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Dienstag, 14. September 2010

BILD verteidigt die Redefreiheit? Guter Witz.

Seit einiger Zeit läuft die Debatte über Sarrazin und seine Aussagen, Migranten in Deutschland betreffend. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich in meinem Blog eine Aussage zerpflückt, die über Sarrazins Buch in den Medien kursierte. Das habe ich vor allem deshalb gemacht, weil ich bereits zweimal über Thilo Sarrazin gebloggt habe. Einmal war ich auf den Zug aufgesprungen und hatte ihn bashen geholfen (direkt nachdem BLÖD Auszüge aus einem Interview gebracht hatte, die nicht sehr schmeichelhaft für Migranten waren), später hatte ich das Interview gelesen, erkannt, wie die BLÖD die Worte aus dem Zusammenhang gerissen hatte, und mich entschuldigt. Auch diesmal, bei der aktuellen Buchdebatte, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass Thilo Sarrazin wieder aus dem Zusammenhang zitiert wird. Weil ich grundsätzlich allem misstraue, was die BLÖD schreibt, und das bisher zu Recht.

Nun habe ich sein Buch noch immer nicht gelesen, denn Herr Sarrazin verdient mit dreiundzwanzig Euro recht gut daran, und das will ich mir nicht leisten.
Aber es gibt einen anderen Aspekt, über den man bloggen kann, auch ohne das Buch zu kennen. Und das ist die Art und Weise, wie die BILD Argumente aus dem Buch aufnimmt und verbreitet, egal ob aus dem Zusammenhang gerissen oder nicht.
Argumente wie: Das muss man doch noch sagen dürfen!, oder: Das ist Zensur!, sind Irreführung pur. Denn was die BLÖD uns da als neue Erkenntnisse unterjubelt oder als mittlere Sensation verkauft, ist allesamt kalter Kaffee. Neu an der Geschichte ist nur, dass (angeblich/augenscheinlich) Thilo Sarrazin diese Argumente in seinem Buch erwähnt hat.
Für BLÖD kommt es dann auch gar nicht darauf an, die "Wahrheit" zu berichten, oder "es aussprechen zu müssen oder nur zu können", sondern schlicht und einfach darum, Auflage zu machen. Das ist ihr einziges Ziel, und deshalb polarisiert ein Kai Diekmann auch schon mal mit einem Blog, um den Blick auf BILD und BILD.de zurück zu lenken.
Es geht der Redaktion der BLÖD nicht darum, dem Volk aus der Seele zu sprechen, und darauf hinzuweisen, dass es in Deutschland "zu viele integrationsunwillige Migranten gibt", sie bedienen lediglich Vorurteile, und hoffen dabei auf höhere Klickzahlen und besseren Absatz der Auflage. Dabei dient der Redaktion Sarrazins Buch nicht als Quelle, sondern als Feigenblatt. Und das ist das eigentlich Verwerfliche. Unter dem Deckmantel, auch unangenehme Dinge einmal aussprechen zu dürfen, die Redefreiheit, die Pressefreiheit zu wahren, polarisiert die BILD, legt einseitiges Gewicht auf die eigenen Fakten, ohne Vergleiche, ohne journalistische Sorgfalt, einfach nur dem Effekt zuliebe.
Korrektheit? Keine Chance. Gute Recherche? Warum, wenn man den Deutschen augenscheinlich aus dem Munde spricht? Arroganterweise wimmelt es dann in den Headern auf BILD und BILD.de auch von Umfrageergebnissen unter ihren Lesern, die dann großmundig angekündigt werden mit: So denken die Deutschen.
Nein, liebe BLÖD, so denkt ein Teil Deiner Leser, nämlich jener Teil, der Deinen Telefon-TED mit jedem Anruf ein wenig reicher gemacht hat. Aber es wäre ja nicht im Sinne der BLÖD, SO ehrlich zu sein. Dann könnte man ja nicht die Diskussion weiter anheizen, Argumente die jeder in Deutschland äußern kann und teilweise bereits geäußert hat (Stichwort Stammtisch), als Revolution verkaufen (so wie die Kanzlerin den Atom-Ausverkauf als Revolution bezeichnet hat) und sich nebenbei als Hüter der Meinungsfreiheit aufplustern. UND zweiundachtzig Millionen Deutschen die aktuelle Telefonumfrage als ihre Meinung unterzuschieben.

