Dienstag, 17. Januar 2012

Die Costa Concordia - Gedanken zum Thema

Zuallererst möchte ich selbstverständlich mein Mitgefühl all jenen aussprechen, die in der Schreckensnacht evakuieren mussten und mit dem Leben davon kamen. Und ich möchte den Angehörigen der Toten mein Beileid aussprechen, sowie den Angehörigen der Vermissten sagen, dass es noch immer Hoffnung gibt.
Es besteht kein Zweifel, diese Havarie ist ein riesiges Unglück. Und die Verantwortlichen müssen dafür vor Gericht gerade stehen.
...sacken lassen.

Ich bin kein Seefahrer, mit Nautik nicht vertraut, und ich habe auch noch nie ein Schiff geführt, geschweige denn eines mit so hohem Tiefgang wie die Costa Concordia.
Ich habe auch keinerlei Grund, die Crew, den Kapitän oder die Reederei zu verteidigen. Aber ich kenne die deutschen Medien und ihren Trend der letzten Jahre, den einfachen Weg zu suchen, anstatt ein wenig nachzubohren. Deshalb bin ich naturgemäß erschrocken mit dem Thema konfrontiert worden und habe mir wie immer "meinen Teil gedacht".
Über eine Sache können wir uns vollkommen im Klaren sein: Die Verantwortung liegt beim Kapitän. Dafür ist er da, dafür führt er das Schiff. Auch für die bisher geborgenen Toten trägt er die Verantwortung. Wohlgemerkt sage ich nicht "Schuld", denn das ist etwas anderes.
Einiges an der Berichterstattung stößt mir sauer auf. Einiges ist unklar. Und ich möchte gerne diese Gedanken mit meinen Lesern teilen und Eure Meinung wissen.
In den Medien wird immer wieder gesagt, dass die Concordia zu nahe an der Küste entlang gefahren ist und deshalb havarierte. Wenn man die Bilder des mit Schlagseite am Ufer liegenden Schiffs sieht, dann muss man dem auch Recht geben. Aber betrachtet man diese Grafik auf tagesschau.de, bleiben doch einige Fragen übrig. Wenn diese Grafik stimmt, dann erfolgte die Havarie nicht in direkter Nähe der Küste. Zudem erfolgte sie auf einem Kurs, den die Concordia nachweislich schon ein paarmal bestritten hat, ohne auf Grund zu laufen.
Betrachten wir den weiteren Kurs des Schiffes und vergleichen es mit den zur Zeit durch die Medien gereichten Bildern, muss man feststellen, dass das Schiff gewendet hat, um den nahen Hafen Giglio Porto zu erreichen. Als es nicht mehr weiter ging, wurde das Schiff direkt an der Küste auf Grund gesetzt. Absichtlich, wie ich vermute. So kam es zu den Bildern, die zum ursprünglichen Kurs nicht passen wollen, denn warum zeigt der Bug der Concordia nach Süden, wenn es nach einer Fahrt Richtung Norden an der Ostküste der Insel Giglio gestrandet ist?
...sacken lassen.

Ich will mich nicht den Mutmaßungen anschließen, nicht behaupten ob und wie lange der Kapitän an Bord war, ich möchte nur feststellen, dass zu wenden, Giglio Porto anzusteuern und das Schiff als letzte Maßnahme auf Grund zu setzen die richtige Entscheidung war. Das macht die Toten nicht wieder lebendig, und bringt die Vermissten nicht zurück, aber es ist ja auch nur eine Feststellung meinerseits.
Des Weiteren bin ich der ausdrücklichen Meinung, die Navigationssoftware zu untersuchen, die, so der Kapitän, das Riff nicht verzeichnet hatte, auf das er aufgelaufen ist. Nicht die aktuelle Version der Software, sondern jene, die an Bord installiert ist. Entweder um den Kapitän zu be-, oder entlasten. Es sollte eindeutig zur Investigation gehören.
...sacken lassen.

