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Mittwoch, 29. April 2009

Schweinegrippe heißt eigentlich H1N1... Und spart Öl.

Folgende Kuriosität ist mir begegnet: Nachdem der Hype um die neue Pandemie (Bezeichnung für eine weltweite Verbreitung eines Krankheitserregers) gerade so richtig aufkommt und die Boulevard-Presse sich so richtig schön drauf eingeschossen hat, erreichte mich folgende Meldung:
Moslems und Juden sind in erstaunlicher Zweisamkeit vereint. Nämlich im Anliegen, die als Schweinegrippe berüchtigt gewordene Lungenerkrankung nicht länger Schweinegrippe zu nennen.
Der Grund für diesen Antrag ist erschreckend banal: Sowohl bei Moslems als auch Juden gelten Schweine als unreine Tiere, weshalb der Name an sich bereits eine Beleidigung ist.
Abgesehen davon, dass dieses Ansinnen eine Beleidigung darstellt, weil sie so unsachlich ist, dass es weh tut, haben sie gar nicht mal so unrecht wenn sie fordern, dass die Grippe nach dem Herkunftsort benannt werden sollte. Also Mexiko-Grippe, oder Nordamerika-Grippe.
In Europa hat man sich heute durchgerungen, die Schweinegrippe tatsächlich umzutaufen, auf Neue Grippe. Also, da fand ich Mexiko-Grippe aber besser. Vor allem wenn man weiß, dass genau DIESER Erreger bei Schweinen bisher überhaupt nicht nachgewiesen wurde.
Was nun? Lachen wir drüber und widmen uns wieder dem Tagesgeschäft? Oder malen wir ein buntes Schild mit der Aufschrift: DAS ENDE IST NAHE! und wandern wir durch die Fußgängerzonen der Großstädte, am besten begleitet mit schlimmen Husten?
Weder noch. Zwar haben einige Medien gemeldet, H1N1 (ist mir lieber als Schweinegrippe) hätte Deutschland erreicht, aber damit sind wir noch meilenweit von einer Epidemie oder gar Pandemie entfernt.
Warum? Dazu wichtige Fakten.
1) Der Virus ist entweder mutiert oder hat sich abgeschwächt. In anderen Ländern, zum Beispiel den USA oder Spanien, gab es bisher keine Todesfälle; die Infizierten befinden sich auf einem guten, stabilen Genesungskurs.
2) Die Inkubationszeit für diese Form von Lungenerkrankung beträgt ein bis vier Tage. Dies ist die Zeit von der Ansteckung bis zum möglichen Ausbruch der Krankheit, die sich mit grippalen Symptomen zeigt. Also Fieber (teilweise HOHES Fieber), Husten, Schnupfen, Appetitlosigkeit, in einigen Fällen Durchfall und andere Verdauungstraktbeschwerden.
Die Infektion erfolgt grundsätzlich durch Tröpfcheninfektion. Also annießen, anhusten, einen kontaminierten Gegenstand berühren.
3) H1N1 ist nicht gefährlicher als der übliche Grippe-Virus, der tatsächlich jedes Jahr pandemisch über uns hereinbricht und bei weitem nicht so große Panik auslöst - oder so große Panik verbreitende Schlagzeilen. Danke dafür, BILD!
Im Gegenteil. Die herrschende Meinung von Virologen ist, dass gesunde Menschen diese Infektion mit Bettruhe und Schonung problemlos durchstehen werden.
4) Merkwürdigerweise waren bei der ersten Welle an großflächigen Erkrankungen hauptsächlich junge Menschen betroffen. Zielgruppe für Grippe sind aber Alte, Kinder, Kranke.
Da wird man nachdenklich, in mehr als einer Beziehung. Was man aber dringend begreifen sollte ist, dass Mexiko City eine Stadt in einem Talkessel mit ZWANZIG MILLIONEN MENSCHEN ist. Wenn dieser Virus wirklich so ein Killer wäre oder wenn die Schutzmaßnahmen nicht greifen würden, welche Mexiko ergriffen hat, hätten wir schon tausende Tote und hunderttausende Erkrankte. Haben wir aber nicht. Irgendwas machen sie also richtig in Mexiko.
5) Tamiflu hilft! Aber bitte, bitte, bitte, liebe Mitbürger, verfallt weder in Panik und hortet Tamiflu, noch verflucht die Politiker, die nicht jedem Deutschen sein eigenes Tamiflu-Päckchen gewähren. Denn Tamiflu sollte man nur in zwei Fällen nehmen: Einerseits wenn man einer Risikogruppe angehört, also Arzt, Pfleger ist und direkt mit Grippefällen arbeitet, Polizisten auch, andererseits wenn man erkrankt ist oder durch Infektionen in nächster Nachbarschaft absehen kann, es selbst zu kriegen.
Was ist Tamiflu? Tamiflu ist ein Botenstoff, der den Viren sagt, sie sollen nicht das machen was sie tun, nämlich sich in gesunden Zellen selbst reproduzieren.
Jetzt in Panik auszubrechen und den Tamiflu-Lizenzgeber noch reicher zu machen ist vollkommen unnötig.

Ich spekuliere ja zur Zeit ein wenig darüber, ob die Tatsache, dass vor allem junge Menschen in der ersten Welle der Erkrankten betroffen waren, nicht für einen terroristischen Anschlag spricht. Aber wenn ja ist er schief gelaufen, weil der Virus nach ein paar Generationen nicht mehr letal ist.
Andererseits schlage ich mir die Hände vors Gesicht, wenn ich mir vergegenwärtige, dass bei der letzten Grippewelle rund zweihunderttausend Menschen umgekommen sind. Okay, die Zahl recherchiere ich noch mal. Sie erscheint mir etwas klein zu sein.
H1N1 hat vielleicht erst begonnen, aber hat nicht einmal annähernd so viele Opfer gefordert, und wird es wahrscheinlich auch nicht. Höchstwahrscheinlich.

Mein Schlusswort:
Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, mein schwerer Husten und meine starke Erkältung, die ich um Silvester hatte, war Teil der damaligen Grippewelle. Meine Schwester hatte schweres Fieber, weitere Verwandte ebenso. Ich habe zwar die ganze Krankheit mit einem zweistündigen Fieberschub überstanden, war danach aber drei bis vier Wochen nicht auf der Höhe.
Übrigens gab es keine Toten in unserem Fall.
Also, dieser Rat gilt für alle Grippe-Infektionen, nicht nur für H1N1, das keinen von uns je erreichen wird, zumindest nach meiner Einschätzung: Wenn Ihr Grippe hattet, geht es langsam an. Sehr viel mehr Menschen sterben nicht an der Infektion, sondern daran, dass ihr Herzmuskel geschwächt wurde und sie sich zuviel zumuten. Leben ist viel schöner als Sterben, versprochen.

Und um noch einmal Bezug auf den Titel zu nehmen: Tatsächlich spart diese "Krise" Öl ein - nämlich wenn Flüge nach Mexiko und aus Mexiko raus storniert werden.
Der Ölverarbeitenden Industrie wird das nicht gefallen. Zwar versucht sie schon seit Wochen an den Tankstellen unsere neue Schmerzgrenze auszuloten, indem sie ihren Sprit rund achtzehn Cent teurer anbietet als sie sollte - Rohöl ist mehr als genug auf dem Markt - und wir bezahlen eifrig, weil BILD darüber NICHT berichtet. Aber "genug" gibt es ja für diese Branche nicht. Anders kann man sich das Gejammer z.B. der Gasversorger nicht erklären, die einerseits sich an den Ölpreis hängen wenn er steigt, aber bei fallenden Preisen davon plötzlich nichts mehr wissen wollen. Bundeskartellamt, das ist Euer Job.

Montag, 20. April 2009

Gastblogger des Monats.

Ich weiß, ich weiß, der Titel ist etwas hochgestochen, aber wann hat mich sowas je aufgehalten? *g* Jedenfalls fühlte sich mein Autorenkollege Harun Raffael durch meine vehementen Blogs den Kreationismus betreffend motiviert genug, um selbst Fakten zu sammeln und einen Artikel zu schreiben.
Ich finde ihn viel zu gut, um ihn nicht zu veröffentlichen, deshalb kommt hier mein allererster Gastblogger Harun zu Wort:

Die Wahrheit über Jesus
NT-Forschung - ein immens weites und extrem intensiv beackertes Feld, auf
dem du jede Menge solcher Desinformation finden kannst, wie du sie unter dem
Stichwort "Kreationismus" beklagt hast.
Ich hatte mich schon vor längerer Zeit mal von einem "Standardwerk" über
Jesus informieren lassen: "The Holy Blood and the Holy Grail" von Michael
Baigent, Richard Leigh & Henry Lincoln. Richtig, das ist das Buch, von dem
Dan Brown plagiiert haben soll. Nur, dass in diesem Buch absolut nichts über
Jesus drinsteht, was nicht schon vorher Andere geschrieben hätten. Wo hatten
Baigent/Leigh/Lincoln denn wohl ihre Inhalte her?
Jedenfalls haben sie sich als hochkundige Bibelforscher geriert, und den
Indizienbeweis geführt, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war, als
politischer Aufrührer hingerichtet wurde, die Kreuzigung aber überlebt hat,
und noch so manches mehr. Klingt alles sehr schlüssig, ja geradezu
zwingend - man fühlt sich gedrängt, mit diesem Buch als Rüstzeug andere
Leute über Jesus aufzuklären. Freilich zeigte sich nach und nach, dass schon
ein GEO-Artikel über den historischen Jesus ausreichte, um zumindest ein
oder zwei der "Schlüsselindizien" von Baigent/Leigh/Lincoln als sachlich
falsch nachzuweisen, und einige mehr als zumindest extrem ungewiss.
Was ich sagen will? Nun, Tiff, wenn du Angaben über den historischen Jesus
aufgegriffen hast, dann ist die Formulierung "massive Zweifel" hoch
angebracht - an der Formulierung "belegen" aber würde ich massive Zweifel
anmelden.
Zu den Evangelisten habe ich selber die begründete Auffassung gehört, dass
keiner von ihnen ein Zeitzeuge Jesu gewesen sein kann, und am allerwenigsten
kann der Evangelist Johannes der Jünger gleichen Namens gewesen sein. Diese
Identifizierung, die seit der Spätantike christlicher Kanon ist, kann schon
deshalb unmöglich stimmen, weil das Evangelium offenkundig von einem
hochgebildeten griechischen Literaten verfaßt wurde. Aber, Lutz, da du
offenbar ganze Seminare zu dem Thema besucht hast, will ich meine Zweifel
nicht weiter führen, denn so gründlich hab ich mich nicht kundig gemacht.

Aktuell in der Diskussion: Paul Verhoefen hat ein Buch über Jesus
herausgebracht. Keinen Film. Ein Sachbuch. Seine eigene Darstellung:
ursprünglich hatte er begonnen, an Bibelseminaren teilzunehmen, weil er
einen Film über Jesus machen, und dafür recherchieren wollte. Je mehr er
dort erfuhr, desto klarer wurde sein Entschluss, den Film zu streichen, weil
so ein Film eine klare Aussage treffen muss, wie es denn nun war - und dazu
sah sich Verhoeven nach seinen Studien nicht mehr in der Lage! Stattdessen
hat er jetzt nach 20 Jahren in ein Sachbuch gepackt, was er in all den
Recherchen und Diskussionen erfahren hat, mit allen Ungewissheiten. IMHO:
Eine bermerkenswert vorbildliche Haltung!

Kreationismus-Debatte
Seit bald 20 Jahren wächst - erst ganz heimlich, mittlerweile laut und
selbstherrlich - ein Trend des Zeitgeistes heran, auf praktisch jedem
denkbaren Themengebiet die Behauptung zu verfechten: Wir bekommen eine
Irrlehre erzählt, es ist in Wirklichkeit alles ganz anders, und die Wahrheit
wird von der Verschwörung der orthodoxen Wissenschaft unterdrückt.
Was einstmals hierzulande nur die spezielle Macke Erich von Dänikens war -
und einiger ganz obskurer Hobbyautoren - wird längst auf immer mehr Gebieten
eine populäre Masche, die immer breiteren Anklang findet. Das schließt an
prominentester Stelle die Bewegung des Kreationismus ein; wobei die
einschlägigen Darwin-Leugner in Europa zum guten Teil ohne jeden Bezug zum
christlichen Fundamentalismus agieren. Siehe den prominenten (?) Vertreter
Hans-Joachim Zillmer. Nach eigenen Angaben ist er Bestsellerautor mit
Büchern wie "Darwins Irrtum" und "Die Evolutions-Lüge", und nach seinen
Texten ausweislich konfessionslos bis kirchenfeindlich.
Dieser Trend ist direkt parellel und geistesverwandt mit jenen Leuten der
modischen Anti-Umweltschutz-Propaganda, die uns einreden wollen, es gäbe
überhaupt keine Erderwärmung, und wenn doch, waren wir es nicht, und z.B.
Rachel Carsons Warnungen vor Pestiziden seien ein Haufen Lügen - komplett
mit der Behauptung, die ganze Umweltbewegung sei nur eine Loge von
Propagandisten, die mit ihren Panikmache-"Lügen" die eigene Karriere
absichern wollten. Diese spezielle Variante von Verschwörungstheorie hat
einen guten Freund von mir völlig vereinnahmt (der ansonsten z.B. Zillmers
Rhetorik problemlos durchschaut).
Immer wieder das gleiche Muster: Was im Mainstream der Öffentlichkeit als
anerkannt gilt, ist in Wirklichkeit ein Haufen Unsinn, in Wahrheit ist alles
ganz anders, und die anerkannte Lehre ist eine Verschwörung eines Kartells
von Meinungsmachern, die damit nur ihre Autoritätsposition und ihre Pfründe
verteidigen wollen.
Immer wieder interessant zu beobachten, wie Dänikenisten, Kreationisten,
Anti-Öko-Aktivisten und politische Verschwörungstheoretiker inklusive
Antisemiten exakt dieselbe Sprache sprechen. Physik-Revolutionäre, die
wissen, wie man die Schwerkraft aufhebt, Zeitmaschinen und Sternentore baut,
genauso. Nur dass die Geschichtstheorien à la Däniken und die
Physik-Theorien in Grunde harmlos sind, während die anderen Varianten sich
allmählich zu einer gesellschaftspolitischen Krisensituation auswachsen.