Ein sehr kluger Mann hat neulich erst geschrieben, dass Thilo Sarrazins Buch viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Ich neige dazu, ihm in diesem Punkt Recht zu geben. Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen. Aber ich sehe, was die BLÖD darum für eine Kampagne macht. Und die Kampagne geht nicht auf Kosten der integrationsunwilligen Migranten in Deutschland, sondern auf Kosten aller Ausländer in Deutschland, egal ob eingebürgert oder nicht. Denn die BLÖD ist gar nicht daran interessiert zu informieren, zu trennen und zu differenzieren. Sie ist nur an Auflage interessiert, und wenn deswegen irgendwo irgendwas brennt, um so besser. Darüber kann man berichten und die Auflage steigern.
Und das wird so lange gut gehen, wie wir deutsche Konsumenten der BLÖD Aufmerksamkeit schenken. Ja, auch ich mit meinem heutigen Blog-Eintrag oder die Arbeit des Bildblog gehört zu dieser Aufmerksamkeit, das weiß ich selbst. Aber immerhin spricht Bildblog unangenehme Wahrheiten aus, und ich versuche es zumindest.
Die TAZ berichtet heute, nachzulesen im sechs vor neun auf Bildblog.de, von zwei Geschäftsleuten in Ottensen, die keine BILD-Zeitung mehr verkaufen. Auch DAS ist Meinungsfreiheit, meine liebe BILD, mein lieber Kai Diekmann. UND es ist ein Anfang.

Donnerstag, 9. September 2010

1111

Knapp nur habe ich sie verpasst, die eine Sekunde, in der mein Mammutwerk Für den Kaiser eintausendeinhundertundelf Mal aufgerufen wurde. Einer zu spät. ^^
Aber diese Schnapszahl ist in mehrerlei Hinsicht ein Grund zum jubeln. Nicht nur, dass die ellenlange Geschichte in Romanstärke so oft Interesse geweckt hat, ich verzeichne mit ihr auch zehn Reviews, was mich doch schon etwas stolz macht.
Ich hoffe, ich finde viele weitere eifrige Leser für Johann Arling und Freunde, Katalaun, die Nymphen und die gute alte RHEINLAND. Verdient hat sie es allemal.

Montag, 6. September 2010

Worüber bloggen? Alice Schwarzers Kachi-Phobie, oder Super-Angies Atomstromstreich?

Wie Ihr dem Titel entnehmen könnt, bin ich heute etwas unentschlossen, worüber sich zu bloggen lohnt. Das eine Thema, nämlich der Kachelmann-Prozess, wird u.a. von Frau Schwarzer gehyped, das andere und wesentlich wichtigere Thema, die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, die gerade von Angie und Team beschlossen wurde, geht nahezu unter. Das eine ist unerträglich, das andere superwichtig. Und über all das kann ich nur aus meiner Sicht fernab berichten... Allerdings hat mich das noch nie abgehalten, meinen Senf dazu zu geben.

Zuerst jedoch Alice Schwarzer: Das Sinnbild modernen Feminismus' und Emma-Chefredakteurin ist etwas in die Jahre gekommen, sprich weich geworden.
Zuerst lässt sie sich dabei ablichten, wie sie Werbung für die BILD macht - eine Kooperation, die nicht nur ich merkwürdig fand, da ich das Frauenbild der BILD bestenfalls für bedenklich halte - und nun schreibt sie eine wöchentliche Kolumne in der Zeitung über den Prozess. Heute morgen, als ich das erste Mal ihre Website besuchte, fand sie scharfe und klare, vorverurteilende Worte für Kachi. Jetzt hingegen, nach teilweise harscher Kritik, hat sie ihren Blog entschärft und widmet sich eher der Frage, warum sie in BILD schreiben sollte.