Wie die Medien berichten, fuhr die Concordia auf jeder Fahrt mit diesem Kapitän an Giglio Porto mit Festbeleuchtung vorbei, sie paradierte. Diesmal ist was passiert, das Schiff ist havariert. Und ich frage mich, wieso. Eines können wir sicherlich ausschließen: Laut der Grafik von tagesschau.de war die Concordia zum Zeitpunkt der Havarie nicht zu nahe an der Küste.
Aufgabe der Untersuchenden muss es nun sein, sich einerseits von wilden Spekulationen der Medien (von denen ich etliche gehört habe; deutsche Medien bringen Gerüchte aus dritter und vierter Hand, ohne sie gegenzuprüfen, und das ist für die Wahrheitsfindung keinesfalls hilfreich) nicht verwirren zu lassen, und andererseits alle möglichen Varianten, die zum Unglück geführt haben könnten, zu überprüfen.
Zwar ist der Kapitän in der Verantwortung, das steht außer Frage, wie ich oben schon festgestellt habe.
Aber alle Passagiere, die an Bord waren, vor allem die Angehörigen der Vermissten und Toten, haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Niemandem ist damit gedient, einen erfahrenen Kapitän, der die Route bereits mehrfach fuhr, an den Pranger zu stellen, und Versäumnisse anderer Stellen oder ein schlichtes Unglück auszuschließen; da steht er als Kapitän ohnehin. Man muss sich fragen: Wie konnte das passieren, und wie ausgerechnet ihm? Dann ist man der Wahrheit einen großen Schritt näher gekommen.

Edit um 20.00 Uhr: Leise, still und heimlich haben die Grafiker von Tagesschau.de die Grafik angepasst. Ging der vermutete Unglückskurs zuvor noch durch die offenen Gewässer, so stellt sie nun einen küstennahen Kurs dar.
In den Kommentaren kam es dann auch prompt zum Missverständnis. Nathan kann ja gar nicht wissen, dass ich über eine im Prinzip andere Grafik geschrieben habe.
So entspricht sie dem vermuteten Unfallhergang natürlich schon eher. Fragen bleiben trotzdem noch genug.

Edit am Donnerstag, dem 19.: Man sollte den Eilmeldungen ja generell nicht so viel Vertrauen schenken, gerade nicht wenn sie bei N-TV über den Ticker laufen, wo schon Spekulationen als Nachrichten weitergegeben wurden wie das der Kapitän als einer der Ersten von Bord geflohen sein soll.
Aber diesmal ist eine Eilmeldung rübergetickert, die zu meinen Gedanken passt. Demnach soll der Felsen auf dem die Concordia havariert ist, in "einigen Seekarten" nicht verzeichnet sein.
Ich hoffe, die Ermittler überprüfen die Navigationssoftware an Bord des Schiffs.

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Zu dem Thema und der Medienhetze fällt mir ein: Maritim, es ist etwas was die meisten Menschen nicht verstehen.
Und das Menschen zurückgeblieben sind bei der Evakuierung ist verständlich und oft auch unvermeidlich. Wer durchsucht schon eine Kleinstadt.

Ace hat gesagt…

Ich frage mich ohnehin die ganze Zeit, warum zwanzig Kilometer vom Festland als zu nahe an der Küste gelten. Es werden Äpfel mit Birnen vermischt, und das kann nicht richtig sein. Wer den Kurs in der Grafik betrachtet, kann nicht ernsthaft behaupten, dass die Concordia zu nahe an der Küste Leck geschlagen ist.
Was sagen denn die Profis in Deinem Dunstkreis, Stinkstiefel?

Stinkstiefel hat gesagt…

Keine Ahnung, Marineflieger, ^^
Das was ich dem Kapitän vorwerfen könnte wäre die Evakuierung und dort bedingtes Fehlverhalten. Eine Havarie ist so normal in der Seefahrt.
Man kann zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sagen was genau passiert ist. Der Kapitän hätte das Schiff nur anders auf den Strand setzen können, wenn dies möglich gewesen wäre. So das es nicht in dieser Position gekentert wäre.
Aber alles Spekulation.

Ace hat gesagt…

Ich fand die Entscheidung, das Schiff auf Grund zu setzen, als abzusehen war, dass es den Weg zum Hafen nicht mehr schafft, aber tendentiell richtig.

Stinkstiefel hat gesagt…

War es ja auch. Er hätte aber eher direkt auf den Strand setzen sollen

Ace hat gesagt…

Von den Bildern her, die veröffentlicht wurden, gab es etwas wenig Strand, um das Schiff aufzusetzen.

