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Mittwoch, 10. November 2010

Polizistenpause

Tja, nun ist er durch, der längste und teuerste Castor-Transport der jüngeren Geschichte... Begleitet wurde er von zwanzigtausend Polizisten, und einen vollen Tag Verspätung hatte er. Aber er war halt abgesegnet. Zum Beispiel von der Bundesregierung. Und das tat sie auch mit der Legitimation der Massen: Irgendjemand muss schließlich Schwarz/Gelb zur Mehrheit gewählt haben. Hoffentlich seid Ihr da draußen nächstes Mal schlauer. Was uns ansonsten bevorsteht, sah man gestern und wird man bei jedem weiteren Castor-Transport sehen. Und nicht nur da. Aber heute will ich nicht über Steuererleichterungen für Reiche meckern, Hartz IV-Ungerechtigkeiten und mangelnde Investitionen in Zeiten des Aufschwungs. Heute geht es mir um die Polizei.

Denn heute ging es durch die Medien, dass die Polizeigewerkschaft forderte, die Bundesliga-Spiele mögen dieses Wochenende ausfallen, da die Polizisten nach dem Castor-Transport eine Erholungspause brauchen. Ein Ansinnen, das natürlich prompt abgelehnt wurde.
Doch welche Konsequenz verbirgt sich hinter diesem Ansinnen der Polizeigewerkschaft?
Ich will Euch sagen, worauf dieses Spiel m.E. hinauslaufen wird: Wenn die Polizei bei Castor-Transporten laut genug jammert - und das vollkommen zu Recht, und das nicht nur aus einem Grund - dann haben wir ein anderes Thema wieder auf dem Tisch, nämlich die Bundeswehr für Polizeiaufgaben einzusetzen. Ein Schwarz/Gelbes Prestige-Projekt, das sie zu gerne durchsetzen würden.
Im Prinzip ist es so: Die Bundeswehr ist das Militär, und die Polizei ist das Para-Militär. Para=größer, höher. Also, die Polizei ist der Bundeswehr gegenüber weisungsbefugt. Sollte die BW aber für Polizeiaufgaben eingesetzt werden, würde sie selbst zu Polizei werden. Dann hätten wir zwei Ordnungskräfte gleichen Ranges im Land. Und, Leute, die Idee, die Bundeswehr gerade NICHT für Polizeiaufgaben einzusetzen hat auch nicht nur einen Grund, und die sind alle ziemlich gut.
Abgesehen von feuchten Träumen von Ordnungsstaatliebenden, fanatischen Politikern, abgesehen von einer möglichen militärstaatlichen Kontrolle unserer schönen Bundesrepublik (und was der Schweinereien mehr sein können), geht es auch darum: Wenn die Wehrpflicht weiter ausgesetzt bleibt, haben wir eine Armee, die in unserem Land ein eigenes Land bildet. Und die muss plötzlich nicht mehr auf die Polizei hören. Dass so etwas in unserer gewachsenen, in sich gefestigten Demokratie nicht gut geht, steht außer Frage.
Und abgesehen davon, dass die BW für solche Aufgaben überhaupt nicht ausgerüstet ist, frage ich: Was ist Euch lieber? Ein gut ausgebildeter Beamter im Einsatz, der genau weiß, dass, wenn er Mist baut, sein Beamtenstatus wackelt, oder ein junger Rekrut, der Bundeswehr für seinen einzigen Lebensweg hält, einen Crashkurs bekommt und dann zum Beispiel in eine Demonstrationssituation gestellt wird - womöglich noch mit scharfem G36?

Wie? Wer hat da gesagt, ich übertreibe? Nun, wir werden es sehen. Denkt an Ace, wenn jemand im Zuge des Erschöpfungszustands unserer Bereitschaftspolizei laut oder noch lauter über eine Entlastung durch den Einsatz der Bundeswehr im Inland nachdenkt.
Und der wird auch noch aus der Regierung sein.

Samstag, 6. November 2010

Die Tausend... Die Tausend!!!

Tja, Leute, vor einigem Posts habe ich Euch gebeichtet, dass ich bekennender SailorMoon-Fan bin. Und das noch immer.
Nach der Bundeswehrzeit, ich war gerade zwanzig, hatte gerade Arbeit gefunden, und Samstag morgen vor der Arbeit zu viel Zeit, entdeckte ich diese Serie, und war von ihr schnell eingenommen. Dementsprechend enttäuscht war ich, dass nach der ersten Staffel Schluss war. Als RTL2 dann Nachmittags(während meiner Arbeitszeit) sowohl die alten als auch die neuen Folgen brachte, setzte ich Himmel und Hölle in Bewegung, um einen programmierbaren VHS-Rekorder aufzutreiben, nur um die neuen Folgen zu sehen...
Für einige mag das albern klingen, für mich aber nicht. Ich akzeptiere schließlich auch bei einem anderen die Eisenbahn im Garten oder im Keller, die Telefonkartensammlung oder die Aufstellung der Waterloo-Schlacht mit Zinnsoldaten.
Jedenfalls, ich war damals Fan, und ich bin es noch immer.

Zu diesem Dasein als Fan gehört es sich natürlich auch, dass "ähemm" man eine Fanfiction schreibt. Meine aktuelle Fanfiction Schatten der Vergangenheit hatte zum Ziel, die Serie zum Abschluss zu bringen, mit der Errettung der Erde unter ihrem Eispanzer... Das zu erklären würde aber zu weit führen.
Jedenfalls habe ich diese Passagen geschrieben, einige neue Charaktere erschaffen, einigen alten zu Glanz verholfen, und mir den einen oder anderen Wunsch erfüllt. ^^
Vor einiger Zeit, als die Zahl meiner Klicks auf Schatten der Vergangenheit doch recht hoch wurden, sah ich mich genötigt, nachzulegen und ein wenig mehr zu schreiben. Ich arbeite derweil an einem Prequel, und bin bei einem Sequel sehr weit fortgeschritten. Teile des Sequels habe ich nun gepostet. Und siehe da, in wenigen Tagen hatte ich nur für diese SailorMoon-Story einhundert neue Aufrufe. Tatsächlich habe ich heute über eintausend Aufrufe verzeichnet. Eintausend und drei, um genau zu sein. Das motiviert mich natürlich zum Weiterschreiben. ^^
Danke an meine Leser.
Und vergesst nicht, nur durch Kommentare wird mein Ego befriedigt. ...Und nur so kann ich besser werden. XD

Sonntag, 31. Oktober 2010

1, 2, 3, 4, can I have a little more... ?!?

Schade, dass ich nicht permanent große Schreib- und Aufrufrekorde verkünden kann. Schade, dass ich nicht zehntausendfach gelesen werde. Aber es sind dennoch besondere Momente für mich, dass ich gelesen werde, und dass ich meine eigenen Jubelzahlen habe.

Für den Kaiser auf Fanfiktion.de zum Beispiel erreichte heute eine ziemlich interessante Zahl an Aufrufen, nämlich genau 1234x.
Das freut mich natürlich, macht es doch das ellenlange Epos um Liebe und Raumschlachten (ich glaube, ich erkenne hier ein Muster) zu meiner erfolgreichsten Geschichte auf Fanfiktion.de.
Da bleibt mir nur zu sagen: Danke, liebe Leser, bleibt mir treu und vergesst das Kommentieren nicht.

Freitag, 29. Oktober 2010

Flensburger Blitzer

Seit einiger Zeit gibt es an der B3 vor meinem Heimatort Banteln einen Blitzer, auch Starenkasten genannt. Seine Aufgabe: Personen, die mit Kraftwagen schneller als siebzig in die Geschwindigkeitslimitzone (Limit 70) einfahren, abzufotografieren und ihre Geschwindigkeit festzuhalten. Das Amt wertet die Fotos dann aus, ermittelt den Fahrzeughalter und schickt ihm dann die fröhliche Botschaft. Je nach Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung drohen Geldstrafen über Punkte in Flensburg bis hin zu Fahrverbot. So weit im Groben die Fakten.
Ein Gerücht besagt, dass ein Blitzer wie dieser seine Anschaffungskosten bereits im ersten Monat wieder raus hat. Mich würde interessieren, ob das bei unserem Blitzer auch der Fall ist. Nun, da ich Ratsherr bin, werde ich bei der nächsten Sitzung einfach nachhaken.

Versteht mich jetzt nicht falsch: Ich habe absolut NICHTS gegen Blitzer. Und ich habe auch absolut NICHTS für Raser übrig, die von einem Starenkasten erwischt werden und zahlen müssen. Im Gegenteil, es erschreckt mich zutiefst, dass a) die meisten Blitzer erst bei zwanzig Km/H über dem eigentlichen Limit aktiv werden, weil die Ämter sonst mit den Bußgeldbescheiden nicht hinterher kämen, b)trotzdem noch eine Menge Strafgelder fällig sind. Gibt es so viele Raser in Deutschland?

Für den weiteren Text werde ich mal ein wenig schizo. Zuerst lasse ich mal ein paar Argumente vom Stapel, die von "Rasern" genannt werden. Danach kommt das Kontra.
Pro:
Blitzer sind nur Abzockfallen, um die Gemeindekassen zu füllen. Dabei behindern sie den Verkehr, weil man dort wo die Blitzer postiert sind, eigentlich viel schneller fahren könnte.
Polizisten, die mit mobilen Radarfallen unterwegs sind, sollten mit ihrer Zeit etwas Besseres anfangen, zum Beispiel Verbrecher jagen, nicht aber unbescholtene Bürger. Wie schnell ich auf einer Strecke fahren sollte, weiß ich doch selbst am Besten, immerhin habe ich x Jahre Erfahrung hinter dem Steuer. Und dann will das Amt mir vorschreiben, wie ich fahren soll? Nein, das ist nur eine Ausrede für noch mehr Geldabzocke, und der kleine Mann zahlt die Zeche.
Blitzer werden immer so aufgestellt, das man sie nicht sofort sehen kann, das ist unfair.
...habe ich irgendein Klischee vergessen?

Kontra:
Wer zu schnell fährt und geblitzt wird, ist selber Schuld. Basta. Ende. Schluss. Keine Diskussion. Nicht das Amt tritt auf das Gaspedal, sondern der Fahrer selbst.
Himmel, klar kann das passieren, das man in einen Ort rein kommt, und vergisst richtig abzubremsen, und - Blitz - das teure Familienfoto ist geschossen. Aber wenn das öfters passiert, kann man von einem Versehen nicht mehr sprechen. Dann ist das Gewohnheit, dann ist man... Ein Raser.

Unsere Gemeinschaft besteht aus zweiundachtzig Millionen Menschen. Für unser Zusammenleben gibt es Regeln. Das fängt gewiss nicht beim Straßenverkehr an und hört da auch nicht auf. Aber Verkehrsregeln sind nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen, missachten sollte. Auch das gehört zu unserem Zusammenleben, und überhöhte Geschwindigkeit ist oftmals ein Grund für schwere Unfälle, bei denen oft genug unbeteiligte Dritte in Mitleidenschaft gezogen werden. In den allermeisten Fällen stellt die Gemeinde eine Gelddruckmaschine namens Blitzer nicht auf, um mehr Einnahmen zu haben, sondern weil sie dann wenigstens von den Idioten profitieren kann, die meinen, die Straße würde ihnen gehören.
Ich habe absolut kein Mitleid mit Rasern, und ich habe keinerlei Verständnis für ihre Ausreden. Natürlich, mal kann es passieren, dass man unverschuldet geblitzt wird. Aber wer sich ansonsten ans Geschwindigkeitslimit hält, sollte keinerlei Grund haben zu mosern.

Fazit: Ich wurde mal geblitzt. Mit 82 in der Siebzig-Zone. Kam aus der einen raus, beschleunigte und fuhr in die nächste ein. Bremste nicht stark genug runter, mobiler Blitzer, bang. Pech gehabt. Ist bei dem einen Mal geblieben. Weil ich seither drauf achte, wie schnell ich bin. Natürlich lege ich auch meine acht Kilometer pro Stunde drauf, fahre in der Siebzig-Zone beinahe achtzig, in der Fünfzig-Zone beinahe sechzig. Da spricht kein Blitzer an.
Wer also wirklich über Blitzer schimpft, ist einfach nicht in der Lage, den Bleifuß ruhig zu halten. Eine Siebzig-Zone gibt es nicht, weil der dazu gehörige Blitzer was verdienen soll, sondern weil deutsche Autofahrer unvernünftige Menschen sind und reguliert werden müssen. Damit soll die Gesamtheit der vernünftigen und sicher fahrenden deutschen Autofahrer geschützt werden. Wer diesen Schutz missachtet, mit achtzig durch einen Ort prescht und dann noch über die Blitzer greint, ist genau der Grund, warum wir Geschwindigkeitsbegrenzungen und Blitzer brauchen. Manche lernen eben nur, wenn es weh tut. Hoffentlich doll genug und oft genug. Bis sie es lernen.

Edit am 10.11.: Gerade bei Jauch gesehen: Ein Gegner der Blitzer und ein Richter, der geblitzte Autofahrer grundsätzlich freispricht.
Das Argumgent des Gegners: Die Blitzer stehen da, wo sie Geld bringen, nicht da wo Verkehrsgefährdungspunkte existieren.
Also, Leute, mal ganz davon abgesehen, dass das jeder behaupten kann, aber nur wenige belegen können...
WER ZU SCHNELL FÄHRT, IST SELBST SCHULD. Egal, ob sie in einen Blitzer fahren, der an einem Gefahrenpunkt installiert ist, oder kurz vor Banteln an der B3.
Ende der Diskussion.

Montag, 25. Oktober 2010

16.000 geknackt!

Mist, das habe ich glatt vergessen zu erwähnen. Aber ein kurzer Blick in meine Blog-Historie bestätigt, dass ich jeden Tausender neu verkünde.
Letzten Samstag knackten die Aufrufe meiner Geschichten auf Fanfiktion.de die 16.000er-Marke. Heute waren es schon 16104 Aufrufe, und vor allem die Fortsetzung meiner HdR-Pre-Story Der Pfad des Wanderers fand bisher großen Gefallen.
Da bleibt mir nur zu sagen: Danke, liebe Leser, bleibt mir treu.
Und vergesst nicht, zu kommentieren. Denn das ist der Rahm für die unentgeltlich schreibenden Autoren dieser Welt. Die Hits sind nur das Selters, vergesst das nicht. ^^

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Tipps an die Bundesregierung III

Diesmal kommt mein neuer Blog etwas früher. Dafür wird er höchstwahrscheinlich auch um einiges kürzer sein als der Post vom Montag. Das Thema ist aber nicht weniger relevant.
Wieder bitte ich meine Leser, zu entschuldigen wenn ich nicht verlinke oder Quellen angebe. Das fließt heute alles so aus mir raus.
Und natürlich geht es um die Bundesregierung.