Zwölf Millionen Leser seien gute Gründe, weil man sie ernst nehmen müsse, schreibt Frau Schwarzer. Aber legitimiert sie damit nicht auch als führende deutsche Feministin die "Tittenmädchen von Seite eins", wenn ich es mal unverblümt ausdrücke?
So gerne sie auch in BILD schreiben will, so gerne sie diese zwölf Millionen Leser erreichen will, und so sehr sie diese Leser ernst nehmen will, mir stellt sich dabei eine Frage: Warum? Warum dieser Ausverkauf ihres guten Namens? Warum die Zusammenarbeit mit einer Zeitung, die ihr heute die Hand drückt, und morgen bei der erstbesten Gelegenheit über sie herziehen wird? Vielleicht gibt es in der heutigen Zeitungslandschaft kein gut und böse mehr, das offensichtlich sei, Frau Schwarzer. Aber es gibt durchaus die Unterschiede gewissenlos und gut recherchiert. In welche Kategorie ich die BILD einordne, ist nicht schwer zu erraten: Gewissenlos.
Und dafür gibt sich Frau Schwarzer nun her. Das ist, mit Verlaub, Ausverkauf.
Und was ihr Schlusswort betrifft, es ginge in dem Prozess um die Sichtweise Deutschlands für Gewalt in einer Beziehung, kann ich nur den Kopf schütteln.
Es geht darum festzustellen, ob es in der Beziehung von Kachi und der Frau, die ihn verklagt hat, überhaupt diese Gewalt gegeben hat. Nichts anderes.


Kommen wir zum zweiten Thema: Leise, still und heimlich im Schatten des Kachelmann-Prozess haben Super-Angie und ihre Ministerriege eine Laufzeitverlängerung beschlossen. Ältere Kraftwerke, die vor 1980 erbaut wurden, sollen acht Jahre länger laufen dürfen, und alle anderen vierzehn Jahre.
Angie versuchte prompt, uns diesen Unsinn mit blumigen Worten zu verkaufen und sprach "von einer Revolution" und der umweltfreundlichsten Energieerzeugung weltweit.
Warum aber andere europäische Länder, die keinen oder weniger "günstigen" Atomstrom produzieren, wesentlich günstigere Strompreise als wir haben, ja, der Strompreis europaweit fällt, und bei uns steigt, das erklärt sie nicht.
Ich hätte da als Hinweis die Monopolstellung der großen vier Stromkonzerne, die durch ihr Oligopol ordentlich verdienen.

Und wenn wir schon mal dabei sind: Die Alternative, nämlich Stromversorgung durch regionale Kraftwerke der Stadtwerke, wird auf diese Weise auf Jahrzehnte behindert. Investitionen auf diesem Gebiet werden auf dem deutschen Markt, der ohnehin mehr Strom produziert als er braucht, verhindert. Und vom Atommüll, dessen Endlagerung immer noch ungeklärt ist, wollen wir gar nicht erst reden.

Wie war das doch gleich? Jedes abgeschriebene Kraftwerk erwirtschaftet in zehn Jahren eine Milliarde Euro Reingewinn, aber Angie gibt sich mit zwei bis drei Milliarden Euro Brennstäbesteuer pro Jahr, auf sechs Jahre limitiert, zufrieden?
Ja, geht es denn noch dümmer? Nein, das ist falsch formuliert. Richtig muss es heißen: Geht es denn noch offensichtlicher, Frau Kanzlerin?

Dienstag, 31. August 2010

Sarrazin schon wieder

Okay, ich gebe es gerne und offen zu: Ich irre, und das nicht gerade selten. Zum Beispiel habe ich wie alle anderen auf Sarrazin rumgehackt, als BILD ihn mit seinem "Kopftuchmädchen-Spruch" zitiert hat. Danach entdeckte ich irgendwann das Original-Interview, aus dem das Zitat stammt, im Web. Und ich musste erkennen, dass die Wortwahl vielleicht nicht sehr geschickt war, aber Sarrazin hier für die Integration dieser "Kopftuchmädchen" warb, anstatt es bei Sozialhilfe zu belassen und danach beide Augen für ihr weiteres Schicksal, ihr Zukunft und ihre Integration fest zu zu machen.