- Neulich in der FAZ gesehen: Es gibt im US-Staat Kentucky ein komplettes
Kreationismus-Museum, in Petersburg, am Highway 275 gleich hinter der
Flughafenausfahrt von Cincinnati. So eine Art Mittelding aus
Naturkundemuseum und Theme Park. (www.creationmuseum.org)
Ich fühlte mich gleich an den riesigen Däniken-Themenpark im schweizerischen
Interlaken erinnert, der mittlerweile leider Konkurs gemacht hat.
(Verabscheue ich Däniken? Ja. Aber macht etwas so schräges die Welt nicht
doch bunter? Auch ja. Ich glaub' ich hätte es doch gerne mal besucht.)

- In der FAZ wird überhaupt sehr regelmäßig über die Bemühungen der
Christenszene berichtet, mit der modernen Wissenschaft und speziell dem
Darwinismus klarzukommen; die Rede ist von den respektablen Christen, nicht
den Kreationismus-Bekloppten. Mir sind im Lauf eines Probeabos neben dem
Touristenbesuch im Creation Museum u.a. zwei Buchbesprechungen zum Thema
begegnet.

- Zu den Forschungen über den Stammbaum des Lebens und unsere
Nicht-Verwandtschaft mit den Schwämmen:
Typisches Syndrom der Revolutions-Theorien - der hemmungslose Wille, die
Ergebnisse der seriösen Forschung beliebig auszuplündern und zu
missbrauchen, indem man alles zitiert, was man für sich verwenden kann,
grundsätzlich unter Missachtung jeglichen Zusammenhangs - also irreführend
unvollständig und damit lügnerisch falsch darstellt.
Es gibt keine eigenständige Forschung des Kreationismus. Es besteht alles
als geplündertem Material - nimm, was die Wissenschaft hervorbringt, aber
ignoriere, dass die gesamte Forschungsarbeit, die du zitierst, die
Korrektheit des wissenschaftlichen Weltbildes teils voraussetzt, teils
bestätigt. Motto: "Es ist alles nicht wahr, und auch wenn es wahr ist,
bestätigt es in Wirklichkeit uns."

- zu Tostan: Es ist eben kein Problem von "man kann nicht alle
Minderheitenmeinungen darstellen". Alle Spielarten von Kreationismus und
Intelligent Design sind eben überhaupt keine wissenschaftlichen
Auffassungen, sondern religiöse Glaubensüberzeugungen, die mit dem Schein
wissenschaftlicher Argumentation bemäntelt werden - dies ist ein absoluter
Wesensunterschied zu legitimen Minderheitenmeinungen innerhalb der
Forschung. Die Kreationisten weigern sich, das Spiel nach den Regeln zu
spielen, aber sie wollen den Profit davon, so zu scheinen, als ob. Das wurde
auch von US-Gerichten ausdrücklich so befunden - man kann also US-Richter
von der Sache der Vernunft überzeugen.

- Zu Tiffs USA-Ausführungen: Die US-Verfassung gebietet zwar die Trennung
von Kirche und Staat, was heißt, dass eindeutige Religion nicht an die
Schulen darf. Das hat auch die besagten Gerichtsurteile ermöglicht.
Leider verbietet in den USA nichts, dass die Kirche die Kontrolle über die
gesamte Gesellschaft übernimmt - weil es US-Philosophie ist, möglichst wenig
staatlich zu regeln, und möglichst viel staatsfernen Regelungen zu
überlassen. Auf dieser Ebene kann sich die Tyrannei des christlichen
Fundamentalismus ungebremst austoben. Wenn z.B. Museen allein von
Stiftergeldern abhängen, und Kampagnen gegen "unanständige" Kunst gefahren
werden; oder wenn Stadt- und Schulbibliotheken von Schul- und Bürgerkomitees
kontrolliert werden, und alle Titel, die die Evolutionslehre oder andere
unerwünschte Dinge behandeln, ganz im Stillen der Bücherverbrennung
anheimfallen.

- Das Auge und die Unmöglichkeit seiner Evolution:
Am witzigsten - oder am obszönsten - daran ist, dass diese Geschichte noch
heute permanent als aktuelle Erkenntnis der Kreationisten serviert wird,
obwohl sie in Wirklichkeit schon um 1900 als Argument gegen Darwin
vorgebracht wurde. Und schon damals haben führende Darwinisten klipp und
klar belegt, dass und warum das Argument von der Perfektion des Auges
absoluter Unsinn ist. Alle Antworten liegen vor. Damit kann man schon seit
über hundert Jahren als Kreationist diese Geschichte eigentlich gar nicht
mehr in den Mund nehmen - wenn man ehrlich wäre. Seit damals belügen die
kreationistischen Prediger permanent ihre Zuhörerschaften, indem sie ein
absolut und zwingend widerlegtes Argument präsentieren, als ob die
Widerlegung nicht existierte.
Es gibt etliche solche Beispiele, auch neuere Erkenntnisse, bei denen
Verteidiger der Evolution eine klar schlüssige Argumentation vorlegen, warum
ein "Beweis" der Kreationisten unhaltbar ist, und dies dem fraglichen
Prediger detailliert mitteilten - und der erzählt seinem Publikum dieselbe
Predigt ohne ein Wort der Änderung weiter. (Exakt dasselbe erlebt man mit
UFOs.)

- Karbon-Analyse:
Eine der widerlichsten Auswirkungen dieser Wissenschafts-Revisionisten ist,
dass man sich fast gar nicht mehr traut, ernsthafte kritische Diskussionen
um das eine oder andere Thema zu führen, weil man fürchten muss, dass man
der Lügenrhetorik der Revisionisten damit Munition liefert. Die
Radiokarbondatierung und andere Verfahren haben durchaus ihre Tücken, und
man muss mit vielen Ergebnissen sehr vorsichtig sein. Aber mag ich das
überhaupt noch aussprechen, wenn ich weiß, dass ich sofort von H.J. Zillmer
zitiert werde, der mich als Zeugen dafür nimmt, dass alle Geschichte
gefälscht ist, und die Weltgeologie in Wirklichkeit durch eine abrupte
Polverschiebung zu erklären ist?

- Grand Canyon: Der ist möglicherweise tatsächlich durch eine
Katastrophenflut innerhalb weniger Jahrtausende entstanden, statt in
Jahrmillionen. Man hört von seriösen Forschern wenig darüber - vermutlich
deshalb, weil die Angelegenheit von den Revisionisten vereinnahmt worden
ist, bevor überhaupt eine seriöse Diskussion darüber entstehen konnte,
wodurch das ganze Thema anrüchig geworden ist.

- Was soll ich sagen, die "Diskussion" mit Roland Roth über
Alternativgeschichte vor Zeiten im WoC brodelt immer noch in mir. Nicht
zuletzt, weil ich erst in den Jahren seither in einigen Punkten
herausgefunden habe, wie unehrlich Roland in einigen Behauptungen war.
Zweifellos nicht in Form einer willentlichen Lüge seinerseits - man
beobachtet in dieser Szene immer wieder verblüfft, wie weit die Praxis des
Selbstbelügens und der ehrlichen Pflege irrwitzigster Illusionen gehen kann.
Jedenfalls sind die Mystery-orientierte Geschichtsforschung, die
UFO-Forschung und die Spielarten der Paraphysik weitere Felder genau des
gleichen revisionistischen Denkens.

- "Die junge Dame war präpariert worden" - der Fall muss nicht ganz so
verschwörerisch sein, wie du ihn klingen läßt. Es ist für Anhänger von
Verschwörungstheorien und ähnlichem absolut typisch, dass sie sich mit einem
Feuereifer in die Aufgabe stürzen, absolut alles (bestätigende) über ihre
Theorie zu wissen - wodurch sie auf absolut alles eine fertige Antwort parat
haben, was ein durchschnittlich interessierter Laie gegen sie vorbringen
könnte. Das ist mir erstmals in Fragen der Weltpolitik begegnet, statt in
der Wissenschaft. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es eine antisemitische
Theorie war, aber es war in der generellen Gegend.

- "dass Kreationisten tatsächlich so einen Punkt nutzen und gegen dich
verwenden"
In der Tat: Wenn man es nicht gerade mit besonders Dummen zu tun hat, muss
man höllisch darauf achten, dass man wirklich Argumente vorbringt, welche
von vornherein mit den Erwiderungen und der inneren Logik der Revisionisten
rechnen. Das erfordert geradezu professionelle Kenntnisse. Andernfalls wird
man kalt erwischt.
Seit ich weiß, was die intelligenteren Kreationisten für ein
Argumentationsniveau gegen Darwins Theorie der natürlichen Selektion
aufzufahren imstande sind, halte ich mich aus der Sache eher raus. Da kommt
nur noch ein Richard Dawkins mit - oder, vor seinem allzu frühen Tod,
Stephen Jay Gould. An seinen Schriften habe ich 20 Jahre lang den Kampf
gegen den Kreationismus mitverfolgt.

- Die Ursuppenfrage:
Typische Sache von halbkorrektem Halbwissen, das für ein spezielles
Propaganda-Interesse eingespannt wird. Die "Ursuppe" in der klassischen Form
gilt tatsächlich weithin als etwas überholtes Modell, das nicht so ganz
überzeugt. Man kommt damit bis zu einfachen Aminosäuren, aber nicht bis zu
Nukleinsäuren und Selbstreplikation. Seither hat man ein ganzes Rudel neuer
Denkansätze entwickelt, wie die Urelemente des Lebens unter den Bedingungen
der Urerde entstanden sind. Es wird auch weiterhin neue Modelle geben -
selbst dann, wenn jemand es schaffen sollte, im Experiment echtes neues
Leben zu erschaffen, wird man nicht absolut wissen können, dass das Leben
damals wirklich genau so entstanden ist.

- Der Neonazi in Auschwitz:
Schöne Bekanntschaften machst du. Ich hätte sofort gewusst, was ich dem
miesen Sack von krawallsüchtigem Wichtigtuer hätte um die Ohren hauen
können. Sachlich: Es ist doch eine ganz simple Sache der logischen
Vernunft - selbst wenn Zyklon-B charakteristische Ablagerungen an den Wänden
hinterlassen sollte, kann nicht irgendein Hansel hereinlaufen, einmal auf
die Wand glotzen und sagen: "Da ist aber nichts!" Das ginge nicht mal, wenn
die Räume perfekt witterungsgeschützt wären. Jeder, der da rein geht, und
demonstrativ die Wand mit den "fehlenden Ablagerungen" anstarrt, zieht nur
ne Show ab. Oder er ist so absolut blöd, dass er allein dafür in den Knast
gehört.

- Tostan zur Internetrecherche:
Problem. Gerade bei kontroversen Themen liefert das Internet weniger
Information als eine Sintflut von Desinformation. Es sei denn, du hast
Sites, wo du weißt, dass ernsthaft gearbeitet wird (mit kleinen Vorbehalten
ist Wikipedia fast immer ein guter Erstanlauf). Aber gefestigte
Revisionismus-Prediger haben oft eine Kompetenz der Detail-Argumentation,
dass eine schnelle Recherche dich nicht weiterbringt. Einige grobe
Lügengeschichten immerhin kann man auf diesem Weg schnell zum platzen
bringen.
Ein besonders perfides Beispiel aus der Anti-Öko-Propaganda: Kaum hab ich
Rachel Carsons "Stummer Frühling" gelesen, und rede mal davon, da bekommen
ich zu hören: "Carson? Die hat doch die Adlereier gekocht, ehe sie ihre
Sterilität bewiesen hat!"
Also via Wikipedia nachgeforscht.
Befund eins: Die Geschichte mit den unfruchtbaren Greifvogeleiern wurde erst
einige Jahre nach Carsons Tod erstmals von anderen Forschern vorgebracht.
Befund zwei: Selbst eine ganz unverblümt propagandistische Anti-Öko-Site
("reason online - free minds for free markets") wusste über Carson nichts
weiter negatives zu sagen, als dass ihre eine spezielle Aussage, DDT
verursache beim Menschen Krebs, sich als falsch erwiesen hat. Die Typen
hätten sich massive Betrugsvorwürfe gegen Carson nicht entgehen lassen.
Befund drei: Es gibt spezielle bekannte Typen, die notorisch gegen Carson
Stimmung machen. Das geht alles auf einen Artikel zurück, in denen ein
Biologe, J. Gordon Edwards, versucht hat, Carson "des Betrugs zu überführen".
Der Artikel ist leicht verfügbar und erweist sich als ein einziger Erguß von
peinlicher Hysterie, in den nach 20 zähen Seiten nichts aufgetaucht ist, was
ein normaler Mensch als "Beweis für Betrug" betrachten kann. Den Rest hab
ich mir geschenkt.
So einfach ist die Aufklärung aber längst nicht in allen Fällen.

- Wikipedia-Mängel:
Vor einiger Zeit hatte ich Anlass, den Geisteswissenschaftler Friedrich
Dilthey nachzuschlagen. Auf Wikipedia fand ich den folgenden Text (hier in
Auszügen):

Friedrich Dilthey
Als Sohn einer calvinistischen Predigerfamilie besuchte er in Wiesbaden das
Gymnasium und referierte dort zum Abitur das Thema Über den Einfluß des
griechischen Altertums auf die Jugend. In Berlin (1853) und Heidelberg
(1852) studierte er u.a. bei August Boeckh, Kuno Fischer...
Ausserdem war Dithey einer der bekanntesten Sexualforschern seiner Zeit und
schrieb wichtige Werke, für die er bereits damals von der Kirche verfolgt
wurde und anschließend 1911 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
In der Tradition Schleiermachers bemühte er sich, die Hermeneutik als
Methodenlehre der Geisteswissenschaften zu entwickeln. Anfangs sah er das
Erleben als Grundlage der Hermeneutik und das Verstehen als psychologische
Einfühlung in die geistigen Vorgänge eines Autors.
Später aber wich Dilthey, der alte Lüstling von diesem psychologischen
Standpunkt ab und rückte die Begriffe des Ausdrucks und des
Ausdrucksverstehens in den Mittelpunkt der geisteswissenschaftlichen
Methodik: Die Geisteswissenschaften hätten die Aufgabe, den Zusammenhang
zwischen Leben, Ausdruck und Verstehen zu klären. Dabei sei der Ausdruck
eher Objektivation des allgemeinen Geistes eines Zeitalters, als
Erscheinungsform individueller Lebensimpulse eines Autors oder Künstlers.
Unter anderem war auch er der Erfinder und Sinngeber des Wortes
"Scheißkopf".

Soweit ein typischer Fall des Wikipedia-Problems des "Vandalismus". Diese
Spaßguerilla-Manipulationen wurden tatsächlich in Nullkommanichts entdeckt,
und als ich recherchierte, habe ich die dubiose Fassung der Seite nur noch
über Google-Recherche bekommen; für Direkt-Navigation war der Text schon
bereinigt. Allerdings haben es die "Aufpasser" fertiggebracht, ein halbes
Dutzend Bearbeitungsgänge zu brauchen, bis sie alle "Schmierereien"
ausgemerzt hatten. Etwas flüchtige Arbeitsweise. Das Ergebnis war aber am
Ende in Ordnung.