Selbige ließ neulich ein paar sehr erfreuliche Prognosen verkünden: Rückgang der Arbeitslosigkeit, unerwartete Mehreinnahmen, ein Ende der Wirtschaftskrise, neue Zuwächse beim Export...
UND WAS TUN DIE IN BERLIN? Natürlich wieder nicht sehr konstruktive Dinge wie den Krankenversicherungsanteil für Arbeitgeber einzufrieren, um eventuelle Steigerungen auf den Arbeitnehmer umzuschlagen.
Und über das Dutzende Milliarden schwere Geldgeschenk an die Atomstromindustrie will ich mich heute gar nicht erst aufregen.
Über die Art und Weise, wie sich Angie Übermutter Merkel zum Thema Multikulti stellt, habe ich schon gebloggt und dabei fassungslos den Kopf geschüttelt.
Und den neuesten Angriff ins Leere, aber auf die Herzen und die Hirne von Lesern und Konsumenten, die wieder einmal MEHR KONTROLLE des Internets vorbereiten soll - eine Ministergattin, nennen wir sie Guttenberg, hilft bei der Jagd nach zukünftigen Triebtätern und wird dabei zur Heiligen stilisiert; eindeutig eine Vorbereitung, um das "gefährliche und von Triebtätern durchdrungene Internet" schärfer zu kontrollieren, kann ich nicht mal ironisch lächeln. Dass sich die Frau von Gutti dafür hergibt, nehme ich ihr nicht übel; dass sie aber ihr Gesicht hergibt, um eine von den meisten Fachleuten scharf kritisierte Sendung und die BLÖD zu promoten, zeigt ganz klar, woher der Wind weht. Da schämt man sich ja beinahe, auch AC/DC zu hören. Ich meine, erst musste Zensursula herhalten, jetzt auch noch die Ministergattin. Was wollen sie in Berlin noch alles probieren, um ihre Kontrollen, Sperren und Gesetze durchzukriegen?
Ach ja, dann war da noch die wundervolle Aussage von Angies Regierungssprecher, nachdem eine halbe Million Deutsche in Berlin gegen den neuen Atomkraftkonsens demonstriert haben: "Die schweigende Mehrheit war heute nicht hier." Richtig, soweit. Daraus aber zu schlussfolgern, dass die anderen einundachtzigeinhalb Millionen FÜR Atomstromsubventionen sind, kann ja wieder nur von der CDU kommen.
Alles in allem frage ich mich drei Dinge:
1) Wie lange noch?
2) Warum habt Ihr nicht SPD gewählt?
3) Wie lange noch?

Mir graust wirklich, wirklich, wirklich davor, was diese Bundesregierung noch verbrechen wird. Ich meine, Reiche noch reicher zu machen, und unten den Sozialabbau zu betreiben, war von CDU/FDP nicht anders zu erwarten. ICH habe das kommen gesehen. Ihr etwa nicht?

Aber, meine liebe Bundesregierung, ich will mal nicht so sein, und großzügig über Eure Versäumnisse hinweg sehen, heute zumindest.
Ich würde auch so großherzig sein und Eure Vorzüge loben... Wenn es denn welche gäbe in einer Partei, die ihren womöglich erfolgreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Super-Angie auf dem Amt des Bundespräsidenten totgeknebelt hat.
Dennoch, hier kommt mein aktueller Tipp an Euch.
Also, Ihr lieben Minister und auch Du, Frau Bundeskanzlerin, das rät euch der liebe Ace:
Die böse, böse Krise ist vorbei. Der Export brummt. Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück. Und selbst die BLÖD war so blöde, uns bessere Zeiten zu versprechen anstatt Existenzängste zu schüren, um ängstlich genug zu sein, die kommenden Kürzungen zu schlucken... Und da sind ja auch noch unerwartete Milliardeneinnahmen gerade durch den wirtschaftlichen Aufschwung.
In so einem Fall, Angie, Guido, Horsti und Gutti, da sorgt man dafür, dass der normale Mensch, also jeder, der nicht reich geboren ist, keine eigene Filiale hat, nicht im Bundestag sitzt oder einen Großkonzern leitet, also eigentlich jeder Mensch mit einem Jahreseinkommen unter zwanzigtausend Euro, eine Lohnerhöhung kriegt. Dann hat er mehr Geld in der Tasche, und das gibt er wieder aus. Das geht in die Wirtschaft und kräftigt den Binnenmarkt. Ist der Binnenmarkt stark, dann hat die Industrie genug Substanz, um weiterhin auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. Und das bedeutet Aufschwung, mehr Gewinn, mehr Steuergelder und mehr Arbeitsplätze. So macht man wirklich gute, volksnahe Politik und führt ALLE Menschen in den Wohlstand. Und wenn man so gut verdient als Arbeiter und Angestellter, dann hat sich auch der Mindestlohn erledigt, den wir aber leider brauchen, weil es Euch gibt, liebe Bundesregierung. Und im gleichen Atemzug: Es wird auch viiiiel weniger Hartz IV-Empfänger geben, wenn man auf der Arbeit gut verdient, versprochen.
Und wenn ich schon dabei bin: Hartz IV-Empfänger kriegen nicht zu viel Geld, sondern die Aebeiter und Angestellten werden nicht gut genug bezahlt, wenn der Abstand nicht stimmt.
Also, Angie: Mindestlohn einführen, in Forschung, Bildung und Wissenschaft investieren, das ungeheure Potential an Menschen und Fähigkeiten der Migrantenkinder aktivieren, bei Lohntarifverhandlungen die Arbeitnehmerseite stützen, der BLÖD auf die Finger hauen, wenn sie eine amerikanische Finanzkrise für Deutschland herbeiredet, den Hedgefonds-Gangstern die Kandare anlegen, sowie Anreize für Fort- und Umbildung schaffen, damit wir das Fachkräftedefizit mit Leuten bekämpfen können, die wir ohnehin schon im Land haben. Das wäre so in der Kürze alles.

Da aber nicht eines dieser simplen Ziele umgesetzt werden wird, fühle ich mich gerade, als hätte ich eine Grabrede geschrieben. ^^°°°
Aber ich erwarte ja auch eigentlich nichts. Nicht von der Bundesregierung.

Montag, 18. Oktober 2010

Tipps an die Bundesregierung II

Und da bin ich wieder, eine geschlagene Woche später. Wie meine neue Arbeit ist? Fragt nicht. Es schlaucht jedenfalls, macht aber auch Spaß, und ich habe keinen Leerlauf. Das ist das Beste daran.

Aber genug von mir, kommen wir zur Bundesregierung.
Da tönte Angela Merkel doch neulich auf dem Kongress der Jungen Union: Multikulti ist tot! Allerdings referierte sie auch darüber, dass Gastarbeiter in den Sechzigern von uns (also meiner Vorgängergeneration) ins Land geholt wurden, und das irgendwann einmal abzusehen wäre, dass sie für immer bleiben würden... Dass viel vernachlässigt wurde. Und so weiter.
Dennoch, trotz dieser einsichtigen Ansätze möchte ich mich heute an diesen ihren Worten aufreiben. Weniger an denen des Herrn Seehofers, der schon wieder am braunen Rand fischt, um seiner ehemaligen 50+-Partei irgend einen Hauch von Profil zu verleihen, bevor sie unwiderbringlich ein normaler Unions-Landesverband wird.
Oder um es anders auszudrücken: Wenn ein anständiger Bayer CSU wählt, wäre ich nur zu gerne ein UNanständiger Bayer. ^^

Multikulti ist also tot, Frau Merkel? Wie interessant. Die deutsche Leitkultur ist das, woran sich alles orientiert? Und wenn wir schon mal dabei sind, warum reinigen wir dann nicht gleich unsere geliebte deutsche Sprache von den widerlichen Anglizismen? (Um die Reinigung von einem Angliszismus-Begriff wäre ich MEHR als dankbar. Nämlich DNA. Ich habe es schon einmal geschrieben, und ich wiederhole es: DNA IST ENGLISCH! DAS A STEHT FÜR ACID! RICHTIG IST DNS, ALSO DAS S FÜR SÄURE! VERDAMMICH NOCHMAL!)
Worum geht es Angie? Um Völkerverständigung? Gezielte Zuwanderung? Fischen am braunen Rand? Oder um die europäisch-jüdische Leitkultur Deutschlands?
(Was für eine jüdische Kultur? Das Jiddisch ist eine Abart des Deutschen. Also haben die Juden eher eine europäische Kultur. Was ich übrigens sehr positiv finde.)
Geht es ihr um die Integration christlicher und Islamgläubiger Migranten?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, worum es ihr geht, um Deutschkurse für Zuwanderer, um bessere Ausbildung von Migrantenkindern, gerade in Deutsch. Oder einfach um eine polarisierende Debatte, um sich zu profilieren. Keine Ahnung. Vielleicht will sie sich auch nur einfach reden hören.

Aber zäumen wir das Pferd doch mal von hinten auf: Was ist deutsch?
Ich schreibe jetzt mal einen kleinen Text aus dem Gedächtnis, mit keinem Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit. Ich möchte ein bestimmtes Gefühl für Deutschland erzeugen. Ein Verständnis für das, was Deutschland ist.
Deutschland, Deutschland, dieses merkwürdige Land in der Mitte von Europa, woher kommt es, wohin geht es? Im Moment sind wir in sechzehn Bundesländer aufgeteilt, in denen die unterschiedlichsten Dialekte gesprochen werden. Wir kennen drei anerkannte Minderheiten in unserem Land, die besondere Rechte genießen, unter anderem vor Gericht in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden. Das sind die Friesen im Nordwesten Niedersachsens, die Dänische Minderheit in Nordschleswig, und die Sorben im südlichen Sachsen und Brandenburg. Ja, die sind da. Und das schon seit Jahrhunderten. Im Fall der Friesen sogar schon seit Jahrtausenden, denn der Stamm der Friesen wird von römischen Geschichtsschreibern erwähnt, zu einer Zeit, als man für die Völker nördlich des Limes (also nach der verheerenden römischen Niederlage im Teutoburger Wald, wo Feldherr Varus drei Legionen verlor, und Rom die Chance auf dauerhafte Beherrschung des eisigen Nordens verspielte) das gemeinsame Wort "Germanen" hatte.
Bleiben wir ruhig in dieser Zeit, in diesem Land, während klimatisch gerade eine Kaltzeit herrscht, und "Germanien" reichlich unwirtlich war, während das vom Golfstrom beschützte Brittannien sicherlich bessere Lebensbedingungen bot. Wir wissen nicht sehr viel über die Menschen hier, außer vielleicht, dass dreißigtausend Jahre zuvor die Neandertaler in dieser Region lebten, und die ersten Cro Magnon auf der Doggerbank, heutzutage in der Nordsee versunken, auf Mammutjagd gingen. Dorfgemeinschaften, kleinere Königshöfe, verschiedene Stämme und dergleichen wandten sich mehrheitlich gegen die Invasion der Römer. Das Land war nicht homogen, auch wenn das schwer zu sagen ist, in einer Zeit, die keine achthundert Millionen Menschen auf der ganzen Erde kannte. Das Land war Durchzugsgebiet verschiedener Völker und Stämme auf Wanderschaft, zum Beispiel der Ostgoten und Westgoten, die später eine Zeitlang Rom beherrschen sollten, und damit das weströmische Reich. Von der Wikingerkultur war noch nicht viel zu spüren, und erst mit dem Niedergang Roms machte östlich der Elbe zumindest der Stamm der Sachsen von sich reden.
Im Zeitalter des heiligen römischen Reiches deutscher Nation herrschten die Kaiser meist bis zur Elbe als Grenzfluss. Ihr Stammreich aber waren Frankreich, Spanien oder Süditalien und Sizilien.
Wirklich vereint wurden die Gebiete westlich und östlich der Elbe nie so richtig, auch wenn sie der Kaiserkrone Lehnspflichtig waren. Allerdings zum Preis der Kurfürstenschaft für die lokalen Herrscher, d.h. die durften bei der Kaiserwahl mitreden. Es war eine Zeit der unterschiedlichsten Kleinstämme und Völker: Friesen, Ostfalen, Westfalen, Sachsen, Bayer... Na, ich will mich mit meinem Halbwissen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Und es war die Zeit der Kleinstaaten, der verschiedensten Interessengruppen. Besonders im Mittelalter erreichte die Kleinstaaterei ein neues Niveau. Daran änderten auch die Deutschritter nichts, die vom heutigen Ostpreußen und Polen aus versuchten, das heutige europäische Russland zu erobern. Diverse Pestwellen machten es auch nicht gerade leichter, aber mit dem Hansebund sprang der Handel an, unabhängig von der Kaiserkrone. Der Handel, und der Austausch von Menschen quer durch die Regionen.
Den Sprung in die neue Welt verpasste Deutschland damals. Aber es gab ja auch gar kein Deutschland. Nur einige größere Königreiche zwischen all den Kleinstaaten. Hannover. Hessen. Zum Beispiel. Und es gar die Reformation, die zu siebenunddreißig Jahren Krieg führten. Eine unruhige, blutige Zeit, in der Spanier, Franzosen, Schweden, und wer sich sonst noch beteiligen wollte, mit großen Heeren durch unser heutiges Deutschland marschierte. Eine furchtbare Zeit, die mehr Menschen das Leben kostete als die Pest. Aber immer noch kein Deutschland in Sicht.
Schauen wir auf die Zeit nach der Reformation, auf die Zeit, in der die Bürger den Glauben ihres Lehnsherren annehmen mussten. Auf eine Zeit, in der Hannover den englischen König stellte, auf eine Zeit knapp nach der Rennaissance, wo ein kleines, aber starkes Preußen Österreich Schlesien abnahm, und damit neues Land und neue Völker eroberte... Doch kein Deutschland.
Jetzt sind wir auf unserer mentalen Reise beinahe am Ende. Nur wenige Jahre später sollte sich alles ändern, als in Frankreich die Revolution los bricht. Ein König wurde vom Volk getötet, der Adel ebenfalls getötet, vertrieben oder seiner Titel beraubt. Die umliegenden Königreiche führten Kriege gegen das neue Frankreich, um diese gefährliche Idee nicht in ihre Reiche zu lassen: Die Preußen, die Hannoveraner, die Österreicher, die Russen, die Briten, sie alle legten sich mit den Revolutionstruppen an. Was zur Folge hatte, dass ein kleiner, genialer Feldherr der Franzosen eines Tages mit seinen Truppen wie einst Alexander der Große vor den Pyramiden von Gizeh stand. Gut, gut, letztendlich wurde dieser kleine Mann besiegt, der Napoleon Bonaparte hieß. Aber nicht einmal seine Selbstkrönung zum Kaiser konnte ausradieren, was die Revolution an Neuem brachten: Die vielen Kleinstaaten östlich des Rheins wurden zu großen Ländern zusammengefasst. Der Handel und die Zünfte wurden liberalisiert, und alte, verkrustete Strukturen wurden aufgebrochen. Neue Normen wurden eingeführt, und das metrische System trat seinen Siegeszug an. Die Ideen davon, dass jeder Mensch, egal wie viel er besitzt, genau eine Stimme hatte, gefiel den jungen Menschen, egal ob sie für oder gegen Napoleon gekämpft hatten.
Er gefiel ihnen so sehr, dass Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts in der Paulskirche der Versuch unternommen wurde, ein gesamtdeutsches Parlament zu gründen.
Doch erst dem preußischen König Friedrich Wilhelm gelang es dann, tatsächlich das deutsche Kaiserreich zu gründen, nachdem er Napoleon den Dritten im Krieg von 1870 besiegte. Ironischerweise mit Hilfe der Franzosen, denn Berlin hatte in der Zeit der Hugenottenverfolgung viele wegen ihres Glaubens geflohenen Franzosen willkommen geheißen. Etwa zur selben Zeit kamen polnische Bergarbeiter ins Ruhrgebiet, um Steinkohle und Eisen zu fördern, die ein Deutsches Reich, das in die Zukunft wollte, dringend brauchte. Und das waren nicht die einzigen Völker, die nach Deutschland kamen und unser Land prägten. Tatsächlich stammen viele unserer gebräuchlichsten Wörter aus dem Französischen. Das war damals Trend. Heute ist halt gerade englisch dran. Vielleicht steht als Nächstes China an, wer weiß?
Gut, gut, nun hatten wir also Deutschland, auch wenn es nicht allzu lange gut ging. Das Deutsche Reich wurde zweimal zerschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Polen reformiert, und Deutschland musste diese annektierten Gebiete aufgeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen dann auch noch Ostpreußen und das Staatsgebiet östlich der Elbe unter russisches Protektorat; die Trennung in West und Ost wurde eingeleitet, begleitet von "deutschen" Flüchtlingsströmen in die spätere Bundesrepublik und die DDR.
Schauen wir einen Schritt weiter: Die Erholung und das Wirtschaftswunder schafften Arbeit, die getan werden wollte. Gastarbeiter wurden ins Land gerufen, wie einst die Polen für den Bergbau, oder die Hugenotten, die als Handwerker beliebt waren. Also nicht zum ersten Mal, und gewiss nicht zum letzten Mal. Während das für die BRD die Türkei, Spanien, Italien waren, zog es in der DDR die Menschen aus Ostblocknationen oder deren Sympathisanten an, etwa Vietnamesen. (Ich gebe zu, über diesen Aspekt bin ich nicht sehr gut informiert.)
Natürlich hätte man damals nicht den Kopf in den Sand stecken sollen, nicht sagen sollen: So, die gehen irgendwann wieder, wenn keine Arbeit mehr da ist. Stattdessen passten sie sich an, und wurden das, was wir ebenso wie Hugenotten und Polen schwammig mit deutsch beschreiben. Und der Trend hält noch immer an. Wir schreiten durch die Jahrzehnte, durch verschiedenste Wirtschaftskrisen und Kriege, und noch immer spült das Schicksal uns neue Menschen ins Land: Serben, Afghanen, Inder, Pakistani, Russen, Schwarzafrikaner im weitesten Sinne... Jetzt sind wir zwar in Deutschland, aber WAS sind wir Deutschen eigentlich?

