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Samstag, 31. März 2012

Die März-Glosse

Heute, am letzten Tag des März, möchte ich mich mal ein wenig aufregen. Nicht viel aufregen, wirklich nur ein klein wenig. Und zwar über meine Potenz. Das ist übrigens ein hochinteressantes Thema, denn die ganze Welt scheint darüber Bescheid zu wissen. Wie sonst kann ich mir erklären, das ich täglich fünf bis zwanzig Mail kriege, in denen mir versprochen wird, dass sich um meine Potenz gekümmert wird - die natürlich vollkommen darniederliegt, und ich dringend, ich betone: DRINGEND rezeptfreies Viagra brauche?

So schreibt mir Abel von Info@Haus unter dem Titel Potenz ohne Rezept: Im Bett zum dominanten Hengst aufblühen.

Aberl, ebenfalls von Info@Haus, scheint nicht zu wissen, dass mir Abel bereits geschrieben hat. Unter dem Titel Viagra einfach kaufen verspricht er mir: Im Bett zum erfahrenen Hengst werden.

Und Aaron von Info@Stein fragt mitfühlen Langeweile im Bett?, bevor er mir folgendes sagt: In der Pritsche zum starken Hengst mutieren.

Auch Aberke von Info@Stein headed Viagra schnell kaufen, bevor er mir mitzuteilen hat:
Eine schnelle Onlinebestellung kannst du vornehmen, ohne, dass du ein
Rezept einreichen musst. Unangenehme Fragen erwarten dich auch nicht und
kannst dich auf Diskretion verlassen. Immer wieder würde ich es so machen,
um zu erreichen, wieder Sex zu haben. Informationen bekommst du direkt hier
und bestellen kannst du auch gleich.

- kein Arztbesuch notwendig
- Sendung kostenlos
- beste Auswahl an Quaelitaet
- per Banktransfer oder Visa bezahlen
- nie wieder im Wartezimmer warten


...sacken lassen.

 Und das sind nur vier Mails von viertausend, die ich alleine dieses Jahr bekommen habe.
Das Ganze wirft mehrere Fragen auf:
1) Warum interessiert es die ganze Welt, wie es um meine Potenz steht?
2) Wieso weiß ich nicht mal selbst von meinen Potenzproblemen, die anscheinend die ganze Welt interessieren, sodass mir selbstlos von jeder möglichen Seite Viagra ohne Rezept angeboten wird?
3) Wieso bieten die mir alle nur Viagra an, aber nicht ein einziger ein homöopathisches (XDD) Mittel?
4) Warum ist nicht ein einziger Anbieter von Penisringen dabei?
5) Wieso wollen alle, das ich ein Tier mit langem Gesicht, vier Beinen, viel Fell und grobem Gebiss werde?


Aber kommen wir zum ernsthaften Teil, der sachlichen Analyse. Natürlich handelt es sich hierbei um handelsüblichen Spam. Nein, nicht das Dosenfleisch aus Michigan, USA, sondern um sogenannte ungewollte Werbepost per Mail, die ebenfalls Spam genannt wird. Natürlich sind das sogenannte E-Mail-Spam, die mich dazu bringen sollen, den beigefügten Link zu benutzen, um entweder auf eine entsprechende Werbeseite zu kommen, auf der tatsächlich rezeptfreies Viagra angeboten wird (eventuell sogar echtes, keine Imitate), oder aber auf eine Website, die ihr Bestes geben wird, um meinen Rechner mit Viren, Würmern und Trojanern zu infizieren und - im schlimmsten Fall - zum Teil eines sogenannten Botnetzes. Das ist mir alles klar. Und ich bitte ausdrücklich darum, den obigen Part humorvoll zu sehen, ebenso wie alles Folgende.

Okay, gehen wir mal davon aus, dass die Versender entweder vermuten, das ich ein Mann bin, oder ich noch keinen Spam von jemandem bekommen habe, dem der Unterschied egal ist, stellen sich mir zwei Fragen.
1) Gibt es Spam für Frauen, wird der Spam geschlechtsspezifisch versendet, und wie sieht Frauenspam dann aus? Brustvergrößerungen, Hormonbehandlungen, die Pille ohne Rezept, steuerfreie Wachsstreifen zur Intimrasur, homöopathische Glücklichmacher, die Liste ist endlos.
2) Wenn es keinen Frauenspam gibt, von den Newslettern diverser Versandhäuser einmal abgesehen, warum gibt es nur Spam für Männer? Penisvergrößerungen, Casino-Einladungen, Viagra ohne Arztbesuch zur Selbstmedikation. Warum ist Spam sexistisch?

Wenn ich darüber nachdenke, dann sehe ich schon, dass die Männer - noch - die größere User-Gruppe im Internet bilden. Aber die Frauen sind eine User-Gruppe, die nicht nur stetig wächst, sondern auch gerne einkauft. Warum gibt es keinen Spam für diese große Gruppe? Warum stattdessen die Konzentration auf Männer mit Potenzproblemen und zu kurzem Penis? Warum diese Pauschalverurteilung aller Männer zum Impotenten, wenn doch die potentielle Zielgruppe eher klein ist?
Ich meine, nehmen wir mal an, dass der Viagra-Spam ernst gemeint ist: Ist denen noch nie in den Sinn gekommen, für einen gewonnenen Kunden eintausend beleidigt zu haben? Ich meine, denken die wirklich, die Mehrheit der Männer kriegt keinen mehr hoch?

Was mich zu einem Fazit bringt: Dieser Spam-Schrott hört erst dann auf, wenn tatsächlich keine verzweifelten, impotenten Männer, die ihrem eigenen Hausarzt und vor allem der Apotheke nicht trauen und ihr Viagra im Internet bestellen, eben NICHT mehr diesen dämlichen Links folgen.

Ja, genau, Ihr seid Schuld, Ihr impotenten, feigen, falsche Tatsachen vorspiegelnden tote Hose-Männer, die im Bett gerne zum Hengst mutieren möchten, weil sie meinen, etwas beweisen zu müssen. Mit jeder Bestellung, die Ihr abschickt, ihr impotenten Ex-Hengste, macht Ihr Spamversand lukrativ. Schämen solltet Ihr Euch. Und ach ja, habt gefälligst mehr Vertrauen zum Hausarzt und verlasst Euch auf das Berufsgeheimnis in den Apotheken.

Für eine Welt ohne Spam: Kauft Viagra in der Apotheke. XDDDDD

...btw, fällt mir jetzt erst auf: Braucht man für Viagra eigentlich ein Rezept?

Freitag, 30. März 2012

Wenn BILD säht, wird Sturm geerntet.

Vor einigen Tagen wurde eine Minderjährige in einem Emdener Parkhaus tot aufgefunden. Was genau passiert ist, was dem Kind passiert ist, wissen wir nicht, denn die Staatsanwaltschaft hält sich wohltuend zurück, bittet darum, den Namen des Kindes aus der Presse raus zu halten, und Spekulationen nicht zu Tatsachen zu erheben, solange die Ermittlungen laufen.
...sacken lassen.

Dies hielt unter anderem BILD nicht davon ab, den Namen des getöteten Mädchens zu nennen, über den Tathergang und über einen möglichen sexuellen Missbrauch zu spekulieren. Wir können wohl froh sein, dass das getötete Mädchen kein Facebook-Profil hatte - wie wir in ausreichendem Maße wissen, kennt die Zeitung mit den vier großen Buchstaben nur den eigenen Voyeurismus, nicht aber den Opferschutz, oder gar den Schutz der Angehörigen, die durch den Tod ihres Kindes/ihrer Verwandten durch eine schwierige Zeit gehen, und bestimmt nicht durch die Medienmühle gedreht werden wollen.
Nützt ihnen natürlich nichts, ebenso wenig wie der Aufruf der Staatsanwaltschaft zu mehr Ruhe und weniger Vermutungen, die zu, ja, Tatsachen erhoben wurden.

Naturgemäß hat BILD auch Probleme mit der Unschuldsvermutung, also dem Umstand, das der Rechtsstaat einen mutmaßlichem Täter beweisen muss, dass er schuldig ist - nicht, dass der Täter seine Unschuld beweisen muss.
Das bekam auch ein jugendlicher Tatverdächtiger zu spüren, der angeblich in der Nachbarschaft des Mädchens wohnt, und von einer anderen Jugendlichen als möglicher Täter ins Spiel gebracht wurde, weil "er sich merkwürdig verhält".
Nun hatte der Junge kein wasserdichtes Alibi und soll sich auch in Widersprüche verstrickt haben. Das sind Indizien, aber noch keine Beweise. Besser wäre es, Kamerabeweise zu haben, die ihn zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts zeigen, aber das nur nebenbei.
BILD scherte das jedenfalls nicht, und die Berichterstattung ging nicht um den mutmaßlichen Täter, sondern um "den Täter", der "Einzelgänger ist und Killerspiele spielt".
...sacken lassen.

Der Höhepunkt des Geschehens war, so ist sogar meiner Tageszeitung zu entnehmen, der Facebook-Aufruf eines Achtzehnjährigen zur Lynchjustiz am Verdächtigen, woraufhin eine größere Gruppe Jugendlicher längere Zeit eine Polizeiwache "belagert" hatte, angeblich die ganze Nacht hindurch.
...sacken lassen.

Nein, dieser Blogeintrag dreht sich nicht um Täter und Opfer, um Angehörige, um Bekannte. Er dreht sich einzig um den wütenden Lynchmob, wie die Presse ihn nennt, und um eine einseitige Berichterstattung. Geradezu peinlich mutet es an, wenn man bedenkt, das ausgerechnet BILD - in meinem Fall per Ausschnitt im BILDBlog - verkündet, dass der Verdächtige nicht der Täter sei, wie auch Stern berichtet.
Ich meine, ob er wirklich unschuldig ist, das bleibt abzuwarten, bis die Ermittlungen beendet sind, und eventuell gegen den mutmaßlichen Täter - der durchaus ein Dritter sein kann - Anklage erhoben wird. Das ist die normale Polizeiroutine, mit derem Jargon BILD aber noch nie besonders gut zurecht kam. Und das heißt auch nicht, das der Jugendliche der Täter ist/war. Es heißt nur, das er Bestandteil der polizeilichen Ermittlungen ist, selbst wenn die Polizei ihn nicht mehr verdächtigt.
Im Umkehrschluss aber haben sich ausgerechnet im ruhigen Emden, über das man nur was hört, wenn mal wieder die Ems vertieft werden soll, oder ein Kreuzfahrschiff an die Küste verlegt wird, ein paar Dutzend Jugendliche zum Lynchmob verabredet.
Die Frage, die sich mir stellt, die sich uns allen stellt, ist NICHT, ob Facebook jetzt wieder böse ist.
Die Frage ist, wie sehr die einseitige Berichterstattung, die Stilisierung des Verdächtigen zum unbestreitbaren Täter, wie sehr der Eingriff in die polizeilichen Ermittlungen, wie sehr die Personalisierung des Opfers - entgegen dem Wunsch der Familie, entgegen der Bitte der Ermittlungsbehörde - dazu beigetragen hat, dass eine Gruppe Jugendlicher sich berufen fühlte, ein Lynch-Happening zu veranstalten, weil "er ja schuldig ist".
Das hätte auch per Telefonkette, per Mail-Kette oder einem anderen sozialen Netzwerk als Facebook erfolgen können, sogar über Annoncen in der Zeitung. Facebook trifft hier keine Schuld, so wie der Rasen in den seltensten Fällen Schuld ist, wenn Hamburg wieder verliert. *sic*
Nein, Schuld hat hier ein Jugendlicher, der zum Lynch-Flashmob aufgerufen hat, Schuld haben die Jugendlichen, die zum Lynch-Flashmob gegangen sind, Schuld hat hier die BILD, die dieses abstruse Happening begünstigt hat.
...sacken lassen.

BILD weiß das meiner Meinung nach nur zu gut. Und genau deshalb gibt es keine Schimpftiraden gegen die "schlaffe Staatsanwaltschaft, die den Täter gehen lässt", sondern ein einfaches "er war es gar nicht". Würde BILD den Atem der Emdener Staatsanwaltschaft nicht im Nacken spüren, wäre noch mehr Polemik einher gekommen, eventuell mit einem ultimativen "Jetzt spricht der mutmaßliche Täter"-Interview.
Nein, BILD rudert zurück. Wahrscheinlich weil die Staatsanwälte in Emden noch Menschen mit Biss sind, die ihren Job machen und sich nicht vom weitverbreitetsten Klopapier Deutschlands reinreden lassen. Obwohl, der letzte Satz ist lediglich meine Spekulation.

Man denke einmal den undenkbaren Fall. Die Jugendlichen, die das Ganze noch als Spaß ansahen, wären in der Nacht aufgepeitscht worden. Durch den Initiator mit ein paar Hasstiraden, durch Alkohol, durch was auch immer. Nehmen wir an, sie hätten die Wache gestürmt. Nehmen wir auch an, der Verdächtige hätte dort gesessen, und nicht in U-Haft in einem Gefängnis. Nehmen wir an, die Beamten hätten Widerstand geleistet, wie es ihre Pflicht ist, und letztendlich von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Denken wir, wie es weiter gegangen wäre. Der losgelassene Mob wäre irgendwann vor der Zelle des Verdächtigen aufgetaucht, hätte ihn wie auch immer da raus geholt und auf offener Straße an einer Laterne aufgeknüpft.
Der Schaden: Ein toter Verdächtiger, etliche Tote und/oder Verletzte im Mob und unter den Polizisten und eine ganze Reihe Strafverfahren, die mit Kindesmissbrauch und Mord in Vertuschungsabsicht durchaus mithalten können.
Wie hätten die Schlagzeilen ausgesehen? Welche Stimme wäre am lautesten gewesen? Was wäre berichtet worden? Wie viele Leben wären zerstört gewesen?
Und was wäre gewesen, wenn am nächsten Tag verkündet worden wäre, die Vorwürfe gegen den Verdächtigen wären fallen gelassen worden, weil kein Tatbestand mehr bestünde?
Richtig, noch mehr Ermittlungsverfahren, und davon nicht wenige gegen Zeitungsverlage mit der Anklage der Aufhetzung.
...sacken lassen.

Leute, um es mal auf den Punkt zu bringen: In den USA sitzen ein paar tausend Menschen in den Todeszellen und warten auf ihre Hinrichtung. Etwa ein Drittel von denen, die schon hingerichtet wurden, sind im nachhinein rehabilitiert worden. Das ist das Problem bei etwas so endgültigem: Wenn jemand tot ist, hat er nichts mehr von seiner Rehabilitierung und von seiner wiedergewonnenen Freiheit.
Wir haben hier in Deutschland ein ganz klares Gewaltmonopol, und das liegt beim Staat. Der Staat sorgt im Zuge seiner Arbeit für eine gerechte Justiz, die ohne Anschauung der Person ihre Urteile fällt. Ist nicht perfekt, das System, zugegeben. Aber es ist weit besser als in einem totalitären Staat mal eben von der Straße zu verschwinden, weil einem Ermittler deine Nase nicht passt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Wir haben in Deutschland in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten. Wir müssen dem Angeklagten beweisen, das er schuldig ist. Und wenn wir das nicht können, wird er nicht nur freigelassen, es gibt auch eine ziemlich gerechtfertigte Chance dafür, dass der ehemals Tatverdächtige unschuldig ist.
Das Recht in die eigene Hand nehmen sollte nur, wer auch bereit ist, anschließend selbst vor Gericht zu sitzen. Denn der Rechtsstaat behandelt immer alle gleich. Das schließt die Mitglieder eines Lynch-Flashmobs ebenso ein wie hetzende und polarisierende Reporter in Schundblättern.
Überlegt Euch das gut; in Emden sind wir an einer Katastrophe vorbei geschliddert. Aber es gibt keine Garantie, das sich das nicht doch wiederholt. Und dann ist eine Gewalthoheit ausschließlich bei der Polizei das Beste, was Deutschland hat.