Sonntag, 19. April 2009

Juhuuu, es geht ums schreiben!

Und das meine ich auch so!
Zuerst einmal das Wichtigste: In meiner Fanreihe Full Metal Panik: Nord Atlantik-Flotte habe ich gerade Folge fünf beendet. Ihr könnt die vollständige Episode auf Battletech.info, Twobt.de, Animexx.info und seit neuestem auf fanfiction.de lesen.
Ich wünsche viel Spaß dabei.

Was mich gleich zum nächsten Thema bringt: Fanfiction.de!
Nachdem ich mich dort vor einem halben Jahr eher halbherzig angemeldet hatte, habe ich hier und da ein paar Sachen von mir hoch geladen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, ich habe nach und nach Storys hinzu gefügt. Die Reaktion war gewaltig! Was dazu führte, dass ich noch mehr hoch geladen habe. Damit ist mein Ace Kaiser-Bereich auf Fanfiction.de die einzige Seite im Internet, auf der auch Geschichten von mir zu lesen sind, die ich sonst nirgends veröffentlicht habe, abgesehen vom World of Cosmos, dem Fanzine meines Clubs.
Für viele, die "mal was anderes" von mir lesen wollen genau das Richtige. Im Prinzip will ich da alles von mir veröffentlichen, was ich noch irgendwo irgendwie gespeichert habe - es wird also ein Menge werden. Enjoy it.

Samstag, 18. April 2009

Die Macht ist stark in jenen dort...

Als ich diesen Blog begonnen habe, war ich mir über vieles nicht klar: Worüber würde ich schreiben, würde ich Leser haben, welche Themen fand ich und welche würden mich finden?
Was wollte ich mit einem Post würdigen, was bekämpfen? Würde dieser Blog ein zahnloser Tiger sein oder würde er etwas bewegen?
Auf viele dieser Fragen habe ich mittlerweile Antworten erhalten. Sie waren nicht immer jene, die ich erwartet habe.
Vor allem die Themen, die mich gefunden haben, erstaunen mich immer wieder.
So wie dieses:

Wie Jane´s Police Review geschrieben hat, sollen acht Beamte der Polizei der südschottischen Region Strathclyde bei der Frage nach ihrer Religion bei einer Umfrage "Jedi" angegeben haben.
Hier der Link zur BBC News!

Auf den ersten Blick ist das natürlich erst einmal witzig, dann romantisch.
Wer die Star Wars-Filme kennt, die der Ursprung der Jedi-Ritter sind, der weiß für was ein Jedi einsteht und was er unglaubliches leistet um seine stets altruistischen Ziele zu erreichen.
Wer weiß, wenn Menschen, vor allem Polizisten die Prinzipien der Jedi oder auch nur einen Teil davon übernehmen, wird diese Welt vielleicht ein besserer Ort. Vielleicht auch nicht.
Zufällig weiß ich aus einem Interview, das mit George Lucas geführt worden war, dass ein enger Freund ihm angetragen hatte, die "Macht" offiziell zur Religion zu machen, mit ihm, Lucas, als Hohepriester. George hat das abgelehnt, obwohl seine Religion der Macht sicher nicht mehr und nicht weniger Glauben erfordert als jede andere Religion. Und in jedem Fall finde ich eine Religion, die aus den Tiefen von Zeit und Raum zu uns kommt aus einer weit, weit entfernten Galaxis, vor langer, langer Zeit, wesentlich ansprechender als Kreationismus.
Andererseits ist man schon versucht - also ich bin versucht - sich vor den Kopf zu schlagen und ernsthaft zu fragen: Soll Star Trek jetzt auch Religion werden? Und die Bischofstracht die eines Starfleet-Admirals sein?
Alles in allem haben wir es hier mit einer sich verselbstständigten Idee zu tun, ohne das Zutun von außen. Und Menschen, die sich von den Jedis aus den Star Wars-Filmen inspiriert sehen, könnten sich weit schlimmere Vorbilder suchen. Es ist nie verkehrt, sich altruistische Ideale zu eigen zu machen. Und solange sie keine Snow Speeder für Patrouillenfahren benutzen wollen, ist ja noch alles im grünen Bereich. So gesehen kann man diese Szene aus der schottischen Polizei mit einem leichten Grinsen und einem eher wohlwollenden Nicken betrachten und ihnen wünschen: Möge die Macht mit Euch sein!

Tatsächlich, so der Bericht weiter, würden über dreihundertneunzigtausend Menschen im United Kingdom ihre Religion mit "Jedi" angeben... Na ja, immer noch besser als Zeuge Jehovas oder Mitglied der Scientology Church zu werden.
Es bleiben aber zwei Punkte, die einem Kopfschmerzen bereiten können, wenn man sie in logischer Konsequenz verfolgt:
1) Jetzt wo es so viele Menschen gibt die sich selbst Jedi nennen... Wann gibt es den ersten Glaubenskrieg mit Menschen, die sich eher den Sith zurechnen?
2) Was passiert, wenn sie die Macht wirklich benutzen wollen? Noch schlimmer, was wenn sie Erfolg haben?
Ich gebe zu, das alles irritiert mich ein wenig. Aber mein Amüsement überwiegt.

Donnerstag, 16. April 2009

Zurück in die Achtziger

Heute geht es leider nicht ums schreiben. Leider. Es geht allerdings auch nicht um Evolutionsgegner, Kreationisten oder religiösen Fanatismus.
Heute widmen wir uns einem vollkommen anderen Thema. Nämlich einer Zeitreise an den Anfang der achtziger Jahre. Eine Rückkehr in die Tage, über die man von einem bestimmten Thema noch so gut wie gar nichts wusste und das deshalb mit Weltuntergangsstimmung erfolgte: Die Immunschwächekrankheit AIDS.

AIDS, wir erinnern uns alle, wird bei Geschlechtsverkehr und/oder Blutkontakt übertragen. Ungeschützter Sex ist also irgendwie eine Art russisches Roulette, vor allem wenn man oft wechselnde Partner hat.
Damals, in den frühen Achtzigern, als der AIDS-Virus nach Europa schwappte - oder vielmehr als man ihn hierzulande endlich zur Kenntnis nahm - wusste man nicht sehr viel über ihn. Wird er beim küssen übertragen? Kann eine Jungfrau angesteckt werden? Was ist wenn man eine Tasse verwechselt? Muss ich das Essgeschirr eines AIDS-Kranken nach dem Essen vernichten? Was passiert wenn er mich anatmet?
Heutzutage schlägt man sich bei solchen Fragen und Gedanken an den Kopf. Natürlich sind die damaligen Gedanken auch ein wenig der Endzeitstimmung und der Panik geschuldet, die von manchen Medien verbreitet wurde, unter ihnen auch die so heiß geliebte Zeitung mit den vier großen Buchstaben, die nicht gerade ein Ruhmesblatt der Aufklärung war.
Stattdessen berichtete sie lieber von endlosen Sexparties New Yorker Risikogruppen, die taten als gäbe es kein Morgen mehr.
Risikogruppen sind natürlich auch ein großes Stichwort. Sie bezeichnen Personen, bei denen eine Ansteckungsgefahr höher ist als bei anderen. Sicherheit bietet dieser Begriff sicherlich nicht.
Aber das war damals in den Achtzigern, fast dreißig Jahre tief in der Vergangenheit. Heutzutage sind wir aufgeklärt. Heutzutage haben wir dreißig Jahre intensivster Information hinter uns, um aus der Massenkrankheit nicht eine wirkliche Epidemie werden zu lassen.
Wir wissen, dass die Pille überhaupt keinen Schutz gegen Ansteckung bietet, Kondome hingegen schon. Wir wissen, dass man nicht an AIDS stirbt, sondern an anderen Krankheiten, nachdem AIDS das Immunsystem immens geschwächt hat.
Und wir wissen, dass wir AIDS überall begegnen können. Nicht unbedingt müssen, aber können. Also ist es im ureigensten Interesse jedes einzelnen Menschen, verantwortungsbewusst mit seiner Sexualität umzugehen und sich gegebenenfalls zu schützen.
Meine persönliche Meinung ist natürlich, Kondome zu benutzen und/oder Sex in einer festen Beziehung zu haben. Denn wer auf ungeschützten Sex besteht und sich lediglich auf die Pille der Partnerin oder ihre anderweitigen Verhütungsmethoden verlässt (ja, hier spreche ich ausschließlich die Männer an) riskiert gerade bei Sexualpartnern, die er nicht oder kaum kennt, eine Infektion. Da sind wir wieder beim russischen Roulette.
Wer also dieses Risiko eingehen möchte, egal wer sein Partner ist, bitte. MEIN Ding wäre es nicht.

Mit einem Bein in den Achtzigern schauen wir trotzdem mal auf das aktuelle Geschehen. Da wurde diese Woche doch tatsächlich eine junge Frau verhaftet, die laut Zeitung HIV-infiziert sein soll (wo die es her hat? Keine Ahnung) und die beim ungeschützten Sex mit drei verschiedenen Partnern mindestens einen angesteckt haben soll.
Natürlich kenne ich die Umstände dieses Geschehens nicht, und da man selbst ein verantwortungsvoller Mensch ist muss man sich an den Kopf fassen und der jungen Frau sagen, dass sie fahrlässig gehandelt hat, wenn sie von ihrer Infektion wusste. Andererseits kann man ihr keinen Vorwurf machen, wenn sie es nicht wusste.
Ich weiß auch nicht, ob und wie lange sie mit diesen drei Männern in einer Beziehung gelebt hat, oder ob sie unter dem berühmten Begriff One Night Stand zusammengefasst gehören.
Aber ich weiß, dass die junge Frau als Sängerin der Girls-Truppe No Angels berühmt ist, und das sich dementsprechend viele Medien auf diese Geschichte gestürzt haben. Vor allem kann man ganz klar den Trend sehen, dass gerade Zeitungen wie die mit den vier großen Buchstaben eine Vorverurteilung vornehmen, sie als gefährlich einordnen und Staatsanwälte mit solchen Aussagen zitieren: "Sie ist in Untersuchungshaft, weil ein hohes Risiko besteht, dass es wieder passiert."
Willkommen zurück in den Achtzigern. Willkommen bei Pappteller, weggeschüttetem Kaffee, sobald er vertauscht wurde und Atemschutz gegen die bösartige Krankheit. Was wird ihr vorgeworfen? Dass sie Männer zum ungeschützten Sex zwingt?
Natürlich gilt meine Sympathie in erster Linie ihren Partnern, von denen laut Zeitung einer infiziert wurde und nun selbst Träger der Immunschwäche ist.
Aber angenommen, er und die No Angels-Sängerin waren füreinander wirklich ein One Night Stand und lebten nicht in einer längeren, vielleicht monogamen Beziehung zusammen. Nur mal angenommen. Was dann?
Dann frage ich, mit all dem Inbrunst von dreißig Jahren Aufklärung über AIDS: Junge, warum hast Du kein Gummi genommen? Ist Dir ungeschützter Sex wichtiger als Deine Gesundheit?

Unser aller Fazit soll natürlich nicht sein, dass wir alle jetzt auf Sex verzichten sollen. Nicht einmal, dass man nur noch in monogamen Beziehungen leben sollte. Ja, es ist nicht einmal so, dass man ein eins zu eins-Risiko hat, sich einen infizierten Sexualpartner auszusuchen. Das ist wesentlich kleiner, und selbst dann muss eine Infektion nicht unbedingt erfolgen.
Kehren wir also aus den Achtzigern zurück und schauen wir uns die Gegenwart an. Gute Leute haben versucht, es uns seit dreißig Jahren zu erklären: Sei nicht dumm. Nimm ein Kondom.

Freitag, 3. April 2009

Unverhofft kommt oft...

Und Ausnahmen bestätigen die Regel.
Als ich heute nach Hause kam, wurde ich überrascht. Sehr überrascht. Richtig überrascht. Ich hatte einen Pappumschlag erhalten. Als ich diesen öffnete, flatterten mir drei Exemplare des Aktuellen Perry-Comics entgegen.
Mein erster Gedanke war: Nanu, Belegexemplare von der Alligatorfarm?
Ähemm, Alligatorfarm heißt die Zeichnertruppe, die den Perry-Comic in unregelmäßigen Abständen raus bringt und sich dabei sehr unterschiedlicher, teils frecher, teils erfrischender Stile bedient...
Dieser Gedanke war natürlich abwegig, denn obwohl die Alligatorfarm offen im Fandom nach Autoren und Zeichnern gesucht hatte und ich auch mit drei Autoren drei Ideen in Comicstrips, so genannte Onepager, verarbeitet hatte, machte ich mir da keine Hoffnung. Entweder beschäftigten sich meine Zeichner mit etwa anderem oder sie verließen in blinder Wut die Alligatorfarm.
ABER EINER KAM DURCH! Ja, einer hat es geschafft und dem One-Pager, den ich geschrieben habe, nicht nur Form geliefert, sondern auch im Perry untergebracht!
Deshalb herzlichen Dank an meinen Zeichner Carsten Dörr. Wann hecken wir den nächsten Unsinn aus?
Zwar befindet sich der One-Pager gewissermaßen auf der letzten Seite, aber ich finde ihn wunderbar gelungen. Reinschauen lohnt sich. Kaufen auch. Und sei es nur wegen dieser einen Seite von mir. ^^b

Edit: Ich habe es bisher tot geschwiegen, weil sich Roland etwas drüber geärgert hat, aber da er nun im seinem Blog "Schreiberlings Egozine" selbst drüber berichtet hat, darf ich wohl auch: Ebenfalls vertreten ist als Autor Roland Triankowski mit dem Comic "Gerettet", der grob an dem von ihm erarbeiteten Konzept angelehnt ist. Nach langem Überlegen finde ich ihn recht gut geraten - nur hat er mit Rolands Vorlage nicht mehr viel zu tun. Allerdings ist die Action in der Episode in Ordnung und am Zeichenstil ist nichts auszusetzen. Nur diese Fixierung auf sekundäre weibliche Geschlechtsteile (muss sich die Pilotin wirklich fast zu Anfang ihren Hauch von Bluse zerreißen und fortan quasi oben ohne herum laufen? Ich meine, das bringt die Handlung nicht voran, und so schön gezeichnet sind die Brüste nun auch nicht) ist etwas nervig.
Ansonsten, Roland, es ist nur halb so schlimm wie Du denkst, und ich würde gerne weitere Comics aus Deiner Feder lesen.