Ich möchte diese Frage beantworten, nachdem ich eine halbe Stunde an diesem Text getippt habe, und zu meiner Verärgerung große Lücken hinterlasse.
Ich lebe in einer Welt, in der Roberto Blanco ein Star werden konnte. In der Jimmy Hartwig für den HSV und die Nationalmannschaft gespielt hat. Ein Karel Gott konnte bei uns auftreten, und selbst mit schütterem Deutsch gefeiert werden.
Die neuere Zukunft bietet ähnliche Beispiele: Kaya Yanar, Nazan Eckes mit türkischen Wurzeln, Nandini Mitra und Mona Sharma mit indischen Wurzeln können in Deutschland Erfolge feiern. Und das sind nur vier, die mir gerade eingefallen sind.
Was ist Deutschland? Das was es immer war: Der Schmelztigel vieler Interessen, vieler Völker und vieler Kulturen. Sicher, wir haben nicht alle Völker in Deutschland, aber darum geht es ja auch nicht. Aber wir sind und waren nie homogen, und wir werden es auch in Zukunft nicht werden. Denn "deutsch" bedeutet für mich vor allem eines: Absorption. Ja, wir absorbieren die Menschen aus aller Welt, und mit jedem einzelnen von ihnen definieren wir "deutsch" neu. Bis wir den nächsten absorbieren.

Multikulti ist tot, Frau Kanzlerin? Multikulti IST die deutsche Leitkultur, Entschuldigung, verdammt. Bitte machen Sie Ihre Hausaufgaben und ersparen Sie uns Platitüden. Und ach ja, ICH habe Sie nicht gewählt.

Edit am Mittwoch, den 20.10.2010:

Heute wies mich Janne auf einen eklatanten Fehler in diesem Post hin. Ich lasse sie selbst zu Wort kommen:
"Nur eine kurze Anmerkung: Es gibt eine dänische Minderheit in Südschleswig, nicht aber in Nordschleswig (Die Minderheit nennt sich selber dänische Südschleswiger).

Seit 1920 ist Schleswig in das dänische Nordschleswig und das deutsche Südschleswig geteilt, mit jeweils Minderheiten auf der anderen Seite der Grenze.

liebe Grüße, Janne"

Wieder was gelernt. Danke für die Korrektur, Janne. ^^b

Sonntag, 10. Oktober 2010

Tipps an die Bundesregierung I

Hallo, liebe Leser meines Blogs. Wie ich neulich ja schrieb, bin ich durch meine neue Arbeit arg eingespannt und muss mir die Routine erst erarbeiten. Bis das so weit ist, und meine Angst vor Fehlern der Professionalität gewichen ist, werde ich noch ein wenig brauchen. Deshalb nutze ich den Sonntag dazu, um noch schnell einen Blogpost nachzuschieben.

Heute widme ich mich mal der Bundesregierung. Unserer Bundesregierung unter unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unsere Bundesregierung, die von Terroristen empfohlen wird (habe ich drüber gebloggt);
die dem Hotelier-Gewerbe ein Steuergeschenk gemacht hat, um Bettenpreise zu senken (was die Branche aber nicht getan hat);
die den Atomkonzernen ihre Mär von der CO2-freien Kernenergie nachgebetet und ihnen ein paar Dutzend Milliarden an Steuergeldern für den Ausstieg aus dem Atomausstieg in den Rachen geworfen hat;
die gerade erst den Arbeitgeber-Anteil am Kassenbeitrag eingefroren hat, um die steigende Belastung AUCH auf den Arbeitnehmer umschlagen zu können;
die im Salzstock Gorleben immer noch ein Endlager für Atommüll einrichten will, obwohl mittlerweile nachgewiesen ist, dass Salz wasserlöslich ist, und das Endlager damit keinesfalls für durchschnittliche einhunderttausend Jahre sicher sein wird;
die bei Hartz IV eine künstliche Erhöhung um 25€ schöngerechnet haben, indem sie zuvor zwanzig haben rausfallen lassen;
und, und, und.
Dazu kommen noch diverse andere kleine Unterlassungen und Gemeinheiten, die selbst den Paten von Hartz IV, der auch den Spitznamen "Freund der Bosse" trägt, Gerd Schröder, wie den Dalai Lama aussehen lassen. Und dabei schaue ich ausschließlich nur auf Ex-Kanzler Schröders "nicht so gute" Errungenschaften und Leistungen. Nicht die vielen positiven Erfolge seiner siebenjährigen Kanzlerschaft. Bei der derzeitigen Regierung hingegen sehe ich nur Kürzungen, Lobbyismus und Ausnutzung einer amerikanischen Finanzkrise, die Deutschland nie wirklich erreicht hat. Abgesehen von der Hypo Real Estate, die verstaatlicht wurde, jetzt aber wieder fette Managerboni bezahlt.

Deshalb, liebe Bundeskanzlerin, liebe Bundesregierung: Warum tretet Ihr nicht einfach zurück und macht den Weg frei für Neuwahlen? Angie, Westerwave und dieser Kerl aus Bayern haben mittlerweile viel zu viel Porzellan zerschlagen (und das in Zeiten eines verbrieften Aufschwungs und absehbarer Rekordniedrigquote bei den Arbeitslosen), so dass man voller Hoffnung fragt, ob ein Rücktritt dieser Regierung vielleicht einmal ECHTE Konservative an die Macht bringt, die NICHT so schamlos gegen das eigene Volk agieren, UND das Ganze auch noch frech und dreist als Errungenschaften verkaufen wollen.
Vielleicht sind wir besser ohne Euch dran. Und wenn Ihr schon geht, nehmt doch Schäuble gleich mit.

Aber ich will nicht nur solche Tipps geben, sondern auch konstruktiv mitarbeiten. Falls die Bundesregierung sich also nun nicht dazu entschließt, trotz meines eindringlichen Appells zurückzutreten und den Weg für Neuwahlen frei zu machen, habe ich einen sehr konstruktiven Vorschlag für Euch:
Erhöht die Mehrwertsteuer auf dreißig bis vierzig Prozent.
Moment, Moment, meine lieben geschockten Leser, ich bin ja noch nicht fertig und plane auch keine Ausbeutung der Massen, denn im Gegenzug müssen natürlich ALLE ANDEREN STEUERN, Krankenkassenbeiträge, ALV und ähnliches verschwinden. Ebenso die Abschreibungen und diverse andere Geldmodelle, die dazu dienen, sauer verdientes Geld zusammen zu halten. Aus diesem Topf der Mehrwertsteuer werden dann alle laufenden Kosten bezahlt, die der Staat hat. Und glaubt mir, es wird mehr drin sein als jetzt.
Die Vorteile, wenn es nur noch eine einzige zentrale Steuer gibt (bei der LKW-Maut bin ich verhandlungsbereit), liegen auf der Hand: Mehrwertsteuer muss jeder bezahlen, auch der neureiche Typ, der achtzigtausend Euro Steuern einspart, weil er sich einen neuen Mercedes gekauft oder in einem geschlossenen Immobilienfonds investiert hat, und nun eifrig auf seine Steuern abschreibt.
Große internationale Konzerne, bisher stark subventioniert, um wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze in Deutschland zu halten, müssen ihre Waren einkaufen und wieder verkaufen. Da wird irgendwann einmal Mehrwertsteuer fällig.
Schönrechnung von Bilanzen fällt auch vollkommen flach, denn die Geschäftsbücher kann man frisieren, aber Mehrwertsteuer involviert IMMER zwei Parteien und macht es dementsprechend schwerer.
Gut, gut, war ja nur ne Idee.
Aber zurücktreten könnt Ihr eigentlich trotzdem, liebe Bundesregierenden.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Rekorde aufstellen ist nicht leicht für mich...

Und wieder mal geht es ums Schreiben. Aufmerksamen Lesern meines Blogs wird aufgefallen sein, dass ich lange nichts geschrieben habe, obwohl die Welt doch um uns herum tobt, und die unnötigsten Dinge geschehen.
Zum Beispiel eine Wiederholung des letzten Sommertheaters, als ein deutsch sprechender Islamist (was für ein Unwort, verunglimpft es doch eine ganze Religion als Terroristen. Ich wünschte, unsere Medien würden das lassen und von asiatischen Terroristen sprechen, nicht von Islamisten. Unfair, unfair, unfair.) Anschläge für den Fall androhte, dass Deutschland falsch wählt... Angie kam an die Macht, und die Anschläge blieben aus, ich habe es in meinem Blog erwähnt. Heutzutage geht es um Atomstrom, Ungesundheitsreform, Stilllegung der Bundeswehr, Nötigung von Hartz IV-Empfängern und dergleichen, und prompt warnen befreundete ausländische Geheimdienste vor Anschlägen in Deutschland. Ja, sind denn schon wieder Bundestagswahlen?

Der Grund für meine beachtlich lange Pause von über zwei Wochen ist simpel: Ich habe "den Arbeitgeber gewechselt", und bin schlicht zu ausgepowert, um der Welt meinen Senf mitzuteilen. Aber bloggen ist wie eine Sucht: Man kann es nie ganz lassen. Und wie man mit einem Blick auf die linke Seite meines Blogs feststellen kann, habe ich jetzt, im Oktober, bereits mehr für 2010 gebloggt als für 2009 insgesamt. Und es wird sicher noch mehr werden. Doch dazu ein andernmal mehr.

