlen.
3) Es gibt eine Sache, die eine Reaktion erfordert (mit oder ohne Widerspruch). Sollte Euch ein gerichtlicher Mahnbescheid ins Haus flattern, weil die Verbrecher mit Eis in den Adern ausgestattet sind, WIDERSPRECHT. Dazu müsst Ihr auf dem Mahnbescheid nur das große Feld ankreuzen, mit dem Ihr der Forderung widersprecht. Und natürlich zurückschicken. Nun wird der Richter erstmal prüfen, ob die Forderung überhaupt gerechtfertigt ist. Da die Justiz mittlerweile auf diese Art von Verbrechen aufmerksam geworden ist, bedeutet das, dass unsere Verbrecher sich ins eigene Bein schießen, weil sie nun für die Justiz identifizierbar und damit fassbar sind. Daher ist ein gerichtlicher Mahnbescheid sehr unwahrscheinlich. Nach meinen Informationen gab es tatsächlich zwei Gerichtsverfahren, die aber beide im Sinne des Gemahnten entschieden wurden. Diese Verbrecher meiden das Gericht wie der Teufel das Weihwasser.
Dennoch darf man den gerichtlichen Mahnbescheid NICHT ignorieren. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, einen zu kriegen, stark gegen null geht.
4) Nun heißt es, egal ob mit Inkasso oder gar widersprochenem gerichtlichen Mahnbescheid, die Sache einfach auszusitzen. Deckel drauf, die Mahnbriefe in die Mülltonne, und gut ist.
5) Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, oder wenn Ihr bereits Ängste ausstehen müsst und doch dazu tendiert zu zahlen, weil das alles doch irgendwie logisch klingt, und Ihr keinen Ärger wollt, schluckt ne Baldrian und telefoniert mit der nächsten Verbraucherzentrale, und/oder einem Anwalt.


Mein Fazit: Merkt Euch, diese Art der Abzocke funktioniert nur, wenn ein Idiot mitspielt und sich abzocken lässt.
Also, wenn Ihr in ein Abo-Falle geratet, Ruhe bewahren, nicht provozieren und nicht einschüchtern lassen. Die Sache aussitzen. Sie dauert nur ein halbes Jahr.
Früher gab es auf Youtube Videos vom Katzenjens, der sich mit Engelsgeduld den verunsicherten Opfern annahm und aufklärte. Youtube hat aus mir nicht ersichtlichen Gründen die Videos gesperrt, seitdem ist der Katzenjens weg. Aber es wird sich für die ganz Verängstigten lohnen, nach ihm auf anderen Plattformen zu googlen. Mich hat er damals sehr beruhigt.
Und ich hoffe, hier eventuell das Gleiche für andere User wie mich gemacht zu haben.
Noch ein letzter und wichtigster Rat: NICHT ZAHLEN! Nicht nur, dass Ihr dann für nix und wieder nix GELD los seid, Ihr finanziert damit auch die Terrorisierung anderer User. Also, kein "um des lieben Friedens Willen" und zahlen, sondern ein "für alle Verbraucher wie mich" und NICHT zahlen.

Euer Ace

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Hallo Ace,
Ja die alte Masche. Wird ja nicht nur im Internet versucht und nicht nur von unseriösen Firmen.
Wobei der Vorteil bei seriösen Firmen (z.B. Telefonanbieter) ist, dass sie teilweise solche Daten wie das Alter von Personen haben. So werden halt gezielt ältere Menschen belästigt und gedrängt einen „supergünstigen“ neuen Vertrag abzuschließen.

Gruß Stinkstiefel

Ace hat gesagt…

Telefonverkauf ohne Erlaubnis des Angerufenen ist strafbar. Das gilt auch für Telefonanbieter...
Wie es sich verhält, wenn man Kunde ist oder mal Kunde war, kann ich aus dem Stegreif nicht sagen. Aber zumindest sollten solche dreisten Firmen mit ihrem Image teuer bezahlen.

Stinkstiefel hat gesagt…

Das Problem dabei ist aber, dass dies oft nicht auffällt.
Diese kleine Anekdote war Mir selbst passiert. Nur durch Zufall ist es mir bei meiner Urgroßmutter aufgefallen.

Ace hat gesagt…

Brandmarke doch bitte den Anbieter hier, indem Du ihn erwähnst.

Stinkstiefel hat gesagt…

So weit Ich es noch weis, war es die Telekom. Das Geschäft ging dann aber woll komplett nach hinten los, da der Anschluss gekündigt wurde.

Ace hat gesagt…

Soweit Du weißt? Sorry, aber sei Dir einhundert Prozent sicher. Wenn ich einer Firma vorwerfe, vorsätzlich alte Leute zu übervorteilen, ist das eine gute Grundlage. Vor allem wenn es eine Firma wie die Telekom ist.

Stinkstiefel hat gesagt…

Habe mir schon gedacht, das Du etwas an meiner Wortwahl und Rechtschreibfehlern auszusetzen hast.^^
Und Ja, es kann zu 100 % nur die Deutsche Telekom sein, da meine Großeltern immer noch diesen Anbieter haben, schon seit der Wende.
Um die jetzige Unklarheit auszuräumen. Meine Urgroßmutter lebt bei meinen Großeltern im Haus hatte aber einen eigenen Telefonanschluss.

Ace hat gesagt…

Tja, dann können wir sagen, ich habe hier einen Zeugen, der dabei war, als die Telekom versucht hat, seine Urgroßmutter mit "günstigeren" Tarifen zu übervorteilen.
Ohne mehr Details müssen wir es zwar dabei belassen, aber mit Ruhm bekleckert wurde der große deutsche Anbieter heute nicht.