Donnerstag, 2. April 2009

Endlich geht es mal wieder ums schreiben...

Tatsächlich! Dieser Blogeintrag behandelt wirklich meine Schreiberei.
Seit einiger Zeit bin ich auf Fanfiktion.de angemeldet und hatte dort auch zwei meiner umfassenderen Serien hoch geladen. Tatsache ist, dass ich zur Zeit nicht einmal halb so viel schreibe wie ich es eigenlich könnte und gewohnt bin. Ich hoffe auf einen Kreationsschub im Frühjahr. Jedenfalls habe ich mich dazu entschlossen, Fanfiktion.de zu benutzen: Benutzen, um eine Menge meiner älteren Storys, die bisher nur gedruckt im World of Cosmos erschienen sind, dem Magazin des Science Fictionclubs Black Hole Galaxie, in dem ich langjähriges Mitglied bin.
Ein Teil ist schon oben, weitere werden nach einer gefühlten und durchgeführten Überprüfung folgen. Dabei sind sehr viele Geschichten, die nirgends sonst im Web zu finden sind - und natürlich alle aus meiner Feder stammen.
Wer also andere Facetten an mir kennen lernen will - einige haben eine unglaubliche Länge von nur zwei Seiten - oder abseits meiner neueren Mega-Geschichten schmökern möchte, der folge dem unten stehenden Link mit Drag&Drop.

Edit: Ja, ich gebe zu, ich war faul. Und ja, ich sehe ein, Ihr wollt auch faul sein.
Darum bin ich über meine Faulheit gesprungen, um Euch zu erlauben weiter faul zu sein.
Sprich: Ich habe gelernt, wie man Links setzt. Probiert es gleich mal aus und benutzt den Link unten auf meine Page bei Fanfiktion.de.
Fanfiktion.de

Dienstag, 24. März 2009

„Ich teile Ihre Meinung in keiner Weise und werde sie politisch immer bekämpfen.

Aber ich werde gegen alle Feinde der angehen und würde auch mein Leben dafür geben, damit sie weiter ihre Meinung frei sagen können.“
(Winston Churchill, englischer Politiker und Premierminister)

Warum so ein Titel? Und warum haue ich nach so einer langen Pause gleich zwei Blogeinträge in schneller Folge raus? Nun, nicht nur Gelegenheit macht Diebe, sondern auch Blogeinträge.
Eher durch Zufall stieß ich auf GMX.de/Web.de in den Nachrichten auf eine Werbung eines christlichen Trägers. Nun, jeder kann, wenn er denn etwas zu werben hat, für genügend Geld sicherlich ein Werbemodul bei GMX einkaufen und dort für sein Produkt, bzw. seine Homepage werben. In diesem speziellen Fall setzte die Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur im Rahmen ihrer "Aktion Kinder in Gefahr" einen entsprechenden Link zu ihrer Homepage - und zwar zu einer Petition gegen die BRAVO!

...sacken lassen.
Die BRAVO!, so die Christliche Vereinigung sei - Vorsicht, ich raffe und kürze jetzt - eine "Welt der Unmoral", "In Wahrheit ein erotisches Blatt" und "greife rücksichtslos die moralischen Grundlagen unserer Kinder an".
Interessant auch dieses Zitat, mit dem der Text eingeleitet wird:
"In was für einer Welt werden unsere Kinder und Enkel aufwachsen, wenn die Flut von Pornographie, Blasphemie und Unmoral in den Medien immer weiter ansteigt?"

...sacken lassen.
Worum geht es hier? Richtig, um die beliebte, bekannte und bei Jugendlichen immer noch oft gelesene Jugendzeitschrift BRAVO!, die wir wohl alle noch sehr gut kennen. Ja, ich war damals in meiner frühen Jugend bekennender BRAVO!-Leser, und bin dort im Rahmen meines Musikgeschmacks stets auf meine Kosten gekommen.
Und ja, für einen pubertierenden Vierzehnjährigen, der von der Welt an sich noch nicht viel mitbekommen hat, ist die BRAVO! auch ein Ort, an dem er Abbildungen mal mehr oder weniger gut ausgebildeter und mal mehr oder weniger bedeckter Mädchenkörper sehen kann.
Im Umkehrschluss gilt dies aber auch für die Mädchen dieses Alters.
Aber ist das die Kernkompetenz der BRAVO!? Ist sie ein "erotisches Blatt"? Oder noch schlimmer, verdirbt sie "unsere Kinder"?
Nun, ich habe es tatsächlich gewagt, mal ein wenig weiter zu zappen.
Wen es interessiert, hier ist der Link.
Und worauf bin ich gestoßen? Auf einen Artikel, der sich unverständlich darüber äußert, dass die Bundesregierung den Kreationismus abgeschmettert hat.
Und wie alle meine regelmäßigen Blog-Leser wissen, sind Kreationisten, Anhänger des Intelligenten Designs und Menschen, die Kirche und Staat nicht trennen können, in meinen Augen nicht besser als jeder andere religiöse Fanatiker auf dieser Welt.
Es waren christliche Fanatiker, die das heilige Jerusalem geplündert hatten, damals beim Ersten Kreuzzug, ein paar Monate nach Byzanz.
Und es waren christliche Fanatiker, die den Sturm auf Bagdad in unseren Tagen betrieben haben und zwar das Ölministerium zu schützen wussten, nicht aber die großen Museen der Stadt, in denen sich die Zeugnisse menschlicher Hochkultur der LETZTEN FÜNFTAUSEND JAHRE befanden! Und es werden auch diese Fanatiker sein, die, sobald sie den ersten Sieg errungen haben, einen zweiten fordern, dann einen dritten und schließlich und endlich die Trennung von Kirche und Staat aufheben werden.
Der nächste Schritt, den ich mir als ein Führer einer solchen Christlichen Vereinigung vorstellen könnte, wäre die Zwangschristianisierung aller Andersgläubigen in Deutschland und Europa, und später die konsequente Missionierung der Welt. Da dies aber bei tausend Jahre alten Religionen etwas schwierig ist, wäre vielleicht etwas Waffengewalt angebracht.
Wohlweislich ICH würde so handeln, wäre ich christlicher Fanatiker und Anführer einer großen Gruppierung, der es gelungen ist, seine religiösen Grundsätze im Grundgesetz zu verankern...
Nicht sehr erstrebenswert, oder?

Was ist BRAVO!?
BRAVO! ist für mich selbst fünfzehn Jahre nachdem ich mit lesen aufgehört habe noch immer ein wichtiger Teil meiner Jugend. Eine Zeitschrift, in der ich über Musiktrends, mein Fernsehprogramm und meine Stars informiert wurde. BRAVO! ist ein Hort der Überraschungen, der guten Reportagen und natürlich des Dr. Sommer-Teams. Letzteres kann man gar nicht hoch genug bewerten, denn BRAVO! ist die einzige Zeitschrift in der Jugendkultur, in der Kindern und Jugendlichen offen, ernsthaft, fachgerecht, kompetent und so schnell wie möglich geantwortet wird. Gut, gut, so war es zumindest noch vor zehn Jahren, als eine Jugend forscht!-Gruppe ein entsprechendes Experiment mit verschiedenen Jugendzeitschriften ausgeführt hat und BRAVO! der Testsieger war.
Aber diese Zeitschrift ist noch viel mehr. Nur zu gut erinnere ich mich daran, dass damals, als überhaupt eine AIDS-Diskussion aufkam, als bestimmte Boulevardblätter mit vier Buchstaben lieber in der Panik suhlten, um ihre Auflagen zu steigern, ausgerechnet die BRAVO! zielsicher, fachgerecht und kompetent über Risiken, Ansteckungsgefahren und Schutzmaßnahmen berichtete - und in einer Bilderserie präsentierte, wie ein Kondom anzulegen war, was damals wie heute als extrem wichtiger Schutz gegen AIDS gilt.
Damals wurde das Blatt zu einem moralischen Vorreiter, zu einem Verteidiger der Jugendkultur, und auch wenn nachfolgende und vorherige Artikel ab und an recht platt waren... Ehrlich ist sie stets, unsere BRAVO! Erotisch? Manchmal. Aufklärerisch? Immer. Schlecht für die Moral und die Entwicklung der Kinder? Gewiss nicht. Kinder und Jugendliche haben Fragen, entwickeln vollkommen neue Bedürfnisse und werden in einer Welt, in der die Erwachsenen als einzigen Tipp sagen: Don´t do it!, regelrecht im Stich gelassen. Tatsächlich hat mich die BRAVO! aufgeklärt, nicht meine Eltern.
In den U.S.A. gibt es eine erschreckend hohe Zahl an Jugendschwangerschaften. Allerdings wird dort nur mit Don´t do it! gearbeitet. Vielleicht, aber auch wirklich nur ganz, ganz, ganz, ganz vielleicht hängt das zusammen. Eventuell, aber auch wirklich nur gaaaaanz eventuell wäre eine moderne Aufklärung, eine Besprechung von Risiken und Möglichkeiten, eine Abhandlung über Verhütungsmethoden und der uneingeschränkte Zugang zu diesen Mitteln einen wesentlich größeren Erfolg in der Verhinderung von Jugendschwangerschaften als die schlichte Unterdrückung unseres angeborenen Sexualtriebs.
He, he, das fällt mir jetzt erst auf. Ein typisches Dilemma christlicher Fanatiker hat sich gerade vor mir aufgetan. Einerseits lehnen sie Abtreibungen vehement ab. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Andererseits aber sehen sie in der Schwangerschaft von Frauen im Teenager-Alter etwas Schlechtes. Könnt Ihr Euch mal entscheiden???

Mein Fazit: Es ist klar, warum die BRAVO! angegriffen wird. Immerhin ist sie die bekannteste Zeitschrift ihres Genres und sicherlich noch immer Marktführer. Sie steht vorne, und die Vorhut wird immer zuerst beschossen. Aber bietet der Christliche Verein Argumente, die ihre Behauptungen stützen? Ist ihre Petition an Angela Merkel und Horst Köhler unterstützungswert, oder zumindest genug belegt, dass man sagen kann: Nicht mein Ding, aber macht es einfach!?
Die Moral von Kindern entwickelt sich durch das Beispiel der Eltern. Wenn Eltern anfangen und außerhalb ihrer Kompetenzbereiche nach Entschuldigungen suchen, geben sie kein gutes Beispiel ab.
Wenn ihre eigenen Kinder wohl geraten und brav sind, und ihr Antrieb und ihre Motivation die moralische und spirituelle Rettung all der anderen verdorbenen Kinder von verdorbenen Eltern da draußen ist... Dann haltet bitte kurz den Planeten an. Ich will aussteigen.

Mein Schlusswort: Kreationisten! Ich HASSE Kreationisten!
In diesem Sinne, möge das Spaghettimonster über uns alle wachen und unsere Pasta-Träume erfüllen... Ramen.

Sonntag, 22. März 2009

Zwischenbericht

Vor einigen Tagen machte mich Schreiberling (mein Kumpel Roland, der den gleichnamigen Blog betreibt) darauf aufmerksam, dass ich in diesem Monat noch nichts geschrieben hätte, und ob mir die Ideen ausgegangen wären.
Nun, zu schreiben hätte es genügend gegeben... Mein Besuch auf der CEBIT hatte ein paar Highlights, ein verstörender Albtraum, den ich letztendlich als Aufhänger für eine Story verbraten habe, wäre auch einen detaillierten Bericht wert gewesen. Oder ein Pamphlet über eine Beschwerde eines meiner Leser wäre angebracht gewesen. Da ich selbst keine Restaurantbesuche tätige, so mein Leser, wäre es unauthentisch, darüber zu schreiben. Das bezieht sich übrigens auf meinen Weihnachtsgruß, wo ich unter anderem schöne Restaurantbesuche gewünscht habe. Dabei wirft sich mir die Frage auf: Ist der Rest meines Blogs, also gut neunundneunzig Komma neun neun Periode so uninteressant, dass man sich an zwei Worten aufhalten muss? Gut, gut, über dieses Thema habe ich lange nachgedacht und eine Lösung mit heißem Wasser und frisch gelegten Hühnereiern gefunden. Dazu vielleicht später mehr.
Ich hätte auch darüber schreiben können, dass ich Anime Evolution: Krieg 4 fertig habe, und alles auf das große Ende abzielt, das bereits in seiner ganzen Gigantomanie in meinem Kopf vorhanden ist. Und ich hätte vom sehr beeindruckenden SPD-Unterbezirksparteitag berichten können sowie meiner persönlichen Erfahrung: Anzugträger beeindrucken DOCH. Zumindest ich im Anzug. *hüstel*