Heute blogge ich einerseits, um auf die Rekordzahl meiner Blogbeiträge in diesem Jahr zu verweisen, und andererseits ein Versprechen zu geben: Gut, neue Geschichten von mir stehen nicht zur Disposition, und ein neuer Klick-Rekord bei Fanfiktion.de steht auch nicht - noch nicht - zur Debatte. Aber ich arbeite beharrlich, wenn auch langsam, an anderen Projekten. So zum Beispiel am siebten Teil meiner Full Metal Panic!-Fanfiction, an den Dantons Chevaliers, bei Hinter den feindlichen Linien, und, man höre und staune, schreibe ich gerade an einer Fortsetzung meiner recht gelobten Sailormoon-Fanfiktion. (Ja, ich bin ein Fan. Habe ich nie verheimlicht. Und jetzt hört auf zu kichern.)
Da diese Projekte entweder mit anderen Autoren verbunden sind oder vierzig, fünfzig Seiten erfordern, werden sie nicht BALD veröffentlicht. Aber sie wachsen stetig. Und ich hoffe, das ist Euch, meinen lieben Lesern und Fans da draußen, ein Aufatmen wert. Vom Schreiben werde ich nie los kommen, versprochen. ^^V

Dienstag, 21. September 2010

15.000 Hits

Heute war es endlich soweit. Wenige Augenblicke nach dem Einloggen hatte ich Gewissheit: Meine Storys auf Fanfiktion.de haben über fünfzehntausend Hits erreicht.
Das ist schon eine gewaltige Hausnummer, vor allem wenn man bedenkt, dass die Storys durch sämtliche Themen führen, die mich interessieren. Es sind sogar einige Gedichte dabei... Alte Jugendsünde.
Und wenn man bedenkt, dass eine Harry Potter- Fanfic locker dreimal so viele Hits haben kann, ist das auch nicht mehr soo viel. Aber es sind meine Hits, und es sind meine Leser. Und darauf BIN ich stolz.

Montag, 20. September 2010

Daneel Rush - Naruto Genkyouken

Wie die Leser meines Blogs wissen, bin ich nicht nur ein begeisterter (manchmal zu begeisterter) Kommentator des Weltgeschehens, sondern auch ein umtriebiger Hobby-Autor. Wobei "Hobby" dem Aufwand schon lange nicht mehr gerecht wird.
Just in diesem Moment warte ich darauf, dass meine Arbeiten auf Fanfiktion.de die Fünfzehntausender-Marke knacken, was heute oder morgen der Fall sein wird.
Leute wie mich gibt es viele, vor allem in Zeiten des Internets. Es gibt sie gut, es gibt sie schlecht, es gibt sie entwicklungsfähig, es gibt sie in der Couleur "Don't like it, don't read it!" Manchmal hinterlasse ich einen Kommentar, manchmal gebe ich Tipps, manchmal drücke ich meine Begeisterung aus. Aber es kommt eher selten vor, dass ich aktiv Werbung für eine Geschichte mache, ganz nach dem Motto: Musst Du lesen.

Heute ist ein besonderer Tag, ein besonderer Fall. Ich werbe für eine Geschichte in meinem Blog. Und dabei kenne ich kaum mehr über ihn als seinen Text.
Daneel Rush veröffentlicht eine Naruto-Fanfictionauf Fanfiction.net, dem englischsprachigen Gegenstück zu Fanfiktion.de.
Sie ist auf englisch, aber auch ohne Wörterbuch kann man sie mit moderaten Englisch-Kenntnissen gut lesen.
Eine Fanfic, höre ich jetzt schon die ersten stöhnen, und dann auch noch Naruto. Ace, werde erwachsen.
Weit gefehlt. Daneels Geschichte ist kurzweilig, unterhaltsam, spannend, interessant und reichlich gefüllt mit dem, was wir Manga-Leser ecchi nennen.
Die Geschichte hat ein M-Rating, also sollten alle meine Blog-Leser unter sechzehn schnell wieder vergessen, was ich hier anpreise.

Zur Handlung: Jirayia-sensei versucht, Naruto das Beschwören von großen Froschkriegern beizubringen, nachdem er es bisher nur bis zu Kaulquappen geschafft hat. Also wirft er Naruto in die uns wohl bekannte Schlucht, in der er unter Todesangst den Gamma Oyabun beschwören wird, den stärksten der Froschkrieger.
Break. Genau hier aber setzt Daneels eigene Handlung an. Naruto, in Todesangst, greift auf das Chakra dea neunschwänzigen Fuchsdämons zurück, der... ein verängstigtes kleines Mädchen ist? Tatsächlich stellt sich der mächtige, bösartige Kyubi als die gerade erst neunzigjährige Sayuri (für einen Fuchsdämon ist man damit noch ein Kind)heraus, eine sogenannte Kitsune, die von ihrem Gott Inari dank einer gewonnenen Wette neun Schwänze bekam - und all ihre Zerstörungen waren nichts weiter als das Ergebnis des Spieltriebs eines Kindes - aber des mächtigsten Kindes der Welt. Selbst die Zerstörungen in Konoha richtete sie nur an, weil sie ihre eigenen Schwänze gejagt hatte. Im Original, mit ihrem kleinen Sprachfehler, kommt das amüsanter rüber. Chasin' mah tails.

Es kommt, wie es kommen muss: Anstatt den Gamma Oyabun zu beschwören, landet Naruto auf dem Grund der Schlucht, und zwar hart. Doch da Sayuri an ihm einen Narren gefressen hat, erholt er sich schnell wieder. Dafür aber wird sein Kontrakt mit den Fröschen gelöscht. Stattdessen bietet Sayuri ihm an, fortan Füchse zu beschwören, genauer gesagt die Mitglieder ihres Clans aus weiblichen Füchsen.
Das Problem mit diesen weiblichen Fuchsdämonen ist: Sie sind sehr stolz auf ihre Fähigkeit, Männer zu verführen. Und mit seiner ersten Beschwörung erschafft sich Naruto den ersten Ärger. Es wird noch sehr viel mehr folgen.

Fazit: Naruto Genkyouken ist eine Komödie. Der Autor hat seine Figuren gut im Griff und beschreibt sehr gekonnt die Actionszenen. Der eine oder andere Psychopath dazwischen stört eigentlich nicht weiter, aber es muss jedem klar sein, dass man ab dem Moment, wo Naruto statt auf den riesigen Neunschwänzigen auf ein kleines Mädchen in seinem Inneren trifft, die reguläre Naruto-Welt verlässt und eine vollkommen neue Welt betritt. Daneels Welt. So findet man auch viele, wenn nicht alle Naruto-Charaktere wieder, und viele handeln ihrem Charakter entsprechend, aber manche... Entwickeln sich halt weiter.
Wer generell keine Fanfiction mag, wer generell nichts von Naruto hält, und wer Probleme damit hat, englisch zu lesen, der soll es lassen, und bei dem entschuldige ich mich für seine Lebenszeit, die ihn das Lesen bis zu diesem Punkt gekostet hat.
Alle anderen, die gerne etwas ecchi in Kauf nehmen, um eine gute, witzige Story zu lesen, bei der ich mich am Boden gekringelt habe vor Lachen, werden nicht enttäuscht werden.
Daneel Rush ist nicht der schnellste Autor, aber immerhin hat er seit Dezember 2008 bislang zehn Kapitel seiner Geschichte veröffentlicht. Sei neuestes, am letzten Samstag veröffentlichtes Kapitel hat über einhundertzwanzigtausend Zeichen. Und ich fürchte, die Kapitel werden jedes Mal länger.
Ich empfehle diese Fanfic vorbehaltlos.

Freitag, 17. September 2010

Conbericht Braunschweig - endlich mal.

So! Es ist jetzt schon etwas länger her, dass ich die Raum&Zeit Continuum-Tage in Braunschweig Ende August auf meinem Blog beworben habe. Auch, weil ich dort einige Programmpunkte moderieren sollte.
Nun, der Con ist fast drei Wochen vorbei, und ich schulde Euch, meinen eifrigen Bloglesern, den Conbericht. Er ist schon ein wenig länger fertig, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob und wie ich ihn bringen sollte, da ich auch Realnamen nenne. Wenn also jemand seinen Namen wiederfindet, ihn hier aber nicht lesen will, benachrichtigt mich kurz. Ich schreibe ihn dann wieder raus.
So, nachdem diese Formalität erledigt ist, springen wir direkt hinein, in die Sicht von Ace Kaiser über:



Die Raum&Zeit-Tage oder "Endlich wieder Braunschweig"
von Ace

Es war letztes Jahr im September, als ich in Hamburg war und die Zellaktivatortage moderierte; da kam Claudia Hagedorn auf mich zu und berichtete mir, dass ihre Braunschweiger Sektion eine Neuauflage des Braunschweiger Cons in der Jugendmühle plante.
Dieser Con, der 1999 den ThoreCon mit allen Autoren der SF-Serie Perry Rhodan ausgerichtet hatte, war mit dem Jahr 2001, kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center, friedlich eingeschlummert. Claudia hatte sich vorgenommen, den Totgeglaubten mit einer Fanfare zu wecken. Und da ich in Hamburg eine gute Figur gemacht hatte, bat sie mich, auch auf den Raum&Zeit-Tagen den Moderator zu spielen.
Natürlich sagte ich zu. Braunschweig ist für mich ja nur etwas mehr als eine halbe Autostunde entfernt.

Es folgte ein Jahr der Vorbereitungen, des Abtastens der Möglichkeiten und der relativen Ruhe für mich. Ab Mai aber wurde es turbulenter. Chat-Konferenzen im Chat der Homepage nahmen zu und waren das signifikante Anzeichen dafür, dass der Con immer näher kam. Letzte Dinge wurden besprochen: Wo ist dein Handtuch, Tiff? Wer findet die Karaoke-Version von "Ghostbusters"? Welcher Programmpunkt braucht welchen Zeitraum, welchen Raum und welche Technikunterstützung? Wird sich das Kino mit den Fanfilmen bewähren? Und werden die zweifellos zu erwartenden Besucherströme das Angebot nutzen, auf dem Mühlengelände zu zelten, oder werden sie dekadent die Hotels stürmen?`
Kurz und gut: Es ist sicher nicht alles so geworden, wie wir uns das gedacht haben, aber es wurde besser als befürchtet und schlechter als erhofft.
Im Vorfeld widmete ich mich der Verbreitung des Wortes. Sprich, ich schrieb zwei Braunschweiger Institutionen an, die Rollenspieler und die Battletechler, um sie auf den Con hinzuweisen. Zeitgleich gelang es mir, meinen alten Freund Björn "Lucas Cunningham" (das ist sein Lieblingspseudonym) Gramtke aus der Batteltech-Szene, der mich auch in Hamburg auf den Zellaktivatortagen besucht hatte, für einen Programmpunkt zu gewinnen. Einen meiner Mitautoren im Chevaliers-Thread der aus dem Hotelfach kommt, den guten Dirk "Taras Amaris" (auch das ist ein Pseudonym) Jonas, konnte ich für die Thekenbedienung gewinnen. Und damit hatte ich noch nicht einmal einen nennenswerten Anteil an dem geleistet, was sonst noch so über die Bühne gehen musste. Als da wären: Anschreiben für die Presse, persönliche Ansprache Braunschweiger Veteranen, Organisation und Einkauf für den Con, Abnahme der Räumlichkeiten und deren Vorbereitung, Aufbau der Technik (still, diskret und fachlich kompetent erledigt von Holger) und sonstige Präparationen. Alles Dinge, die mir gerade einfallen, und nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Denn nachdem ich meine Aufgaben erledigt hatte, musste ich nur noch eines: Freitag nach Braunschweig fahren.


Da war er also, der erste Tag. Es war gegen drei Uhr Nachmittags, als ich mir fest vornahm, in meinen Wagen zu steigen und um vier in Braunschweig zu sein. Es kam natürlich vollkommen anders: Die Abfahrt verzögerte sich, und bevor ich mich versah hatte ich zwar Braunschweig erreicht und die Mühle prompt gefunden, aber dafür war ich auch erst kurz vor fünf da. Na, das ging ja richtig gut los.
Zum Glück aber waren die gröbsten Aufbauarbeiten erledigt, und am Freitag war nur Claudias Lesung aus dem Con-Buch geplant, sodass ich mich vollkommen dem VorCon widmen konnte. Fachlich unterstützt von einem weiteren alten Bekannten aus Braunschweiger Con-Tagen, nämlich Daniel Hagedorn. Der Gute, mittlerweile mit Claudia verheiratet, eröffnete den Abend auch prompt mit der Ansage, "erst mal ein Bier zu trinken". Das Übliche auf einem VorCon halt.
Gegen acht traf dann Taras ein, danach Harun "al Khidr" Raffael, hoch motiviert für seine zwei Programmpunkte "Indianer in der SF" und den "Trichterbauten in der Realität"-Vortrag.
Gegen neun schaffte es dann auch Lucas zu uns, im Gepäck seine 3D-Battletech-Karte, auf der er Einführungsrunden mit einem guten Hundert an Zinnminiaturen in die Tabletop-Welt versprach. Allein der Aufbau der Hexfeld-Tafeln machte schon viel Spaß.
Etwa zu diesem Zeitpunkt knallte Jan einen Wodka auf die 3D-Karte. Die Flasche hatte er von seiner Freundin erhalten, weil "sie ein sturmfreies Wochenende für sich und die Mädels" erhalten hatte. Björn konterte mit einer Flasche Whisky. Und nein, wir brachen die Flaschen NICHT an.
Zwischendurch trafen auch schon erste Ehrengäste ein. Sie brachten teilweise als Verkäufer ganze Hausstände mit. Unter anderem waren das Robert Vogel und Wilfried A. Hary. Nicht, dass wir in Hamburg sehr viel mehr Händler gehabt hatten, aber alleine diese Zahl sollte unser Minimum für den nächsten Zellaktivator-Con sein. Zwischendurch wurde es regelrecht voll. Voll mit Braunschweiger Veteranen, die ihre Aufwartungen machten, aber teilweise ebenso schnell wieder fort waren, wie sie es her geschafft hatten. Aber immerhin waren sie da, um sich von der Stimmung anstecken zu lassen.

Gegen zehn trafen sich alle VorConler ganz unten im Erdgeschoss, und nachdem der einzige Programmpunkt, Claudias Lesung, gut gelaufen war, saßen wir gesellig mit einigen Gästen beisammen. JETZT war die Zeit gekommen, um den Whisky aufzumachen.
Als der alle war, beschlossen Daniel und ich, für die gemeinsame Fahrt zu Hagedorns, wo ich unterkommen sollte, ein Taxi zu nehmen und nicht mit Claudia zurückzufahren.
Daraufhin beschloss auch Taras, ein Taxi zum Hotel zurück zu nehmen, und er öffnete den Wodka.
Aus dem Nichts erschien gegen zwei Uhr morgens dann noch eine Flasche Rum, und nachdem wir alles Trinkbarem beraubt waren und der letzte Gast aus der Mühle befördert worden war, entschlossen sich drei wackere Kämpfen, Daniel, Taras und ich, auf der Turnmatte im Zweiten Stock zu nächtigen. Somit hatten wir den ersten Tag mit Anstand hinter uns gebracht. Aber es war schon erstaunlich, das niemand den Alkohol wieder von sich gegeben hatte.


