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Dienstag, 10. Mai 2011

Alles Atomkraft, oder was?

Herrschaften... Regelmäßige Leser meines Blogs - ja, ich meine Euch fünf ^^ - wissen, dass ich mich mit dem Thema Atomkraft beschäftige. Mit seinem Nutzen, seinen Risiken, dem Problem der Endlagerung, den wahren Kosten für diese Technologie, und noch einigen Dingen mehr, die mir oft genug sauer aufgestoßen sind. Ich will damit sagen, ich habe eine Menge Antworten und eine fundierte Meinung.
Aber all das hilft mir plötzlich nicht mehr.

...sacken lassen.
Versteht mich nicht falsch. Es kann immer mal vorkommen, dass einem jemand ein Argument in einer Diskussion um die Ohren haut, auf das man keine Erwiderung hat, oder über das man sich noch keine Meinung gebildet hat. So etwas kommt vor. Und ich gebe in solchen Situationen meistens meine Unwissenheit zu und verspreche zu recherchieren. Doch diese spezielle Fall hinterlässt mich doch ratlos.

Damit Ihr meine Verwirrung versteht, hier mal meine kurze Chronologie der Ereignisse.

Im Koalitionsvertrag von Rot/Grün wird 1998 festgelegt, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigt. Mit der Atomkraftindustrie wird vereinbart und festgelegt, dass bis 2020 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht. In neueren Tagen geistert sogar ein 2022 herum, warum auch immer.
Dieses Credo galt bis 2009. Da kam Angie mit der CDU und der FDP an die Macht, verabschiedete sich von der Großen Koalition, und so ziemlich das Erste was sie tat, das war - nachdem die FDP ihr Steuergeschenk an die Hoteliers abliefern konnten - der Atomlobby unbegrenzte Laufzeiten für ihre Atommüllproduzenten zu servieren. Für Strom, wohlgemerkt, der hauptsächlich ins Ausland geliefert wird. Die Atomindustrie hätte hier also nicht nur den Strompreis für einen Exportartikel kassiert, sondern auch weiterhin die beträchtlichen Subventionen. Aber das ist ja verständlich, weil sie für ihren Atomstrom im Ausland weniger bekommen als in Deutschland: Weil wir Deutschen ja ohnehin den vierthöchsten Strompreis in Europa zahlen. Trotz Atomstrom, der angeblich so billig ist. Da muss man der Atomindustrie schon mit ein paar Milliarden unter die Arme greifen.
Nächster Punkt der Handlung ist das furchtbare Tsunami-Unglück in Japan, verbunden mit dem Erdbeben und der Havarie von vier der sechs Reaktoren der Anlage Fukushima Daiichi. Da ging es Klick, ein Moratorium musste her, und eine Kommission will jetzt einen "behutsamen Ausstieg" empfehlen. Nun ringt die Bundesregierung um Ideen, Pläne und ein Konzept.

...sacken lassen.
Hallo? Bin ich der einzige, der hierbei Kopfschmerzen kriegt? Das Konzept für den Ausstieg liegt doch seit 2002 fertig in der Schublade, und die Stromindustrie hat doch Vertragsgetreu alles getan, um sich auf den Termin 2020, bzw. 2022 vorzubereiten. Und jetzt soll das alles hinfällig sein? Ich meine, ein verdammtes Jahr und die paar Monate reichen, um ein Konzept, das sieben Jahre funktioniert hat, so vollkommen ad absurdum zu führen?

Ich für meinen Teil fühle mich hier verarscht. Vor allem von gewissen Lobbyisten. Aber in erster Linie von Mama Muberkel.
Hier kommt meine Prophezeiung: Rot/Grün hatte den Ausstieg zu 2022 fertig in der Schublade, mit Segen der Atomindustrie. Schwarz/Gelb will jetzt in Panik auch aussteigen. Und ich WETTE, die Regierung kommt zu dem Schluss, dass ein sicherer Ausstieg erst 2030 oder 2040 gewährleistet werden kann... OBWOHL wir mit Rot/Grün bereits 2022 vom Netz der Subventionsschleudern gewesen wären.
Denkt da mal drüber nach.