Mittwoch, 28. März 2012

Und so versuchen sie ACTA durchzuprügeln

Gestern stieß ich eher zufällig auf Onlinewelten.com, und zwar wegen dieser Überschrift:
Europäische Kommission: 'Proteste sind anti-europäische Kampagne einer demokratisch nicht legitimierten Internetgemeinde'


Darunter zu finden ein Artikel, der auf einem Bericht auf heise.de basiert. 
Eine zweite Quelle habe ich jetzt nicht verifiziert, obwohl ich weiß, dass ich es müsste. Aber das will nichts heißen, denn der Artikel passt einfach zu gut in das Konzept derjenigen, die ACTA durchdrücken wollen. Also, ohne mich durch eine weitere Quelle abzusichern - was ich hier noch mal eindeutig sage, meine Quellen sind nur Onlinewelten.de und Heise.de, wobei Onlinewelten heise lediglich zitiert - möchte ich einiges zum Thema schreiben.
 
EU-Kommissar de Gucht wird auf heise.de wie folgt zitiert: [...] ACTA sichere den Schutz des geistigen Eigentums, das der wichtigste Rohstoff der EU sei.[...]
...sacken lassen.
 
Da springt einem doch eine Frage sofort in den Verstand, wenn man das liest. WEM GEHÖRT DAS GEISTIGE EIGENTUM? Werden hier wirklich die Ingenieure, Programmierer, Erfinder, Musiker, Autoren, Künstler, Drehbuchschreiber geschützt? Geht es hier wirklich um ihr geistiges Eigentum? Geht es darum, dass sie den angemessenen Preis für ihre Arbeiten erhalten?
Nein, es geht darum, den Rechteinhaber zu schützen. Und die Rechte an erfolgreichen Produkten liegen eher selten beim Erzeuger, sondern mehrheitlich bei der entsprechenden Industrie.
Richtig muss es also heißen: ...ACTA sichere den Schutz der Rechte-Inhaber aus der Industrie, die an diesen Werken verdienen, unabhängig wieviel und wen sie für das geistige Eigentum bezahlt haben, bevor sie es lizensierten.
 
Versteht mich nicht falsch: Egal ob es Künstler sind, egal ob es die Musik-Industrie ist, ich habe nichts dagegen, dass sie Geld verdienen. Vor allem nicht wenn es die ursprünglichen Eigentümer des "geistigen Eigentums" sind, die hier ordentlich verdienen. Aber darum geht es bei ACTA nicht.
 
heise.de zitiert die Gesellschaft für Informatik zum Thema ACTA wie folgt: [...] Die mit ACTA einhergehenden Regeln müssten kritisch beleuchtet werden, weil sie Fragen des Datenschutzes, der informationellen Selbstbestimmung und des Fernmeldegeheimnisses sowie der freien Meinungsäußerung betreffen, erklärte GI-Vizepräsident Christof Leng. Es könne nicht sein, dass Bürgerrechte weniger wiegen als Urheber-, Patent- und Markenrechte.[...] 
...sacken lassen.
 
Es geht bei ACTA nicht darum, den kreativen Genies das Geld zukommen zu lassen, das sie verdienen müssten. Es geht nicht darum, die zukünftige Produktion von künstlerischen Arbeiten zu sichern. Es geht nicht darum, dass weniger gefälschte Prada-Handtaschen auf orientalischen Basaren und auf dem Wochenmarkt in Olpe Süd auftauchen.
Es geht darum, das eine Industrie auf Kosten unserer Freiheiten im Internet, auf Kosten unserer Bürgerrechte und auf Kosten eines Generalverdachts gegen uns Mittel in die Hand gegeben kriegen will, die einen mit den Ohren schlackern lassen.
 
Kommen wir aber zum Höhepunkt der Geschichte. Kommen wir zum letzten Zitat der EU-Kommission auf heise.de, das mich besonders aufregt: [...] In dem Bericht, der heise online zugespielt wurde, wird der Bürgerprotest als "aggressive pan-europäische Kampagne" gegen ACTA bezeichnet, die von einer demokratisch nicht legitimierten Internetgemeinde getragen werde.[...]
...sacken lassen.

Was ist demokratisch legitimiert? Was bedeutet Internetgemeinde? 
Natürlich hat der hier Zitierte vollkommen Recht: Es ist eine aggressive, pan-europäische Kampagne gegen ACTA.
Aber ich verwehre mich hier nachdrücklich dagegen, die Internetgemeidne als demokratisch nicht legitimiert anzusehen. Ich möchte das mal kurz in klare Worte fassen. Die Internetgemeinde ist kein klar zu umfassender Begriff. Er bezeichnet eigentlich jeden, der oder die mehr oder weniger regelmäßig ins Netz geht, um zu tun, was immer er oder sie tun will. Das sind eine erhebliche Menge mehr Menschen als Deutschland Einwohner hat. Ich weiß nicht, ob es klug ist, gleich alle auf einmal gegen sich aufzubringen. Was das demokratisch legitimiert angeht, so hat er im Internet sicherlich Recht. Wir haben hier keine Form der Demokratie: Keine Basisdemokratie, keine Stellvertreterdemokratie. Aber jetzt kommt der Hammer: Brauchen wir im Internet auch gar nicht, denn hier sind wir nur die User.
Schauen wir doch mal ins reale Leben: Da bin ich Kommunalpolitiker. Ist jetzt nichts so besonderes, aber bei der letzten Wahl wurde ich demokratisch legitimiert. Und als ehrenamtlicher Politiker UND als Teil der Internetgemeinde verbitte ich mir in jeder Form diese herablassende und demokratiefeindliche Unterstellung der EU-Kommission.
So wie mich gibt es viele, sehr viele demokratisch legitimierte Menschen im Internet, die außerhalb des Netzes als ehrenamtliche oder gar hauptberufliche Politiker arbeiten, und die von dieser Frechheit namens ACTA in ihren Rechten eingeschränkt werden sollen, weil die Musikindustrie gerne rechtlich abgesichert Pauschalklagen abgeben will. Man bedenke nur die Höhe der derzeit laufenden, vollkommen legalen Abmahnungen gegen Downloader. Wenn die Industrie noch mehr Rechte erhält, wird sich das rapide verschlimmern. Für uns. Nicht für die Internetgemeinde, sondern für die Menschen, die diese Internetgemeinde bilden. 
 
Und vergessen wir eines nicht. Mich als kleinen Ratsherrn in einem kleinen Dorf südlich von Hannover mag man belächeln und sagen: Komm wieder wenn du im Landtag sitzt, oder Bundeskanzler wirst.
Aber sicherlich wird man die Piratenpartei nicht belächeln, die bereits im EU-Parlament sitzt und ACTA längst als Thema erkannt hat.

Ach, und eines noch, liebe EU-Kommission, die versucht hat, ACTA still und heimlich beim nicht zuständigen Ausschuss für Fischerei und Landwirtschaft an uns verbei zu drücken: Mit jedem Menschen, der diesen Blogeintrag liest, haben wir einen Internetuser mehr, der entscheiden kann, ob er für oder gegen ACTA ist. Darunter werden auch einige sein, die sich das erste Mal mit ACTA beschäftigen und so überhaupt erst ans Thema heran geführt werden.
Wir sind viele, wir werden mehr, und wir sehen Euch. Dank des Internets war es niemals so einfach, sich zu informieren, seine Meinung zu bilden und aktiv zu werden. Kein Wunder, dass die Politik Angst vor uns hat.

Dienstag, 27. März 2012

So sehen Sieger aus

Wie alle aufmerksamen Leser meines Blogs wissen, schreibe ich gerne und viel und gut. Na ja, was soll ich sagen, die meisten Leser hier habe ich ja,  weil sie mir von einer der Plattformen gefolgt sind, auf denen ich veröffentliche, also Fanfiktion.de, Battletech.info, Twobt.de, Animexx.info, usw.
Warum das relevant ist? Komme ich jetzt zu. Jedenfalls habe ich eine Menge Geschichten im Netz stehen. Ist längst nicht alles, was ich bisher geschrieben habe, längst nicht alles, was ich jemals geschrieben habe. Aber es ist ordentlich viel, das kann ich mit Stolz so sagen. Und es ist gut. Das sage ich mit Selbstbewusstsein und Stolz.

Dementsprechend war ich auch ein klein wenig überheblich, als ich den ersten Review vom User Robi auf Fanfiktion.de bekam, der ein klein wenig großspurig sagte, ihm hätte die erste Geschichte super gefallen, und er würde am Wochenende mal die anderen alle lesen.
Daraufhin bot ich Robi eine Wette an: Wenn er es bis Mitternacht auf dem Sonntag schafft, darf er sich eine Geschichte von mir wünschen.
Robi schlug ein und begann mit großem Interesse zu lesen und Kommentare zu hinterlassen, quasi als Fußspuren im Sand meiner Sätze. Natürlich hat er es nicht geschafft, aber im Anbetracht seiner vielen Kommentare, so um die vierzig dürften es mittlerweile sein, und im Anbetracht dessen, dass die Texte, die er kommentiert hat, teilweise Romanstärke haben, habe ich die Frist von mir aus auf heute, achtzehn Uhr verlängert.
Nun, es kam wie es kommen musste: Robi hat es nicht geschafft. Aber dennoch, wenn jemand so viel Freude an meinen Texten hat, dann muss das belohnt werden. Und wie? Natürlich mit noch mehr Text von mir.

Seine Belohnung, die im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt: Er durfte sich die nächste Geschichte, die auf ein Update lauert, aussuchen. Robi entschied sich dafür, dass ich meiner Tactical Roar-Fanfiction ein neues Kapitel hinzu füge.
Im Moment kaue ich auf KSS rum, aber danach, versprochen, mache ich mich über Tactical Roar: Zehnte These her.
Ihr seht, lesen und Reviews da lassen lohnt sich für Euch Leser. ^^


...warum eigentlich nicht? Ich lote den Preis auch jedem anderen aus. Nur mehr Zeit muss ich geben.
Jeder, der gerne von mir eine nach seinen Wünschen maßgeschneiderte Geschichte lesen möchte, hat nichts weiter zu tun, als alle meine Schreibprojekte auf Fanfiktion.de zu lesen. Zeitraum vom ersten Review bis zum letzten darf sieben volle Tage nicht überschreiten. ^^
Nein, ich glaube nicht, dass sich jetzt Dutzende Leser auf meine Geschichten stürzen werden, aber ich finde die Idee mehr als interessant und auch witzig.
Ja, Stinkstiefel, Nathan, Keylu-tey, t-borg und Ilasam und alle, die ich gerade vergessen habe, die aber schon viele Reviews dagelassen haben: Das gilt auch für Euch, obwohl Ihr schon etliche Reviews dagelassen habt. ^^

Und für alle, die sich dran versuchen, es aber nicht schaffen, gilt, dass ich mir vorbehalte, sie ebenso wie Robi mit Vorwahlrecht für ein Geschichten-Update zu belohnen. Na, wenn das mal nicht motiviert. ^^
Bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Edit:  Seit Montag ist auch der von mir ausgelotete Preis erbracht: Tactical Roar: Zehnte These hat ein neues Kapitel. ^^

Sonntag, 25. März 2012

Vorgezogene Neuwahlen im Saarland

Diesmal nur ein sehr kurzer Post mit sehr wenigen Gedanken bezüglich der vorgezogenen Neuwahlen im Saarland, wo die CDU als Wahlsieger hervor ging, und 35,2% der abgegebenen Stimmen erhielt - und in der die FDP den Wagen vollkommen vor die Wand gefahren und nicht einmal zwei Prozent erreicht hat.
Fakt ist, Maas, der Landeschef der SPD, wird nicht mit den Linken koalieren, obwohl das gleichzusetzen wäre mit dem Machtwechsel im Saarland.
Fakt ist, dass vielleicht viele Wähler gedacht haben, eine Schwarz-Rote Landesregierung würde besser funktionieren als eine Schwarz-Gelb-Grüne.
Fakt ist aber auch, dass die CDU neunzehn Sitze hat, und die SPD siebzehn.
Sechsundzwanzig Sitze braucht man, um in Ruhe regieren zu können. Und eines sollte sicher sein: CDU als das vielgelobte bürgerliche Lager wird jetzt, auch weil die FDP wieder mal kläglich versagt hat, garantiert nicht mit den Linken paktieren. Das würde bedeuten, dass, um sinnvoll zu regieren, schon die einfache Mehrheit ausreichen könnte, auch um einen Regierungswechsel herbei zu führen.
Deshalb: Die Grünen haben zwei Sitze, die Piraten vier. Eventuelle Überhangmandate noch nicht eingerechnet. Wären dreiundzwanzig, eine solide einfache Mehrheit bei einer Opposition, die sich niemals auf den blauen oder roten Draht wird einigen können.
Wäre eine Chance. Einmal, um der CDU ein blaues Auge zu verpassen, und dann, um zu testen, ob die Piraten überhaupt zum Regieren taugen. Und das, das weiß ich, werden sie über kurz oder lang ohnehin beweisen müssen. Warum auch nicht? Wäre ich nicht schon SPD-Mitglied, wäre ich selbst schon lange Pirat geworden.
Also, lieber Genosse Heiko, wie wäre es denn mit Rot-Grün-Arr? ;D

Donnerstag, 22. März 2012

41.000 Aufrufe

Der Vierzehn-Tage-Rhythmus wird anscheinend neue Gewohnheit. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass ich zwanzig oder sogar dreißig Tage gebraucht habe, um eintausend mehr Aufrufe einzuheimsen. Wer meinen frühen Blog durchforstet, findet mich sogar noch über Einhunderter-Sprünge berichten... Gut, dass das hinter mir liegt.

Aber ausführlicher: Meine Geschichten auf Fanfiktion.de haben heute im Laufe des Tages wieder eintausend Aufrufe mehr vorzuweisen. Nunmehr einundvierzigtausendundelf Mal wurden meine Geschichten, Gedichte und Romane aufgerufen.
Dazu kommen 424 Reviews - und etliche Einzelfavorisierungen meiner Geschichten.
Das erfreut mich sehr und motiviert mich zum weiter schreiben.

Darum bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Mittwoch, 21. März 2012

Nur mal nebenbei erwähnt...

Heute wurde mein Blog seit Beginn der statistischen Aufzeichnung (die aus mir unerfindlichen Gründen nicht identisch mit meinem ersten Post begonnen hat) zum dreißigtausendsten Mal aufgerufen.
Das hat doch was. Vielen Dank an meine treuen Leser da draußen, die immer wieder zu mir finden und mit mir diskutieren.
Auf die nächsten dreißigtausend Aufrufe. ^^

Samstag, 17. März 2012

Kabelbinder sind keine Handschellen

Tja, Leute, George Clooney hat es drauf. Er war gestern auf einer Demo vor der sudanesischen Botschaft in Washington D.C., und wurde festgenommen, weil er sich geweigert hat, eine Polizeisperre anzuerkennen. Er verletzte sie wiederholt und wurde dafür abgeführt. Dabei soll er die Regierung des Sudans gemahnt haben, nicht länger das eigene Volk zu traktieren, zu töten und zu vergewaltigen.
Ebenfalls abgeführt wurde sein Vater Nick, der sich als ebenso störrisch wie sein Sohn erwiesen hat.
...sacken lassen.