Der zweite Tag begann mit Kopfschmerzen, einem Kater, und - in meinem Fall - Kreislaufproblemen. Ich nehme an, das eine der drei Flaschen schlecht gewesen ist. Oder das wir Wodka und Rum nicht hätten mit Cola strecken sollen. Ich vertrage so viel Cola nicht so gut.
Geweckt wurden wir von Claudias und Daniels Sohn, der um acht Uhr morgens wissen wollte, wie es Papa geht. Nun ja, da waren wir also wach. Da konnten wir auch frühstücken gehen.

Um halb elf hatten wir dann den ersten Programmpunkt, die Eröffnung. Ich bestritt die Bühne als Zeitreisender, Dent, Rückennummer 42. Leider hatte ich mein Handtuch vergessen.
Claudia als die Stimme meines Bordcomputers stellte mir diverse Ziele in der Zeit vor, und ich entschied mich schließlich für den Con in Braunschweig und die Vorstellung der Ehrengäste.

Darauf folgte mein erster eigener Programmpunkt in einem Nebenraum, mein Schreibworkshop. Im Saal hielt zu dem Zeitpunkt Robert Vogel einen Vortrag.
Leider hatte ich nur drei Zuhörer (und zwei von ihnen haben sich wie im Tag Team abgeklatscht, nicht, Harun, Lucas?), aber mein aktiver Zuhörer Sven, der von den Battletechlern Braunschweig kam, hörte mir aufmerksam zu, diskutierte mit mir Details und erhob sich nach einer Stunde mit der Aussage, er habe was bei mir gelernt. Na, wenn das mal kein Lob ist.
Zwischendurch fand ein Hörspiel-Workshop statt, den ich leider verpasste, dafür gab ich mir Haruns Vortrag über Trichterbauten in der Realität.

Pünktlich um zwei stürmten Björn und ich den großen Saal, um unseren einstündigen Abriss über die Struktur und Entwicklung der Inneren Sphäre zu halten. Leider hielt ich nicht bis zum Ende durch. Besagter Kater hatte sich entschlossen, sich mit geschärften Krallen in meine Wahrnehmung zu krallen und umzuwerfen. Ich fühlte mich unwillkürlich an den ThoreCon erinnert, wo ich Samstag Nachmittag geschlagene drei Stunden auf einem Stuhl am Eingang, ausgerüstet mit einer Flasche Wasser, vor mich hin gedöst hatte. Diesmal marschierte ich nervös die Gänge auf und ab, bis ich um fünf der Lesung der Junior-Autorin Carina Bargmann lauschte, die ihr Fantasy-Buch "Sayuri" vorstellte. Aber wirklich besser ging es mir nicht. Würgereiz, Husten und ein rotierender Magen machten mir zu schaffen.
Meine Aufgabe als Nächstes wäre es dann auch gewesen, um sechs zusammen mit Daniel die Abend-Fragerunde zu moderieren. Nach zehn Minuten musste ich allerdings kapitulieren und flüchtete wieder auf meinen Wanderweg im Gang.

Mittlerweile waren eine ganze Menge ehemaliger Braunschweiger Con-Bestreiter erschienen; viele hatten wir schon auf dem VorCon gesehen. Alexander Braccu, Zeichner für die PRFE und diverse Perry Rhodan-Spinoffs, gab mir den freundschaftlichen Rat, es einmal mit der Horizontalen auszuprobieren. Dadurch verpasste ich nicht nur meinen Programmpunkt, sondern auch alle parallel laufenden. Ich verdöste tapfer zwei Stunden und versprach Claudia zwischendurch, in Zukunft keine drei verschiedenen Sorten Schnaps auf einem VorCon zu konsumieren, auch nicht mit vier Freunden. Ich neige dazu, ihr zu zu stimmen, denn durch mein Kreislaufproblem verpasste ich diverse Vorträge, unter anderem den von Robert zum Thema Star Wars-Fanfilme. Zum Glück lief ein Teil davon auf einem Mini-Laptop auf seinem Verkaufsstand.
Und so kam ich in den Genuss der Erfahrung wie Star Wars ausgesehen hätte, wenn das Bügeleisen nicht nur bei Raumschiff Orion Furore gemacht hätte, sondern auch in einer weit, weit entfernten Galaxis.
Unter anderem lief auch der Herr der Ringe-Fanfilm, der den Tod von Arathorn, Aragorns Vater, zum Thema hatte. Den muss ich mir noch mal ganz ansehen, fürchte ich.
Na ja, eine Menge verpasst, aber wenigstens schlauer. Den Abend gab es definitiv keinen Schnaps, und kein Bier.

Von mir unbemerkt hatten sich Taras und Lucas mittlerweile in die Haare gekriegt, sprich sie hatten die große 3D-Platte von Lucas in Beschlag genommen, um ein Battletech-Gefecht auf Kompanie-Dimension mit Panzerunterstützung nachzuspielen, das Lucas ursprünglich in eine seiner Geschichten einbauen wollte. Es wurde eine epische Schlacht daraus, die ich den Abend zwei Stunden verfolgte, und die beim Zapfenstreich vorerst abgebrochen werden musste, ohne einen klaren Sieger zu haben. Lustigerweise gelang es Taras nicht, die Maschine mit Lucas' Kompaniechef, einem gewissen Herrn Boone, abzuschießen, egal was er ihr entgegen schleuderte. So kam es, dass der gute Taras zunehmend frustrierter wurde und sich schwor, Boone auf Teufel komm raus aus seinem Mech zu ballern. Natürlich nur auf der Platte.

Diesmal fuhren wir nach Hause, zu Hagedorns, wo bereits Robert Vogel und Freundin die zweite Nacht verbrachten. In geselliger Runde ließen wir den Abend ausklingen, und wäre mir nicht die Luft aus meiner Luftmatratze entwichen, hätte ich auch gut geschlafen. So aber war die Nacht nicht nur kurz, sondern auch anstrengend.

Der Sonntag wartete nicht gerade mit Arbeitsüberlastung auf mich. Aber von allen möglichen Programmpunkten suchte ich mir schließlich nur den von Haruns SF-Indianern aus, den er um zwölf in jenem Raum hielt, in dem am Samstag unbeachtet von den Massen eine Endlosschleife mit Fanfilmen gelaufen war.
Harun hatte nur mich und Wolfgang als Gäste; Wolfgang ist Anfang sechzig, und hatte sich endlich mal einen Con ansehen wollen. Daraufhin war er von Claudia rekrutiert worden. Er hat guten Teamgeist, Durchhaltevermögen und sehr schöne Kameraführung bewiesen. Ich hoffe, Du kommst zum nächsten Con auch, Wolfgang.
Der Vortrag, in direkter Konkurrenz zu Robert Vogels Bericht über zehn Jahre Stargate direkt von der Front - er hatte bisher diverse Gastauftritte in der Serie - basierte grob auf Haruns Erkenntnissen, die er über die indianische Hopi-Kultur im Zuge seiner Atlantis-Recherchen gewonnen hatte. Er stellte Legende vor Wirklichkeit, entmystifizierte die Mythen und bewies schlüssig, dass "wollen" noch kein "sein" bedeutete. Oder anders ausgedrückt: Nur weil man es behauptet, ist es noch nicht wahr.
In diesem Fall waren Mythen aus der falschen Auslegung der Maya-Bienenzuchtschriftrollen bis zu den Ohren konvertierter Indianer gedrungen, die sich die falschen Fakten zu eigen machten, um sie als eigene Wahrheit zu interpretieren. Worauf wiederum weiße Mythenjäger allzu bereitwillig herein fielen.

Kurz nach eins, nachdem Harun eifrig überzogen hatte, begann mein nächster Programmpunkt, nämlich das Quiz. Dabei hatte Claudia die witzige Idee, dass ich doch mitspielen sollte, immerhin ging es um nette Sachpreise, und die Fragen stammten ja auch nicht von mir, sondern von ihr. Leider hatte sie vergessen, dass sie mir die Fragen vorab zu Beurteilung geschickt hatte, also blieb ich freiwillig außen vor. Na ja. Das Quiz, im Stile von Eins, zwei oder drei, war dann sehr witzig, und hatte mit Taras, der zwanzig von einundzwanzig Fragen richtig "erraten" hatte (daran sieht man, dass die Meinung der Masse doch manchmal die Richtige ist ^^ ), einen klaren Sieger.
Es folgte lange vor zwei Uhr die Versteigerung, die ich bestritt. Wir hatten diesmal deutlich mehr Waren im Angebot als in Hamburg, aber insgesamt machten wir nur rund achtzig Euro. Schade. Leider. Und ich ärgere mich, dass ich nicht mitgesteigert habe. Die Star Trek-Comics hätte ich dann doch gerne gehabt.

Bevor uns dann auch noch die letzten Gäste wegliefen, beschloss die Orga, die Abschlussveranstaltung vorzuziehen, die erneut ich moderierte. Hatte ich schon erwähnt, dass es mir am Sonntag sehr viel besser ging? Unsere letzten tapferen Ehrengäste betraten die Bühne, und mit einer lockeren Fragerunde sowie dem Appell an unsere Gäste, in zwei Jahren bei der Neuauflage der Raum&Zeit-Tage wieder dabei zu sein, beendeten wir den Con, der alles in allem glücklich abgelaufen war. Organisatorisch gesehen hatte fast alles ziemlich gut geklappt, wenngleich das Kino nicht angenommen worden war, und der Programmpunkt Karaoke daran gescheitert war, das niemand singen wollte. Und es war natürlich auch ein wenig ärgerlich, dass die Kartenspieler, die ja auf jedem Con zu finden sind, mit dem regulären Ende um drei gerechnet hatten, das sie geschlossen hatten besuchen wollen. Da waren sie wegen dem vorgezogenen Endes etwas enttäuscht, und das zu Recht. Wenigstens stand ihnen am Ende des Turniers der ganze Saal für ihre Siegerehrung zur Verfügung.

Was folgte war der Abbau, der sich bis kurz vor fünf hinzog.
Wir strebten dann alle in verschiedene Richtungen davon, nicht ohne uns zu bestätigen, das "es geil" war, und "man wiederkommen" werde.
Für mich stand nun die Heimfahrt an, und das Gefühl, ein paar wirklich gute Freunde nun eine ganze Zeit nicht mehr sehen zu können...
Doch eine letzte Anekdote blieb mir zum Schluss: Lucas und Taras hatten am Sonntag ihr abgebrochenes Gefecht fortgesetzt und beendet. Schließlich hatte Taras die Oberhand bekommen und die restlichen Gegner abgeschossen oder zum Rückzug gezwungen. Doch Boone abzuschießen ist ihm nie gelungen. Seither ist der Name für ihn unerklärlicherweise ein Reizwort.

Auf Wiedersehen in Braunschweig 2012!

Dienstag, 14. September 2010

BILD verteidigt die Redefreiheit? Guter Witz.

Seit einiger Zeit läuft die Debatte über Sarrazin und seine Aussagen, Migranten in Deutschland betreffend. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich in meinem Blog eine Aussage zerpflückt, die über Sarrazins Buch in den Medien kursierte. Das habe ich vor allem deshalb gemacht, weil ich bereits zweimal über Thilo Sarrazin gebloggt habe. Einmal war ich auf den Zug aufgesprungen und hatte ihn bashen geholfen (direkt nachdem BLÖD Auszüge aus einem Interview gebracht hatte, die nicht sehr schmeichelhaft für Migranten waren), später hatte ich das Interview gelesen, erkannt, wie die BLÖD die Worte aus dem Zusammenhang gerissen hatte, und mich entschuldigt. Auch diesmal, bei der aktuellen Buchdebatte, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass Thilo Sarrazin wieder aus dem Zusammenhang zitiert wird. Weil ich grundsätzlich allem misstraue, was die BLÖD schreibt, und das bisher zu Recht.

Nun habe ich sein Buch noch immer nicht gelesen, denn Herr Sarrazin verdient mit dreiundzwanzig Euro recht gut daran, und das will ich mir nicht leisten.
Aber es gibt einen anderen Aspekt, über den man bloggen kann, auch ohne das Buch zu kennen. Und das ist die Art und Weise, wie die BILD Argumente aus dem Buch aufnimmt und verbreitet, egal ob aus dem Zusammenhang gerissen oder nicht.
Argumente wie: Das muss man doch noch sagen dürfen!, oder: Das ist Zensur!, sind Irreführung pur. Denn was die BLÖD uns da als neue Erkenntnisse unterjubelt oder als mittlere Sensation verkauft, ist allesamt kalter Kaffee. Neu an der Geschichte ist nur, dass (angeblich/augenscheinlich) Thilo Sarrazin diese Argumente in seinem Buch erwähnt hat.
Für BLÖD kommt es dann auch gar nicht darauf an, die "Wahrheit" zu berichten, oder "es aussprechen zu müssen oder nur zu können", sondern schlicht und einfach darum, Auflage zu machen. Das ist ihr einziges Ziel, und deshalb polarisiert ein Kai Diekmann auch schon mal mit einem Blog, um den Blick auf BILD und BILD.de zurück zu lenken.
Es geht der Redaktion der BLÖD nicht darum, dem Volk aus der Seele zu sprechen, und darauf hinzuweisen, dass es in Deutschland "zu viele integrationsunwillige Migranten gibt", sie bedienen lediglich Vorurteile, und hoffen dabei auf höhere Klickzahlen und besseren Absatz der Auflage. Dabei dient der Redaktion Sarrazins Buch nicht als Quelle, sondern als Feigenblatt. Und das ist das eigentlich Verwerfliche. Unter dem Deckmantel, auch unangenehme Dinge einmal aussprechen zu dürfen, die Redefreiheit, die Pressefreiheit zu wahren, polarisiert die BILD, legt einseitiges Gewicht auf die eigenen Fakten, ohne Vergleiche, ohne journalistische Sorgfalt, einfach nur dem Effekt zuliebe.
Korrektheit? Keine Chance. Gute Recherche? Warum, wenn man den Deutschen augenscheinlich aus dem Munde spricht? Arroganterweise wimmelt es dann in den Headern auf BILD und BILD.de auch von Umfrageergebnissen unter ihren Lesern, die dann großmundig angekündigt werden mit: So denken die Deutschen.
Nein, liebe BLÖD, so denkt ein Teil Deiner Leser, nämlich jener Teil, der Deinen Telefon-TED mit jedem Anruf ein wenig reicher gemacht hat. Aber es wäre ja nicht im Sinne der BLÖD, SO ehrlich zu sein. Dann könnte man ja nicht die Diskussion weiter anheizen, Argumente die jeder in Deutschland äußern kann und teilweise bereits geäußert hat (Stichwort Stammtisch), als Revolution verkaufen (so wie die Kanzlerin den Atom-Ausverkauf als Revolution bezeichnet hat) und sich nebenbei als Hüter der Meinungsfreiheit aufplustern. UND zweiundachtzig Millionen Deutschen die aktuelle Telefonumfrage als ihre Meinung unterzuschieben.