Im Moment wird über sein Buch diskutiert. Ich habe es nicht gelesen. Aber ich weiß, wie BILD damit umgeht. Und ich weiß, dass ich wieder Gefahr laufen würde, ihm Unrecht zu tun, wenn ich es nicht lese, und mich nur auf die Zitate in BILD und Spiegel berufe.
Das hole ich eventuell nach. Das Lesen, nicht das Zitieren.
Ein Argument jedoch, das gerade hitzig debattiert wird, will ich kurz mit meiner Laien-Bildung in Biologie beleuchten: Nämlich das hetzerisch zitierte "Juden-Gen".
Wenn BLÖD ausnahmsweise mal richtig zitiert hat, dann hat laut Sarrazin jeder Jude ein bestimmtes Gen. Und jeder Baske. Darüber regen sich die Medien jetzt auf und erklären das zu einer ganz bösen Sache.

Natürlich ist es vollkommener Unsinn. Nicht alle Juden haben ein bestimmtes Gen, das sie als Juden kennzeichnet, identifiziert, oder was man hier auch immer einsetzen möchte. Immerhin gibt es genügend konvertierte Juden aus vollkommen anderen Volksstämmen, Eingeheiratete, und dergleichen. Aber unsere Medien behandeln dieses Argument gleichbedeutend wie mit einer Herabwürdigung. Wieso?
Rein biologisch gesehen waren die Juden ein eigener Volksstamm. Und in einem solchen Stamm wird die eigene Genetik weiter gegeben. Das jüdische Volk zum Beispiel kommt an sich aus dem Nahen Osten und teilte früher (und teilweise heute noch) viele Charakteristika der Menschen in dieser Region. Das ist nun mal genetisch bedingt. Es ist absolut nicht auszuschließen, dass viele Juden ein bestimmtes Gen in ihrer Erbmasse haben, das wir Europäer oder Schwarzafrikaner nicht besitzen. Nicht einmal andere Völker im Nahen Osten. Das ist nichts Schlimmes, keine Diskriminierung, sondern einfach nur ein Fakt.
Uns Europäern werden in der Genetik beispielsweise fünf Frauen von den Spezies Homo Sapiens und Cro Magnon zugerechnet, von der alle Europäer genetisch abstammen. Auch das ist nichts Böses. Es ist Wissenschaft.

Natürlich will ich nicht ausschließen, dass Herr Sarrazin dieses Argument gewählt hat, um Juden und Basken zu diskriminieren. Aber ich glaube es nicht. Die Tatsache, WER dieses Zitat verbreitet, lässt vermuten, dass die Faktenverdrehung wieder Hochkonjunktur hat.

Mein Fazit: Ein "Juden-Gen" ist durchaus möglich, sogar wahrscheinlich. So wie es auch viele "Europa-Gene" gibt, die exklusiv in unserem Genpool vorkommen. Das ist nicht gut, das ist nicht böse, das ist einfach Wissenschaft. Wer das zur Diskriminierung nutzt, oder als Argument des Beweises der Diskriminierung, hat seine Biologie noch aus dem Dritten Reich der Herrenmenschenzeit. Wissenschaftlich ist das in keiner Weise haltbar. Denn was sagt schon ein Gen über einen Menschen aus? Vielleicht steuert dieses spezielle Gen den Hautstoffwechsel. Vielleicht bestimmt es die Größe des Blindarms. Vielleicht hängt von ihm die Größe der Nasenporen ab. Oder die Möglichkeit, Schuppen zu bekommen.
Na und? Das sagt nichts über die Genetik aus. Und es sagt absolut nichts über den Menschen aus, ob er nun Jude oder Christ, Europäer oder Asiat ist. Rein gar nichts.
Also, meine lieben Argumenteverdreher, freut Euch darüber, dass zu viele Menschen in Deutschland noch weniger von Genetik verstehen als ich, und macht weiter mit toll klingenden, aber recht substanzlosen Sprüchen und Zitaten Euren Reibach.
Ich sitze derweil hier, schüttle den Kopf und überlege ernsthaft, ob ich mir Sarrazins Buch nicht kaufen sollte, um es zu lesen und danach darüber zu urteilen.
Hättet Ihr besser auch in dieser Reihenfolge so gemacht, BILD und Spiegel.