Diese Nachricht, die durch die Online-Medien rauscht, habe ich gestern schon bekommen, als ich nach dem Perfekten Dinner nicht schnell genug den Raum verließ, um der Nachfolgesendung zu entgehen, dem unsäglichen, einseitigen, sensationsheischenden und teilweise Menschenrechtsverachtenden Format Prominent!, mit der nicht prominenten Redakteurin, die einerseits ständig ihren Namen sagen muss, und andererseits verschiedene Stimmen zu haben scheint.
Jedenfalls präsentierte Prominent! Fernsehbilder von der Verhaftung. Und während die Off-Stimme noch darüber fabulierte, dass "George Clooney in Handschellen" abgeführt wurde, konnte man deutlich sehen, dass es Kabelbinder waren.
Kabelbinder werden heutzutage von der Polizei gerne als Ersatz oder Ergänzung von Handschellen verwendet, und deshalb ist es kein Wunder, dass sie auf der Demonstration Anwendung fanden.
Dennoch schwirrt durch alle Medien die Behauptung, George wäre in HANDSCHELLEN abgeführt worden. Leute, das ist schlechter Journalismus.
...sacken lassen.
Gut, gut, das könnte man ja noch verzeihen. Ein richtiger Fauxpas wird es aber, wenn die Medien sich nicht bemühen zu erklären, ob es die nordsudanesische oder die südsudanesische Botschaft war, vor der demonstriert wurde. Eine erklärende Fußnote zum Beispiel, dass der Nordsudan den alten Titel Sudan beansprucht, wäre nett gewesen, um das eindeutig zu klären. So aber ist es noch schlechterer Journalismus. Es wirkt so, als hätten all die Medien, die die Gründung des unabhängigen Südsudan verfolgt haben, dieses neue Land komplett vergessen. Ja, wo finden jetzt die Menschenrechtsverletzungen gegen das eigene Volk statt? Nord-, oder Südsudan? Oder gibt es mittlerweile schon einen dritten Sudan? Bei der Presselandschaft würde mich beides nicht wundern - das es einen Westsudan gibt, und dass das der recherchefaulen Presse vollkommen entgangen ist.

Freitag, 16. März 2012

Das Radio der Pandora

Man kann jetzt wirklich nicht sagen, dass ich ein vehementer Verfechter der Sache der Hotellobby bin, abgesehen davon, dass ich Hotels in meinem Leben bereits genutzt habe und wohl auch wieder werde. Es trägt auch wenig zur Sympathie bei, wenn sich die Hotelbranche ein Steuergeschenk der FDP in den Arsch schieben zusichern lässt, ohne die erhoffte Vergünstigung der Zimmer zu verwirklichen.
Aber, und so ist es mit allen Dingen im Leben, Pauschalisierungen sind böse, und deshalb muss man jeden Aspekt einzeln betrachten, genau wie jeden Zusammenhang. So wie in diesem Fall.

Heute stieß ich in meiner Tageszeitung über einen Stolperstein, groß wie der Felsen von Gibraltar. Demnach hat die EU entschieden, dass in Hotels die Abspielung von Fernsehern, Radios und Tonträgern eine öffentliche Wiedergabe ist und dementsprechend an die Rechteinhaber und die Künstler vergütet werden muss.
Ein Blick in das Dokument Rechtssache C-162/10 offenbart dann schnell die eigentliche Problematik, die dieses Urteil zur Büchse der Pandora im Hotel macht.
Nein, ich will nicht darauf hinaus, dass deutsche Hoteliers ja bereits GEZ bis zum Erbrechen zahlen und damit ihren Teil geleistet haben; die Anfrage kam von den Iren und wird wahrscheinlich somit bei denen die größten Auswirkungen haben. (Allerdings frage ich mich schon, wie die Tonträgergeschichte geregelt werden soll. Wird bestimmt ein Schmerz im Arsch.)
Nein, wichtig für mich im Urteil ist Römisch eins, Absatz sechs, etwa in der Mitte dieser Satz:
"[...] Weiter hat er (der Gerichtshof, Anm. von mir) festgestellt, dass der private Charakter von Hotelzimmern der Öffentlichkeit der Wiedergabe nicht entgegensteht. [...]"

...sacken lassen.

Tja, Leute, da haben wir es. Ein Hotelzimmer hat einen privaten Charakter, ist aber irgendwie auch ein öffentlicher Raum, wenn das Abspielen des Radios oder einer CD eine öffentliche Wiedergabe ist.
Die Konsequenzen aus dieser Entscheidung sind überhaupt nicht abzusehen, denn folglich kann man weiterleiten: Wenn das Abspielen eines Tonträgers oder Fernsehers eine öffentliche Wiedergabe ist, trotz des privaten Charakters des Hotelzimmers, dann muss das Hotelzimmer während des Abspielens doch auch öffentlichen Charakter haben, sprich: Alles was man in der Öffentlichkeit tun darf, muss dann auch für das nun öffentliche Hotelzimmer möglich sein.
Fotos schießen, die Sanitärräume benutzen, ein- und ausgehen, rauchen, alles was ein öffentlicher Raum erlauben kann oder tatsächlich erlaubt, könnte dann plötzlich möglich sein. Dank eines EU-Urteils. 
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde, dieses zusätzliche Steuergeschenk in Richtung Musik-Lobby ist doch irgendwie nicht richtig durchdacht. ^^°°°

Donnerstag, 15. März 2012

Acht Millionen in der Scheiße

Jetzt habe ich schon eine ganze Zeit nicht mehr gebloggt. Nicht, dass es nicht genügend Themen gegeben hätte. Es war nur eben keines dabei, das mich mitgerissen hat.
Heute war das anders. Ein Blick in die Zeitung, und ich wusste, worüber ich bloggen kann.
Das Institut für Arbeit und Qualifikation schreibt nämlich in seinem Report: Fast jeder vierte Arbeitnehmer arbeitet im Billiglohnsektor.
Demnach sind 23,1% aller Steuer zahlenden Arbeitnehmer mit einem Stundenlohn von unter 9,15 Euro gestraft. Rechnet man Studenten, Rentner und Schüler hinzu, sind das fast acht Millionen Beschäftigte in der Branche.
Ich zitiere direkt aus dem Dokument: "Die Durchschnittslöhne im Niedriglohnsektor lagen im Jahr 2010 mit 6,68 € in West- und 6,52 € pro Stunde in Ostdeutschland weit unter der Niedriglohnschwelle."
Durchschnittslohn, nicht Untergrenze.
...sacken lassen.

Was sagt uns das?
1) In den letzten fünfzehn Jahren haben Arbeitnehmerverbände zugunsten des Aufschwungs immer wieder auf prägnante Lohnerhöhungen verzichtet. Im Gegenzug wurden Arbeitsplatzerhaltungen von Seiten der Arbeitnehmer zugesagt, aber nicht immer eingehalten. Eine Festlegung auf zwei oder drei Jahre ist somit fast immer eine Garantie, das im Folgejahr Arbeitsplätze abgebaut werden.
Im gleichen Arbeitsschritt ist das Realeinkommen frappierend gesunken, d.h. trotz der Gesetze der Preisspirale (höhere Löhne, höhere Preise; höhere Preise, höhere Löhne) und trotz des fehlenden Faktors des höheren Lohns stiegen die Preise weiter, und der Kaufwert des Einkommens ist gesunken.
Zugleich wanderten deutsche Unternehmen ins Ausland ab, benutzten das Allheilmittel des Jobabbaus und/oder fuhren überdurchschnittliche Gewinne ein. Leidtagende: Der Arbeitnehmer.

2) Immer wieder beklagen sich Arbeitgeberverbände über die hohen Löhne und Sozialleistungen in Deutschland, die es so teuer macht, Menschen zu beschäftigen; sie fabulieren über Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt und setzen sich, so die Börsennotierten Unternehmen, Ziele von 7%, 15%, oder mehr an Umsatzsteigerung pro Jahr.
Ironischerweise sind die Firmen bereit, für weniger soziale Verantwortung mehr zu zahlen. In der Zeitarbeit ist es nicht unüblich, dass der Preis für eine Arbeitsstunde das Doppelte über Tarif liegt. Der Arbeitnehmer sieht davon freilich den kleinsten Teil, und dies durchaus unter der Mindestlohngrenze, während die Zeitarbeitsagentur die Differenz einstreicht. Beweise? Seht weiter oben: 23,1% der deutschen Arbeitnehmer sind bereits im Zeitarbeits-, und Niedriglohnsektorwunderland angekommen. Und das alles nur, um Zeitarbeiter bei Bedarf schnell wieder loswerden zu können.

3) Deutschland, unser kleines Deutschland, ein Teilstaat des vereinten Europas, der EU, war Jahrzehntelang Exportweltmeister und wird/wurde ab und an abgelöst, mal von Japan, dann von China. D.h., wir haben im Inland immer mehr Waren produziert als wir für die Binnennachfrage brauchen. Diese Waren gammeln nicht irgendwo herum, sondern wurden ins Ausland verkauft. Exportweltmeister wird man nicht, indem man einen Großfrachter mit zweitausend Autos beladen einmal um die Welt schickt, sie müssen auch verkauft sein. Zur Zeit sind wir Vize-Weltmeister im Export. Das heißt, unsere Wirtschaft verkauft und verkaufte sehr gut ins Ausland.
Industrie und Mittelstand profitieren davon. Deutsches Know how, deutscher Erfindungsreichtum und die Tatsache, dass wir in einigen Industrien, z.B. erneuerbare Energien, Marktführer sind, haben uns zu dem gemacht. Und dennoch: Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet im Niedriglohnsektor.

4) Wie existiert man, wenn man von einem Stundenlohn von 6,68€ leben muss, eventuell von weniger? Und das bei einer Arbeitszeit von vierzig Stunden oder mehr die Woche, womöglich mit Familie? Richtig, man lässt sich bezuschussen, vom Staat, um überhaupt seine laufenden Kosten bezahlen zu können.
Das ist der perfide Gedanke daran. Zeitarbeit ist m.E. enstanden, indem Agenturen für kurzzeitige Überbrückungsmaßnahmen geeignetes Personal für Firmen zur Verfügung stellt. Rent a Fachmann. Leider ist dieser Unternehmenszweig vollkommen pervertiert. Er bietet eine ganze Armee von Arbeitswilligen an, die jederzeit wieder gegangen werden können, auch wenn sie vorher Monate, ja, Jahre in dem Unternehmen gearbeitet haben. Ich habe es auch schon erlebt, das einem Teil einer Belegschaft gekündigt wurde, sie aber wieder eingestellt wurden, wenn dies über eine Zeitarbeitsfirma erfolgte. Hauptsache, man hat einen Job? Sind wir wirklich schon so weit in Deutschland? Ja, das sind wir. Leider.

5) Gehen wir ans Eingemachte. Als das Briefmonopol aufgeweicht wurde, die Post ihre Vorrangstellung für die alleinige Briefbeförderung verlor, gingen die Mitarbeiter eines neu gegründeten Unternehmens auf die Straße, das Briefe befördern lassen wollte. Der Name: PIN. Der Grund für die Proteste: Einführung eines Mindestlohns in diesem Dienstleistungssektor. Und zwar protestierte die PIN-Belegschaft GEGEN einen Mindestlohn. Warum? Ganz einfach. PIN, an der die Axel Springer AG stark beteiligt war, basierte auf einem Geschäftsmodell mit einem Stundenlohn knapp über fünf Euro. Für Vollzeit, wohlgemerkt.
Was haben wir hier also? Da wollte ein Unternehmen der Post was vom Kuchen abbeißen, und das auf eine Methode, die damit kalkulierte, dass der Wohlfahrtsstaat schon dafür sorgte, dass die absolut unannehmbaren Löhne auf ein erträgliches Maß aufgestockt werden würden. Was wäre die Folge gewesen, bzw. ist es heute? Wir, die breite Masse der deutschen Bürger, die Steuern entrichten, hätten PIN dabei finanziert, wie sie Menschen in Lohn und Brot, in einem ordentlichen Tarifvertrag mit einer ordentlichen Bezahlung quasi den Job unterm Arsch weg subventioniert.
Leider sieht es in vielen Branchen heute so aus. Dank Niedriglöhnen und Zeitarbeit. Wir sind in den letzten fünfzehn Jahren dafür aufgekommen, dass nicht wettbewerbsfähige Unternehmen dank der Einsparungen im Lohnsektor Firmen, die ihre Mitarbeiter ordentlich nach Tarif bezahlt haben, kaputtsubventioniert haben. Was tun mit all den Arbeitnehmern, die anschließend entlassen werden und wurden? Ab in die Zeitarbeit mit ihnen.


6) Was passiert mit Menschen, die ihren Euro zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben? Urlaub in der Karibik oder wenigstens an der Nordsee? Den neuen Flachbildschirmfernseher kaufen, oder tut es das alte Röhrengerät noch? Gibt man dem Markenwahn des eigenen Kinds nach, damit es in der Schule nicht gehänselt wird, oder tun es dann doch die Sachen aus KIK und Takko?
Mit anderen Worten: Menschen aus dem Niedriglohnsektor haben weniger Geld zur Verfügung, geben weniger Geld aus, und belasten damit den deutschen Binnenmarkt. Leider gilt der als Stütze unserer Wirtschaft.  Tja, Pech gehabt, oder was?


Fazit: Hire&Fire heißt eine Praxis aus den USA. Dort ist es durchaus üblich, heute bei A zu arbeiten, und nächste Woche bei B. Die verlangten Qualifikationen sind in etwa identisch, und die Arbeitnehmer hüpfern ohne große Probleme von Job zu Job. Nun, sie hüpften, denn der liberale Wirtschaftswahn hat auch in den USA jede Menge Jobs vernichtet.
In Deutschland war es eigentlich immer so, dass man durchaus in der Firma, in der man gelernt hat, bzw. seine erste Anstellung fand, Jahrzehnte oder gleich für den Rest des arbeitenden Lebens angestellt war. Durch den Druck der Forderung der Lohnkostensenkung ist dieses erfolgreiche Modell, das uns Deutschland wieder aufbauen ließ, das uns durch die Ölkrise in den Siebzigern brachte, und uns sechzehn Jahre Kohl überdauern ließ, zusammengeklappt wie ein Kartenhaus. Aber deutsche Firmen beherrschen Hire&Fire nicht; im Gegenteil, einige befleißigen sich der Methode, ihre Arbeitnehmer zu feuern und über Zeitarbeit wieder einzustellen.
Dazu muss ich sagen: Wir sind hier nicht in den USA. Aber zahme Gewerkschaften und der Aufruf der Arbeitgeber, das zarte Pflänzchen des Aufschwungs nicht zu beuteln, haben zu niedrigen Lohnsteigerungen geführt als wir gebraucht hätten. Ein bis zwei Prozent Inflation pro Jahr gab es trotzdem. Dies ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, dem der Kampf angesagt werden sollte. Definitiv. Gewerkschaften, Betriebsräte, SPD, meinetwegen Grüne und Linke, das muss der Weg der Zukunft sein: Für den Arbeitnehmer wieder einfordern, was seine Arbeit wert ist. Wir sind doch nicht Export-Vize-Weltmeister, weil die Firmen mehr Profite durch Lohneinsparung machen; wir sind es, weil die Arbeitnehmer jene Produkte fertigen und verkaufen, denen die Firmen ihre Profite verdanken.
Wo ist also die soziale Gerechtigkeit hin, die Beteiligung der Arbeitnehmer am Profit, wohin steuert der Binnenmarkt, wenn die Arbeitnehmer immer weniger Geld für seine Produkte haben? Was ist schlimm daran, den Menschen zu bezahlen, was sie wert sind?
So, wie es jetzt gerade läuft, ist es für den Binnenmarkt, für die Arbeitnehmer, für ganz Deutschland einfach nur schlimm.
Beweise: Schaut noch mal oben nach. 23,1% kriegen weniger Stundenlohn als 9,15€.