Stinkstiefel hat gesagt…

Ein weiteres Problem was der Rettung im Weg stand.

Ace hat gesagt…

Hätte sie es in den Hafen geschafft, würden die Medien nicht dieses Interesse entwickeln und jedes x-beliebige Gerücht zur Wahrheit küren. Die Sachlichkeit ist den deutschen Medien verloren gegangen.

Nathan hat gesagt…

sorry ich bin deinem Link zur Grafik gefolgt und muß sagen das sieht aber nicht aus als ob das schiff weitgenug von der Küster der Insel weg gewesen wäre
das schiff hatte direkten Kurs auf die Insel und fuhr 28-29 km/h
und das sind keine 20-30m bremsweg sondern mehrere hundertm wenn nicht sogar ein KM bis so ein Schiff zum stillstand kommt

ausserdem der Kapitän aht anscheinend sein schiff frühzeitig verlassen und wurde mehrmals von den Hafenbehörden und küstenwache aufgefordert wieder an Bord zu gehen und die Evakuierung zu koordiniern und wenn das stimmt dann gehört der Kerl in den Knast
denn der Kapitän ist der Verantwortliche für sein Schiff und seine Passagiere und bei einer Havarie muß er die rettungsmasnahmen überwachen und alles tun das alle passagiere und seine Mannschaft das schiff verlassen kann und nicht einer der ersten sein die von Bord gehen und alles seinen offizieren und der mannschaft überlassen

Stinkstiefel hat gesagt…

Hallo Nathan!
Die Costa Concordia hat eine Länge über alles von 290,2 m. Geh mindestens von einem Bremsweg von der fünffachen Schiffslänge aus, bis sie mit Null Knoten über Grund geht.

Ace hat gesagt…

Nathan, da gibt es keine zwei Meinungen. Wenn er sein Schiff verlassen hat, bevor der letzte Passagier von Bord ging, gehört der Mann vor Gericht. Wenn er es tat, um vom Beiboot aus die Evakuierung zu leiten, mag man noch drüber reden. Die Verantwortung trägt er in jedem Fall. So ist das auch in der Seefahrt.

Was nun den Kurs laut Karte angeht, die wurde nachbearbeitet. Als ich meinen Blogeintrag schrieb, verlief die gestrichelte Route noch auf hoher See und tangierte jene Bereiche mit geringerer Seetiefe noch nicht.
Bleibt immer noch die Frage, warum ein Kapitän, der schon ein halbes Dutzend Mal hier vorbei gefahren ist, plötzlich auf einen Felsen läuft.
Aus rein subjektiver Sicht waren die Entscheidung zur Wendung des Schiffs und die, den Kahn auf Grund zu setzen, aber vollkommen richtig.
Aber ich denke, hinter der Sache steckt noch mehr, nicht nur menschliches Versagen.

Ace hat gesagt…

Stinkstiefel, das ist sehr, sehr wenig Bremsweg. ^^

Stinkstiefel hat gesagt…

Ich bin von einem optimistischen Wert bei der Geschwindigkeit ausgegangen. Bei 15 kn wie Nathan annimmt wäre es natürlich länger gewesen. Aber ich weiß nicht wie schnell die Costa war und ob sie Ausweichmanöver gefahren haben.

Ace hat gesagt…

Trotzdem ist das eine überschaubare Strecke. Mancher LKW schlittert auf der Autobahn bei Vollbremsung weiter.

Stinkstiefel hat gesagt…

Das ist keine Autobahn.

Ace hat gesagt…

Aber beide haben Massenbeharrungskräfte und mit Reibung zu arbeiten.

Stinkstiefel hat gesagt…

Und ein Schiff reagiert sensibler auf Wind und Strömung.
Du kannst keine Äpfel mit Birnen vergleichen.

Ace hat gesagt…

Da hast Du natürlich Recht. Aber es ist dennoch ein verdammt kurzer Bremsweg für eine schwimmende Kleinstadt.