Donnerstag, 26. August 2010

Fast vergessen: Con in Braunschweig

Dass ich da nicht früher dran gedacht habe:
Ab Morgen, siebzehn Uhr, startet der Vor-Con der 1. Braunschweiger Raum&Zeit-Tage. Der eigentliche Con geht Samstag los und dauert bis Sonntag Nachmittag. Es wird ein Science Fiction-Con werden, in dem von Stargate bis Perry Rhodan so ziemlich alles behandelt wird und/oder ein Thema findet. Auch mein Steckenpferd Battletech kriegt einen Vortrag.
Ich persönlich werde den Con moderieren. D.h. Eröffnung, Abschluss und die Abenddiskussion leiten, und dazu noch ein paar Programmpunkte bestreiten, darunter einen Workshop für besseres Schreiben. Damit gehöre ich zur Orga, bin aber zum Glück nicht der Hauptverantwortliche.
Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere Leser meines Blogs tatsächlich auf dem Con aufschlägt und sich mit mir unterhält... Aber Wunder brauchen immer etwas länger, vor allem, wenn ich erst am Vorabend Werbung für den Con mache.
Na, Schwamm drüber. Ich erzähle dann nächste Woche, wie es war.

Montag, 23. August 2010

Die Bildungskarte kommt der Nachhilfe zugute

Neulich hat Ursula von der Leyen - genau, die, die schon von Internet keine Ahnung hat - ihre Bildungskarte für Kinder aus sozial schwachen Familien verteidigt. Nicht nur das diese Karte dafür sorgt, dass die Kinder Zugang zu Bildung und Kultur erlangen, die sie ansonsten nur von außen gesehen hätten. Nicht nur, dass die Karte verhindert, dass die Eltern das zusätzliche Geld versaufen.
Nein, damit soll es möglich werden, auch die notwendige Nachhilfe zu bezahlen, die Kinder aus Hartz IV-Familien dringend brauchen.
...sacken lassen.
Hand hoch, wer diese Worte sarkastisch, beleidigend und billig findet.
Wusste ich es doch.

An diesem Beispiel sieht man mal wieder, dass diese Frau gerne Symptome behandelt, aber nicht so gerne an die Ursachen geht. Es ist nichts dagegen zu sagen, Kindern auf Hartz IV-Familien die Nachhilfe zu bezahlen; es ist nur ein riesiges, elementares gesellschaftliches Problem, dass wir in unserer Gesellschaft, in unserer Schullandschaft Nachhilfe überhaupt brauchen.
Hallo? Da läuft doch was schief, wenn man den Stoff in der Schule nicht mehr beigebracht kriegt, wenn Kinder Teile ihrer Freizeit opfern müssen, um "mitzukommen".
Dabei geht es nicht um Hartz IV, sondern um die Schulen selbst. Was wir brauchen, ist ein ordentliches Schulsystem, das es jedem Kind ermöglicht, mit der Schulzeit und der Zeit für Hausaufgaben auszukommen - aber gewiss keine Subventionierung der Nachhilfe. Unser Bildungssystem steckt arg in der Krise, wenn sich professionelle Nachhilfeorganisationen sogar schon TV-Werbespots leisten können; wenn verzweifelte Eltern, deren Kinder im Unterricht hinterher hinken, teures Geld dafür bezahlen müssen, weil die Lehrer ihrer Kinder ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen. Oder erfüllen können.
Hier muss man ansetzen. Mehr Lehrer. Kleinere Klassen. Die Bildung in der Schule verbessern, nicht eine Industrie heraufbeschwören, die unsere Welt aufteilt - in jene, die sich Nachhilfe leisten können, und in jene, die Zensursulas Karte brauchen.
Nachhilfe war zu meiner Zeit die Ausnahme. Meine Lehrer haben hart daran gearbeitet, damit ich verstehe, was ich lerne. Ich hatte nie Nachhilfe, und kam trotz allem auf ein gutes Abschlusszeugnis. Wenn das heute nicht mehr möglich ist, dann sollte man all das Geld, das Zensursula über die Bildungskarte via Hartz IV-Familien der Nachhilfeindustrie in den Rachen stopfen will, zuerst in die Schulen investieren. Dort liegt der gesetzliche Bildungsauftrag. Darum haben wir schließlich auch eine Schulpflicht. Das verbessert das Schulleben aller Schüler. Unabhängig von Hartz IV.