Sonntag, 11. März 2012

Mein Gott, meine Göttin: Das erste Buch im neuen Gewand.

Ich finde, heute ist ein besonders schöner Tag. Warum? Weil mein erstes Buch der Quadrologie Mein Gott, meine Göttin, nun endlich in einem neuen Gewande erstrahlt.
Es ist jetzt fast vier Jahre her, dass ich Buch eins, Von Göttern und Menschen, das erste Mal hochgeladen und zum Verkauf angeboten habe. Damals habe ich meinen Zeichner wohl etwas zu sehr mit Sonderwünschen traktiert, und prompt konnte ich mich von den übrigen drei Titelbildern verabschieden.
Wie der Zufall es aber so wollte, suchte ein Vierteljahr später eine Zeichnerin auf Animexx.info nach einem Autoren, der ihr die Story für einen Manga-Wettbewerb schreibt. Wir haben uns virtuell zusammen gesetzt, und die Catrek-Chronik war geboren. Darauf folgte der erste sechzehnseitige Manga.
Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich spontan drei weitere Episoden geschrieben habe.
Und meine Mangaka, Julia Krebs, war davon so begeistert, dass sie auch die Episoden in einen Manga verwandeln wollte.
Etwa zeitgleich nahm ich ihr das Versprechen ab, für MGMG neue Cover zu zeichnen, und wie es halt so ist, wenn Abiturstreß und Studium einen traktieren, hatten sowohl der Manga als auch das Cover etwas unter Zeitmangel zu leiden.
Heute aber habe ich das fertige Cover zur Eins gekriegt, und spontan habe ich mich durch den Menü-Dschungel von lulu.com gekämpft... Ein langer Tag. ^^°°°
Auf jeden Fall ist die neue Fassung jetzt fertig, und ich will sie Euch nicht vorenthalten. ;D
Ein kleiner Wehmutstropfen: Bei der Download-Version ist es mir nicht gelungen, einen Schriftzug auf das Cover zu bringen. Keine Ahnung warum. Aber das tolle Cover ist natürlich dabei. ^^
Mein Dank gilt Julia für ihre hervorragende Arbeit. Sie ist eine ganz besondere Künstlerin, und die Arbeit mit ihr macht mir immer sehr viel Spaß.
Und ich freue mich natürlich auch auf die neuen Titelbilder für die anderen drei Bände. ^^

An dieser Stelle noch einmal Entschuldigung an alle, die das Buch mit dem alten Cover gekauft haben. Die Layout-Probleme lagen daran, dass ich das Ursprungsdokument nicht auf das Seitenformat des fertigen Buchs gebracht habe. Ergab große Ränder und wenig Schrift innen. Das tut mir leid.
Diesmal jedoch habe ich es besser gemacht und auch endlich den Bogen raus. Und ich verspreche, den zweiten Band raus zu bringen, sobald das nächste Titelbild aus Julias Feder fertig ist. ^^

P.S.: Da lulu.com mich entweder in den Wahnsinn treiben will, oder aber etwas braucht, bis das geänderte Buch erreichbar ist, lasse ich die Geschichte einen Tag sacken und reiche die Links zur Druckversion und zur E-Book-Version morgen nach.

P.P.S.: Ich glaube, ein lulu-Mitarbeiter liest hier mit. Die überarbeitete Fassung ist freigesetzt. Ich füge die Links nach. ^^

Freitag, 9. März 2012

BILD sprach zuerst mit dem Weltfrauentag...

Tja, Sachen gibt's. Ich bin heute zufällig an einem Kiosk vorbei gekommen und habe einen Blick auf die BLÖD-Schlagzeile geworfen. Ich weiß, ich weiß, das sollte man besser nicht tun, aber es ist so nett zu wissen, dass all das aufgesetzte Gutmenschentum, das die BLÖD zu demonstrieren versucht, bei der erstbesten Gelegenheit doch wieder auf dem Götzenaltar der Auflage und des Boulevards geopfert wird.
So auch heute wieder, war doch der Header: "Weltfrauentag - BILD schafft das Seite 1-Girl ab."
...sacken lassen.

Wieder einmal beweist BLÖD, dass sie nichts verstanden hat.
Das klassische Seite 1-Girl, oder im eigentlichen Kontext, das Page 3-Girl (weil es im britischen Boulevard immer auf Seite drei erscheint), mag Hardcore-Feministinnen wie Frau Schwarzer ein Dorn im Auge sein (komisch nur, dass sie für BLÖD geworben hat. Sehr schizophren), aber generell ist weder der Frauenkörper an sich verdammenswert - oder verhüllenswert - noch ist es eine besonders schlimme Sache, eine Frau halbnackt oder nackt zu betrachten, sofern sie sich freiwillig (für eine angemessene Gage) auszieht und Fotos machen lässt. Manche werden jetzt vielleicht einwenden, dass das schon eine Form von Ausbeutung oder gar eine Vorstufe der Prostitution ist. Dem muss ich entgegenhalten, dass an der Nacktheit an sich nichts Verwerfliches ist. Wenn sich natürlich gewisse Medien dazu hinreißen lassen, solche Fotos mit falschen Biographien auzustatten, quasi als Feigenblatt für die Nackten, dann erreichen wir den Bereich des Verrats der eigenen Ambitionen. (Hihi, Ambitionen. Im Zusammenhang mit der BLÖD ist es ja schon Parodie, dieses Wort ernsthaft zu verwenden.)

Aber um auf mein Kernargument zurückzukommen, BLÖD hat nichts verstanden:
Gleichberechtigung hat nichts damit zu tun, dass die Zeitung das Seite 1-Girl abschafft (obwohl ich ehrlich gesagt selbst als ich noch in BILD hineingeschaut habe, nie ein Freund dieser Rubrik war), Gleichberechtigung bedeutet, der Seite -1 Girl einen Seite 1-Boy an die Seite zu stellen.

...sacken lassen.
Wenn die BLÖD also mit scheinbar progressiven Neuerungen auftrumpfen will, muss man ihr ganz klar zwei Dinge vorwerfen:
1)  Gleichberechtigung nicht verstanden?
2) Warum habt Ihr überhaupt Jahrzehntelang diese Rubrik unterhalten, wenn sie jetzt auf einmal abschaffenswert ist?
Fragen über Fragen. Aber nicht nur bei der BLÖD:

Das alles hat nämlich, liebe Gmx/Web.de-Redaktion nichts damit zu tun, dass die männlichen Leser der BLÖD nun ganz stark sein müssen.
Damit fischt die Redaktion in den gleichen trüben Gewässern wie BLÖD all die letzten Jahrzehnte. So gesehen vielleicht doch ganz nett, wenn BLÖD auf ein Klischee verzichtet. Mal sehen für wie lange...

Mittwoch, 7. März 2012

40.000

Normalerweise vermeide ich zwei Blogeinträge am Tag und warte auch schon mal einen Tag, um dann auch noch einen Blogpost zu haben. Die einzige Ausnahme mache ich, wenn etwas Besonderes passiert.
Dies ist im Moment gerade der Fall. Vor wenigen Minuten kroch bei meinem Geschichten auf Fanfiktion.de der Counter nicht nur über die nächste Tausender-Marke - er erreichte sogar den nächsten Zehntausender: Vierzigtausend mal wurden meine Geschichten und Gedichte auf FF.de nun aufgerufen, und dies bei sechsundachtzig Geschichten bei exakt dreihundert Kapiteln und vierhundertdreizehn Reviews.
Wie ich schon mal erwähnt habe, auf Twobt.de und Battletech.info habe ich wesentlich mehr Aufrufe und Kommentare, aber Fanfiktion.de ist für mich etwas sehr besonderes, weil ich dort ein sehr breit gestreutes Publikum ansprechen kann. Wie es scheint, gelingt es mir. Es hat noch keine Tolkien-Formate, aber es ist eine gute Basis.

Also, bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Wie man ACTA sucht und Leistungsschutzrecht findet

Ich gebe zu, ich habe es schon vergessen. Nein, nicht ACTA, dieses unwürdige, schwammig formulierte Gesetz, das es ermöglichen würde, auf bloßem Verdacht ohne richterliche Kontrolle Webseiten zu sperren, und Provider dazu zu zwingen, ihre Kunden auszuspionieren, bzw. für sie zu haften.
Ich meine das Leistungsschutzrecht.
Um mal zusammen zu fassen, was ich noch darüber weiß: Deutsche Verlage wollen z.B. von Google Geld haben, wenn in der Suchmaschine bei einer entsprechenden Suche Teile des Textes von ihren Webseiten angezeigt wird. Dies sei, so die Lobbyisten, bereits eine Leistung, die Google erhält, und für die sie bezahlt werden sollen.
Die Koalition in Berlin hat dazu den Beschluss gefasst:
"Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass Verlage im Online-Bereich nicht schlechter gestellt
sein sollen als andere Werkvermittler. Deshalb sollen Hersteller von Presseerzeugnissen
ein eigenes Leistungsschutzrecht für die redaktionell-technische Festlegung journalistischer
Beiträge oder kleiner Teile hiervon erhalten."


...sacken lassen.
Ein paar Fragen werden aufgeworfen. Wieso sehen sich Verlage als schlechter gestellt wie andere Werkvermittler? Weil sie nicht genügend Traffic auf ihre Seite kriegen, was mehr Werbeeinnahmen bedeutet? Schauen sie neidvoll auf das Milliardenunternehmen Google und wollen es ZWINGEN, Geld für Leistungen zu zahlen, die Google selbst erbringt? Denn die Verlinkung und das Zitat ist eine eigenständige Leistung von Google.
Wir wissen es alle: Wenn jemand googled, dann sind es die Zitate unter dem Link, die uns entscheiden lassen, ob wir das Richtige gefunden haben, und was wir dann anklicken. Dieser Text soll in Zukunft kostenpflichtig sein. Google soll also dafür bezahlen, dass es Traffic auf die Seiten der Verlage schaufelt. Kurios.
...sacken lassen.
Was bedeutet das konkret? Nach meinem Verständnis sind die Verlage darauf aus, für die Arbeit, die Google sich macht, Geld zu bekommen. Wie kann das ein Leistungsschutzrecht sein? Und wie kann mir irgendjemand vermitteln, dass eine international gängige Praxis in Deutschland plötzlich kostenpflichtig sein soll?

Weiter heißt es bei Muberkel und Co.:
"Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren,
sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet
ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen
gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese – mit der bisher unentgeltlichen – Nutzung
der Verlagserzeugnisse erzielen. Auch die Urheber sollen eine angemessene finanzielle
Beteiligung an der Verwertung des Leistungsschutzrechts erhalten. Einzug und Verteilung
der Entgelte soll über eine Verwertungsgesellschaft erfolgen. Die Schutzdauer soll
ein Jahr betragen."

Oder anders formuliert, die Verlinkung von Presseartikeln gilt künftig als Verbreitung.
Ich will das mal für mich erklären. Da zeigt jemand also auf die BILD, und die Springer AG will dafür jetzt den vollen Preis für das Druckexemplar haben? Wie shizo ist das denn?
Auch weist der Text ganz klar darauf hin, dass es um die Werbemilliarden geht. Die Verlage wollen mitverdienen am Werbevermögen Googles, anstatt dankbar dafür zu sein, dass durch Googles Verlinkung überhaupt erst Leser - und damit Klickzahlen  und damit Werbeeinnahmen - auf ihre Seiten finden.
Und dafür will die Bundesregierung noch eine eigene GEZ erschaffen.
...sacken lassen.

Fazit: Okay, das Leistungsschutzrecht ist nicht so schlimm wie ACTA, aber eines können sich Google, die anderen Suchmaschinen und jeder kleine Blogger wie ich - natürlich auch die Großen - in Zukunft in die Haare schmieren: Artikel auch nur auszugsweise zu zitieren und auf sie zu verlinken. Das kostet dann nämlich Geld. Viel Geld, wenn ich die Verlage richtig verstanden habe.
Tja, Pech, dann verlinke ich eben nicht mehr auf euch, und euer Traffic geht dadurch runter.

Was in jedem Fall kommen wird, und das begrüße ich, das ist sehr viel weniger Traffic für die Verlage. Warum? Weil Google, wenn es schlau ist, die Seiten von deutschen Verlagen einfach sperrt. Sie werden in den Suchanfragen einfach nicht mehr auftauchen, ganz so als gäbe es sie gar nicht. Das ist einfacher, ökonomischer und logischer als an die neue GEZ für Internet-Mimosen zu zahlen. Und es hat meine volle Unterstützung.
War ACTA ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Kommunikationsfreiheit im Internet, so ist das Leistungsschutzrecht vor allem eines: Die Idiotie zu glauben, Google und andere Suchmaschinenbetreiber würden da mitspielen. Hier denkt eine Lobby, das es ohne sie nicht geht. Sie wird eines Besseren belehrt werden. Und das zu sehr hohen Verlusten im finanziellen Sektor.
Das ist aber auch gut so. Vielleicht lernen sie daraus.

Fazit 2: Es gibt so etwas, das nennt sich Bezahlschranken. Dahinter kann ein Verlag online seine Premium-Artikel verstecken und seine Leser dazu auffordern, dafür zu löhnen. Macht natürlich kaum einer. Weil kaum einer dafür bezahlt, wenn er es nicht auch intensiv nutzt.
Es gibt aber auch Werbung, die man auf seiner Seite platzieren kann, und über die man sich refinanzieren kann. Z.B. indem vorbeikommende Surfer auf die Werbung klicken. Oder indem einfach der Traffic gezählt wird.
Ich finde, anstatt am eigenen Konzept zu arbeiten, hat die Verlags-Lobby einfach neidisch auf den großen Kuchen bei Google gestarrt und dran gefeilt, wie man ohne Aufwand was davon abkriegt.
Nur wenn die Verlinkung einbricht, weil Google ganz einfach nicht für diesen Scheiß bezahlen will, dann stehen die Verlage noch schlechter da. Mal sehen, was sie dann für ihre Rettung verlangen, anstatt etwas dafür zu tun.
ACTA=Böse.
Leistungsschutzrecht=Tolldreiste Dummheit.

Edit ein paar Minuten später: Das hier habe ich zum Thema gefunden. Lesenswert.

Edit am 08.: Das sagt der Perlentaucher.

Donnerstag, 1. März 2012

Weg mit der Konkurrenz - E-Zigaretten auf dem Schießstand.

Heute habe ich eine tolle Meldung in meiner Tageszeitung gelesen. Demnach hat Die Linke im Bundestag eine kleine Anfrage zum Thema E-Zigaretten und Nikotin-Liquid gestellt.
In die Zeitung geschafft hat es aber nur eine Antwort des Fragenkatalogs mit neunundvierzig Einzelfragen. Darin wurde festgestellt, dass die Liquids Arznei-Mittel sind.

Danach wurde aber gar nicht gefragt. Die Linke ist schon einen Schritt weiter und fragt:
"28. Wie bewertet die Bundesregierung Äußerungen des Juristen Prof. Wolfgang Voit, der bei www.derwesten.de vom 2. Februar 2012 sagte, dass E-Zigaretten als Genussmittel nicht auf der Grundlage des Arzneimittelrechts verboten werden könnten?"
...sacken lassen.

Ja, ich bin wohl nicht der Einzige, dem hier etwas auffällt. Die aktuelle kleine Anfrage hat Die Linke also gestellt, nachdem die Bundesregierung festgestellt hatte, dass Liquids Arzneien sein sollen.
Und deshalb ergeht von mir ein Tadel an die Presse, speziell an die LDZ wegen Nichtakutalität. Wir wissen es doch alle: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.