Nichts von alledem will ich mich hier ausführlich widmen. Heute möchte ich mich einem echten Lokalthema widmen: Banteln und seinem Verkehrsrecht.
Banteln ist ein kleiner Ort an der Bahnstrecke Hannover-Göttingen, gut fünfunddreißig Kilometer südlich von Hannover, inmitten den idyllischen Leineberglandes, direkt an der B3. Diese ging bis in die Sechziger sogar durch den ganzen Ort. Banteln ist über eintausendzehn Jahre alt und hat einige Hochs und Tiefs erlebt.
Vor nicht ganz, wartet mal, zwanzig Jahren, gab es den ersten großen Verkehrspolitischen Einschnitt in Banteln, als dem zunehmenden Verkehr Rechnung getragen wurde, und der Großteil des Ortes Dreißig-Zone wurde. Lediglich die Göttinger Straße, welche mit der alten Routenführung der B3 durch den Ort identisch ist, wurde als Durchgangsstraße belassen.
Da der Verkehr aber noch weiter zugenommen hat und die Lastwagen eines ortsansässigen Kiesgrubenbetreibers durch den Ort preschten - geprescht sind übrigens auch einige Autofahrer, die meinten, die Göttinger Straße wäre die hiesige VW-Teststrecke - wurde nun auch die Göttinger Straße von Verkehrsamt des Kreises zur Dreißig-Zone erklärt. Dies geschah, wie es die Vorschriften anscheinend verlangen, auf Wunsch eines Anwohners, nicht auf Drängen der Gemeinde. Allerdings unterstützte der Rat, bestehend aus SPD und CDU, den Antrag einstimmig.
Damit verbunden waren natürlich einige Veränderungen, und manches wurde besser, manches schlechter. Zum Beispiel ist die Göttinger Straße nun keine Durchgangsstraße mehr, das bedeutet es gilt Rechts vor links, was aus dem Ort raus bedeutet (Richtung Norden) acht Mal Vorfahrt zu gewährend, und in den Ort rein (ja, genau, Richtung Süden. Gut geraten.) viermal.
Gut, gut, all das geschah recht plötzlich, oder auch viel zu spät. Auf jeden Fall entsponn sich eine kontroverse Diskussion mit recht verhärteten Fronten, und, wen wundert es, die unsachlichen Argumente liegen alle auf der Seite der Ablehner der Dreißig-Zone.
Eigentlich habe ich die Dreißig-Zone nicht gewollt, aber in einem demokratischen System unterstützt man die Entscheidung der Mehrheit. Punkt. Außerdem hätte die Göttinger Straße eigentlich schon vor eben zwanzig Jahren auch Dreißig-Zone werden müssen... Mir war nie klar, warum man auf einer alten Straße mit Kopfsteinpflaster fünfzig zulässt. Alleine bei Regen und Glätte ist fahren auf ihr die Hölle. Dreißig ist da sinnvoll, klug und richtig. Und irgendwann werde ich mich schon daran gewöhnt haben...
Ich könnte über die Befürchtungen eines großen Autohauses berichten, der durch die Dreißig-Zone den Rückgang des Durchfahrtsverkehrs befürchtet, und die damit zusammenhängende Zahl der Impulskäufer, über den Zeitverlust, den eine Dreißig-Zone mit sich bringt - wir reden hier immerhin über sechzig Sekunden mehr Fahrtzeit - oder darüber, dass manche Autofahrer weiterhin fünfzig fahren wollen und die Rechts vor Links-Regelung ignorieren, wie störrische kleine Kinder.
Ich könnte darüber schreiben, dass eine Straße mit Tempo dreißig wesentlich sicherer zu überqueren ist als ein zwei Meter breiter Zebrastreifen auf einer Fünfzig-Straße. Wenn sich jeder an Tempo dreißig hält, zugegeben. Tatsächlich fahren manche Idioten auch schon mal mit hundert durch den Ort. (Im letzten August haben vier Bantelner Bürger ihre Führerscheine wegen überhöhter Geschwindigkeit abgeben müssen, und damals war die Straße noch für fünfzig freigegeben. Das nennt man nicht zu schnell fahren, das nennt man zu tief fliegen.)
Ich könnte darüber berichten, dass wir uns bemühen, damit unser kleiner Radweg erhalten bleibt, obwohl ein solcher Verkehrsweg in einer Dreißig-Zone als nicht notwendig betrachtet wird. Aber die Leute wünschen es sich.
Und ich könnte aufschauen und fragen, warum die Bantelner Geschäftsleute den Rückgang von Impulskäufern befürchten. Impulskäufer sind Leute, die eher zufällig durch Banteln fahren und sich spontan entscheiden, ein Geschäft zu besuchen. Da die B3 aber wesentlich schneller ist, und Gronau, unser Samtgemeindesitz, eine sehr große Auswahl an Geschäften hat, behaupte ich einfach mal, dass wir gar keine Impulskäufer haben. Stattdessen kommen die Leute in die Geschäfte, weil sie Stammkunden sind. Und Stammkunden lassen sich auch nicht von Tempo dreißig abschrecken.
Und so weiter, und so fort.

Über all das könnte ich schreiben. Und wie die Scharfsinnigen unter Euch es schon bemerkt haben, habe ich weit mehr getan, als all das nur stichwortartig anzureißen. Aber worauf ich wirklich eingehen will, ist unser Antragstellerhaushalt vom Anfang.
Okay, ich kann verstehen, dass die Leute diese eine Minute zum Überleben brauchen, die sie jetzt bei der Fahrt verlieren. Ich kann verstehen, dass sich einige unflexible alte Männer nicht daran gewöhnen können, auf der Göttinger Straße zu fahren und jemand anderem die Vorfahrt zu lassen. Ich kann sogar verstehen, wenn ein namhafter Bantelner Gärtner die These in den Raum stellt, als Nächstes würde die Göttinger Straße Fußgängerzone werden, und der Zulieferbetrieb hätte dann keine Möglichkeit mehr, um... Nun, um zu liefern. Auch wenn dieses Argument so extrem sachlich falsch ist, dass einem bei dieser Chuzpe die Spucke weg bleibt.
Was ich aber NICHT verstehen kann ist, warum nun unser benannter Haushalt bedroht, verleumdet und terrorisiert wird. Ja, terrorisiert!
Hallo? Die haben nur den ANTRAG gestellt! Gekommen wäre die Dreißig-Zone so oder so! Bedankt Euch bei den Rasern, die mit hundert in die Radarfalle gegangen sind - IM Ort!
Hallo? Es ist nur eine Verkehrsmaßnahme! Das ist absolut KEIN GRUND, um jemanden zu schmähen oder zu beleidigen oder vor seinem Haus zu hupen, um ihm seine Dreißig-Zone zu verleiden!
Hallo? Seid Ihr noch ganz richtig? Ihr sagt, Banteln ist wegen dieser Maßnahme gespalten? Was für ein fürchterlicher, gefährlicher Quatsch, wegen einer VERKEHRSFÜHRUNGSÄNDERUNG solch einen Aufstand zu machen! Das ist sowohl ethisch als auch rechtlich äußerst fragwürdig.
Nichts auf dieser Welt ist es wert, seinen Mitbürgern das Leben madig zu machen, obwohl einem selbst nichts getan wurde.
Es ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, dass manche Menschen in meinem Heimatort augenscheinlich zu viel überschüssige Zeit haben. Würde diese Energie und diese Zeit in die vielen Ehrenämter in Banteln fließen, hätten wir alle was davon. So aber wird nur alt eingesessenen Bantelner Bürgern das Leben unberechtigt schwer gemacht, und das ist eine Schande sondergleichen. Alleine dafür lohnt es sich, FÜR die Dreißig-Lösung zu sein.
Ach, und vielleicht noch zum Abschluss. Die Diskussion Pro und Contra sollte meines Erachtens nicht dazu missbraucht werden, um Stress und Ärger abzubauen. Denn es gibt immer Idioten da draußen, die solche Dinge ernst nehmen, daran glauben und NOCH schlimmer machen.
Churchill hat mal gesagt: Die Demokratie ist die schlechteste Staatsform, aber sie ist die beste die wir haben. Er sagte auch, dass man um die Demokratie jeden Tag kämpfen muss.
Mir war nicht klar, dass man auch um den Rechtsstaat jeden Tag kämpfen muss.

So, nächstes Mal berichte ich wieder über den Fortschritt meines Schreibhobbys. Hoffentlich.

Montag, 23. Februar 2009

Da hat wohl einer Mißt gebaut...

Und zwar war das Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen Union, und damit auf dem Sprung in die Spitze einer der großen deutschen Volksparteien. Namentlich der CDU, wem das nicht klar ist.
Was ist geschehen? Mißfelder wird zitiert er habe gesagt, dass "eine Anhebung der Hartz IV-Sätze zu einem Anschub der Tabak- und Spirituosen-Industrie führt"...
Diese Aussage nimmt Herr Mißfelder übrigens nicht zurück, entschuldigt sich nicht dafür und verteidigt sie auch noch. Und zwar mit folgenden Argumenten: Seine Worte seien kein Angriff auf Hartz IV-Empfänger gewesen, sondern ein Plädoyer für deren Kinder. Statt Barmittel auszuzahlen wären Warengutscheine, z.B. für Schulspeisungen besser gewesen.

...Sacken lassen.
Also, was läuft hier? Ist sich Phil Miß eigentlich bewusst, dass er mit diesen Worten unterstellt hat, Hartz IV-Empfänger seien im allgemeinen Takab- und Alkoholsüchtig? Ist ihm bewusst, dass sein Beharren auf die Richtigkeit seiner Aussage wesentlich schlimmer ist, als die Worte an sich? Ist ihm bewusst... Ach, das führt zu nichts. Ich befürchte Phil Miß bleibt bei dem was er sagt und kommt damit auch noch durch, wird zudem vielleicht noch als Verteidiger der Kinder gefeiert.
Normalerweise bin ich eher auf Seiten der Politiker. Selbst in der Kommunalpolitik, weiß ich, dass viel von Bürgern zerredet wird, von Vorurteilen geradezu zerfressen ist und sich der Normalbürger mit der Ausrede, "die da oben wirtschaften doch eh nur in die eigene Tasche", aus der eigenen Verantwortung stiehlt und die drei Affen nachmacht: Nix sagen, nix hören, nix sehen.
Aber in diesem speziellen Fall hat ein Jungpolitiker in einer durchaus machtvollen Position ein paar Millionen Menschen auf einen Schlag beleidigt. Eine Entschuldigung und Rücknahme ist da mehr als angebracht. Einem JuSo-Vorsitzenden hätte man eine solche Aussage zum Strick gemacht, er wäre schon seit Tagen von allen Ämtern zurückgetreten. Aber in der Union? Gott bewahre. Irgendwie wird er schon Recht gehabt haben, und nach ein paar Tagen kräht kein Hahn mehr danach. Später vielleicht ein nettes Kabinettspöstchen, vielleicht im Familienministerium, denn er sorgt sich ja so um Kinder... Hallo?

...sacken lassen.
Rollen wir die Fakten auf. JEDE ZUNAHME von Geldmitteln in einem deutschen Haushalt, dessen Mitglieder Tabak und Alkoholika konsumieren, führt zwangsläufig dazu, dass die Tabak- und Alkoholindustrie profitiert. Entweder weil Mama nun nicht mehr Aldi raucht oder Papa sich statt dem Fünfjährigen den Elfjährigen Scotch leisten kann. Ist das verwerflich? Sicher nicht.
Phil Miß ging es aber mit Sicherheit nicht darum. Er wollte diffamieren, er wollte verachten, das unterstelle ich ihm. Und als er merkte, der Schuss ging nach hinten los, ruderte er zurück - leider im Vorwärtsgang. Seine Verteidigung: Kinder.
Kinder, das weiß doch jeder, haben unter Armut zu leiden. Und in seinen Augen besonders die Kinder von Hartz IV-Empfängern. Was durchaus sachlich richtig ist, denn Kinderarmut ist hierzulande kein Phänomen, sondern genau wie die Obdachlosenszene traurige Wirklichkeit. Sicher, es ist Zeit, das die Politik etwas dagegen tut, es ist Zeit, dass man sich mit dem Thema auseinander setzt, ohne es in den Massenmedien auszuschlachten. Mit einem sinnvollen Konzept.
Hartz IV-Empfängern einerseits die Fürsorgebereitschaft für ihre Kinder abzusprechen nach dem Motto, sie würden die Kindergelderhöhung mit Pennerglück versaufen, düpiert hier ein paar Millionen Menschen... Und das Jugendamt, das nämlich genau für diesen Fall weitreichende Rechte und Pflichten hat. Und manchmal mehr und manchmal weniger gut in Angriff nimmt, bzw. einsetzt. Obwohl diese Aussage auch direkt vom Stammtisch kommen könnte, wie ich zugeben muss.

...sacken lassen.
So wie ich das sehe, muss sich Phil Miß entschuldigen. Diese Worte zurücknehmen und seine Verteidigung in den WIND schießen.
Tut er das nicht hätte ich eine alternative Idee. Wie wäre es, wenn Phil Miß mal einen Monat selbst von Hartz IV lebt und dabei eine Familie versorgen muss? Ich würde drauf wetten, dass er als erstes zu den Zigaretten greift...

Sonntag, 22. Februar 2009

Und sie lauern überall...

Gerade erst habe ich mich in zwei sehr ausführlichen Blogs über Kreationismus und seine Auswüchse ausgelassen, schon stolpere ich über einen anderen religiös motivierten Aufruhr. Ein sichtlich wissenschaftlich vorgebildeter User hat auf Gmx.de/Web.de einen Thread eröffnet, der mit der Überschrift aufwartet: Die Beweislast ist erdrückend - Jesus von den Toten auferstanden.
Gut, gut, das ist jetzt sicher nicht wortwörtlich übernommen, man möge es mir verzeihen, dass ich lediglich den Sinn transferiert habe.
Warum rege ich mich darüber auf, werden jetzt einige anmerken. Und damit haben sie Recht. Ich rege mich drüber auf. Denn hier wird wieder mal auf Teufel komm raus Religion und Wissenschaft verquickt, indem aus den biblischen Texten des Neuen Testaments wissenschaftliche Fakten werden... Hallo? Bin ich der einzige, der da Magenschmerzen bekommt? Aber zum Thread.

Perfide geht unser Thread-Ersteller vor, behauptet anfangs, religiöse Themen und Wissenschaft nicht verquicken zu wollen, stapelt erst einmal einen Haufen seiner Meinung nach unwiderlegbarer Fakten und lädt dann andere Poster ein zum zerrissen werden.
Zum Beispiel wirft er einige Fakten ein, die sich ohne Recherche überhaupt nicht widerlegen lassen. Zum Beispiel behauptet er, Jesus Christus war tot am Kreuz, weil ihm nicht die Beine gebrochen wurden. Nach seiner eigenen Aussage wurde dies von den Römern getan, um den Verurteilten einen schnelleren Tod zu schenken... Ich beschreibe diese Aussage mal als 1) und gehe später drauf ein.
Dann erklärt er, Jesus müsse tot gewesen sein, denn man drohte ja, in den Sabbat hinein zu geraten, und jüdische Gesetze verboten das Kreuzigen am Sabbat. Dies will ich als 2) bezeichnen.
Dann kommt das nächste Hammer-Argument. Als der Legionär Longinus den Tod Christi feststellen wollte, stach er ihm mit der Lanze in die Seite. Daraufhin flossen Blut und Wasser aus der Seite. Laut unserem eifrigen Thread-Poster das eindeutige Zeichen, das Jesus tut gewesen sein musste, weil dies nur bei Leichen passiert. Argument, Ihr ahnt es schon, 3).
Kurz geht unser User auch auf die Argumente anderer ein und verschiebt Einwände, Jesus sei lebend vom Kreuz gekauft worden, ins Reich der Legende, "weil die Römer so etwas nicht gemacht haben und sie ihn nicht verkauft hätten, wenn er nicht tot gewesen wäre". 4).
Zuguterletzt geht er auf den einbalsamierten Leichnam ein und behauptet, Jesus wäre einbalsamiert und verbunden worden, wie es bei den Juden üblich sei 5), und ein Lebender hätte diese Prozedur nicht überlebt. 6)
So, ich glaube, das waren die wichtigsten Argumente. Bevor ich mich nun dran mache und darüber herfalle, möchte ich noch kurz erwähnen, WAS mich daran aufregt: Genauso wie bei einem gewissen Nazi oder bei diversen Anhängern von Intelligentem Design und Kreationismus wird hier einfach Wissen kreiert und als Tatsache hingestellt. Man betreibt Volksverdummung, nur um Religion zu stützen. Und da krich ich Plack. Entschuldigt bitte, dass ich in meinem Blog schreibe was ich will. Und entschuldigt, das ich mich auf solche Menschen stürze.
...Ich stelle gerade fest, würde ich so einem Glauben anhängen, wäre ich ein sehr gefährlicher Mensch geworden. Vielleicht war die Überdosis Perry Rhodan und der damit verbundene, tief in der Serie verwurzelte Humanismus für mich der richtige Wegbereiter, aber das nur am Rande.