Spelllord hat gesagt…

und ein Schiff kann den Rückwärtsgang einlegen während es noch nach vorne driftet

Ace hat gesagt…

Im Prinzip hast Du Recht, aber ein Schiff hat in dem Sinne keinen Rückwärtsgang. Es ist mehr eine Art negativer Beschleunigung durch Umkehrung der Schrauben, die mit der gleichen Kraft läuft wie der Vorwärtsgang. Moderne Schiffe schwenken dafür unter dem Rumpf gleich die ganze Schraubenbatterie, ältere lassen die Schrauben "links" laufen.
Aber ich denke, Stinkstiefel weiß das noch genauer als ich.

Stinkstiefel hat gesagt…

Habe mal nachgelesen, 15 Schiffslängen ist das Maximum welches man haben darf bis das Schiff steht.

Spelllord hat gesagt…

die Schiffspropeller sind heutzutage aber auch verstellbar wodurch die nötigen Getriebe wegfallen

Stinkstiefel hat gesagt…

Man dreht bei den neueren Schiffen, besonders Kreuzfahrer, einfach die Pods und meisten haben sie euch Seitenstrahlruder im Bug, um schneller drehen zu können.
Frachtschiffe sind auf Wirtschaftlichkeit und einfache Wartung ausgelegt, also meisten eine langsam drehende Welle.

Ace hat gesagt…

Okay, und wer von Euch beiden verfasst jetzt einen Gastblog zum Thema? ^^

Stinkstiefel hat gesagt…

Ich stimme für Spelllord!

Spelllord hat gesagt…

ich für
stinkstiefel da er bessere Recherche möglichkeiten besitzt

Ace hat gesagt…

Okay, einer liefert die Recherchebasis, der andere verfasst eine halbe Seite zum Verhalten abbremsender Schiffe. Beide werden als Autoren genannt. Wie klingt das? ^^

Stinkstiefel hat gesagt…

Schlecht, da meine Recherchemöglichkeiten bis Ende des Monats in diesem Bereich sehr beschrängt sind. Ab nächsten Monat könnte ich mit etwas Fachliteratur aufwarten.

Spelllord hat gesagt…

ähhhhhh ich bin auch dagegen
auserdem mit was für einem Schiffstyp mit Gegenwind oder ohne oder überhaupt kein Wind?
nur ein Aufstoppen oder eine Wende
Wende in welchem radius oder mit welcher Geschwindigkeit?
...

Stinkstiefel hat gesagt…

Ich würde sagen wir lassen dieses Thema aus. Es gibt genug andere Sachen wo man sowas machen könnte und unsere Expertise größer wäre. ^^

Ace hat gesagt…

Ich sehe, das ist ja schon eine Form der Zusammenarbeit. ^^

Anonym hat gesagt…

Also Ace, selten habe ich mich über einen Deiner Beiträge so erregt. Nun sei gesagt ich komme aus einer Seefahrerfamilie. Mein Vater ging mit 15 Jahren zu Hochseefischerrei, mein Onkel mütterlicher seits war 2. Ing. auf der Hanseatic und mein "Patenonkel" war Ing. bei Cap San.

Den mir bekannten Faktoren nach hat der Captain der Costa Concordia die besagte Insel in einem Abstand von unter hundert Metern passiert. Das Schiff soll schon kurz nach dem Unfall manöverierunfähig gewesen sein und dass es in seine jetzige Position fuhr war wohl nur Zufall.
Der zuständigen Küstenwache wurden Falschmeldungen gemacht.

Bei allen Fehlern, die ich der Menschheit zugestehe kann ich aber nicht akzeptieren, dass ein Captain quais als erster von Bord seines Schiffes geht. Er trägt die Verantwortung und er steht in der Pflicht alles menschen mögliche zu unternehmen die ihm anvertrauten Passagiere und Besatzungsmitglieder unversehrt von Bord zu bringen.

Darüber hinaus hat er als Captain seinen ihn untergebenen Offizieren und Besatzungsmitgliedern als gutes Beispiel voran zu gehen. Wie zum Teufel will man von Giovanni-Hilfskoch bitteschön verlangen, sich um die Passagiere zu kümmern wenn El-Commandante schon im Rettungsboot sitzt.