Worum es mir aber vornehmlich geht, und anscheinend auch bei Die Linke ist der Kern der Frage. Wenn Liquids Arzneimittel sind und deshalb nicht mehr frei verkäuflich sein sollen - auf welcher Rechtsgrundlage hat die Bundesregierung hier entschieden? Auf der Rechtsgrundlage der Tabak-Industrie, die fürchtet, dass ihr die Gewinne wegbrechen? Oder erleben wir in einem nächsten Schritt, dass Zigaretten in Zukunft auch ausschließlich in Apotheken und Drogerien gehandelt werden dürfen? Immerhin enthalten die auch Nikotin, und noch einige weit gefährlichere Inhalts-, und Zusatzstoffe, die Krebs auslösen können, süchtig machen und am nächsten Tag furchtbar in der Wäsche riechen.

Ich für meinen Teil denke, dass sich die Regierung Muberkel mal wieder wunderbar selbst ein Bein gestellt hat. Ich werde die weitere Entwicklung verfolgen - als Nichtraucher mit tränenden Augen.

Nachtrag am 02.03.: Wie mich Miyu-Moon vollkommen zu Recht drauf hinweist, kann nicht jeder etwas mit dem Begriff E-Zigarette anfangen. Das hier sagt die Wikipedia.
Aber kurz zusammengefasst ist die E-Zigarette ein Produkt aus der Entwöhnungsforschung, um das Rauchen aufzugeben. Die E-Zigarette funktioniert so, dass eine Nikotin-Lösung vaporisiert und inhaliert wird. Die Dosis kann man steuern und so langsam mit dem Rauchen aufhören, wenn man will.
Da die üblichen Verbrennungs- und Nebenprodukte sowie der Teer fehlen, sehen viele Konsumenten die E-Zigarette als gesündere Alternative an, auch weil das Liquid weit günstiger als die Tabak-Variante ist. Daher der Aufstand im Bundestag. Je mehr Menschen E-Zigarette rauchen, desto eher spürt man das über die Steuer. Desto eher spüren es die Tabak-Konzerne.

Mittwoch, 29. Februar 2012

400 Reviews

Diesmal ein Post in aller Kürze.
Ich habe einige Zeit überlegt, ob dieses Ereignis einen eigenen Blogpost wert ist - und mit ja befunden.
Auf meinen Geschichten auf Fanfiktion.de habe mich heute genau vierhundert Reviews verzeichnet, was mich schon stolz macht. Richtig, Stinkstiefel, gefühlt ist die Hälfte von Dir. XD
Auf Battletech.info, Twobt.de und Animexx.info habe ich zwar weit mehr Reaktionen, aber das gemischte Publikum auf Fanfiktion.de, das aus allen Genres stammt und dennoch den Weg zu mir gefunden hat, macht diesen kleinen Rekord doch wieder sehr besonders.
Mein Dank gilt meinen kommentierfreudigen Lesern.

Bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Montag, 27. Februar 2012

Was ist schlimmer - ACTA oder Friedrich?

Ich weiß, ich sollte es lassen, Zeitung zu lesen, wenn ich Internet habe. Andererseits gibt die Tageszeitung doch einen recht schönen Überblick über lokale, regionale, nationale und globale Themen. Wenngleich meine LDZ nicht gerade mit der Hildesheimer Zeitung oder der Hannoverschen mithalten kann.
Nur manchmal glaube ich, die BILD in Händen zu haben, wenn ich die Leine Deister Zeitung lese. Kein Vorwurf an die Redaktion in Gronau/Leine; der Part, der mich aufregt, wird in der Zentrale in Kassel fabriziert.

Für Nummer eins kann die Zeitung selbst nichts. Da wird über unseren Innenminister berichtet, Hans-Peter Friedrich (CSU). Er wird zitiert, dass Griechenland doch bitte aus dem Euro austreten möge, weil es alleine bessere Überlebenschancen hätte...
Autsch. Autschautschautschautsch. Der Mann ist unser Innenminister. Gut so. Als Finanzminister würde ich ihm nicht weiter trauen als ich den Euro-Rettungsschirm werfen könnte.
Warum legt Friedrich den Griechen nahe, aus dem Euro-Verbund auszutreten? Weil wir sie nicht rausschmeißen können. Und das ist auch gut so.
Einmal weggelassen, dass sich die EU-Kommission hat täuschen lassen, dass die Banken Griechenland hoffnungslos übervorteilt haben, nicht hingesehen, dass die Rentner und die einfachen Arbeiter nun die Zeche bezahlen, die Korruption, Steuerhinterziehung und der aufgeblasene Beamtenapparat ihnen beschert haben... Wir sind ein großes Gesamtvolk in Europa mit der Kauf-und Schaffenskraft von einer knappen halben Milliarde Menschen. Wir sind ein großer, industrialisierter, weltweit exportierender Währungsraum, der mit dem Euro die ganze Kraft bündelt. Wir sind auf dem besten Wege, mit dem Euro Weltwährung zu werden und die Dominanz der USA und des Dollars aufzubrechen. Das geht alles flöten, wenn wir es nicht zustande bringen, achtzehn Millionen Griechen zu retten - die sich übrigens gerade totsparen, weil die Sparauflagen der Geber Griechenland dazu zwingen sollen, auszutreten.
Das ist übrigens nicht nett von Mama Merkel und den anderen Geldgebern.
Unsere internen Dilemma wie sinkende Löhne, schrumpfende Kaufkraft und Hartz IV (Lohndumping, Lohnzuzahlungen durch den Staat, Zeitarbeit und ähnliche Schweinereien eingerechnet) betrifft das nicht. Und diese Probleme kriegen wir nur in den Griff, wenn es einen Politikwechsel gibt - weg vom sich selbst regulierenden Markt, den der Steuerzahler erst neulich RETTEN musste, hin zurück zur Sozialen Marktwirtschaft, in der man in einem Unternehmen lernt und sein Leben lang dort bleiben kann. Wir sind keine Amis. Hire&Fire ist für uns keine Lösung. Wer hier gefeuert wird, findet eben nicht sofort eine Anstellung, aber das nur am Rande.
Was bleibt zu sagen? Herr Minister Friedrich, das war eine schwache Aussage und eine dumme obendrein.

Jetzt kommt der Teoi der mich aufregt an der LDZ. ACTA. Seit einiger Zeit hat die Zeitung auf Seite drei einen Themenkomplex. Auf einer ganzen Zeitungsseite wird in mehreren Artikeln über ein Schwerpunktthema informiert. Heute ging es um ACTA, und ich war sehr, sehr enttäuscht. Zwar gibt sich die Zeitung vorgeblich freundlich gegenüber den ACTA-Gegnern, kommt aber dem Recherche-Auftrag, den sie hat, nicht nach. Außerdem wird sie hintenrum beleidigend gegenüber ACTA-Gegnern und hofiert die Befürworter.
Das ganze Dilemma der Zeitung mit meinen Antworten:

1) ACTA würde die Urheberrechte der Künstler schützen.

Falsch. ACTA schützt die Künstler nicht, sondern die Urheberrechtseigentümer. Also die Musik-, Verlags-, und Film-Industrie. Künstler kriegen auch weiterhin nur das, was sie beim Verramschen ihrer Rechte bekommen.

2) Ohne ACTA gibt es keine neuen Produkte.

Hier habe ich kein echtes Gegenargument, weil ich es belegen müsste. Ich sage einfach nur mal so, dass es die Unterhaltungsindustrie immer noch gibt, obwohl sie jedes Jahr "Milliardenverluste" durch Raubkopien hinnehmen muss - und das schon seit über zwanzig Jahren.
Überhaupt suggeriert diese Argumentation, dass dieses Geld aus der "Kasse" genommen wurde. Falsch. Es wurde aber auch nicht eingezahlt, oder würde den Konzernen zukommen, wenn es keine Raubkopien gäbe. Wieso können DVD's nicht so billig sein, dass sich Normalsterbliche und Schüler locker zwanzig im Monat kaufen können?
Und warum eigentlich ein neues Gesetz? Reicht es denn nicht, dass beim Verkauf von Brennern und DVD-Rohlingen GEMA anfällt? Ist die Geschichte damit nicht wunderbar geregelt? Nein. Die Industrie ist nie zufrieden.

3) Die Protestanten befürchten, wegen Download aus dem Internet Horrorstrafen zahlen zu müssen.

Nein, liebe LDZ, das befürchten sie nicht, das IST SO. Der Abmahnwahnsinn trifft mittlerweile sogar Unschuldige, die dann beweisen müssen, dass sie unschuldig sind - entgegen der Ansprüche des Rechtsstaats. Ein paar tausend Euro Strafe sind keine Seltenheit und mehr als eine Frechheit. Gigantische Abzocke.
Die ACTA-Gegner befürchten nicht, wegen ACTA leichter gefunden und für ihr illegales Treiben bestraft zu werden. Sie befürchten, dass das schwammige ACTA-Gesetz dazu führt, dass ohne richterliche Anordnung, nur auf Verdacht der Unterhaltungsindustrie ganze Websites gesperrt werden, was nicht nur m.E. nach Willkür durch eine kleine Industrie darstellt.
Übrigens eine Schweinerei, jedem ACTA-Gegner zu unterstellen, nicht für seine Musik und Filme zu zahlen. Bei ACTA geht es um eine Kriminalisierung der Internet-Nutzer. Und um Willkür. Nächstes Mal besser recherchieren, bitte.

4) Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien wird zitiert, dass ACTA diesmal den Urhebern zugute kommt.

Falsch. Wie ich oben schon schrieb, kommt ACTA den Rechteinhabern zugute, nicht den Urhebern. Der VPRT unterstützt also nicht die Künstler und Journalisten, er unterstützt die Industrie. Autsch.

5) Befürworter wie Gegner betonen, wie relativ der ACTA-Text gehalten ist.

Ist ja auch das Hauptproblem an dem Gesetz, das still und heimlich im Fischerei-, und Landwirtschaftsausschuss der EU mitbeschlossen wurde, wo es natürlich nichts zu suchen hatte.
Schwammige Gesetzestexte, die viel Interpretationsspielraum lassen, werden garantiert nicht an der harmlosen Seite interpretiert, sondern an der Seite, an der es um Geld geht. Bei einer Auslegungsskala von eins bis zehn wird die Industrie also immer mit zwölf interpretieren.

Alles in allem zusammengefasst geht es nicht darum, das China seine Kopier-Industrie in Zukunft besser im Griff hat, damit es weniger gefälschte Gucci-Taschen auf türkischen Basaren zu kaufen gibt. Es geht einfach darum, das Internet zu trollen, und das von einer Industrie, die gefühlt jedes Jahr irgendeine rechtliche Verschärfung zu ihrem Nutzen durchsetzen will. Das Internet würde auf diese Weise ganz legal zensiert werden. Und der Hammer obendrauf: Die Internetprovider sollen in Zukunft für die Taten ihrer Nutzer haftbar sein. Das ist in etwa so, als würde ich ein Restaurant betreiben, und die Polizei würde in meinem Laden einen Zugriff auf einen Terroristen durchführen - und anschließend säße ich mit auf der Anklagebank wegen Unterstützung von Terrorismus. Das kann es doch nicht sein.

Was sagt uns das? ACTA=Mist, und Friedrich zurück nach Bayern.

Mittwoch, 22. Februar 2012

39.000 Aufrufe

Wieder einmal kann ich etwas Positives für mein Ego berichten. Meine Geschichten auf Fanfiktion.de haben erneut tausend Aufrufe mehr erhalten, und wieder im überschaubaren Zeitraum von vierzehn Tagen. Damit ist es zur Vierzigtausend nur noch ein Katzensprung, und fünfzigtausend Aufrufe sind locker noch in diesem Jahr möglich. Seid versichert, liebe Leser, dass ich das goutiere, viel Nachschub schreibe, alte Geschichten beende und neue beginne.
Und da ich gerade gute Laune habe, wieder mal die Frage in die Runde: Bei welchem meiner ausufernden, überborderten und vernachlässigten Projekte möchtet Ihr, dass ich weiter schreibe?

Bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Und nicht vergessen:
<---- Da findet Ihr, solange dieser Blogpost on top ist, den Hinweis auf meine Bücher, die Ihr gedruckt oder als Download per Kreditkarte oder Paypal bei lulu.com, meinem Book on Demand, erwerben könnt. Ich empfehle die Download-Versionen, da das Porto aus Übersee, wo die Bücher gedruckt werden, doch recht heftig ist. Außerdem verdiene ich am Download mehr. XD
Darüber hinaus könnt Ihr mein Buch Die Allianz - im Korridor der Sterne auch bei Amazon oder im Buchhandel kaufen.

Dienstag, 21. Februar 2012

Nun ist aber gut, Frau Merkel

Liebe Frau Merkel, derzeit Bundeskanzlerin in Deutschland.
Ich kann verstehen, dass Sie zur Zeit so Ihre Last mit Ihrem Koalitionspartner haben. Nein, nicht die CSU, der andere. Genau, die FDP. Es ist schwierig mit ihr. Mit dem achtzehn Prozent-Hype wurde sie in den Bundestag gepuscht und hat Rot-Grün oder Schwarz-Rot verhindert, zugegeben, aber danach ging es stetig bergab. Umfragetief, in kaum noch einem Landtag vertreten, innenpolitische Querelen, ein Westerwelle als Außenminister, der nicht einsehen kann, dass man wenigstens einen Dolmetscher mitnehmen sollte, wenn das eigene Englisch nicht sooo gut ist...
Und dann noch diese aktuelle Geschichte. Da verbündet sich die FDP auch noch mit der Opposition, um den liberalen Kandidaten Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt durchzudrücken, was beinahe im Koalitionsbruch geendet hätte. Aber ausnahmsweise haben Sie ja mal nicht alles nach bester Kohl'scher Manier ausgesessen als die Iron Mom der Nation, sondern Sie waren bereit, sich wegen dem Termindruck zu bewegen. Ja, das muss schon eine sehr heftige Ohrfeige gewesen sein, von der Partei, die Steuergeschenke an Hoteliers verteilt, vergisst, sich an der Befreiung Libyens zu beteiligen und wahrscheinlich bei der nächsten Bundestagswahl nicht mal die fünf Prozent erreichen wird. Da kann man als regierender Bundeskanzler schon mal sehr deutliche Worte finden. Vor allem ja auch, weil da Ihre Strähne des "Durchdrückens mit aller Macht" abgerissen ist. Dafür habe ich durchaus Verständnis, Frau Merkel.
Aber dass Sie den netten Herrn Rösler angeschrien haben, das kann ich Ihnen nicht verzeihen.
Der arme junge Mann hat Ihnen doch gar nichts getan, Frau Merkel. Außer natürlich Sie in die Knie zu zwingen, Steuergeschenke an Hoteliers zu machen, den Westerwelle als Vize-Kanzler wegzuputschen und die Gesundheitsreform zu versauen.
Also wirklich, Frau Merkel, Sie zeichnen sich doch sonst so durch Ihre Untätigkeit Ruhe im Amt aus.
Ein sehr enttäuschter SPD-Wähler.

Montag, 20. Februar 2012

Mit den Haaren gekokst?