So, kommen wir zu den Argumenten, die ich bereits durchnumeriert habe.

1) Die nicht gebrochenen Beine. Kreuzigung war damals die übliche verhängte Todesstrafe für Schwerverbrecher, die nichtrömischer Herkunft waren. Sie sollte abschrecken und als Strafe sehr grausam sein. Die Römer waren mit diesen Dingen nie sehr zimperlich, der Patriarch eines Haushalts war zum Beispiel der Herr über Leben und Tod in seinemHaus. Da haben sich die Römer sicher nicht Gedanken darüber gemacht, wie den armen zur Kreuzigung verdammten Übeltätern ein oder zwei Tage Leiden erspart werden konnten. Warum ihnen die Beine also gebrochen wurden oder gebrochen werden sollten werde ich erst recherchieren, bevor ich mich dazu äußere. Ansonsten ist in diesem Zusammenhang Occams Skalpell einzusetzen. Warum wurden Jesus NICHT die Beine gebrochen? Die Wachen wurden dafür bezahlt, es nicht zu tun.
Im Übrigen ist der Berg von Golgatha der Ort gewesen, auf dem hunderte zum Teil üble Gewaltverbrecher getötet wurden, die bevorzugte Hinrichtungsstätte Jerusalems, aber das nur am Rande.

2) Kreuzigung am Sabbath. Einer der Redner im Thread sprach sich dafür aus, dass sich die Römer einen feuchten Kericht um den Sabbath geschert hätten. Ich tendiere zu seiner Aussage. Außerdem, warum haben sie Jesus überhaupt erst ans Kreuz genagelt, wenn sie ihn abends ohnehin abnehmen mussten? Wir erinnern uns alle, der Sabbath beginnt bereits Samstag Abends, wenn die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Da dies ein eindeutiger Widerspruch ist, können wir dieses Argument bedenkenlos fallen lassen.

3) Das Blut aus Jesu Wunde und das Wasser aus seiner Seite sind wichtige Sakramente der katholischen Kirche und werden entsprechend stilisiert. Die Berichte sprechen auch davon, wie der Speer des Longinus den "toten" Jesus in die Seite stach, woraufhin das "Wasser" floss.
Was der Thread-Einzelkämpfer dabei aber unterschlug sind zwei wichtige Fakten. Jesus wurde in die Seite gestochen, um seinen Tod festzustellen, und kurz zuvor sprach er die bedeutenden Worte: "Mich dürstet!" Daraufhin wurde ihm an einem Stab ein Schwamm mit Weinessig auf die Lippen gedrückt. Danach ging es laut den vier Testamenten verdammt fix mit dem Sterben.
Einige interpretierten es folgendermaßen, dass Jesus die alttestamentarische Prophezeiung, die sein Kommen ankündigte, verwirklichen wollte. Welcher Prophet nun von ihm gesprochen hat weiß ich nicht, eventuell Iesaja. Aber erstens übergeht mein Thread-Fanatiker hier den wichtigen Fakt, das zwischen "Tod" und "Weinessig" ein essentieller Zusammenhang besteht. Diese Passage unterschlägt er vollkommen. Und zweitens bedeutet eine Prophezeiung, die Jesus ankündigt, mit Namen, mit Elternhaus, mit Geburtsort, mit seinem Einritt in Jerusalem auf einem Füllen, und, und, und, bis zu dieser Szene am Kreuz, das er auch tatsächlich tot war. Im Gegenteil, ich tendiere dazu zu behaupten, dass der "Weinessig" ein Mittel enthielt, das den Gekreuzigten scheintot machte. Dies war die einzige Möglichkeit aus empirischer Sicht (gut, gut, MEINER empirischen Sicht), Jesus vom Kreuz zu kriegen, bevor das Wetter ihn töten konnte.

4) Die Römer verkaufen keine Lebenden. Tja, was soll ich dazu noch sagen? Wenn Jesus scheintot war, und der Preis gestimmt hat, haben die römischen Wachen ihn verkauft. Punkt. Dasselbe gilt natürlich auch für den Fall, das er richtig tot war. Ich tendiere aber zur Weinessig mit Gift-These.

5) Jesus wurde einbalsamiert. Nun, das wirft die größten Fragen auf. Üblich im Judentum ist es, Verstorbene möglichst zeitig unter die Erde zu bringen, sprich binnen von vierundzwanzig Stunden. So will es die Tradition, und diese Tradition hat in der heißen und Seuchen begünstigenden Klimazone Israels sicherlich sehr viel Sinn. Einbalsamierungen, also Konservierungen in dem Sinne und die Aufbewahrung in einem Grabmahl haben zur damaligen Zeit die Ägypter in erschöpfendem Maße praktiziert. Mir ist nicht bekannt, ob Juden, beziehungsweise nur reiche Juden so etwas je getan haben. Allerdings heißt es ja in der Bibel: Von der Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden.
Ein Spruch, der m.E. gegen Einbalsamierung, Konservierung und einen Grabhügel spricht. Einem Toten hätte das sicher nichts genützt. Um einen Lebenden zu verstecken und wieder gesund zu pflegen hingegen war das eine prima Idee.

6) Ein Lebender hätte die Einbalsamierung nicht überlebt. Moment Mal, er wurde mit Salben eingerieben, mit Kräutern bedeckt und bandagiert. Hallo? Das würde jeder überleben! Wir sind hier nicht bei den Ägyptern, die zuerst die Nase brechen, dann mit einem glühenden Schürhaken in den Schädel gehen, dreimal drehen und dann das Gehirn rausziehen. Das sind ja wohl zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Argument sowas von widerlegt, das reicht bis zum Anfang der Woche.

Vielleicht noch ein Fazit von mir: Verquickt nicht Religion mit Wissenschaft, und glaubt was ihr wollt - solange ihr nicht Anspruch auf die ultimative Wahrheit hegt. Es gibt ein halbes Dutzend Religionen, die sind älter als Christen- und Judentum, und sollen die so vollkommen falsch sein? Ich finde, das ist ein intolerantes Denken und ziemt sich nicht, wenn man ein liebender, toleranter Christenmensch ist.
Alles in allem finde ich die Fakten, die belegen, das Jesus lebend vom Kreuz genommen wurde (nach einem lange vorbereiteten Plan wurde seine Kreuzigung inszeniert. Dafür spricht die Tatsache, dass zur Zeit von Judas´ Verrat niemand mit "Silberlingen" bezahlt wurde. Die Sezterze zum Beispiel bestand aus Gold), für erdrückend. Es gibt Berichte, dass Jesus nach Indien ging, dort die Sekte der Christen erneut gründete und eine große Gemeinde schuf. Dort soll er auch begraben sein. Die portugisischen Seefahrer unter Vasco da Gama, die Indien Mitte des letzten Jahrtausends entdeckten, sollen tatsächlich auf diese Christen gestoßen sein, ihre Form der Religiösität als strenge Katholiken jedoch abgelehnt und sie "richtig christianisiert" haben. Auch gibt es Berichte über eine uralte christliche Gemeinde in Japan. Ja, Japan. Sie soll so alt sein, das sie bereits vor dem Shintoismus existierte. Was zeitlich ziemlich gut passen könnte. Was davon zu halten ist, nun, vielleicht hat es einer seiner Jünger so weit geschafft. Eigentlich eine faszinierende Geschichte, ein wichtiges Detail über einen faszinierenden Mannes.
Persönlich denke ich, dass dieser "Opfergedanke für die Sünden der ganzen Welt" nicht die letzte Aussage von Jesus Christus ist. Im Gegenteil, sein Wirken, seine Lehren, sein Wille, der berühmte Spruch: "Schlägt man dich auf die linke Wange, biete auch die rechte an.", sind die Dinge, die wir von ihm wirklich im Gedächtnis behalten sollten. Sie hätten diese Welt schon damals zu einem viel besseren Ort gemacht, wären unsere Vorfahren diesen Worten wirklich gefolgt, anstatt sie bei jeder Gelegenheit auszuhebeln, egal ob durch oströmische Kaiser, Kreuzfahrer bei der Plünderung von Jerusalem oder Hexen- und Judenpogrome in den großen mittelalterlichen Städten Europas. Dies ist der wahre Wert des Neuen Testaments. Aber anscheinend lassen sich die Menschen eher vom Splatter begeistern, vom grausamen Foltertod am Kreuz denn vom Versuch, mit Friedfertigkeit eine ganze Welt zu ändern. Traurig ist das.
Und genau deshalb bin ich für eine strikte Trennung von Religion und Wissenschaft. Von Religion und Staat sowieso.

Freitag, 20. Februar 2009

Mein Freund, der twittert...& diverses

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat mich mein guter Freund und Autorenkollege (Ich wage nicht, Schriftsteller zu schreiben, denn die werden ja für ihre Arbeiten bezahlt) Roland Triankowski dazu überredet, ihm nachzueifern und einen eigenen Blog zu beginnen. Unter dem Namen Schreiberling startete er sein Egozine-Blog, und ich muss sagen, ich war recht dankbar dafür, das er mich dazu inspiriert hat.
Nun ist Roland dem Trend erneut auf der Spur und hat sich unter dem Namen Nerdlicht für Twitter eingetragen.
Was ist Twitter? Ehrlich gesagt keine Ahnung, aber es deucht mir eine extrem kurze Form von Blog zu sein, eine Art Speedchat mit unbewegtem und unlöschbaren Posts.
Hier der Link zu seinen Twitter-Aktivitäten: http://twitter.com/nerdlicht
Glaubt mir, wie alle anderen Blogs von ihm lohnt sich der Besuch.
Übrigens, wer sich bei der Namensgebung dieses Blogeintrags an den Titelsong von Flipper, der Delphin erinnert fühlt, liegt durchaus auf der richtigen Seite.

Aber das soll es noch nicht gewesen sein. Es gibt noch mehr zu berichten.
Mittlerweile habe ich mich in zwei Posts mit dem Thema Kreationismus und Intelligentes Design auseinander gesetzt, schlicht gesagt der wohl frechste Versuch, um Pseudowissenschaft an die Stelle von erworbenem Wissen zu etablieren, oder schlichter ausgedrückt: Versuchte Volksverdummung.
Ein Freund nannte es leicht ironisch, aber durchaus wohlwollend meinen von ihm freudig beobachteten Kreuzzug, und damit hat er durchaus Recht. Manche mögen mir vielleicht Intoleranz unterstellen... Aber wer Fehler toleriert, braucht sich nicht über die Konsequenzen zu wundern, denn Intelligentes Design ist KEINE anerkannte Wissenschaft, sondern der versuchte Missbrauch derselben. Kreationismus ist im besten Fall Fiktivliteraturinterpreation, basierend auf religiösen, nicht wissenschaftlichen Texten.
Ich neige dazu, ein wenig an das zu glauben, was Homer über Atlantis gesungen hat - aber ich behaupte nicht mit letzter Gewissheit, dass Atlantis wirklich jemals existiert hat. So lange der letzte Beweis ausbleibt, kann es niemand wissen. Dem gegenüber steht der Kreationismus. Er verlangt SEHR, SEHR VIEL Glauben, bietet aber nicht einmal ansatzweise die Möglichkeit, Glauben durch Wissen zu ersetzen.
Mein persönliches Fazit: Eher hat Atlantis existiert, als dass die Kreationisten Recht haben und die Sintflut den Grand Canyon schuf.
Nun, warum schreibe ich das? Es kommt gerade wieder die Zeit im Quartal, in der mein Club, der Black Hole Galaxie (Link: www.sfc-bhg.de.tf) Einsendeschluss für das nächste World of Cosmos hat. Und ich denke, ich kann meine Blogeinträge so nicht stehen lassen. Im Gegenteil, ich werde sie - eventuell mit den beiden freundlichen Lesern, die reagiert haben, Tostan hier und Striker per Mailzuschrift - zu einem Artikel verarbeiten.
Interessenten bestellen sich bitte World of Cosmos bei unserem Kontakter Bernd Labusch. Es ist ja nicht so als würde sich der Kauf nur wegen meines Artikels lohnen, im Gegenteil.

Freitag, 13. Februar 2009

Es ist schlimmer als ich dachte...