Ein sehr kluger Mann hat neulich erst geschrieben, dass Thilo Sarrazins Buch viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Ich neige dazu, ihm in diesem Punkt Recht zu geben. Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen. Aber ich sehe, was die BLÖD darum für eine Kampagne macht. Und die Kampagne geht nicht auf Kosten der integrationsunwilligen Migranten in Deutschland, sondern auf Kosten aller Ausländer in Deutschland, egal ob eingebürgert oder nicht. Denn die BLÖD ist gar nicht daran interessiert zu informieren, zu trennen und zu differenzieren. Sie ist nur an Auflage interessiert, und wenn deswegen irgendwo irgendwas brennt, um so besser. Darüber kann man berichten und die Auflage steigern.
Und das wird so lange gut gehen, wie wir deutsche Konsumenten der BLÖD Aufmerksamkeit schenken. Ja, auch ich mit meinem heutigen Blog-Eintrag oder die Arbeit des Bildblog gehört zu dieser Aufmerksamkeit, das weiß ich selbst. Aber immerhin spricht Bildblog unangenehme Wahrheiten aus, und ich versuche es zumindest.
Die TAZ berichtet heute, nachzulesen im sechs vor neun auf Bildblog.de, von zwei Geschäftsleuten in Ottensen, die keine BILD-Zeitung mehr verkaufen. Auch DAS ist Meinungsfreiheit, meine liebe BILD, mein lieber Kai Diekmann. UND es ist ein Anfang.

Donnerstag, 9. September 2010

1111

Knapp nur habe ich sie verpasst, die eine Sekunde, in der mein Mammutwerk Für den Kaiser eintausendeinhundertundelf Mal aufgerufen wurde. Einer zu spät. ^^
Aber diese Schnapszahl ist in mehrerlei Hinsicht ein Grund zum jubeln. Nicht nur, dass die ellenlange Geschichte in Romanstärke so oft Interesse geweckt hat, ich verzeichne mit ihr auch zehn Reviews, was mich doch schon etwas stolz macht.
Ich hoffe, ich finde viele weitere eifrige Leser für Johann Arling und Freunde, Katalaun, die Nymphen und die gute alte RHEINLAND. Verdient hat sie es allemal.

Montag, 6. September 2010

Worüber bloggen? Alice Schwarzers Kachi-Phobie, oder Super-Angies Atomstromstreich?

Wie Ihr dem Titel entnehmen könnt, bin ich heute etwas unentschlossen, worüber sich zu bloggen lohnt. Das eine Thema, nämlich der Kachelmann-Prozess, wird u.a. von Frau Schwarzer gehyped, das andere und wesentlich wichtigere Thema, die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, die gerade von Angie und Team beschlossen wurde, geht nahezu unter. Das eine ist unerträglich, das andere superwichtig. Und über all das kann ich nur aus meiner Sicht fernab berichten... Allerdings hat mich das noch nie abgehalten, meinen Senf dazu zu geben.

Zuerst jedoch Alice Schwarzer: Das Sinnbild modernen Feminismus' und Emma-Chefredakteurin ist etwas in die Jahre gekommen, sprich weich geworden.
Zuerst lässt sie sich dabei ablichten, wie sie Werbung für die BILD macht - eine Kooperation, die nicht nur ich merkwürdig fand, da ich das Frauenbild der BILD bestenfalls für bedenklich halte - und nun schreibt sie eine wöchentliche Kolumne in der Zeitung über den Prozess. Heute morgen, als ich das erste Mal ihre Website besuchte, fand sie scharfe und klare, vorverurteilende Worte für Kachi. Jetzt hingegen, nach teilweise harscher Kritik, hat sie ihren Blog entschärft und widmet sich eher der Frage, warum sie in BILD schreiben sollte.

Zwölf Millionen Leser seien gute Gründe, weil man sie ernst nehmen müsse, schreibt Frau Schwarzer. Aber legitimiert sie damit nicht auch als führende deutsche Feministin die "Tittenmädchen von Seite eins", wenn ich es mal unverblümt ausdrücke?
So gerne sie auch in BILD schreiben will, so gerne sie diese zwölf Millionen Leser erreichen will, und so sehr sie diese Leser ernst nehmen will, mir stellt sich dabei eine Frage: Warum? Warum dieser Ausverkauf ihres guten Namens? Warum die Zusammenarbeit mit einer Zeitung, die ihr heute die Hand drückt, und morgen bei der erstbesten Gelegenheit über sie herziehen wird? Vielleicht gibt es in der heutigen Zeitungslandschaft kein gut und böse mehr, das offensichtlich sei, Frau Schwarzer. Aber es gibt durchaus die Unterschiede gewissenlos und gut recherchiert. In welche Kategorie ich die BILD einordne, ist nicht schwer zu erraten: Gewissenlos.
Und dafür gibt sich Frau Schwarzer nun her. Das ist, mit Verlaub, Ausverkauf.
Und was ihr Schlusswort betrifft, es ginge in dem Prozess um die Sichtweise Deutschlands für Gewalt in einer Beziehung, kann ich nur den Kopf schütteln.
Es geht darum festzustellen, ob es in der Beziehung von Kachi und der Frau, die ihn verklagt hat, überhaupt diese Gewalt gegeben hat. Nichts anderes.


Kommen wir zum zweiten Thema: Leise, still und heimlich im Schatten des Kachelmann-Prozess haben Super-Angie und ihre Ministerriege eine Laufzeitverlängerung beschlossen. Ältere Kraftwerke, die vor 1980 erbaut wurden, sollen acht Jahre länger laufen dürfen, und alle anderen vierzehn Jahre.
Angie versuchte prompt, uns diesen Unsinn mit blumigen Worten zu verkaufen und sprach "von einer Revolution" und der umweltfreundlichsten Energieerzeugung weltweit.
Warum aber andere europäische Länder, die keinen oder weniger "günstigen" Atomstrom produzieren, wesentlich günstigere Strompreise als wir haben, ja, der Strompreis europaweit fällt, und bei uns steigt, das erklärt sie nicht.
Ich hätte da als Hinweis die Monopolstellung der großen vier Stromkonzerne, die durch ihr Oligopol ordentlich verdienen.

Und wenn wir schon mal dabei sind: Die Alternative, nämlich Stromversorgung durch regionale Kraftwerke der Stadtwerke, wird auf diese Weise auf Jahrzehnte behindert. Investitionen auf diesem Gebiet werden auf dem deutschen Markt, der ohnehin mehr Strom produziert als er braucht, verhindert. Und vom Atommüll, dessen Endlagerung immer noch ungeklärt ist, wollen wir gar nicht erst reden.

Wie war das doch gleich? Jedes abgeschriebene Kraftwerk erwirtschaftet in zehn Jahren eine Milliarde Euro Reingewinn, aber Angie gibt sich mit zwei bis drei Milliarden Euro Brennstäbesteuer pro Jahr, auf sechs Jahre limitiert, zufrieden?
Ja, geht es denn noch dümmer? Nein, das ist falsch formuliert. Richtig muss es heißen: Geht es denn noch offensichtlicher, Frau Kanzlerin?

Dienstag, 31. August 2010

Sarrazin schon wieder

Okay, ich gebe es gerne und offen zu: Ich irre, und das nicht gerade selten. Zum Beispiel habe ich wie alle anderen auf Sarrazin rumgehackt, als BILD ihn mit seinem "Kopftuchmädchen-Spruch" zitiert hat. Danach entdeckte ich irgendwann das Original-Interview, aus dem das Zitat stammt, im Web. Und ich musste erkennen, dass die Wortwahl vielleicht nicht sehr geschickt war, aber Sarrazin hier für die Integration dieser "Kopftuchmädchen" warb, anstatt es bei Sozialhilfe zu belassen und danach beide Augen für ihr weiteres Schicksal, ihr Zukunft und ihre Integration fest zu zu machen.

Im Moment wird über sein Buch diskutiert. Ich habe es nicht gelesen. Aber ich weiß, wie BILD damit umgeht. Und ich weiß, dass ich wieder Gefahr laufen würde, ihm Unrecht zu tun, wenn ich es nicht lese, und mich nur auf die Zitate in BILD und Spiegel berufe.
Das hole ich eventuell nach. Das Lesen, nicht das Zitieren.
Ein Argument jedoch, das gerade hitzig debattiert wird, will ich kurz mit meiner Laien-Bildung in Biologie beleuchten: Nämlich das hetzerisch zitierte "Juden-Gen".
Wenn BLÖD ausnahmsweise mal richtig zitiert hat, dann hat laut Sarrazin jeder Jude ein bestimmtes Gen. Und jeder Baske. Darüber regen sich die Medien jetzt auf und erklären das zu einer ganz bösen Sache.

Natürlich ist es vollkommener Unsinn. Nicht alle Juden haben ein bestimmtes Gen, das sie als Juden kennzeichnet, identifiziert, oder was man hier auch immer einsetzen möchte. Immerhin gibt es genügend konvertierte Juden aus vollkommen anderen Volksstämmen, Eingeheiratete, und dergleichen. Aber unsere Medien behandeln dieses Argument gleichbedeutend wie mit einer Herabwürdigung. Wieso?
Rein biologisch gesehen waren die Juden ein eigener Volksstamm. Und in einem solchen Stamm wird die eigene Genetik weiter gegeben. Das jüdische Volk zum Beispiel kommt an sich aus dem Nahen Osten und teilte früher (und teilweise heute noch) viele Charakteristika der Menschen in dieser Region. Das ist nun mal genetisch bedingt. Es ist absolut nicht auszuschließen, dass viele Juden ein bestimmtes Gen in ihrer Erbmasse haben, das wir Europäer oder Schwarzafrikaner nicht besitzen. Nicht einmal andere Völker im Nahen Osten. Das ist nichts Schlimmes, keine Diskriminierung, sondern einfach nur ein Fakt.
Uns Europäern werden in der Genetik beispielsweise fünf Frauen von den Spezies Homo Sapiens und Cro Magnon zugerechnet, von der alle Europäer genetisch abstammen. Auch das ist nichts Böses. Es ist Wissenschaft.

Natürlich will ich nicht ausschließen, dass Herr Sarrazin dieses Argument gewählt hat, um Juden und Basken zu diskriminieren. Aber ich glaube es nicht. Die Tatsache, WER dieses Zitat verbreitet, lässt vermuten, dass die Faktenverdrehung wieder Hochkonjunktur hat.

Mein Fazit: Ein "Juden-Gen" ist durchaus möglich, sogar wahrscheinlich. So wie es auch viele "Europa-Gene" gibt, die exklusiv in unserem Genpool vorkommen. Das ist nicht gut, das ist nicht böse, das ist einfach Wissenschaft. Wer das zur Diskriminierung nutzt, oder als Argument des Beweises der Diskriminierung, hat seine Biologie noch aus dem Dritten Reich der Herrenmenschenzeit. Wissenschaftlich ist das in keiner Weise haltbar. Denn was sagt schon ein Gen über einen Menschen aus? Vielleicht steuert dieses spezielle Gen den Hautstoffwechsel. Vielleicht bestimmt es die Größe des Blindarms. Vielleicht hängt von ihm die Größe der Nasenporen ab. Oder die Möglichkeit, Schuppen zu bekommen.
Na und? Das sagt nichts über die Genetik aus. Und es sagt absolut nichts über den Menschen aus, ob er nun Jude oder Christ, Europäer oder Asiat ist. Rein gar nichts.
Also, meine lieben Argumenteverdreher, freut Euch darüber, dass zu viele Menschen in Deutschland noch weniger von Genetik verstehen als ich, und macht weiter mit toll klingenden, aber recht substanzlosen Sprüchen und Zitaten Euren Reibach.
Ich sitze derweil hier, schüttle den Kopf und überlege ernsthaft, ob ich mir Sarrazins Buch nicht kaufen sollte, um es zu lesen und danach darüber zu urteilen.
Hättet Ihr besser auch in dieser Reihenfolge so gemacht, BILD und Spiegel.

Donnerstag, 26. August 2010

Fast vergessen: Con in Braunschweig

Dass ich da nicht früher dran gedacht habe:
Ab Morgen, siebzehn Uhr, startet der Vor-Con der 1. Braunschweiger Raum&Zeit-Tage. Der eigentliche Con geht Samstag los und dauert bis Sonntag Nachmittag. Es wird ein Science Fiction-Con werden, in dem von Stargate bis Perry Rhodan so ziemlich alles behandelt wird und/oder ein Thema findet. Auch mein Steckenpferd Battletech kriegt einen Vortrag.
Ich persönlich werde den Con moderieren. D.h. Eröffnung, Abschluss und die Abenddiskussion leiten, und dazu noch ein paar Programmpunkte bestreiten, darunter einen Workshop für besseres Schreiben. Damit gehöre ich zur Orga, bin aber zum Glück nicht der Hauptverantwortliche.
Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere Leser meines Blogs tatsächlich auf dem Con aufschlägt und sich mit mir unterhält... Aber Wunder brauchen immer etwas länger, vor allem, wenn ich erst am Vorabend Werbung für den Con mache.
Na, Schwamm drüber. Ich erzähle dann nächste Woche, wie es war.

Montag, 23. August 2010

Die Bildungskarte kommt der Nachhilfe zugute

Neulich hat Ursula von der Leyen - genau, die, die schon von Internet keine Ahnung hat - ihre Bildungskarte für Kinder aus sozial schwachen Familien verteidigt. Nicht nur das diese Karte dafür sorgt, dass die Kinder Zugang zu Bildung und Kultur erlangen, die sie ansonsten nur von außen gesehen hätten. Nicht nur, dass die Karte verhindert, dass die Eltern das zusätzliche Geld versaufen.
Nein, damit soll es möglich werden, auch die notwendige Nachhilfe zu bezahlen, die Kinder aus Hartz IV-Familien dringend brauchen.
...sacken lassen.
Hand hoch, wer diese Worte sarkastisch, beleidigend und billig findet.
Wusste ich es doch.