Heute wandert ein merkwürdiger Bericht durch die Presse - Kapitän Schettino, Skipper des verunglückten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, war zum Zeitpunkt des Unfalls drogenfrei. Ob er es derzeit ist, bei der medialen Hetzjagd, keine Ahnung, aber ich persönlich gönne ihm jede Ablenkung. Persönliche Meinung.
Nun aber kommt das Merkwürdige: Es wurden Urin und Haarproben Schettinos untersucht. Und am Haar konnte man winzigste Spuren von Kokain finden.
Die Badische Zeitung zitiert hier einen der Experten, der aussagt, dass das nichts Ungewöhnliches sei. Schettino müsse mit jemandem Kontakt gehabt haben, der Kokain besessen und/oder konsumiert habe. Spuren von Kokain finde man ja auch an Geldscheinen.
Dennoch ist das Grund genug für die Verbraucherschutzorganisation Codacons, die mehrere Passagiere des Havaristen vertritt, eine Wiederholung der Tests zu verlangen.

Ich fasse zusammen: Schettino war nachweislich drogenfrei zum Zeitpunkt des Unfalls. Er hat also auch kein Kokain konsumiert, aber wahrscheinlich irgendjemanden angerempelt oder die Hand geschüttelt, der im Besitz dieser Droge war.
Meine Verständnisfrage ist jetzt: Warum ist das im Bericht vom gleichen Stellenwert wie die Information, dass Schettino drogenfrei war? Es kommt mir ein wenig so vor, als dürfe nicht sein, was nicht sein dürfe, und irgendetwas müsse man schließlich finden, wenn man nur lange genug sucht.
Spätestens an dieser Stelle hat die Berichterstattung den Status der Ehrverletzung erreicht.
Liebe Medien, wenn er Koks in den Haaren in winzigsten Spuren hat, aber selbst nachweislich keines genommen hat, dann ist das ein Schulterzucken wert, aber sicherlich nicht ein Drittel oder die Hälfte einer Meldung. Es brauchte nicht einmal erwähnt zu werden, weil es mit der Sache nichts zu tun hat. Rein gar nichts. Niente. Nada. Es gibt nur einen Grund, besonders auf die Winz-Spuren der Droge in seinen Haaren hinzuweisen: Man hofft, das etwas, irgend etwas bei ihm hängen bleibt. Anders kann ich mir diese Meldung nicht erklären. Und das ist äußerst unwürdig. Mehr denn je hoffe ich auf eine bald abgeschlossene unabhängige Untersuchung und deren Ergebnis.

Freitag, 17. Februar 2012

Weg isser

Tja, das haben wir nun davon, vom Rummosern, vom Meckern, vom Vergünstigungen aufdecken und vom ganzen unnützen investigativen Journalismus - der Wulff ist weg. Wieder ein schwarzer CDU-Spitzenpolitiker mit blonder Superfrau im Anhang, der seine Karriere wegen, nun, schlichter Dummheit beenden musste. Und seien wir doch mal ganz ehrlich: Ist Christian Wulff wirklich so dumm, dass er glaubt, seine Aussage, seine Vergünstigungen anschließend bar bezahlt zu haben, nachdem seine "Freunde" sie ihm ausgelegt haben, würde ihn vor der berechtigten Kritik retten, dass er es eigentlich besser wissen sollte als sich dermaßen angreifbar zu machen? Ganz davon abgesehen, dass er keine Quittungen für seine Barauszahlungen aufgehoben hat... Ein Schelm, der jetzt denkt, Wulff wollte sich frei reden. Ts, ts, ts.
Wie ich schon mal in meinem Blog schrieb: Wenn schon einen Lügner im höchsten Amt Deutschlands, dann bitte auch den Besten.

Was bedeutet das jetzt für uns? Ich wage mal eine Prognose: Gauck wird es machen, Gauck wird es werden. Und er hat viel mehr weiße Haare als Wulff.

Was bedeutet das für Muberkel? Das ist schon der zweite CDU-Superstar, der ihr weggeschossen wird, obwohl sie ihm ihre volle Unterstützung und ausreichend Deckungsfeuer gegeben hat. Mir unverständlich, dass man Muberkel alles durchgehen lässt, was sie sagt und tut - zum Beispiel wie Spiegelfechter.de berichtet hat, die Euro-Krise überhaupt erst mit markigen Forderungen an Griechenland ausgelöst zu haben - dass ihr sakrosanter Heiligenschein nicht auch die wichtigsten Verbündeten schützen kann, sollte ihr zu denken geben. Kein Wunder, dass die Bundesregierung ACTA unterstützt. Bei dem schwammigen Gesetzesentwurf kann dann so ein frecher kleiner Blog wie meiner ratzfatz gelöscht werden, wenn ich ihr zu oft doof komme, denn beweisen, dass ich gegen Copyright verstoße, braucht man ja gar nicht... Man braucht nur den "Anfangsverdacht" und muss das Komitee benachrichtigen, das den Rest erledigt. Aber ich schweife ab.

Nun hatte Muberkel eine sehr gute Idee, aber das erkannte ich erst im Nachhinein. Als möglichen Nachfolger zum Bundespräsidenten hat sie (wieder mal) Zensursula von der Leyen ins Gespräch gebracht.
Ja, genau die, die Kinderpornos im Internet mit umgehbaren Stoppschildern und gehobenem Zeigefinger versehen wollte, statt sie zu löschen - wobei es gar nicht so sehr um die Stoppschilder an sich ging, sondern um die Justizunabhängige und nicht richterlich kontrollierte BKA-Komission, die über die Websites gerichtet hätte. Ja, "gerichtet" trifft es.
Nun höre ich schon die Ersten rufen: Mensch, Ace, Zensursula lässt sich nicht nur von Schäuble bei der Internetzensur vorschicken und mit dem Tarnmedium "Kampf gegen Kinderpornographie" verheizen - ansonsten sind sowohl ihre Vorstellung der Realität des Durchschnittsbürgers eher vage und ihre Leistungen in der Politik auch nur mit Wohlwollen zweifelhaft zu nennen - und die willst du zur Bundespräsidentin aufsteigen sehen? Dem höchsten politischen Amt Deutschlands?
Leute, diese Gedanken habe ich mir auch gemacht. Und wisst Ihr was? Ich kam zu folgender Erkenntnis: Wenn Zensursula Bundespräsidentin ist, schadet sie auch nicht mehr. Anstatt ihr Ministerium zu versauen darf sie dann nur noch Gesetze unterschreiben, die Muberkel ihr vorlegt, und Deutschland ein wenig rumrepräsentieren. Ich denke, das dürfte sie nicht überfordern.
Also: Zensursula for President! XDDD

Nachtrag: Und noch ein Grund spricht für Zensursula. Der Spiegelfechter entlarvt Gauck als Gegner des Sozialstaats.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Atomkraft - nachgedacht.

Hi. Wie der Titel schon sagt, habe ich über Atomkraft nachgedacht. Genauer gesagt über die derzeitige Atomenergie. Mein eigener Artikel zu Generation IV-Kraftwerken und die Arbeit von Lukasz Kroll haben doch etwas in mir berührt. Und was ich zutage gefördert habe, gefällt mir ganz und gar nicht.
Deshalb möchte ich folgende Thesen aufstellen:

1) Atomenergie wird übermäßig gefördert und subventioniert. Unsere eigentlich "sicheren" Leichtwasserreaktoren laufen voller Absicht auf dem seltenen Uran-Isotop 235, das bei dem ohnehin selten vorkommenden Element Uran nur 0,7% ausmacht und entsprechend schwierig gewonnen, d.h. durch Zentrifugen entfernt und konzentriert werden muss.

2)  Ziel der ganzen Geschichte sind die Spaltprodukte, darunter das Wichtigste, Plutonium 239, das in Wiederaufbereitungsanlagen gewonnen wird. Zwar gibt es auch die dankenswerterweise wunderbare Chance, durch die Wiederaufbereitung die Menge an Atommüll von rund zwanzig Tonnen pro Jahr auf sieben zu reduzieren. Aber auf denen bleiben wir sitzen. Kraftwerk für Kraftwerk, Jahr für Jahr.

3)Es gibt einen einfachen Grund dafür, warum Deutschland trotz neunzehn Kernkraftwerkblöcken keine eigene Aufbereitungsanlagen für Kernbrennstäbe hat, oder warum es mit Cellerfield und La Hague gleich zwei dicht beieinander existierende Wiederaufbereitungsanlagen für Uranbrennstäbe in verschiedenen Ländern gibt, und der ist militärischer Natur.

4) Thoriumreaktoren bzw.Flüssigsalzreaktoren könnten schon längst am Netz sein, und dabei Atommüll verbrennen. Aber sie produzieren nur wenig Atommüll, und bei den Transuranen eher kein Plutonium. Ihre eher minimalen radioaktiven Rückstände strahlen teilweise nur maximal dreihundert Jahre; jene aus Leichtwasserreaktoren und anderen Reaktoren, die Uran als Spaltmaterial benutzen, strahlen zweihunderttausend Jahre, und deren Zerfallsprodukte teilweise über diesen Wert hinaus. Diese Reaktoren verbrennen fast den gesamten Kernbrennstoff, vor allem durch regelmäßige Aufbereitung des Flüssigsalzmediums. Kernkraftwerke leisten das nicht, erzeugen aber zuverlässig ihre Transurane wie Plutonium 239, d.h. waffenfähiges Plutonium.

5) Sowohl Frankreich als auch Groß-Britannien sind sogenannte Atommächte, d.h., sie haben die Atombombe. Leichtwasserreaktoren produzieren Plutonium 239 neben anderen Isotopen als Nebenprodukt. La Hague und Cellerfield werden das gewonnene Plutonium aus wiederaufbereiteten Brennstäben garantiert wie jeden anderen Atommüll entsorgen, anstatt ihn zum Bau neuer Atomwaffen zu verwenden. Wo kämen wir denn sonst hin, wenn zwei Wiederaufbereitungsanlagen zweier Atommächte Tür an Tür existieren und neben der Wiederaufbereitung der Uranbrennstäbe auch noch nebenbei Spaltmaterial produzieren würde?

6) Wenn bei den derzeitigen Kernkraftwerken etwas richtig schief geht, dann sind die Konsequenzen nicht regional, sondern überregional, und teilweise in kleineren Auswirkungen auch global. Dies wird m.E. wissentlich in Kauf genommen, um die Isotopenproduktion zu erhalten.


Fazit, oder auch meine Sicht der Dinge:
Die derzeitigen Kraftwerke, die sowohl im Westen als auch im Osten Verwendung finden, die vielen, vielen Kraftwerke, welche Russland und die USA unterhalten, sowie jene Leichtwasserreaktoren, die in China und Indien geplant und wohl auch gebaut werden, obwohl es kein Entsorgungskonzept mit Bestand gibt, den Atommüll betreffend, werden m.E. nur gebaut, um weitere waffenfähige Spaltmaterialien zu erhalten. Dabei wird aber weiterhin hochgradig heiß im Gammastrahlensektor strahlender Atommüll produziert, der zweihunderttausend Jahre Halbwertszeit hat. Die Spaltprodukte, in die dieser Atommüll zerfallen wird, und die teilweise radioaktiv sind und selber strahlen, nicht berücksichtigt.
Ich sehe jetzt die ganze Energiewirtschaft, sowohl in Europa, speziell in Deutschland, als auch global als kaum verheimlichte Zulieferindustrie für militärische Fragen. Alle Risiken wie die nicht existente Entsorgung werden hingenommen, um die Produktion von Plutonium 239 aufrecht zu erhalten. Deshalb ist die Politik in der Welt auch nicht bereit, sich zu bewegen, wenn Deutschland es tut. Es gibt wichtige wirtschaftliche Gründe - nämlich die Rüstungsindustrie. Ich schätze mal, Angie hat da ein paar hundert geheimer Wirtschaftabkommen gebrochen.
Die neue Technologie der Generation IV wird unter diesen Gesichtspunkten SELBSTVERSTÄNDLICH torpediert, verlangsamt, ignoriert. Kraftwerke, die Atommüll verwenden, die Wiederaufbereitungsanlagen überflüssig machen, müssen wie ein Todesstoß für den Bau von Kernwaffen sein.
Ich habe mich ohnehin immer gefragt, warum Kernkraftwerke der Generation III einen so hohen Verschleiß an Brennstäben haben; warum man technologisch in Kauf nimmt, ein Kraftwerk abschalten zu müssen, um "verbrauchte" oder vielmehr angereicherte Brennstäbe zu ersetzen. Jetzt weiß ich es - es lohnt sich.
Natürlich kann man das als Verschwörungstheorie abtun; man kann sagen, die Großmächte haben ihre eigenen Brüter um Plutonium 239 herzustellen. Aber ich denke, die Mengen des Isotops, die in den regelmäßig aufgearbeiteten Brennstäben anfällt, wird bei über vierhundert Kernkraftwerksblöcken dieses Typs auch nicht zu verachten sein. Und er fällt relativ unauffällig an - nämlich als Abfall, der bei diesem Prozess zwangsläufig produziert wird. Deshalb hat Deutschland, obwohl es eines brauchen könnte, auch keine Wiederaufbereitungsanlage, denn das dort gewonnene Plutonium 239 fiele unter den Atomwaffensperrvertrag.

Aus diesen genannten Gründen sehe ich große Hindernisse für Generation IV-Reaktoren, die nicht nur sehr sinnvoll wären, weil sie den Atommüll - genauer gesagt, jene Isotope, die in Reaktoren produziert werden - als Brennstoff verwenden können, sondern auch weil ihr Restmüll im einstelligen Prozentbereich liegt und einen überschaubaren Zeitraum aktiv strahlt.
Die großen Staaten der Erde, die Atomwaffen unterhalten und weiterhin bauen, sind m.E. auf die spaltbaren Isotope angewiesen, die in Generation III-Reaktoren anfallen.
Es sind jetzt erst wirtschaftliche Interessen, die nicht nur eine Leistungsfähigkeit und Machbarkeit der Generation IV ermöglichen, sondern auch zu ihrem Bau folgen werden.
Leider produzieren sie kein waffenfähiges Plutonium, sondern verwerten es. Pech.
Also: Generation IV-Kraftwerke, ja, bitte. Für eine Welt mit weniger Atomwaffen.

Dienstag, 14. Februar 2012

Atomkraft doch nicht nein, danke?


Heute präsentiere ich Euch, meinen eifrigen Lesern, etwas, was nicht so oft vorkommt, obwohl ich dafür immer offen bin: Einen Gastbeitrag.
Lukasz Kroll, der sich vor einem knappen Monat an der Diskussion über Atomkraft beteiligt hat, hat mir versprochen, bis Mitte Februar einen Artikel über das Thema zu schreiben. Ich finde, er ist sehr ausführlich geworden, obwohl man sicher noch mehr dazu schreiben könnte. Er ist auch sehr gut gelungen, und zeigt was ich selbst gesagt habe: Kraftwerke, die Atommüll verbrennen, sind angesichts von Lagerzeiten von zweihunderttausend Jahren sehr, sehr wünschenswert. Aber das ist nur ein Aspekt des Berichts von Lukasz.
Danke an dieser Stelle, dass Du Dir die viele Arbeit gemacht hast. Ich hoffe, meine Leser werden viele Reaktionen liefern.
Lukasz, the Stage is yours.