Donnerstag, 19. August 2010

Zensur!

Seit einiger Zeit verfolge ich die Diskussion über Google Streetview und die damit verbundene, Panik schürende Berichterstattung. Und seit einiger Zeit vernehme ich die Forderungen nach Regulierung, sprich: Ein Gesetz.
Denn bisher handelt Google im vollkommenen Einklang mit unserer Gesetzgebung.
Heute aber fand ich auf der Titelseite der gedruckten LDZ folgende Schlagzeile und folgenden Untertitel:
Regierung will mehr Schutz gegen Google
Innenminister strebt breite Regelung für alle Internetdienste an.

...sacken lassen.
Bisher ging ich davon aus, dass die Presse eine gewisse Hysterie schürt, um Google dazu zu bringen, für etwas zu bezahlen, wofür der Konzern eigentlich bezahlt werden müsste, nämlich die Verlinkung der deutschen Online-Medienlandschaft. Ein wenig Falschinformation, etwas Panik, dazu noch einen eindeutigen Sachverhalt vollkommen umgedreht, und das reiche, reiche Google ist dann um des lieben Friedens Willen bereit, ein wenig an die Verlage zu zahlen. Google hat ja eh genug.
Dass da noch mehr hinter steckt, erkannte ich bei dieser Schlagzeile und diesem Untertitel recht schnell.
Uns allen war von vorne herein klar, dass, wenn Google im rechtlichen Rahmen handelt, der rechtliche Rahmen eingeschränkt werden muss. Aber bisher dachte ich, dass die Attacke allein Google gilt, und dass die Bundesregierung den vielen anderen Internet-Diensten nicht unnötig das Leben schwer machen wollte.
Das war gestern.

Heute bin ich von einer Sache vollkommen überzeugt: Wenn die Bundesregierung mit Google Streetview als Vorwand Einschränkungen für alle Dienstleistungen im Netz anbietenden Firmen neue Gesetze erlässt, dann haben wir... Zensur.
Ja, genau, die gleiche Masche, die Zensursula und Schäuble vor knapp zwei Jahren versucht hatten anzuleiern. Schlicht, einfache und nicht rechtsstaatlich kontrollierte Zensur. Damals sollte es gegen Kinderpornographie gehen - aber da das BKA nicht parlamentarisch kontrolliert werden sollte, hätten diese nach eigenem Ermessen gesperrt, was ihres Erachtens nach gesperrt gehörte. Und demnach auch auf Anweisung aus dem Innenministerium. Damals war es schon eine Schande für mich, dass ausgerechnet meine demokratische Basis-Partei SPD zu dieser unverholenen Zensur Ja und Amen sagte.

Heute geht es um den Schutz persönlicher Daten. Aber ich bezweifle, dass durch das avisierte Gesetz die unzähligen Überwachungskameras in den Innenstädten verschwinden, oder die Vorratsdatenspeicherung in Zukunft verhindert wird. Oder dem europäischen Parlament verboten wird, den Amerikanern Informationen über all unsere Kontobewegungen zu schenken.
Nein, es wird nur ein rechtlicher Rahmen für Zensur geschaffen, und das zum Preis von zweihunderttausend hysterischen Bundesbürgern, die BLÖD und Konsorten glauben, obwohl ihr Häusle wahrscheinlich niemals auf Streetview auftauchen wird.
Heute erlebe ich eine Neuauflage dieser Situation, wenn gerade meine Partei aus der Opposition fordert, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.
Herrliche Bedingungen, wenn die Regierung Merkel von Opposition, Medien und Bundesbürgern geradezu dazu gedrängt wird, ihnen etwas weg zu nehmen. Ich gebe zu, bis heute habe ich die Tragweite der Situation vollkommen übersehen.