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Das Gedächnis von Politikern ist halt kurz, 4 Jahre um genau zu sein. Es herrscht auch sicherlich die Meinung vor, alles besser zu können als alle Anderen.
Kann ja nicht sein, das man den Murks von der vorgänger Regierung übernimmt. Steht dann ja auch nicht Schwarz/Gelb sondern Rot/Grün.
Hat nicht auch die Ethikkommision vor kurzem bekannt gegeben,dass der Atomausstieg bis 2021 spätestens zu realisieren ist.

Ace hat gesagt…

Stinkstiefel, es würde mich doch sehr wundern, wenn die Schwarz/Gelbe Lobbypartei den Stromkonzernen nicht mindestens ein Extra-Jahrzehnt zuschustern könnte.

Was mich in diesem Zusammenhang aber freut: Die Konventionalstrafen, die Muberkel selbst hat einpflegen lassen, um der SPD eine Wiederaufnahme des Ausstiegs zu erschweren, hat sie nun selbst verursacht. XD

Stinkstiefel hat gesagt…

Tut mir leid, mich feud dass nicht.
Da mal wieder sinnlos Geld verpulvert wird.

Frage: Ist das bei ... Muberkel eigentlich noch Führungsschwäche oder wirklich Absicht?

Ace hat gesagt…

Hat sie denn jemals Führungsstärke gezeigt?

Stinkstiefel hat gesagt…

Hm, wenn Du mit Führungsstärke meinst, dass sie sich vor die Leute stellt und sich mit einen Thema durchsetzt, welches unpopulär ist aber Richtig, wohl eher nicht.

Ace hat gesagt…

Wenn sie sich durchsetzt, dann ist das schon Führungsstärke. Aber alle ihre Vorhaben und Projekte hat sie ja eher entweder ausgesessen oder durchlaviert. Die Laufzeitverlängerung zum Beispiel musste sie nicht "durchsetzen", weil sie die Opposition wegen der Bundesratsmehrheit nicht fragen musste - und in den Regierungsfraktionen Einigkeit herrschte. Führungsstärke definiert sich durch Konfliktbereitschaft, aber auch Kompromissbereitschaft. Beides ist bei Angie m.E. nicht zu erkennen.

SilviaK hat gesagt…

Ja, das 4-Jahres-Kurzzeit-Gedächtnis wird mit allem Erinnerungsvermögen vermutlich auch nach Ablauf der 4 Jahre komplett gelöscht ...

Ace hat gesagt…

Leider. Aber deswegen blogge ich ja...
Vielleicht kann ich es bei einigen reaktivieren.
Und was noch viel wichtiger ist, vielleicht kann ich selbst dazu lernen...

SilviaK hat gesagt…

http://www.zeit.de/2011/20/Energiewende-Interview-Merkel

Was Neues zum be-bloggen :-)

Ace hat gesagt…

Den Link kann man empfehlen. Muberkel zeigt - neben dem parteilichen Geschrei, in dem sie von den Interviewern von der Zeit teilweise unterstützt wird - an manchen Stellen erstaunliche Einsichten, die man unterstreichen, speichern und Muberkel in zwei Jahren um die Ohren hauen sollte.
Besonders treffend fand ich ihren Kommentar zum Atomkraftausstieg, wenn unsere europäischen Nachbarn dies nicht tun. Wenn wir uns daran aufhängen, "dann drehen wir uns im Kreis". Das ist eine interessante Formulierung, vor allem für eine schwarze Kanzlerin. Aber auch nicht ganz richtig. Denn dann, Frau Muberkel, drehen wir uns nicht im Kreis, sondern schreiten innovativ vor allen voran in den zukünftigen boomenden Energiemarkt. Und genau das ist es, was Deutschland in den nächsten dreißig Jahren groß machen wird...