Totgeglaubte leben länger... Über Atomkraft

Die Atomkraft ist ein wirklich spannendes und interessantes Thema. Nach der Katastrophe in Fukushima habe ich angefangen mich mit Recherchen im Internet zu diesem Thema (und der Energiewende im allgemeinem) zumindest einmal in der Woche zu beschäftigen. Während die Pressemeldungen in Deutschland ziemlich einseitig waren, und die Kernkraft und allgemein alles was den dass Wort Kern oder Atom beinhaltet für tot oder sterbend erklärt wurde, gibt es im Ausland erstaunlich viele pro und contra Pressemeldungen. Während viele Deutsche meinen die Atomkraft liege bereits im Sterbebett, gibt es in diesem Bereich ein ständiges hoch und runter. Während also in Tschechien der ursprüngliche Plan 80% der Energie aus Kernkraft zu beziehen als unrealistisch bezeichnet wird, und Tschechien sich auf den Ausbau des Kernkraftwerks Temelin begrenzt, setzen die Polen einen zusätzlichen Standort auf die Liste der möglichen Kernkraftwerke. Während in Indien Proteste die Inbetriebnahme eines neuen Kernkraftwerks behindern, wird in England fleißig an dem Plan neue Meiler zu bauen weiter gearbeitet, während die Chinesen die Anzahl der genehmigten Neubauten auf „nur“ 6 Kernkraftwerke pro Jahr begrenzen, genehmigt USA die ersten Reaktorbauten seit 3 Jahrzehnten, während die Deutschen am 8 Februar feiern, weil dass sonnige und windige Deutschland wieder einmal Strom ins Atomfrankreich exportiert, wird in der Enklave Kaliningrad, nicht so weit von der deutschen Grenze entfernt, der erste Beton für ein neues Atomkraftwerk, (dass mit der klaren Absicht Strom für Export zu produzieren gebaut wird), gegossen, während Frankreichs Favorit für die nächsten Präsidentschaftswahlen verspricht Frankreichs Atomstromanteil von 77% auf 50% zu senken, und die Lücke mit erneuerbaren zu schließen, gibt es am 9 Februar in Deutschland Wolken und Windstille, und Deutschland muss nicht nur wieder Strom aus dem Ausland importieren, sondern auch sein allerletztes Reservekraftwerk anschmeissen.
Dass sind nur die Meldungen von den letzten paar Wochen, ein ständiges rauf und runter.

Was ist also los mit der Atomkraft? Kommt die Renaissance oder ist Atomkraft doch ein Totes Pferd (die tote Pferd Theorie muss man unbedingt kennen :D http://www.in-mediation.eu/das-tote-pferd) .
Die Antwort wie in so vielen Bereichen unseres Lebens heißt: „Jein“.
Um zu verstehen wieso es mit der Atomkraft so wie sie jetzt aussieht nicht mehr lange weitergehen kann, muss man sich ein paar Eigenschaften der heutzutage angewendeten Technologie ansehen.
Also fangen wir mal mit den Grundlagen an.
Wenn ein Atom mit Neutronen beschossen wird können in der Regel drei Sachen passieren:
Nichts, dass heißt dass Neutron wird nicht vom Atomkern angezogen und fliegt vorbei. Eventuell wird dass Neutron verlangsamt (sehr wichtig bei Moderatoren).
Das Atom wird transportiert, also zieht dass Atom dass Neutron an, und „verschlingt es“, wodurch ein Isotop mit einem anderem Gewicht und anderen Halbwertszeit entsteht. Also entsteht ein Atom dass mehr, oder auch weniger radioaktiv ist als sein Vorgänger.
Bei einigen Atomen kommt es zur Atomspaltung. Dass Atom zerfällt in zwei Hälften. Die beiden Hälften, also Spaltprodukte, sind in der Regel sehr stark radioaktiv, haben aber vergleichsweise kurze Halbwertszeiten. Bei der Spaltung werden auch Neutronen frei, und all dass fliegt mit großen Geschwindigkeiten auseinander, woraus auch der große Energiegewinn resultiert.
Für alle Arten von schweren Atomen können diese drei Fälle auftreten, abhängig davon wie schnell dass Neutron sich gerade bewegt. Bei sehr schnellen Neutronen ist die Wahrscheinlichkeit höher dass das Neutron vorbeischießt, gleichzeitig ist aber die Wahrscheinlichkeit höher dass das Atom wenn es mal getroffen wird, gespalten wird, anstatt dass Neutron einfach „aufzufressen“. Dass sieht man besonders gut im Falle von Plutonium 239. Wenn die Neutronen langsamer sind ist die Wahrscheinlichkeit dass sie vorbeischießen kleiner, aber die Neutronen werden öfter absorbiert ohne eine Spaltung zu verursachen.
Atome bei denen es auffällig oft zur Spaltung kommt sind die sogenannten Transurane, wobei bei Uran 233 und Uran 235, Plutonium 239 und Neptunium 237 genügend Neutronen gebildet werden um die Kettenreaktion zu erhalten. Uran 235 („angereichertes Uran“) kommt in der Natur vor, Uran 233 kann aus Thorium 232 erbrüten (Transmutiert) werden, Plutonium 239 aus Uran 238 (abgereichertes Uran), Neptunium 237... da gibt’s keine sinnvolle Methode dieses Isotop zu brüten.
Mit langsamen (thermischen) Neutronen kann man gut mit Th/U233 und U235 arbeiten, mit schnellen Neutronen kann man mit allen spaltbaren Materialien arbeiten.
Es gibt also grundsätzlich zwei Arten von Reaktoren: Die, die mit schnellen Neutronen arbeiten, und die, die mit thermischen Neutronen arbeiten. Die, die mit schnellen Neutronen arbeiten, haben den Vorteil das sie mit allen Brennstoffen arbeiten können; die, die mit thermischen Neutronen arbeiten, sind dafür kleiner (da die Neutronen nicht so oft vorbei fliegen), brauchen aber Uran 233 oder Uran 235 um genügend Neutronen zu produzieren.
Heutzutage baut man vor allem Leichtwasser- oder Schwerwasserreaktoren, in denen dass Wasser gleichzeitig als Kühlmittel und Moderator (also Material das die Neutronen abbremst) verwendet wird. Dass Hauptproblem dabei ist, Wasser kocht ja bekanntlich normalerweise bei 100°C... Das reicht bei weitem nicht aus um effizient Strom zu produzieren (deshalb hat auch Geothermie miserable Effizienzen). Um jedoch Wassertemperaturen von 300-400°C zu erreichen setzt man Wasser unter enormen Druck von bis zu 150bar. Wenn man aber Druck verliert, weil zum Beispiel ein Rohr bricht, bleibt 400°C heißes Wasser nicht lange flüssig, sondern verwandelt sich in Wasserdampf. Radioaktiven Wasserdampf.
Wasserdampf ist zum Glück kein guter Moderator, verursacht also die sofortige Unterbrechung der Kettenreaktion, gleichzeitig aber Wird aus Wasserdampf unter Einwirkung von radioaktiver Strahlung, und durch chemische Reaktionen mit Zirkonium aus dem Brennelement, Wasserstoff und Sauerstoff, also das gute alte Knallgas.... Auch wenn das Reaktorgebäude den erhöhten Druck von Wasserdampf möglicherweise überstehen kann, kann es nicht eine Wasserstoff-Explosion überstehen... Fukushima hat dies eindeutig bewiesen.
Wenn man dann keine Möglichkeit hat den Reaktorkern zu kühlen, erhitzt die Nachzerfallswärme die Brennstäbe zu einer Temperatur, in der das Zirconium schmilzt, und das hochradioaktive innere des Reaktorstabs kontaminiert die Umwelt.
Natürlich kann man Gegenmaßnahmen treffen, z.B. das sich bildende Knallgas reagieren zu lassen, bevor es in einer bedrohlichen Menge entsteht, und passive Kühlsysteme anwenden (Wasserspeicher auf dem Dach, das dank Gravitation herabfließende Wasser kühlt auch ohne Strom den Reaktor). Beides wird in modernen Kraftwerken auch gemacht. Das Thema Sicherheit bedeutet aber Kosten, nirgendwo sonnst investiert man so viel in Sicherheitssysteme wie in der Kernindustrie. Nach Fukushima werden diese Kosten wahrscheinlich noch mal rasant steigen. Ein teures Problem, aber entgegen der Erwartungen der Kernkraftgegner ist dies nicht ein unlösbares, oder absurd teures Problem.
Das eigentliche Problem, das die wassergekühlten Reaktoren nicht lösen können ist das Problem mit dem Uran 235. Es gibt einfach nicht genug davon.
Uran 235 hat nur einen Anteil von 0,7% an der Gesamtmenge von Uran, der Rest ist Uran 338. Also kommt Uran 235 einzeln betrachtet in der Erdkruste etwa so oft vor wie Gold oder Platin... Abbauwürdige Vorkommen könnten schon in wenigen Jahrzehnten ausgeschöpft sein. Es besteht die Möglichkeit Uran aus dem Meerwasser zu gewinnen, der Aufwand ist aber immens und wäre auf eine große Skala nicht durchführbar, insbesondere wenn die Konzentration von Uran in Meerwasser in Folge von deren Gewinnung fällt, und so auch die Effektivität des ganzen Prozesses fällt.
Auch die Tatsache das Brennelemente aus Uraniumoxid gemacht werden ist ein Nachteil. Uraniumoxid ist zwar chemisch stabil, hat aber Materialeigenschaften, die Keramik ähneln. Es ist also ein Feststoff, der nicht besonders gut Wärme leitet. Die Tatsache, dass Brennelemente Feststoffe sind, hat zum Beispiel zur Folge dass Spaltprodukte dort bleiben, wo sie entstehen. Ein großes Problem. Spaltprodukte haben oft die Eigenschaft Neutronen zu absorbieren. Das Brennelement wird also mehr und mehr mit Spaltprodukten verseucht, bis es weniger Neutronen produziert als es verbraucht. Dann muss es bereits entsorgt oder verarbeitet werden. Dabei hat man aus dem Brennelement gerade mal 0,5 bis 2% (bei besonders effizienten Reaktoren) der theoretisch möglichen Energie raus bekommen. Und letztendlich das, und nicht die Sicherheitsfragen, wird der Kernenergie wie wir sie kennen das Genick brechen.

Der einzige sinnvolle Weg den die Atomkraft nehmen kann ist die Brütertechnologie. Die Idee gab es schon seit langem, der erste schnelle Brüter der Welt wurde schon 1946 gebaut. Der zweite schnelle Brüter der 5 Jahre später gebaut wurde lieferte die erste nuklear erzeugte elektrische Energie. Dennoch war die Forschung im Bereich des schnellen Brüter mit gemischten Erfolg gekrönt. Die meisten Länder die in diese Technologie investiert haben, haben mittlerweile ihre Testreaktoren abgeschaltet, und wenig Interesse neue zu bauen. Letztendlich scheint es als ob nur noch ein paar Länder ernst über Brütertechnologie nachdenken.
Mit flüssigem Metall gekühlte schnelle Reaktoren sind dem wassergekühlten Reaktoren sehr ähnlich, nur dass sie mehr Spaltmaterial beinhalten müssen, ohne Druck betrieben werden können, und Metall statt Wasser als Kühlmittel benutzen. Als Brennstoff kann effizient neben 'Uraniumoxid auch Plutoniumoxid benutzt werden. Dass Problem der „Neutronen fressender Spaltprodukte“ ist geringer (aber nicht gleich Null) weil schnelle Neutronen öfter Spaltungen verursachen, bei denen große Mengen an Neutronen frei werden. Dieser Überfluss an Neutronen kann dazu benutzt werden langlebigen Atommüll zu transmutieren, oder auch Plutonium für die Inbetriebnahme weiterer Reaktoren herzustellen. Der Überfluss hat auch zur Folge dass das Brennelement wesentlich länger im Kern bleiben kann bevor er zu sehr verseucht wird um weiterhin benutzt zu werden. Und natürlich wird jedes mal wenn ein Atom gespalten wird mindestens ein neues spaltbares Atom erzeugt. Wenn man dann noch die verbrauchten Stäbe wiederaufarbeitet, kommt man in die Nähe von 100% theoretisch herstellbarer Energie. Dass heißt mit dem Atommüll das ein heutiges KKW in 3 Jahren produziert könnte ein Brüter gleicher Leistung (mit Brennelement Recycling) mehr als 500 Jahre Energie produzieren. Und gleichzeitig die Dauer die der Müll gelagert wird auf 500 Jahre reduzieren.
Letztendlich haben sich Schnelle Brüter von zwei Typen etabliert: Mit flüssigem Natrium oder mit flüssigem Blei-Bismutgemisch gekühlte Reaktoren. Flüssiges Natrium wurde dabei viel genauer erforscht, und in Großanlagen ausprobiert. Es hat den Vorteil dass es die Neutronen nicht abbremst, Wärme gut leitet, und falls elektrische Energie ausfällt durch Wärme bedingte Zirkulation den Reaktor zumindest teilweise kühlt. Auch die Tatsache dass das Kühlmittel nicht unter Druck arbeiten muss ist ein Vorteil. Die Nachteile von Natrium haben vor allem mit seiner hohen chemischen Reaktivität zu tun. Elementares Natrium brennt prima, und reagiert mit Wasser, wobei Wasserstoff entsteht. Auch manche Metalle lösen sich in Natrium, wodurch die Reaktorwände mit der Zeit an Dicke verlieren. Trotz all diesen Problemen ist der Natriumgekühlte schnelle Reaktor die beliebteste und am meisten favorisierte Alternative zu den heutigen Reaktoren. Russland baut zur Zeit sein 800 mW Modell BN-800, und hat schon erste Exporterfolge: China will 2 identische Reaktoren, Baubeginn voraussichtlich 2013.
Neben China/Russland ist auch in Indien die Idee Schnelle Brüter zu bauen beliebt. Der 500 mW PFBR soll schon 2013 ans Netz gehen, 6-7 weitere sollen Folgen, danach sollen noch Größere 1 -1,2 GW Einheiten entstehen. Das Besondere in Indien ist, dass neben abgereichertem Uran auch das im Indien häufig vorkommende Thorium zum Brüten benutzt werden soll. Der so gewonnene Uran 233 soll als Ersatz für Uran 235 in indischen Reaktoren eingesetzt werden. (Indien besitzt nur sehr kleine Uranminen, und es gilt immer noch ein Uranhandel-Embargo, das erst 2009 etwas gelockert wurde.)
Bleigekühlte Schnelle Reaktoren wurden zwar nicht in großen Anlagen ausprobiert, haben aber über 8 Jahrzehnte russische U-Bote angetrieben. Hier will man die Erfahrungen mit kleinen Einheiten dazu benutzen große Mengen kleiner Reaktoren quasi am Band herzustellen. Bleigekühlte Reaktoren vertragen es jedoch schlecht wenn sie abgeschaltet werden. Erstarrendes Blei beschädigt manchmal den Reaktor, was einem Totalschaden bedeuten kann. Solange man das Blei aber warm genug hält (im heißen Kernreaktor sollte dass nicht schwer sein) hat man wenig Komplikationen zu erwarten.
Ein Beispiel für solche Reaktoren ist der russische SVBR-100, mit einer Leistung von 100 mW. Baubeginn 2014, voraussichtlich am Netz 2017, ab da sollen diese Reaktoren am laufendem Band produziert werden. Bis 2040 erwartet man zwischen 500 und 1000 fertige Reaktoren dieses Typs (also zwischen 50 und 100GW Gesamtleistung).
Kernkraftgegner bezeichnen gern Brütertechnologie als etwas das „20 Jahre vor dem Durchbruch steht, und in 20 Jahren immer noch 20 Jahre vor dem Durchbruch stehen wird“. Die verschieden Brütermodelle die zur Zeit gebaut oder bereits fest geplant werden widersprechen dieser Theorie.