Wie wird das neue Gesetz aussehen, was wird es bewirken?
Das sind natürlich nur meine Spekulationen, aber vordergründig wird natürlich Google reguliert werden. Allerdings wird das Gesetz so formuliert sein, damit es auch für andere Bereiche des Internets gilt, die keine Bilder von Privatleuten ins Web stellen, aber doch schon irgendwie reguliert gehören. Auch wenn sie genau wie Google gar nicht gegen die alten Gesetze verstoßen. Ich schätze, das wird am einfachsten gehen, wenn eine noch zu schaffende Behörde Zugriffsrecht bei den Anbietern per Gesetz erhält. Und dies wahrscheinlich wieder ohne richterliche Kontrolle.
Zweckdienlicher wäre ein Gesetz, das grundsätzlich verbietet, private Gebäude, Personen und KFZ-Kennzeichen im Netz abzulichten. Wäre zwar Schwachsinn, aber zielorientiert. Nur leider kann und wird das nicht das Ziel der Regierung sein. Also wird alles auf einer schwammigen Formulierung, die "Behörden uneingeschränkten Zugriff bei Gesetzesverstößen auf die Seiten des Anbieters" gibt, basieren. Und das Internet wird dann zum Jagdrevier auf alles, was man als Sperrungswürdig erachtet.

Da ist man froh, dass Zensursula nur noch Familien verpfuscht und so schwachsinnige Vorschläge macht wie die Bildungskarte für das Zweite Klasse-Kind, und dann kommen Spaßpartei und die Arbeitnehmungspartei mit so einem Rebound an. Respekt. Aber lasst mich Euch eines sagen, Angie und Westerwave: Man kann das Internet löschen. (Was, zugegeben, oft genug angebracht wäre.) Aber man kann es nicht zensieren. Und ehrlich gesagt ist das auch gut so.

Dienstag, 17. August 2010

Google Streetview - die warmgeschossenen Medien reiten die nächste Attacke

Ehrlich gesagt, ich bin irritiert. Ich habe nichts gegen Google, und benutze die Gratisdienste wie Google Suche, Maps, Routenplaner und Picture sehr gerne. Ich habe auch nichts dagegen, dass Google direkt auf mich verlinkt, wenn der Suchbegriff "Ace Kaiser" eingegeben wird. Und ich habe auch keine Probleme damit, dass Google mit daneben geschalteter Werbung Geld verdient.

Dem Streetview-Projekt stehe ich gelassen gegenüber. Ich habe mir neulich ein wenig Paris angesehen und war verärgert - weil ich zwar zum Eiffelturm gehen konnte, aber nicht drunter durch, um meine zwanzig Jahre alten Erinnerungen aufzufrischen.
Sehr erstaunt war ich auch über die 6 vor 9-Rubrik auf dem Bildblog. Dort wird auf einen Artikel über Sidewalk verlinkt, einen Internet-Dienst, der die virtuelle Städtereise bereits anbietet, allerdings in einer weniger begehbaren Version. Dennoch, das Grundprinzip ist das Gleiche: Von öffentlich zugänglichen Bereichen wurden Fotos der Straßen und Fassaden gemacht. Und dies aus einer Höhe, die auch ein Busreisender einsehen kann. Das ist alles so schrecklich legal, dass man sich fragen muss: Geht es überhaupt um Datenschutz, geht es überhaupt um Privatsphäre? Oder ist das nur ein kleiner Sturmangriff von vielen, um Googles Kontos sturmreif zu schießen und den Konzern dazu zu zwingen, Leistungen zu bezahlen, die er gar nicht beansprucht? Dieses moderne Raubrittertum unter dem Deckmantel der Aufklärung stößt mir sehr sauer auf.