An diesem Beispiel sieht man mal wieder, dass diese Frau gerne Symptome behandelt, aber nicht so gerne an die Ursachen geht. Es ist nichts dagegen zu sagen, Kindern auf Hartz IV-Familien die Nachhilfe zu bezahlen; es ist nur ein riesiges, elementares gesellschaftliches Problem, dass wir in unserer Gesellschaft, in unserer Schullandschaft Nachhilfe überhaupt brauchen.
Hallo? Da läuft doch was schief, wenn man den Stoff in der Schule nicht mehr beigebracht kriegt, wenn Kinder Teile ihrer Freizeit opfern müssen, um "mitzukommen".
Dabei geht es nicht um Hartz IV, sondern um die Schulen selbst. Was wir brauchen, ist ein ordentliches Schulsystem, das es jedem Kind ermöglicht, mit der Schulzeit und der Zeit für Hausaufgaben auszukommen - aber gewiss keine Subventionierung der Nachhilfe. Unser Bildungssystem steckt arg in der Krise, wenn sich professionelle Nachhilfeorganisationen sogar schon TV-Werbespots leisten können; wenn verzweifelte Eltern, deren Kinder im Unterricht hinterher hinken, teures Geld dafür bezahlen müssen, weil die Lehrer ihrer Kinder ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen. Oder erfüllen können.
Hier muss man ansetzen. Mehr Lehrer. Kleinere Klassen. Die Bildung in der Schule verbessern, nicht eine Industrie heraufbeschwören, die unsere Welt aufteilt - in jene, die sich Nachhilfe leisten können, und in jene, die Zensursulas Karte brauchen.
Nachhilfe war zu meiner Zeit die Ausnahme. Meine Lehrer haben hart daran gearbeitet, damit ich verstehe, was ich lerne. Ich hatte nie Nachhilfe, und kam trotz allem auf ein gutes Abschlusszeugnis. Wenn das heute nicht mehr möglich ist, dann sollte man all das Geld, das Zensursula über die Bildungskarte via Hartz IV-Familien der Nachhilfeindustrie in den Rachen stopfen will, zuerst in die Schulen investieren. Dort liegt der gesetzliche Bildungsauftrag. Darum haben wir schließlich auch eine Schulpflicht. Das verbessert das Schulleben aller Schüler. Unabhängig von Hartz IV.

Donnerstag, 19. August 2010

Zensur!

Seit einiger Zeit verfolge ich die Diskussion über Google Streetview und die damit verbundene, Panik schürende Berichterstattung. Und seit einiger Zeit vernehme ich die Forderungen nach Regulierung, sprich: Ein Gesetz.
Denn bisher handelt Google im vollkommenen Einklang mit unserer Gesetzgebung.
Heute aber fand ich auf der Titelseite der gedruckten LDZ folgende Schlagzeile und folgenden Untertitel:
Regierung will mehr Schutz gegen Google
Innenminister strebt breite Regelung für alle Internetdienste an.

...sacken lassen.
Bisher ging ich davon aus, dass die Presse eine gewisse Hysterie schürt, um Google dazu zu bringen, für etwas zu bezahlen, wofür der Konzern eigentlich bezahlt werden müsste, nämlich die Verlinkung der deutschen Online-Medienlandschaft. Ein wenig Falschinformation, etwas Panik, dazu noch einen eindeutigen Sachverhalt vollkommen umgedreht, und das reiche, reiche Google ist dann um des lieben Friedens Willen bereit, ein wenig an die Verlage zu zahlen. Google hat ja eh genug.
Dass da noch mehr hinter steckt, erkannte ich bei dieser Schlagzeile und diesem Untertitel recht schnell.
Uns allen war von vorne herein klar, dass, wenn Google im rechtlichen Rahmen handelt, der rechtliche Rahmen eingeschränkt werden muss. Aber bisher dachte ich, dass die Attacke allein Google gilt, und dass die Bundesregierung den vielen anderen Internet-Diensten nicht unnötig das Leben schwer machen wollte.
Das war gestern.

Heute bin ich von einer Sache vollkommen überzeugt: Wenn die Bundesregierung mit Google Streetview als Vorwand Einschränkungen für alle Dienstleistungen im Netz anbietenden Firmen neue Gesetze erlässt, dann haben wir... Zensur.
Ja, genau, die gleiche Masche, die Zensursula und Schäuble vor knapp zwei Jahren versucht hatten anzuleiern. Schlicht, einfache und nicht rechtsstaatlich kontrollierte Zensur. Damals sollte es gegen Kinderpornographie gehen - aber da das BKA nicht parlamentarisch kontrolliert werden sollte, hätten diese nach eigenem Ermessen gesperrt, was ihres Erachtens nach gesperrt gehörte. Und demnach auch auf Anweisung aus dem Innenministerium. Damals war es schon eine Schande für mich, dass ausgerechnet meine demokratische Basis-Partei SPD zu dieser unverholenen Zensur Ja und Amen sagte.

Heute geht es um den Schutz persönlicher Daten. Aber ich bezweifle, dass durch das avisierte Gesetz die unzähligen Überwachungskameras in den Innenstädten verschwinden, oder die Vorratsdatenspeicherung in Zukunft verhindert wird. Oder dem europäischen Parlament verboten wird, den Amerikanern Informationen über all unsere Kontobewegungen zu schenken.
Nein, es wird nur ein rechtlicher Rahmen für Zensur geschaffen, und das zum Preis von zweihunderttausend hysterischen Bundesbürgern, die BLÖD und Konsorten glauben, obwohl ihr Häusle wahrscheinlich niemals auf Streetview auftauchen wird.
Heute erlebe ich eine Neuauflage dieser Situation, wenn gerade meine Partei aus der Opposition fordert, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.
Herrliche Bedingungen, wenn die Regierung Merkel von Opposition, Medien und Bundesbürgern geradezu dazu gedrängt wird, ihnen etwas weg zu nehmen. Ich gebe zu, bis heute habe ich die Tragweite der Situation vollkommen übersehen.

Wie wird das neue Gesetz aussehen, was wird es bewirken?
Das sind natürlich nur meine Spekulationen, aber vordergründig wird natürlich Google reguliert werden. Allerdings wird das Gesetz so formuliert sein, damit es auch für andere Bereiche des Internets gilt, die keine Bilder von Privatleuten ins Web stellen, aber doch schon irgendwie reguliert gehören. Auch wenn sie genau wie Google gar nicht gegen die alten Gesetze verstoßen. Ich schätze, das wird am einfachsten gehen, wenn eine noch zu schaffende Behörde Zugriffsrecht bei den Anbietern per Gesetz erhält. Und dies wahrscheinlich wieder ohne richterliche Kontrolle.
Zweckdienlicher wäre ein Gesetz, das grundsätzlich verbietet, private Gebäude, Personen und KFZ-Kennzeichen im Netz abzulichten. Wäre zwar Schwachsinn, aber zielorientiert. Nur leider kann und wird das nicht das Ziel der Regierung sein. Also wird alles auf einer schwammigen Formulierung, die "Behörden uneingeschränkten Zugriff bei Gesetzesverstößen auf die Seiten des Anbieters" gibt, basieren. Und das Internet wird dann zum Jagdrevier auf alles, was man als Sperrungswürdig erachtet.

Da ist man froh, dass Zensursula nur noch Familien verpfuscht und so schwachsinnige Vorschläge macht wie die Bildungskarte für das Zweite Klasse-Kind, und dann kommen Spaßpartei und die Arbeitnehmungspartei mit so einem Rebound an. Respekt. Aber lasst mich Euch eines sagen, Angie und Westerwave: Man kann das Internet löschen. (Was, zugegeben, oft genug angebracht wäre.) Aber man kann es nicht zensieren. Und ehrlich gesagt ist das auch gut so.

Dienstag, 17. August 2010

Google Streetview - die warmgeschossenen Medien reiten die nächste Attacke

Ehrlich gesagt, ich bin irritiert. Ich habe nichts gegen Google, und benutze die Gratisdienste wie Google Suche, Maps, Routenplaner und Picture sehr gerne. Ich habe auch nichts dagegen, dass Google direkt auf mich verlinkt, wenn der Suchbegriff "Ace Kaiser" eingegeben wird. Und ich habe auch keine Probleme damit, dass Google mit daneben geschalteter Werbung Geld verdient.

Dem Streetview-Projekt stehe ich gelassen gegenüber. Ich habe mir neulich ein wenig Paris angesehen und war verärgert - weil ich zwar zum Eiffelturm gehen konnte, aber nicht drunter durch, um meine zwanzig Jahre alten Erinnerungen aufzufrischen.
Sehr erstaunt war ich auch über die 6 vor 9-Rubrik auf dem Bildblog. Dort wird auf einen Artikel über Sidewalk verlinkt, einen Internet-Dienst, der die virtuelle Städtereise bereits anbietet, allerdings in einer weniger begehbaren Version. Dennoch, das Grundprinzip ist das Gleiche: Von öffentlich zugänglichen Bereichen wurden Fotos der Straßen und Fassaden gemacht. Und dies aus einer Höhe, die auch ein Busreisender einsehen kann. Das ist alles so schrecklich legal, dass man sich fragen muss: Geht es überhaupt um Datenschutz, geht es überhaupt um Privatsphäre? Oder ist das nur ein kleiner Sturmangriff von vielen, um Googles Kontos sturmreif zu schießen und den Konzern dazu zu zwingen, Leistungen zu bezahlen, die er gar nicht beansprucht? Dieses moderne Raubrittertum unter dem Deckmantel der Aufklärung stößt mir sehr sauer auf.

Niedlich auch, was die HAZ heute schreibt. Demnach hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verlauten lassen, 200.000 Bundesbürger seien gegen Google Streetview.
Liebe Frau Aigner, heißt das, dass der fünfte Teil einer Million aller Bundesbürger Protest eingelegt hat? Moment, wir sind zweiundachtzig Millionen, und die Diskussion gegen Google dauert nun schon rund ein halbes Jahr. Das bedeutet, die Printmedien und das Nicht-Verbraucherschutzministerium von Frau Aigner haben es in dieser Zeit lediglich geschafft 200.000 Bundesbürger zu aktivieren? Das sind Null Komma zwei vier drei neun Prozent der Bevölkerung. Da war ja die Impfaktion gegen das H1N1-Virus erfolgreicher.

Das Problem bei der Sache ist, wie gesagt, dass Google vollkommen legal im rechtlichen Rahmen der BRD handelt. Alles, was der Konzern bisher angeboten hat, zum Beispiel die Verpixelung von Häusern, ist freiwillig. Und es gibt längst andere Anbieter, die einen solchen Dienst anbieten, aber nicht im Mindesten dafür hysterisch aufs Schaffott gebrüllt werden.
Die einzige Möglichkeit, Google Einhalt zu gebieten, wäre ein Gesetz. Und das würde nicht nur die anderen Anbieter treffen, sondern auch eine Zensur bedeuten. Eine Zensur am privaten Bild von öffentlichen Bereichen. Es ist nicht unmöglich, dass Touristen das Fotographieren verboten wird, um eben dieses Recht durchzusetzen.
In einigen amerikanischen Staaten dürfen Waffenbesitzer auf Verdacht ihr Leben verteidigen, bzw. zuerst schießen, solange sie auf ihrem eigenen Grundstück sind. Damit sind sie vollkommen im Recht. In Deutschland können Anwohner dann wohl von einer Horde japanischer Touristen verlangen, alle Bilder zu löschen, auf denen das eigene Haus zu sehen ist - beziehungsweise von vorne herein verbieten.
Es ist nicht abzusehen, wohin uns diese Hysterie führen wird, und was sie uns nehmen wird. Wie gesagt, Google bleibt absolut im legalen Rahmen. Der kann nur verschärft werden.
Ob Deutschland das will, ist aber sehr fraglich, denn Neunundneunzig Komma Sieben Fünf sechs eins Prozent der deutschen Bevölkerung hat sich bis heute nicht gegen Google ausgesprochen. Eine, wie ich finde, überwältigende Mehrheit.

Fazit:
Sollte jetzt jemand kommen und bei mir einen Kommentar posten wie: Und was ist wenn sie Dein Zuhause fotographieren und ins Netz stellen?, dann werde ich ihm antworten: Scheiße, die Fassade kann doch sowieso jeder sehen! Wenn wirklich jemand die Front meines Zuhauses als Erinnerung fotographieren will, fühle ich mich geehrt, aber nicht ausgenommen, erpresst und dem organisierten Verbrechen ausgeliefert.
Und sollte jemand fragen: Hast du gar keine Angst, dass die dich bei der Gartenarbeit zeigen, oder wenn du dich sonnen willst?, dann werde ich sehr irritiert antworten: Wie soll Google das denn zeigen können? Das sind Fotos, keine Live-Bilder. Meint ihr etwa, Google wartet mit den Fotos so lange, bis ich mich sonnen will?
Und wenn zuguterletzt jemand mit dem Totschlag-Argument kommt: Aber Einbrecher können doch dann dein Zuhause einsehen und sich die beste Stelle für einen Bruch aussuchen, oder?, dann werde ich mir ein Lachen verkneifen müssen. Denn erstens dürften Einbrecher durch die plötzliche Reizüberflutung mit potentiellen Opfern auf Google-Bildern heillos überfordert sein, zweitens hätte unsere *hust* unvoreingenommene Presse längst drüber berichtet, wenn in den bereits aufgenommenen Städten wie London und Paris Einbrecher per Streetview ihren Bruch vorbereitet hätten, und drittens schützt ein verpixeltes Haus nicht vor Einbruch. Im Gegenteil, wäre ich Einbrecher, würden verpixelte Häuser eher mein Interesse erwecken. Die haben was zu verbergen. Abgesehen davon dürften nur absolute Amateure so arbeiten. Alle anderen, die Profis, brauchen keine Fotos für einen Einbruch. Die brauchen nur maximal eine halbe Stunde Zeit. Und gegen die hilft nur ein gutes Sicherheitskonzept, aber sicher kein Einspruch bei Google.
Also, liebe Medienlandschaft, frag doch mal in Paris nach, ob die Einbrecherszene dort dank Streetview gerade boomt. Glauben kann ich es allerdings nicht.
Alles nur künstlich aufgebauschte Hysterie. Der aber nur ein Viertel Prozent der Bevölkerung auf den Leim geht. Und das ist irgendwie sehr beruhigend.