Ende Januar schrieb ich mir ein wenig Ärger von der Seele, als ich vom neuesten Versuch berichtete, den Anhänger der Kreationisten unternommen hatten, um Gott auf Teufel komm raus zum Konkurrenten erarbeiteter Theorien zu machen, sowie einen kleinen Abstecher in die Welt rechthaberischer, fanatischer aber zugegeben gut ausgebildeter Anhänger von definitiv falschen Glaubensdoktrinen zu tätigen.
Das Thema hat mich seitdem nicht mehr losgelassen, und ich habe einiges an Zeit aufgewendet, um dazu zu recherchieren. Dabei war die Wikipedia nicht meine erste Anlaufstelle, und ich habe einiges, längst nicht alles zu diesem Thema in Erfahrung gebracht. Und wenn ich daran denke, sträuben sich mir die Haare auf demKopf, mit welcher Perfidität, welcher Skrupellosigkeit hier agiert wird.
Ich übertreibe? Bei weitem nicht. Im Gegenteil, dieser Blogeintrag sollte von möglichst vielen Menschen gelesen werden, und zwar alleine schon wegen dem nächsten Satz:
Intelligentes Design ist KEINE! Wissenschaft, und kann daher die Evolutionstheorie NICHT! ersetzen!
Das ist kein Wunschdenken, kein Hoffen, kein Partei ergreifen, sondern eine schlichte Tatsache.
...Sacken lassen...
Moment, höre ich nun einige Leute sagen, aber warum nennt man es dann Theorie? Eine Theorie ist doch was unbewiesenes, oder?
*seufz* Das mag es vielleicht sein, wenn Detectiv Conan eine Theorie über einen Mordfall entwickelt, womit er - nebenbei gesagt - übrigens immer richtig liegt. Aber nicht in der anerkannten Wissenschaft. Wenn ein Wissenschaftler nämlich einen Erklärungsversuch aufstellt, ist das eine These. Wenn diese untermauert, bewiesen (selten zu einhundert Prozent. Die meisten Theorien haben noch viel Spiel für neue Fakten) und bestätigt wurde, entwickelt man ein Modell der These, die so genannte Theorie.
Theorie ist also kein Wunschdenken, sondern schlimmstenfalls erst zum Teil bewiesen. Es handelt sich um eine Sammlung wissenschaftlicher Beweise und Bestätigungen, die sich in einem größeren Modell vereinigen. Soweit der Begriff Theorie. Das trifft auf die Relativitätstheorie zu, die Theorie zur Quantenmechanik und schließlich auch auf die Evolutionstheorie.
...Sacken lassen...
Damit könnte das Thema beendet sein. Eigentlich. Lassen wir die religiösen Spinner bei ihrem Glauben, und erhalten wir uns unseren wissenschaftlichen Blick auf die Wahrheit. Es könnte so schön sein, wenn nicht ein gewisser missionarischer Eifer hinter der Sache stecken würde. Nicht nur das diese Leute gerne glauben wollen was sie da sagen, sie wollen, das es alle anderen auch tun. Zu diesem Zweck wurde ja überhaupt erst aus Kreationismus Intelligentes Design entwickelt. In den USA ist es verboten, Kirche und Staat verschmelzen zu wollen. Deshalb ist Gott als Schöpfer auch nicht im dortigen Biologie-Unterricht zu finden (das heißt, in einigen Staaten oder Schulen bedauernswerterweise doch, aber was kann man von einem Land erwarten, in dem fast fünfzig Prozent der Bürger lieber glauben als wissen wollen), sondern daraus verbannt. Intelligentes Design vermeidet den Namen Gott, postuliert aber eigentlich nichts anderes, nur mit dem Deckmantelchen einer wissenschaftlichen These, einem vehement verteidigten Feigenblat aus pseudointellektuellen Begriffen versehen. Sie sagen, wenn eine komplexe Sache existiert kann sie sich nicht spontan entwickelt haben, wie zum Beispiel das Auge. Es muss erdacht und erschaffen worden sein.
Für einen Brillenträger wie mich ist das hartes Brot zu kauen, denn der Designer des Auges muss dann einen wirklich miesen Job gemacht haben. Ob ich ihn verklagen kann?
Als ein gewisser Dabbeljuh Bush noch Präsident der USA war, hat er die Meinung vertreten, man müsse Intelligentes Design gleichberechtigt zur Darwinschen Lehre im Bio-Unterricht anbieten. In einem Staat der USA ist es mittlerweile erlaubt, auf Schulbücher Aufkleber anbringen zu lassen, die davor warnen, dass die Evolutionstheorie nur eine Theorie sei und das es noch Alternativen gäbe...
Und was kommt danach, wenn Intelligentes Design die Evolution abgelöst hat? Kreationismus und die Erkenntnis, dass die Welt erst sechstausend Jahre alt ist, Dinosaurierknochen von Gott in die Erde gelegt worden sind und der Grand Canyon während der Sintflut entstanden ist... Bitte nicht.

Noch einmal, um alle Unsicherheiten auszuschließen:
Die Darwinsche Naturwissenschaftliche Arbeit ist eine Theorie, eine faktisch untermauerte und bewiesene wissenschaftliche Arbeit.
Das Intelligente Design ist der Versuch für alles eine einfache und simple Antwort zu finden, allerdings mit der Macht des Glaubens, nicht mit harten wissenschaftlichen Fakten.

Schreibt mir, bitte. Was ist Eure Meinung? Was gilt für Euch? Evolution oder Kreationismus?

Mittwoch, 28. Januar 2009

The great Song of Evolution

Es ist jetzt genau zwei Tage her, seit ich auf GMX.de/Web.de einen Artikel über den Ursprung der Arten gelesen habe. Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hatte laut des Artikels herausgefunden, das sich höhere und niedere Lebensformen bereits sehr viel früher voneinander getrennt hatten als bisher angenommen... Und dass damit die niederen Lebensformen nicht zu unseren Vorfahren gezählt werden können.
Soweit, so gut. Alles an sich ist das eine wertfreie Aussage einer schlichten wissenschaftlichen Arbeit. Sie sagt eigentlich nur zwei Dinge aus: Die Existenz von niederem und höherem Leben, wobei dieses durch Komplexität getrennt ist, und einen gemeinsamen Vorfahren. Ging man bisher davon aus, die höheren komplexeren Arten würden direkt auf dem "niederen" Leben basieren, sagen die deutsch-amerikanischen Forscher lediglich, dass es einen gemeinsamen Vorfahren gibt, also die Abspaltung früher erfolgte. Was in diesen Erdzeitaltern schon ein paar Millionen Jahre ausmacht.

Warum schreibe ich darüber? Nun, weil ich die Kreationisten schon hören kann, wie sie voller Hohn darauf hinweisen, pochen und rufen: Das haben wir doch gleich gesagt.
Was sind Kreationisten? Es gibt verschiedene Untergruppen von ihnen. Einige behaupten, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, andere denken an eine sphärische Existenz der Erde, in der Sonne, Mond und Sterne am Horizont quasi befestigt sind, einige vertreten auch das Scheibenweltprinzip... Die meisten jedoch denken in etwas weniger kleingeistigen Maßstäben und sagen schlicht, die Erde sei erst rund zehntausend Jahre alt, und Gott hätte alle Arten so wie sie heute sind, erschaffen.
Als Beweis für ihre Thesen führen sie sehr gerne das Auge an, das ihrer Meinung nach zu komplex aufgebaut ist, um natürlich entstanden sein zu können. Das arme Auge. Bis es den Punkt erreichte, dessen Nutznießer wir Menschen heute sind, hatte es einen weiten Weg zu gehen, der mehrere hundert Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückreicht und unter primitivsten Bedingungen begann, beim schlichten Unterscheiden zwischen hell und dunkel.
Auch der Mensch wird zu gerne als Beispiel als Ganzes gesehen, der ja nach der Bibel nach Gottes Ebenbild erschaffen wurde. Ein derart komplexer Organismus soll sich durch Zufall entwickelt haben? Unmöglich. Und in der Bibel steht es ja auch so.
Was ist denn, fragen Kritiker die sich ernsthaft damit auseinander setzen, mit dem Grand Canyon? Der ist mehrere Millionen Jahre alt!
Antwort: Durch die Sintflut entstanden.
So geht es dann auch nahtlos weiter. Karbon-Analyse zur Datierung von Fossilien?
Ist von Menschen erschaffen worden und deshalb mit Fehlern behaftet, kann also nicht funktionieren.
Bestimmung geologischer Proben?
Gott hat die Erde extra so gemacht, damit die Geologen glauben, die Erde wäre sehr viel älter.
Dinosaurierknochen?
Die Biester haben nie wirklich gelebt. Auch die hat Gott in die Erde gelegt...

Und so weiter, und so fort. Eine sehr ermüdende Form der Diskussion, vor allem bei rechthaberischen Menschen, die uneinsichtig sind und sich auf jeden vermeintlichen Fehler stürzen, um ihren eigenen Standpunkt zu stützen. So auch in diesem Fall: Haha, sogar die Wissenschaft sagt, wir stammen nicht von den niederen Arten ab!
Das hat das deutsch-amerikanische Forscherteam zwar nie gesagt, sondern lediglich die Abspaltung vordatiert (was auch erst noch bewiesen werden muss), und außerdem pinkeln sich die Kreationisten damit ans eigene Bein weil sie mit dieser Argumentation die Evolution indirekt anerkennen, aber wenn sie diesen Fakt nur fest genug verdrängen wird er für die gottlosen Wissenschaftler schon zum Stolperstein, und zur Rettung der armen, in die Irre geführten Menschenseelen ist es nur noch ein kleiner Schritt.
Ihr seht also, der fanatische Aspekt des Kreationismus ist ein Problem, vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass es in Amerika gestattet wurde, die Evolutionslehre und die Lehre vom Intelligenten Design parallel lehren zu dürfen, wenn das Intelligente Design nicht gleich einzige Lehrmeinung wurde. (Intelligentes Design bezieht sich auf den Kreationismus und behauptet, alles ist durchdacht und kalkuliert direkt von Gott erschaffen worden, es gibt und gab keinen Wettkampf zwischen den Arten, und alle die es behaupten sind auf dem Holzweg.)

Zum besseren Verständnis meiner Ungläubigkeit und meines Entsetzens diesem Thema gegenüber möchte ich zwei Geschichten zum Besten geben. Eine habe ich wirklich erlebt, die andere im Fernsehen gesehen.

Geschichte eins: Seit ein paar Jahren bin ich auf der größten deutschen Anime-Community Animexx.info angemeldet. Dort war ich bereits in mehreren so genannten Zirkeln tätig und habe vielfältige Menschen kennen gelernt. In einem Zirkel, in dem vielerlei Themen erörtert werden können, stieß ich dann tatsächlich auf eine Diskussion zur Entstehung der Arten, an der sich eine deutsche Anhängerin des Intelligenten Designs beteiligt hat. Nun, was soll ich sagen, die junge Dame war "präpariert worden", oder um es verständlicher auszudrücken, ihr waren jede Menge Argumente in die Hand gegeben worden, die wissenschaftlich belegbar klingen.
Nun beginnt mein Dilemma. Besagte junge Dame behauptete in dem Thread, die Evolution hätte so gar nicht statt finden können, weil es die sogenannte Ursuppe gar nicht gegeben hat. Experimente hätten gezeigt, dass man diese Ursuppe, also jenen Pool aus primitiven Aminosäuren, Wasser und ultraviolettem Licht gar nicht dazu bringen konnte, primitives Leben zu erschaffen. Zu meiner eigenen Unrühmlichkeit muss ich sagen, ich bin darauf rein gefallen. Oh, ich habe den Standpunkt der Evolution verteidigt, habe Erklärungen gefunden, ihren Standpunkt nachhaltig erschüttert, aber nicht einhundert Prozent widerlegen können. Aufgegeben habe ich nie und zumindest ein Patt erzielt. Jetzt, ein Jahr später, stieß ich zufällig auf einen Artikel, der die wissenschaftliche Erstellung der Ursuppe zu Studienzwecken behandelte. Dort wurde das - übrigens jedes Mal höchst erfolgreiche - Experiment nicht nur beschrieben, sondern als Standardversuch für Studenten im ersten Semester beschrieben.
Fakt ist also: Die junge Dame hatte die Argumente in die Hand bekommen um Menschen mit wenig Hintergrundwissen in die Ecke zu treiben. Mit einem Wort: Mich.
Das ist ihr auch gelungen. Hätte ich damals schon zu diesem Vorwurf recherchiert anstatt ihre Worte für bahre Münze zu nehmen, hätte ich schon damals dieses unsägliche Argument entkräften können. Aber genau in diesem Moment bin ich sicher, dass sie darauf geantwortet hätte: "Das sind doch nur Behauptungen! Solange ich bei einem solchen Experiment nicht selbst dabei bin und sehen kann, dass es funktioniert, bleibt das Quatsch." Damit hätte sie wahrscheinlich sogar richtig gehandelt, aber das ändert nichts daran, dass zehntausende Physik- und Chemie-Studenten sie jedes Jahr auf Neue widerlegen. Dennoch wäre sie in diesem Punkt uneinsichtig geblieben, weil sie glauben will, was sie glaubt. Das unterscheidet sie von rationalen Menschen wie mir. Man entschuldige diese Wortwahl, sie ist nicht zur Selbstbeweihräucherung gedacht, sondern zur Differenzierung.

Kommen wir zur zweiten Geschichte. Ein bekannter deutsche Neonazi fährt nach Auschwitz. Was will er da? Ärger machen und den Holocaust leugnen. Jenes Lager, welches ein halbes Jahr vor Kriegsende von der Roten Armee aufgebracht wurde, gilt heutzutage als Synonym für die industrielle Massenabschlachtung von Menschen. Juden, Roma und Sinti, Schwule, Dissidenten und was der damaligen deutschen Regierung im Wege war - ideologisch oder materiell spielt keine Rolle - verschwand dort und wurde in einem raffinierten System liquidiert und in den Krematorien verbrannt. Gerüchte, die mir zu Ohren gekommen sind, und die sich wohl belegen lassen, behaupten, dass die erfolgreiche Massenvernichtung von Menschen nicht bei diesen Menschen gestoppt hätte. Hitler, ein erklärter Verfechter der "Deutschland braucht Lebensraum und muss es den Untermenschen im Osten abnehmen"-Ideologie, hätte sicherlich für die dortige Bevölkerung, die ja auf zukünftigem deutschen Land siedelte, eine bewährte, schnelle industrielle Lösung gefunden: Auschwitz.
Aber zurück zum Thema. Besagter Nazi-Aktivist fährt nun nach Auschwitz. Bei strahlendem Sonnenschein besichtigt er die Gaskammern und stellt eine Behauptung auf, welche den anwesenden Menschen ins Herz fährt. Er sagt: "Zyklon-B hinterlässt aber Ablagerungen an den Wänden. Davon sehe ich hier nichts."
Diese wenigen Worte reichen erstens, um ihn als Leugner des Holocausts zu identifizieren (nebenbei als Feigling, das ist aber meine persönliche Meinung), und zweitens, um die Menschen zu entsetzen. Sie sind in der wirklich unangenehmen Lage, zwar die historischen Zusammenhänge zu kennen - Auschwitz, Gaskammer, Zyklon-B, Krematorien - die von russischen und auch westlichen Kamerateams wieder und wieder protokolliert wurden, aber ihnen fehlt selbstverständlich ein Detailwissen. Hinterlässt Zyklon-B wirklich Ablagerungen an den Wänden? Und sind diese nach fünfzig Jahren noch zu sehen? Vor allem bei Gebäuden, deren Türen und Fenster schon vor Jahren ausgebaut wurden, also deren Innenräume Wind und Wetter jederzeit ausgeliefert sind? Sie können es nicht wissen, und ich habe auch nicht versucht zu recherchieren, ob der Mann Recht hatte. Wozu auch, die Beweise für die rücksichtslose Massenvernichtung von Menschen sind auch so überreich vorhanden, auch ohne dass sich Zyklon-B-Rückstände an den Wänden erhalten haben. Aber in diesem Moment hatte er mit einem ausweichendem, nicht sofort widerlegbaren Argument die Menschen im Griff, fassungslos. Nicht unbedingt davon überzeugt, dass der Holocaust gar nicht stattgefunden hat, aber erschrocken und mit einem eher unwichtigen Detail an die Wand gestellt. Denn dies ist eine Behauptung, die auch ein Fremdenführer nicht so ohne weiteres hätte widerlegen können.