Die schnellen Brüter sind dennoch nicht eine Technologie die mich besonders begeistern würde. Ich muss zugeben dass sie vor Kernschmelzen besser geschützt werden als die heutigen Reaktoren, sie produzieren Müll der nicht länger als 500 Jahre gelagert werden muss und können verbrauchte Brennelemente aus herkömmlichen Reaktoren als Treibstoff verwenden. Und sie erbrüten wesentlich mehr Treibstoff als sie verbrauchen, wodurch man ihre Zahl schnell vergrößern kann. Dennoch haben sie einige Probleme: (neben des reaktiven Natriums bei Natriumgekühlten Reaktoren) Für mich ist die Frage der Proliferationssicherheit (also dass das Spaltmaterial nicht für Bombenbau missbraucht wird) von großer Bedeutung. Das Plutonium dass in Schnellen Brütern produziert wird könnte mit vergleichsweise wenig Aufwand zum Bombenbau verwendet werden. Dass ist auch eines der Hauptargumente mit dem man diese Reaktortypen in fast der ganzen westlichen Welt beerdigt hat. Auch wenn man den Reaktor so baut dass aus diesem kein bombenfähiges Material entnommen werden kann, findet sich das Problem wieder bei der Lagerung verbrauchter Brennstäbe und deren Recyclen. Wenn man auf das Recyclen verzichtet, erreicht man die 100% theoretischer Energie nicht, und der Müll (da er noch ungespaltene Transurane enthält) muss 500.000 Jahre gelagert werden. In Ländern wo man die Idee verbrauchte Brennstäbe zu verarbeitet verworfen (oder sogar gesetzlich verboten) hat, hat auch die Weiterführung des Brüterprogramms wenig Sinn gemacht.

Für mich ist die Alternative zum schnellen Brüter, also der Thermische Brüter sehr viel attraktiver.
Ein Thermischer Brüter benutzt langsame Neutronen, wodurch Plutonium als Brennstoff nur noch eine Randbedeutung hat. Mann benutzt also Thorium/U233 oder U235. Da Thorium 4-mal so oft in der Erdkruste vorkommt als natürlicher Uran (also 600-mal so oft wie U235), und in relativ konzentrierten, einfach abbaubaren Erzen vorkommt, ist dies ein Vorteil. Der Nachteil von Thorium/U233 ist dass Uran 233 vergleichsweise wenig Neutronen pro Spaltung produziert. Da größere Verluste von Neutronen nicht akzeptabel waren, kamen auf Feststoffen basierende Brennelemente nicht in Frage. Auch Wasser als Lösemittel war ausgeschlossen, wegen der begrenzten Löslichkeit von Uran, und weil Wassermoleküle durch Radiation in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wurden.
Letztendlich hatte man die revolutionäre Idee geschmolzene Salze anzuwenden. Geschmolzenes Salz besteht aus ionisierten Partikeln, ist also gegen Einwirkung von ionisierender Strahlung immun, Salz schmilzt in relativ hohen Temperaturen (bei normalem Druck), was perfekt nicht nur für Stromerzeugung, aber auch für einige technische Anwendungen ist (in hohen Temperaturen ist zum Beispiel effiziente Wasserstoffproduktion, effiziente Ammoniakproduktion oder Zementproduktion möglich, alle drei Prozesse sind heute schon, oder werden in Zukunft bedeutende und unvermeidliche Energiefresser sein). Dass besonders Praktische an flüssigen Salzen ist jedoch dass Spaltprodukte viel einfacher zu entfernen sind. Manche, wie zum Beispiel radioaktives Gas Xenon blubbern aus der Schmelze einfach im laufendem Betrieb raus, und können abgesaugt werden. Andere kann man mit vereinfachten Verfahren größtenteils aus der Schmelze entfernen. Wenn man diese Verfahren automatisiert, und in den Kreislauf des Salzes einbaut, kann man so die Salz reinigen, ohne den Reaktor dazu abschalten zu müssen. Dass bedeutet auch dass im Salz zu jeder Zeit nur geringe Mengen an Zerfallsprodukten vorhanden sind, also auch nur eine geringe Menge an Zerfallswärme entsteht.
Da der Brennstoff gleichzeitig auch dass Kühlmittel ist, kann der Reaktorkern ohne Kühlmittel auch keine Wärme produzieren. Um den Reaktorkern zu entleeren hat man eine sehr einfache und 100% effektive Methode entwickelt, den „Freeze Plug“, also einen „gefrorenen Korken“. Der Reaktorkern hat unten ein Loch, dass verschlossen wird indem man es kühlt. Die Salz erfriert um dass Loch herum, und verhindert so dass der Rest der Salzschmelze runter fließt. Fallt der Reaktor überhitzt, oder falls die ganze Anlage Strom verliert, schmilzt der Korken und die Salzschmelze fließt aus dem Reaktor hinaus in spezielle Behälter, die darauf optimiert wurden effizient Wärme abzugeben. Schließlich erstarrt also die Schmelze ohne dass sie aktiv gekühlt werden muss. Wenn dass Problem behoben wurde, wird die Schmelze wieder erhitzt und zurück in den Reaktor gepumpt. Dieses Verfahren hat man im MSR-Reaktor, (der bis Heute die einzige je gebaute Demonstration dieses Reaktor-Konzeptes ist), 5 Jahre lang fast jedes Wochenende demonstriert. Man wollte einfach frei am Wochenende haben... Was die selbe Situation für Leichtwasserreaktoren bedeutet haben wir in Fukushima gesehen.
Auch das Steuern der Reaktorleistung ist einfacher als bei anderen Konzepten. Kernspaltung findet nur im Reaktorkern statt (einziger Ort wo die Neutronen moderiert, also abgebremst werden), und dessen Volumen ist begrenzt. Wenn also die Salzschmelze sich in Folge der Kernspaltungen erhitzt, vergrößert sie auch ihr Volumen. Als Folge fällt die Dichte der Spaltbaren Partikel, und damit auch die Anzahl der Kernspaltungen im Reaktor. Eine klassische Rückkoppelung. Dadurch stabilisiert sich die Temperatur des Reaktors auf einem bestimmten Niveau. Interessanterweise gilt das selbe für die Leistung des Reaktors. Wenn man gerade nicht viel Wärme aus dem Salz durch Wärmetauscher entzieht (zur Stromproduktion, technischen Anwendungen), dann ist auch das Salz, das in den Reaktor einströmt immer noch heiß, und verringert so die Anzahl der Kernspaltungen (die thermische Leistung ist gering); wenn wir mal viel Wärme aus der Salz entziehen ist das Salz das in den Reaktor reinkommt kalt und dicht, und erhöht automatisch die Anzahl der Spaltungen, und so auch die thermische Leistung des Reaktors. Für ein mit Produktionsschwankungen geplagtes Netz könnte solch eine Eigenschaft sehr nützlich sein.
Wenn man die richtige Salzart anwendet hat man auch Vorteile im Falle eines schweren Zwischenfalls. Die meisten Spaltprodukte bilden nämlich stabile Salze, die gern in der Schmelze bleiben anstatt in die Umgebung zu gelangen. So ist es auch bei Fluoridsalzen, die kaum wasserlöslich sind (die dazugehörigen Reaktoren nennt man Flüssigfluoridreaktoren). Ein Teil des Iods und Caesiums würde aber wahrscheinlich trotzdem aus der Schmelze entkommen, also ist auch bei diesem Reaktor ein Containment-Gebäude nötig. Dieses kann aber viel kleiner (billiger) sein, da es nicht absurde Mengen Wasserdampf aushalten muss (und den dadurch entstehenden Druck). Es könnte sogar so klein sein dass das Ganze unter die Erde eingegraben werden könnte. So könnten solche Reaktoren in ein Endlager hinein passen, was die nervigen Castor Transporte aus dem Weg schaffen würde.
Wenn denn dieses Reaktorkonzept so viel versprechend war, und auch tatsächlich gebaut wurde, und nicht nur in den Gedanken verrückter Wissenschaftler existierte, wieso haben wir solche Reaktoren nicht bereits?
Nun ja, leider ist es so, dass in der Kerntechnik Politiker, Militär und Großkonzerne den Ton angeben. Und denen haben einige Eigenschaften dieses Reaktors so gar nicht gefallen.
Alles fing mit dem Militär an. Bereits im Manhattan-Projekt musste man feststellen, das Uran 233 nur sehr schlecht für Atombomben geeignet ist. Die Ursache dafür ist das Uran 233 aus Thorium nicht gebrütet werden kann, ohne dabei Uran 232 herzustellen. Im Reaktor ist das kein Problem, einfach noch ein radioaktives Element, beim Bombenbau ist dass aber ein gigantisches Hindernis. Uran 232 und seine Zerfallsreihe produzieren starke Gammastrahlen. Diese töten den Bombenbauer, beschädigen Steuerelektronik und Sprengstoff, und man kann sie leicht finden (Folge der Strahlungsquelle...). Das Trennen dieser Isotope ist schwieriger als das Anreichern von Natururan, und verseucht nebenbei die teure Isotopentrennungsanlage. Das US-Militär hat's trotzdem versucht, und tatsächlich hochreines Uran 233 hergestellt. Da es nicht genug für eine Bombe war, musste man es mit Waffenfähigem Plutonium strecken, Die Explosion war nicht so groß wie erhofft, aber die Plutonium-Uran 233 Bombe ist explodiert. Trotzdem war der Aufwand so groß, dass US-Militärs es nie wieder probiert haben.
Die niedrige Neutronen-Bilanz verursacht auch, dass man nicht wirklich schnell große Mengen spaltbare Materialien herstellen kann (ein thermische Brüter produziert kaum mehr spaltbares Material als es verbraucht). Um eine große Flotte solcher Reaktoren schnell zu starten müssten also vor allem spaltbare Materialien, die bereits vorhanden sind, verwendet werden: Uran 235 und Plutonium 239. Für den Militär war der Gedanke Materialien, die man einfach in Atombomben einsetzen kann, eins zu eins in Materialien umzuwandeln, die man praktisch zum Bombenbau nicht verwenden kann, nicht wirklich beliebt. Deshalb hat man die Schnellen Brüter favorisiert.
Großkonzerne sind neben dem Bau neuer Kraftwerke vor allem an einem interessiert: an der Brennstoffelement-Herstellung. Diese ist teuer, erfordert technisches „know how“, und Großinvestitionen. Das schreckt Konkurrenz ab, und macht es einfach große Profite zu machen. Wenn man aber im thermischen Brüter Thorium anwendet, muss man dieses bevor es in den Reaktor kommt reinigen und fluorieren... und das war's schon. Konzerne werden nicht in eine Technologie investieren, die niedrigere Profite bedeutet, auch wenn diese viel besser ist.
Politiker haben denkbar wenig Interesse an Kernkraft. Einige gehen sogar mit Kernkraftgegnerischen Parolen auf Wählerjagd. Für solche Parteien ist jedes gelöste Problem der Kernkraft ein Argument weniger mit dem sie auf Wählerjagd gehen könnten. Man probiert sogar neue Probleme zu erzeugen, um neue Argumente zu haben. Ein prima Beispiel dafür ist der Einfluss von Protesten auf die Kosten. Wenn ein großes Kernkraftwerk wegen Protesten geschlossen wird, bedeutet dass manchmal eine Million Verluste täglich, und zwar Tag für Tag... Später werden aber die gestiegenen Kosten als Argument benutzt weiter zu protestieren. Auch Regierungen, die Kernkraft unterstützten, wollten nicht zwei Forschungsprojekte, die ein ähnliches Ziel hatten, aber sich nicht ergänzen konnten. Da die Schnellen Brüter zuerst erforscht wurden, entschied man sich für diese Option.
Auch die fortgeschrittene Regulierung der Kernkraft macht Probleme. Heute bedeutet der Bau eines Leichtwasserreaktors, dass man zuerst um Erlaubnis bitten muss. Der Antrag, den ein Team von ziemlich teuren Spezialisten verfassen muss, hat für gewöhnlich mehr als 10000 Seiten, an jeder Seite wird mehrere Stunden gearbeitet. Dieser Antrag wird dann von einem ähnlichen Team von Spezialisten überprüft, was manchmal fast ein Jahrzehnt dauern kann. (zum Beispiel wurde der Antrag für die Lizenzierung des Westinghouse AP-1000 bereits 2002 gestellt, die Lizenz wurde aber erst November 2011 erteilt)
Dass ist der Fall für Modelle die dem Regulierenden bekannt sind. Es gibt klare Richtlinien, Vorschriften, und Erfahrungen. Wenn man aber ein exotisches Modell lizenzieren will, dass kaum je gebaut wurde, dass keine Steuerstäbe braucht, und bei dem der Notfallplan ist: „Kühlung abschalten“... Mann kann sich auf sehr viele, sehr zeitaufwendige Probleme gefasst machen. Ohne politischen Willen die Lizensierungsverfahren zu verkürzen ist es kaum durchführbar.
Glücklicherweise sind nicht in allen Ländern die Politiker und Behörden so unkooperativ. In Tschechien soll also dieses Jahr der Bau des ersten Flüssigsalzreaktor seit 1969 anfangen. Dieser 60 MW Reaktor soll voraussichtlich 2016 ans Netz. Auch China will mit dabei sein im Rennen um die besseren Reaktoren. So wurde Januar 2011 bekanntgegeben, das China ein auf Flüssigsalzreaktoren basierendes, mit etwa 1 Mrd. Dollar finanziertes Forschungsprojekt startet, das innerhalb von 20 Jahren Flüssigsalzreaktoren für die Massenproduktion bereit machen soll. Auch in Japan, Frankreich und USA gibt es Forschungsprojekte mit Flüssigsalzreaktoren, leider sind diese nicht besonders gut finanziert.

Der Gastbeitrag wurde ziemlich lang, aber das Thema ist auch umfangreich... Nach jahrzehntelangem Stillstand gibt es wieder Bewegung in der Kernkraft. Alte Konzepte und Geschäftsmodelle werden mit neuen Ideen konfrontiert, darunter auch komplett neue Konzepte wie die von einen Teilchenbeschleuniger, der einen Reaktor antreibt (werde den nicht näher erklären, der Text ist schon lang genug...). Die Renaissance kommt, sie wird aber wahrscheinlich nicht so aussehen, wie sich das die Großkonzerne der Atomlobby wünschen würden. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, für uns.

Noch ein paar links am Schluss:



Heutige Erneuerbare und Kernreaktoren im Vergleich, Materialverbrauch. Man bedenke das wir in Deutschland Photovoltaik-Anlagen installieren die nicht 40%, sondern zwischen 10% und 20% der Sonnenenergie einfangen. http://bravenewclimate.com/2009/10/18/tcase4/
Wer gern mit Zahlen rumspielt, oder zumindest gerne liest wie andere es tun ein interessanter Blog über verschiedene Energieoptionen, wo man z.B. nachsehen kann, wie groß eine Batterie sein müsste, die Energie in den USA für eine Woche speichert. http://physics.ucsd.edu/do-the-math/
Kernkraft in China und Indien : http://www.world-nuclear.org/info/inf53.html http://www.world-nuclear.org/info/inf63.html die Chinesen wollen tatsächlich 400 Reaktoren bis 2050 haben...
Mal was auf Deutsch, deutsche Spezialisten über Atommülllagerung und alles drum und dran http://www.kerngedanken.de/
Und zum Schluss mein Liebling, der Flüssigsalzreaktor.
Zwei kurze Präsentationen zweier verschiedener Reaktoren dieses Typs... http://www.kerngedanken.de/2011/11/radioaktive-sandwiches-und-geschmolzenes-salz/
Ein längerer Film. Der Titel ist etwas irreführend, 5 Minuten dauert die Zusammenfassung am Anfang, der Rest dauert fast zwei Stunden... und jede Minute lohnt sich. http://www.youtube.com/watch?v=P9M__yYbsZ4
Die chinesischen und tschechischen Forschungsprojekte: http://energyfromthorium.com/2011/01/30/china-initiates-tmsr/

Gastbeitrag von Kroll Lukasz
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