Diese Person kann von Glück sagen, dass ich nicht über ihn zu Gericht sitzen werde, denn bei allem was die Reederei vielleicht noch verzapft haben mag, sprich ihn möglicherweise dazu gedrängt nicht zu evakuieren, er hat seinen Posten verlassen und er hat seine Pflichten als Kommandant sträflich vernachlässigt und dass kann ich bei einem Captain dem über 4.000 Menschen anvertraut werden nicht akzeptieren.

Mfg
Cunny

Ace hat gesagt…

Lucas, in aller Freundschaft, aber ich finde, Du regst Dich hier umsonst und über die falschen Gründe auf. Du hast Dich, genau wie die Mehrheit der Deutschen mit Halbwahrheiten und Meinungen füttern lassen, die den Medien gar nicht zustanden, verbreitet zu werden. Die genauen Begleitumstände der Havarie zu klären obliegt den Gerichten, und ich wäre froh, wenn Du einer dieser Richter wärst, denn Du würdest objektiv über den Vorfall urteilen, nachdem Du alle verlässlichen Fakten bekommen hast.
Das Geschrei, der Kapitän hätte als Erster sein Schiff verlassen, er wäre von Bord gefallen und nicht wieder an Bord gegangen, und, und, und, ist unseriöses Gebrabbel, um Emotionen gegen ihn zu erzeugen. Es steht natürlich außer Frage, dass er sich wird verantworten müssen, wenn er das Schiff tatsächlich als Erster verlassen hat. Aber ganz ehrlich, Lukas, Hand aufs Herz und frage Dein Seefahrerblut: Glaubst Du wirklich, dass ein richtiger Kapitän dazu in der Lage ist? Ich halte dieses Gerede für gezielte Rufschädigung, um ein Opferlamm zu bekommen.

Was die hundert Meter Entfernung von Giglio angeht, nun, das Mistding ist eine Vulkaninsel, ein Umstand, mit dem jetzt auch die Bergungsmannschaften zu kämpfen haben. Da wo die Concordia liegt, sind es nur ein paar wenige Meter bis zum tieferen Wasser, das locker fünfzig Meter Meerestiefe hat. Auch hier schreien die Medien, dass der Kapitän "zu nahe" an der Insel vorbei gefahren ist. Dabei sind selbst unter hundert Meter vollkommen vertretbar, weil das mehr als fünfzig Meter Wassertiefe bedeutet. Auch war er nicht auf Rammkurs auf der Insel.
Ehrlich gesagt halte ich dieses Gerücht für nicht tragfähig, denn die früheren Paraden an Giglio Porta vorbei erfolgten stets in mehreren Kilometern Entfernung.
Und da Du als Seefahrerkind ehrlich bist, frage Dich mal, warum das Riff, von dem anfangs berichtet wurde, vollkommen aus der Berichterstattung verschwunden ist, und jetzt stattdessen davon die Rede ist, dass er der Küste zu nahe kam. Aber wir erinnern uns: Vulkaninsel, kein Schildvulkan, sondern ein Schichtvulkan mit steil abfallendem Meeresboden.
Und noch ein Fakt zum Schluss: Welcher Kapitän setzt sein Schiff freiwillig auf ein Riff? Keiner. Was ist nun mit der Meldung, das Riff wäre tatsächlich nicht eingetragen gewesen? Glaubwürdig, oder warum ist bei den sechs, sieben vorherigen Paraden der Concordia nie was passiert?

Fazit: Wenn der Kapitän Fehler oder Unterlassungen bei der Evakuierung begangen hat, gehört er zu Recht vor ein Gericht. Aber meines Erachtens kann man ihn nicht für die Havarie an sich belangen, wenn das Riff tatsächlich nicht verzeichnet war. Vor allem weil die Parade ja von der Reederei als Werbemaßnahme augenscheinlich gewünscht worden war. Hier soll ein Mann für alles die Schuld tragen. Dabei muss überhaupt erst rausgefunden werden, wo er welche Schuld überhaupt tragen muss.
Ein Beispiel für die Hysterie der Medien: Der Drogentest fiel negativ aus, wie heute berichtet wurde.
Ich bin sehr dafür, die Untersuchungen abzuwarten, die Verhandlung abzuwarten und der Gerechtigkeit ihren Lauf zu lassen. Die mediale Hinrichtung des Kapitäns im Vorfeld ist nichts, was demokratischen Medien gut zu Gesicht steht. Und ich bleibe dabei. Nach der Havarie bis zu dem Moment, an dem er das Schiff einhundertfünfzig Meter von Giglio Porta auf Grund gesetzt hat, hat er alles richtig gemacht.
Die Verzögerungen kamen, wie die gleichen Medien berichten, auf Anweisung der Reederei...