Vielleicht ist es etwas hart, eine Geschichte über Kreationisten mit der über einen Nazi, der den Holocaust leugnet, zu vergleichen. Aber mir geht es nicht unbedingt um die Themen an sich, mehr um die Perfidität des Missbrauchs eines Details. Darin waren sich beide Argumentationen gleich. Und auch in einem anderen Aspekt gleichen sie sich und lohnen sich, bis zum Letzten bekämpft zu werden: In beiden Fällen sollte Wissen durch glauben ersetzt werden. Und das kann ich nicht zulassen.

Die Lehre für mich und für uns alle? Einfach. Solltet Ihr jemals in einer Diskussion, einer Situation oder in einem Hinterhalt einem solchen ungerechten und mit unfairen Mitteln geführten Hieb durch ein Argument ausgesetzt sein, das Teile Eures säkularen Weltbilds zerstören soll, und könnt Ihr es nicht widerlegen, dann heißt die Devise: Argument notieren, verabschieden und nach erfolgreicher Recherche zurückschlagen.

Mittwoch, 21. Januar 2009

Vielschreiberei 2

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Ich widme mich in meinem Blog tatsächlich wieder einmal meiner Arbeit als Hobby-Autor. Zwischen der Vereidigung von Barry Obama und dem Wahldebakel der CDU in Hessen (ja, Wahldebakel, denn Frau Westerwelle wird den ultralinken Koch für ihre Beteiligung an der Landesregierung noch ordentlich bluten lassen) habe ich tatsächlich mal wieder etwas fertig gekriegt.

Hiermit verkünde ich voller Stolz, dass ich Die Catrek-Chronik: Conrad IV beendet habe.
Diese Geschichte, die ich ursprünglich begonnen habe, um einer begabten jungen deutschen Mangaka eine Vorlage für einen Manga zu liefern, hat damit ihr drittes Sequel erfolgreich hinter sich gebracht. Ich bin recht zufrieden, wenn ich den Text betrachte, vor allem wenn man bedenkt, wie lange ich für die paar Seiten insgesamt gebraucht habe.
Lesen kann man Conrad IV und die drei Vorgeschichten, indem man dem Link links neben den Blogeinträgen folgt. Viel Spaß dabei, und vergesst nicht, ich freue mich über jede Meinung.
Neues auch vom Manga. Nachdem Kuraiyami (Julia Krebs) bereits Conrad I sehr gut umgesetzt hat, arbeitet sie nun am wesentlich längeren und Actiongeladenen zweiten Part. Erste Skizzen haben mich schon erreicht, und ich freue mich wirklich auf die erste Seite des neuen Mangas. Wer weiß, vielleicht inspiriere ich sie ja auch mit der neuen Folge. ^^

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass das Konzept von mir und Kuraiyami gemeinschaftlich erstellt wurde. Ehre wem Ehre gebührt.

Sonntag, 18. Januar 2009

DNA is not a german word...

Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich mich auf die Seite der multikulturellen Sprachvielfalt im Deutschen gestellt. Da habe ich mich offen dazu bekannt, dass Lehnwörter nicht nur ins Deutsche einfließen dürfen, sondern sogar MÜSSEN.
Der Kabaretist Thomas Freitag hat das mit seinem Bühnenprogramm noch weit deutlicher auf den Punkt gebracht.
Anhand des berühmten Schiller-Gedichts "Die Glocke" präsentierte er sämtliche Lehnwörter fremder Sprachen, die hierfür verwendet wurden - prompt war das Gedicht um ein Drittel kastriert. Die anschließende Fassung mit rein urdeutschen Begriffen war nicht nur unfreiwillig komisch. Da neigt man doch zu sagen: Ich fasse mir lieber weiterhin an die Nase als an den Gesichtsriechzinken, bleibe cool statt kühl und tippe weiterhin meine Gedanken in die Tastatur statt in meine Rechnerschreibhilfe... Ja, staunt nur, Tastatur ist ein italienisches Lehnwort. Und bei Rechnerschreibhilfe bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich deutsch ist.

Aber nun kommt der große Umkehrschluss, die große Wende, der Punkt an dem ich für die Reinerhaltung der deutschen Sprache kämpfe und mit hochrotem Kopf und pulsierender Stirnader auf die Barrikaden steige. Habe ich meinen Glauben an die Vielseitigkeit einer lebendigen Sprache aufgegeben? Bin ich nun ins Lager der meist unwissenden und häufig selbst ernannten deutschen Sprachexperten gewechselt? Wurde ich Paulus zum Saulus?
Weit gefehlt. Aber ein englisches Lehnwort, das uns mehr und mehr unterminiert, treibt mich zur Weißglut. Warum? Weil Menschen und Medien es benutzen, ohne sich bewusst zu sein, dass es eigentlich ein englisches Wort ist! Dabei kann man nicht einmal davon ausgehen, dass die Menschen es nicht wissen oder erkennen können, wie dies bei Nase, Meister oder Tastatur der Fall ist. Nein, denn es handelt sich um eine Abkürzung, und anscheinend macht sich niemand mehr die Mühe, diese Abkürzung vollständig auszusprechen oder wenigstens vollständig zu lesen, denn dann würde einem ja der Fehler bewusst werden...
Wovon ich spreche? Von der DNA.
Ja, genau, dieses merkwürdige Zeug mit den Aminosäuren, der Doppelhelix und den Auswirkungen auf den eigenen Körper. Ja, das Zeug, das mit AIDS zu tun hat. Oder vielmehr andersherum, AIDS hat mit der Doppelhelix des genetischen Codes zu tun.
Wo ist mein Problem? Nun, sprechen wir das Wort doch einmal aus. Okay, okay, euch arme Leser möchte ich nicht überlasten, also belassen wir es beim lesen. Ausgesprochen heißt es Desoxyribonucleinacid. Ja, das ist wieder so ein Mörderwort aus der Biologie und bezeichnet Aminosäuren und Doppelhelix und so... Das Problem liegt nur in den letzten vier Buchstaben. Acid. Den englisch sprachigen Lesern meines Blogs wird nun ein Licht dämmern. Hey, das ist doch englisch für Säure!
Genau. Es ist das englisches Wort für Säure. Das Nuclein innerhalb des Wortes wird übrigens mit c statt mit k geschrieben, was es ebenfalls ins englische rückt.
Nun der Gegenvergleich. Gibt es ein deutsches Wort dafür? Für die Doppehelix und die Erbinformationen und den ganzen Quatsch? Ja. Es heißt Desoxyribonukleinsäure.
Nun kommen die Englisch-Experten wieder zu Wort. Komisch, das ist das gleiche Wort wie DNA, nur eben mit Säure statt mit Acid am Ende. Und ein c wurde gegen ein k ausgetauscht.
Scharfsinnig und richtig bemerkt. Und hier liegt der Hund begraben, die Flinte im Korn und sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Überall sagen die Leute DNA. DNA hier, DNA da, DNA auf Wikipedia.de, dort sogar besonders konsequent, weil es so verdammt richtig klingt...
Und keine Sau merkt am Ende, dass sie eigentlich englisch spricht, wenn sie DNA statt DNS sagt. Das ist das Traurige an der ganzen Geschichte, sie denken sie sprechen das Wort deutsch aus. Dabei ist bereits die Abkürzung englisch.
Nun, der Wikipedia-Artikel ist etwas irreführend, aber er bestätigt meine Worte, liefert allerdings keine Erklärung warum der Autor bevorzugt DNA verwendet, geschweige denn dass er den Begriff näher erläutert. Für mich sehr enttäuschend.
Ich will euch den Link nicht vorenthalten: http://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleinsäure
Zum Abschluss noch ein anderer, wesentlich kürzerer Wiki-Artikel, der mich mit der Welt wieder versöhnt hat... Der aber nicht verhindert, dass weiterhin DNA benutzt wird: http://de.wikipedia.org/wiki/DNA_(Begriffsklärung)

Liebe Leser, versteht mich nicht falsch. Ich will den Medien nicht ihr geliebtes Lehnwort wegnehmen und sie dazu zwingen fortan DNS zu sagen. Aber ich würde mich wahnsinnig darüber freuen wenn sie wenigstens WÜSSTEN, dass sie englisch sprechen.
So, nachdem ich mich abgeregt habe und wieder cool bin, betrachte ich meine Tastatur, um mir an die eigene Nase zu fassen. Aber es musste halt mal gesagt werden.

Freitag, 9. Januar 2009

Diese Geschichte hat nen Bart...

...und Kopftücher. Genauer gesagt neun Bärte und Kopftücher. Nicht ganz gleichmäßig verteilt.
Was war passiert? Neun Amerikaner mit arabischem Emigrationshintergrund wollten mit der AirTrans einen Inlandflug in den USA nehmen. Und sie durften nicht.
Mitreisende hatten dem Flugpersonal berichtet, die neun hätten sich "verdächtig unterhalten", woraufhin AirTrans die Passagiere nicht nur des Flugzeugs verwies, sondern auch einen späteren Weiterflug mit ihrer Airline außer Frage stellte. Das FBI verbürgte sich für die amerikanischen Staatsbürger, die Fluggesellschaft ließ sich aber nicht erweichen und ließ über einen Sprecher erklären, die traditionell arabisch gekleideten Passagiere "hätten sich halt so nicht verhalten dürfen". Eine Entschuldigung erfolgte erst sehr viel später.

Was sagt uns das? Abgesehen davon, dass die Attentäter vom elften September wohl ihr bestes gegeben haben, um als Amerikaner durchzugehen und abgesehen von den teilweise paranoiden Sicherheitskonzepten an amerikanischen Flughäfen (die übrigens regelmäßig ins Lächerliche gezogen werden, weil amerikanische Journalisten sich seit Jahren einen Spaß draus machen, möglichst naturgetreue Waffen- und Bombennachbildungen an Bord von Inlandsflügen zu schmuggeln) und niemals so eindeutig im "Feindbild" aufgetreten wären, kann man von der öffentlichen Meinung einiges lernen. Auf GMX verfolge ich ab und an die Meldungen und die Kommentare dazu. Der Tenor zeigte sich unverständlich, warum ausgerechnet das Land der unbegrenzten Möglichkeiten Quelle dieser Dummheit sein konnte, ein kleiner Teil rief: "Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig. Es hätte ja doch was passieren können."
Hätte. Könnte. Würde. Hat aber nicht. Im Gegenteil. Neun Amerikaner wurden an ihrem verbrieften Recht gehindert, einen Vertrag anzutreten, indem der andere Vertragspartner, die Fluggesellschaft, ohne zwingenden Grund zurück getreten war, um mal die juristischen Fakten hinzu zu fügen.
Aber was kann man auch von einem Land erwarten, das nach 9/11 spezielle "Überlebenspacks" für Familien auf den Markt brachte, das im großen und ganzen aus Trockenfutter, Klebeband zum abdichten von Türen und Fenstern gegen Gasangriffe, Plastikhandschuhe und einer Billigatemschutzmaske bestand? Die entsprechenden Firmen sollen an der Paranoia ziemlich gut verdient haben. Oder von einem Land, das mit dem Patriot Act entscheidende Grundrechte beschnitt "um erfolgreich den Terrorismus bekämpfen zu können". Stattdessen führten zwei Kriege dazu, dass sich der erfolgreiche Krieg gegen den Terrorismus nun in einen Krieg gegen das Staatshaushaltsdefizit gewandelt hat.

All dies gipfelte nun darin, das Amerikaner Amerikaner aus Paranoia ungerecht behandelt haben. Ja, wenn es Schwarze, Juden oder Native American gewesen wären, um mal einen bissigen Schwenk in die Satire zu machen, wäre es verständlich gewesen. So aber beschleicht einen der Verdacht, dass die größte Gefahr für Amerikas innere Sicherheit Amerika selbst ist.
Nach den - zugegeben - Paukenschlägen der einstürzenden Twin Towers und dem Bombenangriff auf das Pentagon (wie, das war auch ein Flugzeug? Wo, bitte, war das Wrack? Selbst bei den Twin Towers blieben immerhin die Triebwerke übrig. Also, hat jemand eine Erklärung?), die mit relativ kleinen Mitteln dreitausend Tote sowie einen nicht unerheblichen Hieb gegen die amerikanische Wirtschaft verursachten, hat sich Amerika vor allem selbst geschadet. Alleine die Einschnitte in die von der Verfassung gewährten Rechten sind enorm und hätten ohne die sorgfältig geschürte Panikstimmung niemals eine Mehrheit gehabt.
Kritiker gab es wenige, und wenn wurden sie als unamerikanisch und unpatriotisch niedergeschrien.
Kritiker wie Deutschland und Frankreich, denen die Kriegspläne der USA zuwider waren, wurden - wir erinnern uns alle - als altes Europa abgekanzelt. (Trotzdem steht Deutschland mit viertausend Mann in Afghanistan, soviel also zum Widerstand des alten Europas.) Dubia Bush inspirierte die Öffentlichkeit sogar dazu, zu den French Fries (Pommes Frites) in Zukunft Freedom Fries zu sagen, um die Franzosen für ihre "Feigheit" abzukanzeln. Hat m.E. nicht geklappt und auch nicht gestimmt. Im Gegenteil, vielleicht hat gerade der Widerstand der Atommacht Frankreich schlimmeres verhindert.

Um zum Thema zurück zu kehren, nachdem ich die Trümmer einer einstmals vorbildlichen Demokratie weiter zerredet habe: Kommen wir zurück zu unserer Großfamilie, die nicht mitfliegen durfte, weil man sie des Terrorismus verdächtigt hatte.
Gut, man hat sie aus dem Flugzeug geholt. Das mag der Panik geschuldet sein. Gut, das FBI hat sie überprüft. Das Federal Bureau of Intelligence ist eine Polizeibehörde, sie muss das tun.
Aber sie keinen Anschlussflug nehmen zu lassen, weil "ja doch was passieren kann", ist Schwachsinn und zeigt, wie weit es mit den USA gekommen ist.
Denn angenommen, sie waren wirklich Terroristen (was ich NICHT glaube), so gilt für sie das Gleiche wie für alle anderen Menschen auch. Erst wenn sie eine kriminelle, meinetwegen terroristische Handlung vorbereiten und/oder durchführen, sind sie wirklich auch Straftäter. Zuvor gilt die Unschuldsvermutung. Meines Wissens nach hat sich nichts daran geändert, dass auch amerikanische Gerichte den Angeklagten ihre Schuld beweisen müssen, nicht die Angeklagten dem Gericht ihre Unschuld.
Oder um es mal burschikos auszudrücken: Die amerikanische Freiheit hat sich selbst ans Bein gepinkelt.