Montag, 16. August 2010

14.000

Endlich geht es mal wieder ums Schreiben.
Als ich mich gestern Abend auf Fanfiktion.de eingeloggt habe, war ich hoch erfreut. Tatsächlich hat die Zahl der Aufrufe meiner Geschichten die 14.000er-Marke geknackt. Mittlerweile sind es sogar 14.052. Ich bedanke mich bei allen meinen Lesern.
Allerdings hätte ich wirklich gerne mehr Kommentare, denn nur so kann ich mich noch verbessern.
Auf zur 15.000!

Freitag, 13. August 2010

Auf Umwegen an Googles Geldtöpfe - Google Streetview Bashing

Seit einiger Zeit beherrscht die Google-Diskussion unsere Medien. Beziehungsweise sie füllt das Sommerloch, wie böse Zungen behaupten.
Es geht darum, dass Google auf deutsch Verlagseiten verlinkt, dafür aber nichts bezahlt, um ein Beispiel zu nennen. Das ist in etwa das Gleiche, wie wenn ich zum Kiosk meines Vertrauens finde, und für den Weg belohnt werden will. Oder anders ausgedrückt, die Medien wollen Geld dafür haben, dass Google ihnen Leute auf die Seiten schaufelt.

Ein besonderer Auswuchs ist zur Zeit die Diskussion um Google Streetview. Oder vielmehr die Hysterie, die darum gehyped wird. Google ist wieder einmal der Böse, weil er Geld mit dem Bild meiner Häuserfassade verdient... Und natürlich braucht Deutschland eine Sonderbehandlung, und die armen Bürger müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Front verpixeln zu lassen. Google muss das einfach gewährleisten können.
Das Problem an der Geschichte ist schlicht und einfach, dass der Informationskonzern selbst in Deutschland mit seinem Streetview nichts Illegales tut. Das Entgegenkommen der deutschen Sektion, jedermann eine Verpixelung anzubieten, der darauf hinweist, ist eine freiwillige Leistung. Die Medien bashen also auf Google ein, weil der Konzern Fotos schießen lässt. Punktum.
Und die Aufregung kommt natürlich in erster Linie von den Konzernen und Verlagen, die das Leistungsschutzrecht haben wollen (aber frech fremde Fotos und Blogs im Internet abgrasen, ohne dafür zu bezahlen), die nichts dagegen haben, wenn die USA alle europäischen Kontoaktivitäten gegenkontrollieren, die absolut kein Problem damit haben, dass deutsche Fußgängerzonen mehr Überwachungskameras haben als ein x-beliebiger Hollywood-Blockbuster. Diese Medien wollen den Leuten tatsächlich weis machen, ein Foto ihres Hauses würde sofort eine Division Einbrecher scharf machen, die danach bei ihnen einsteigen. Ein Foto, wohlgemerkt, kein Live-Bild.
So weit ist es also schon gekommen in Deutschland. Und so weit ist es mit mir gekommen, wenn ich einen US-Konzern gegen ungerechte Presse verteidige.

...sacken lassen. Es gibt vieles zum Thema zu schreiben, aber Bildblog.de hat heute auf den Artikel Burka für Fassaden? verlinkt, der nahezu alles erklärt. Jeder mündige User sollte sich diesen Artikel durchlesen, und danach entscheiden, wie gerchtfertigt das Google-Bashing ist.

Alle anderen Fragen beantwortet Google übrigens selbst. Auf seinen Streetview-Seiten äußert sich der Konzern - wie war es auch anders zu erwarten - zu den Vorwürfen und räumt in seinen FAQ mit ihnen auf. Natürlich kann man Google, einem amerikanischen Großkonzern nicht trauen. Oder glauben, das er die Wahrheit schreibt. Aber es sollte mich doch wirklich wundern, wenn sich die derart ungerecht angespitzte Presse einen Hauch von Chance entgehen lassen würde, Google ans Bein zu pinkeln.
Noch eine Passage, für die Hysteriker in der Bevölkerung, aus der Sektion Datenschutz der FAQ möchte ich direkt zitieren:
"Vor der Veröffentlichung in Deutschland
Antrag auf Unkenntlichmachen eines Bildes

Google und die deutschen Datenschutzbehörden haben sich geeinigt, dass Google vor der Veröffentlichung von Street View-Bildern in Deutschland eine Funktion zur Verfügung stellt, mit der jeder uns mitteilen kann, wenn sein/ihr Haus nicht in Street View abgebildet werden soll. Diese Funktion befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, wird jedoch rechtzeitig vor der Veröffentlichung der Bilder zur Verfügung gestellt. Eine solche Funktion ist notwendig, weil die eindeutige Identifizierung eines Hauses oder Grundstücks allein anhand der Adresse technisch nicht möglich ist. Google nimmt aber auch bereits vor Fertigstellung der Funktion Widersprüche entgegen."

Sprich, selbst wenn es gewissenlose Menschen geben würde, die mit Hilfe von Streetview einen Bruch planen, müssen sie Eure Häuser auch erst suchen.
...Hoffentlich ist das Sommerloch bald vorbei. Hoffentlich haben wir bald eine vernünftige Diskussion. Und die großen Städte Deutschlands durch die dreidimensionale Straßenkarte Googles einen Tourismus-Schub.

Donnerstag, 12. August 2010

Dieser Nacktscanner hat die Qualität einer Bombe

Eifrige Leser meines Blogs werden sich erinnern, dass ich am Montag einen Leserbrief an Herrn Christof Schneider geschrieben habe, der sich im der LDZ zum leidigen Thema Nacktscanner mit einem Kotau gegenüber der Industrie per Kommentar zu Wort gemeldet hatte.
Heute meldet sich Herr Schneider erneut mit einem Kommentar zu Wort, zum gleichen Thema, aber der aktuellen Diskussion angepasst.
Wie der Spiegel meldete, wollte der Hamburger Flughafen, wo die Nacktscanner aufgestellt werden sollen, die Geräte von L3 Communications Security beziehen, die ein Tochterunternehmen von L3 Communications ist, einem US-amerikanischen Rüstungskonzern. Dieser Konzern steht seit der internationalen Ächtung von Streubomben in Dublin in der Kritik, weil er diese speziellen Waffen noch immer produziert. Hauptsächlich für die USA selbst, die an den Beratungen und dem Ächtungsbeschluss nicht beteiligt waren, bzw. durch Abwesenheit glänzten.
Nun wurden Stimmen laut, die einen Rücktritt vom Kaufvertrag forderten, eben wegen der Vernetzung mit einem Streubombenhersteller.

Herr Christof Schneider hat dazu seine eigene Meinung. Er findet das schon "etwas peinlich", aber ein kleiner Angestellter im Ministerium kann ja doch nicht "alles wissen, was dieser Konzern so produziert". Und abgesehen davon "wollte man halt die besten Geräte auf dem Markt erwerben".

...sacken lassen.
Lieber Herr Schneider, haben Sie vielen Dank für diesen entlarvenden und ein wenig peinlichen Kommentar. Abgesehen davon, dass Sie Ihrer Linie treu bleiben und schon wieder vor der Nacktscanner-Industrie einknicken - waren Sie schon mal in einem Nacktscanner, Herr Schneider? - birgt er ein wunderbares Fazit. Sie sind nicht der einzige, der mit dem Argument des "besten Gerätes auf dem Markt" hausieren geht, aber erlauben Sie es mir, Ihnen mein Gegenargument stellvertretend für alle anderen um die Ohren zu hauen: Wenn L3 Communications Security die besten Nacktscanner weltweit herstellt, und wenn der Hamburger Flughafen so verbissen darauf bedacht ist, nur bei L3 zu kaufen... Wie verdammt Scheiße sind dann eigentlich alle anderen Geräte auf dem Markt? Vermutlich sehr Scheiße, wenn es unbedingt L3 sein muss.
Das wirft einen bezeichnenden Blick sowohl auf die Branche, als auch auf die Qualität, bzw. Funktionsfähigkeit dieser Technologie.

Montag, 9. August 2010

Leserbrief an die LDZ zum heutigen Kommentar

Sehr geehrter Herr Schneider,

mit großem Interesse habe ich heute Ihren Kommentar im überregionalen Teil der LDZ zum Thema "Körperscanner" gelesen. Der Kommentar trug die Überschrift: Keine Peepshow.
Hierzu muss ich Ihnen sagen, dass ich von Ihrer Unsachlichkeit und schlechten Recherche überrascht und enttäuscht bin. Ihr Kotau vor der Nacktscanner-Industrie ist schlicht und einfach peinlich. Lassen Sie mich das näher erläutern, in der Hoffnung, dass ein gestandener Journalist wie Sie ein Profi ist, der aus Fehlern lernen kann.

Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich am Thema Nackt/Körperscanner sehr interessiert bin und es aufmerksam verfolge. Nicht weil ich ein Gegner der Technologie an sich bin, oder eine "Peepshow" befürchte, sondern weil sie schlicht und einfach nicht funktioniert. Das hat Markus Lanz bereits letztes Jahr in seiner Sendung eindrucksvoll bewiesen, als der aus amerikanischer Produktion stammende Körperscanner nicht in der Lage war, eine mit Klebeband ans Knie eines Gastes befestigte sogenannte Sprengkapsel zu entdecken. Auch war er nicht in der Lage, das Termit in seiner Jackentasche abzubilden. Das Termit wurde anschließend in einem Feldversuch in einer Stahlpfanne entzündet und durchschnitt sie bei viertausend Grad.
Ich sehe zwei Dinge nicht ein: Warum für eine Technologie Geld ausgeben, die nicht funktioniert?
Und: Warum Sie Ihre journalistische Integrität auf dem Altar der Industrie opfern.
Das erinnert doch stark an jene Zeiten in den USA, in denen ein Plastikbeutel mit Klebeband das eigene Haus vor Gasangriffen schützen sollte. Eine solche Hysterie und Geldverschwendung brauchen wir in Deutschland nicht. Der internationale Flughafen von Tel Aviv, der sicherste Flughafen der Welt, geht vollkommen andere Wege und wird den Nacktscanner gewiss nie aufstellen. Ihre Methode des "profiling" der Fluggäste erlaubt einen weit höheren Sicherheitsstandard als die Nacktscanner-Technologie.

Sie haben im Kommentar gesagt, zwei Drittel aller Deutschen hätten sich aus Sicherheitsgründen für den Nacktscanner ausgesprochen. Sie sehen mich überrascht. Diese Umfrage ist an mir vollkommen vorbei gegangen, und ich bin an dem Thema SEHR INTERESSIERT.
Sie haben keinerlei Quelle für diese Aussage angegeben, deshalb unterstelle ich Ihnen, dass Sie sich diese Zahlen aus den Fingern gesogen haben. Bitte belehren Sie mich mit einer Quellenangabe eines Besseren. Aber die Zahl ist defacto falsch, da Sie suggerieren, die gesamte Bevölkerung Deutschlands mit zweiundachtzig Millionen Menschen wäre befragt worden, nicht etwa ein repräsentativer Teil. Das ist peinlich für einen professionellen Journalisten.

Das Schlimmste an Ihrem Kommentar ist jedoch folgende Aussage:
"Nun führen die Kritiker an, die Geräte garantierten auch keine Sicherheit und könnten von skrupellosen, technisch versierten Terroristen umgangen werden, indem sie die Bomben im statt am Körper tragen. Korrekt. Doch nicht alle Terroristen sind Vollprofis."
Herr Schneider, was ist das für ein Quatsch, den Sie hier geschrieben haben?
Erstens: Wollen Sie sich darauf verlassen, dass Ihr nächster Flug von einem Terroristen gesprengt werden soll, der kein "Vollprofi" ist?
Zweitens: Diese Geräte sollen die Sicherheit verbessern, und sie sollen gerade die "Vollprofis" heraus fischen. Für einen professionellen Journalisten ist diese Aussage unkorrekt, schlecht recherchiert und blauäugig wiedergegeben. Mit anderen Worten: Setzen, sechs.

Lediglich mit dem Schlussabsatz stimme ich überein. Kompetenzwirrwarr verhindert Absprachen, und schlecht ausgebildetes Billigpersonal in der Flughafensicherheit erhöht die Fehlerquote. Das sind allerdings Baustellen, auf denen das Geld für die Nacktscanner besser investiert wäre.
Und ja, absolute Sicherheit im Flugzeug kann und wird es nie geben. Immerhin können die Mistdinger immer noch abstürzen.
Mit diesem Teil Ihrer Aussage kann ich mich identifizieren. Der Rest ist, Entschuldigung, Industriepropaganda. Ich hoffe, Sie wurden wenigstens dafür von den Herstellerfirmen bezahlt. Sonst war ihr Kotau nicht nur peinlich, sondern auch umsonst.

Mit freundlichem Gruß,

Alexander Kaiser


Anmerkung: Dieser Leserbrief ging heute per E-Mail an die Redaktion. Ich bin gespannt, ob und wie Herr Schneider reagiert.

Nachtrag am Mittwoch: Noch keine Reaktion. Dafür aber ein neuer Kommentar von Herrn Schneider in der Zeitung, in dem er eifrig auf Google Street View einbasht. Er suggeriert tatsächlich, Streetview hätte ein Interesse daran, SÄMTLICHE STRAßEN z.B. Hamburgs und damit auch die Wohnviertel aufzunehmen. Ein derart logistischer Aufwand erscheint mir doch zu hoch zu sein. Herrn Schneider allerdings nicht.

Nachtrag am Montag: Nach einer Woche noch immer keine Reaktion von Herrn Schneider. Ich hoffe, dass ihn meine Mail schlicht und einfach nicht erreicht hat; andernfalls wäre das ein Armutszeugnis für einen professionellen Journalisten.

Nachtrag am 06.05.2011: Natürlich nie eine Reaktion. Entweder ist die überregionale Redaktion der LDZ des E-Mailens nicht fähig, oder mein Leserbrief ist stantepede im Datenpapierkorb gelandet. Beides sehr peinlich für eine Zeitung, die in heutigen Zeiten bestehen will.