Anonym hat gesagt…

Moin Ace,

dann nehme ich mal den Punkten Stellung:

Laut den mir bekannten Angaben soll laut den Zuständigen Behörden der Kapitän der Costa Concordia das Schiff eine Stunde vor Beendigung der Evakuierung sein Schiff und somit seinen Posten verlassen haben sowie die Anweisung zurück zukehren ignoriert haben.
Die Hohle Phrase "...welcher echte Kapitän..." zieht bei mir nicht. Wir sehen jeden Tag unqualifizierte Leute in verantwortungsvollen Positionen.

Seeverkehr ist nicht wie eine Seilbahn, vielleicht ist die Costa Concordia die letzten sechs male wenige Meter am Riff vorbeigefahren. Vielleicht ist es tatsächlich nicht eingezeichnet Ich weiß es nicht. Freiwillig wird er es nicht dagegengesetzt haben.

Zur medialen Ausschlachtung und Hinrichtung stimme ich Dir zu, die ist unter aller Sau.

Dass der Kapitän nach der Havarie alles richtig gemacht hat, da kann ich Dir nicht zustimmen.
Das Schiff soll einen 70 Meter langen Riss in der Backbordseite haben, das ist ein viertel der Schiffslänge.
Schon kurz nach der Kollision sollen fünf Abteilungen geflutet gewesen sein, die Schwimmfähigkeit aber nur bis zu drei gefluteten Abteilungen gewährleistet sein.
Sein Schiff auf einer Steilküste auf Grund zu setzen erschein mir nicht die geeignete Maßnahme, was wäre wenn der Kahn noch wärend der Evakuierung abgerutscht wäre?
Was die Verzögerung durch die Reederei angeht: Nun, er ist der Kapitän, er ist vor Ort und sein Beruf und seine Stellung bringen es nunmal mit sich, dass er die Verantwortung trägt.

Siehe Lügopädia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kapit%C3%A4n


MfG
Cunny

Ace hat gesagt…

Lucas, in dem Punkt gibt es keine zwei Meinungen. Wenn er sein Schiff verlassen hat, bevor die Evakuierung abgeschlossen war, OHNE dafür einen wichtigen Grund angeben zu können, dann gehört er in der Tat nach Seerecht bestraft.
Übrigens danke, dass Du meiner Argumentation mit dem Riff jetzt folgst.

So wie ich das sehe, hatte der Kapitän nicht besonders viele Möglichkeiten, das Schiff auf Grund zu setzen. Giglio ist eine Vulkaninsel mit verdammt wenig flachem Küstenstreifen. Aber wenn die Concordia es bis zum Hafen geschafft hätte - entgegen der ersten Bilder ist das Schiff lediglich einhundertfünfzig Meter von der Hafeneinfahrt des Giglio Porto entfernt - dann wäre er auch rein gefahren. Ich sehe dies als letzte Rettungsaktion des Kapitäns.

...natürlich gibt es viele unfähige Leute in hohen Positionen. Aber die Rangstruktur an Bord eines Schiffes ist ja nicht umsonst redundant. Wenn der Skipper Angsterfüllt in ein Beiboot kriecht und alle anderen ihrem Schicksal überlässt, dann gibt es noch den IO, den IIO, den IIIO...
Weißt Du, ich glaube die Negativberichterstattung generell überhaupt nicht, und das aus einem simplen Grund: Um mich vor einer korrumpierten Meinung zu wehren. Ich meine, einmal soll er von einer Blondine auf der Brücke abgelenkt worden sein, dann mit ihr als erste und ihrem Gepäck in ein Rettungsboot geklettert sein, dann soll er Drogen genommen haben, betrunken gewesen sein, direkt nach dem Riff ein Essen bestellt haben (was ich jetzt nicht so schlimm finde)...
Es wird so viel Mist erzählt, die Chancen stehen gut, dass der Rest ebenfalls Mist ist.