Niedlich auch, was die HAZ heute schreibt. Demnach hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verlauten lassen, 200.000 Bundesbürger seien gegen Google Streetview.
Liebe Frau Aigner, heißt das, dass der fünfte Teil einer Million aller Bundesbürger Protest eingelegt hat? Moment, wir sind zweiundachtzig Millionen, und die Diskussion gegen Google dauert nun schon rund ein halbes Jahr. Das bedeutet, die Printmedien und das Nicht-Verbraucherschutzministerium von Frau Aigner haben es in dieser Zeit lediglich geschafft 200.000 Bundesbürger zu aktivieren? Das sind Null Komma zwei vier drei neun Prozent der Bevölkerung. Da war ja die Impfaktion gegen das H1N1-Virus erfolgreicher.

Das Problem bei der Sache ist, wie gesagt, dass Google vollkommen legal im rechtlichen Rahmen der BRD handelt. Alles, was der Konzern bisher angeboten hat, zum Beispiel die Verpixelung von Häusern, ist freiwillig. Und es gibt längst andere Anbieter, die einen solchen Dienst anbieten, aber nicht im Mindesten dafür hysterisch aufs Schaffott gebrüllt werden.
Die einzige Möglichkeit, Google Einhalt zu gebieten, wäre ein Gesetz. Und das würde nicht nur die anderen Anbieter treffen, sondern auch eine Zensur bedeuten. Eine Zensur am privaten Bild von öffentlichen Bereichen. Es ist nicht unmöglich, dass Touristen das Fotographieren verboten wird, um eben dieses Recht durchzusetzen.
In einigen amerikanischen Staaten dürfen Waffenbesitzer auf Verdacht ihr Leben verteidigen, bzw. zuerst schießen, solange sie auf ihrem eigenen Grundstück sind. Damit sind sie vollkommen im Recht. In Deutschland können Anwohner dann wohl von einer Horde japanischer Touristen verlangen, alle Bilder zu löschen, auf denen das eigene Haus zu sehen ist - beziehungsweise von vorne herein verbieten.
Es ist nicht abzusehen, wohin uns diese Hysterie führen wird, und was sie uns nehmen wird. Wie gesagt, Google bleibt absolut im legalen Rahmen. Der kann nur verschärft werden.
Ob Deutschland das will, ist aber sehr fraglich, denn Neunundneunzig Komma Sieben Fünf sechs eins Prozent der deutschen Bevölkerung hat sich bis heute nicht gegen Google ausgesprochen. Eine, wie ich finde, überwältigende Mehrheit.

Fazit:
Sollte jetzt jemand kommen und bei mir einen Kommentar posten wie: Und was ist wenn sie Dein Zuhause fotographieren und ins Netz stellen?, dann werde ich ihm antworten: Scheiße, die Fassade kann doch sowieso jeder sehen! Wenn wirklich jemand die Front meines Zuhauses als Erinnerung fotographieren will, fühle ich mich geehrt, aber nicht ausgenommen, erpresst und dem organisierten Verbrechen ausgeliefert.
Und sollte jemand fragen: Hast du gar keine Angst, dass die dich bei der Gartenarbeit zeigen, oder wenn du dich sonnen willst?, dann werde ich sehr irritiert antworten: Wie soll Google das denn zeigen können? Das sind Fotos, keine Live-Bilder. Meint ihr etwa, Google wartet mit den Fotos so lange, bis ich mich sonnen will?
Und wenn zuguterletzt jemand mit dem Totschlag-Argument kommt: Aber Einbrecher können doch dann dein Zuhause einsehen und sich die beste Stelle für einen Bruch aussuchen, oder?, dann werde ich mir ein Lachen verkneifen müssen. Denn erstens dürften Einbrecher durch die plötzliche Reizüberflutung mit potentiellen Opfern auf Google-Bildern heillos überfordert sein, zweitens hätte unsere *hust* unvoreingenommene Presse längst drüber berichtet, wenn in den bereits aufgenommenen Städten wie London und Paris Einbrecher per Streetview ihren Bruch vorbereitet hätten, und drittens schützt ein verpixeltes Haus nicht vor Einbruch. Im Gegenteil, wäre ich Einbrecher, würden verpixelte Häuser eher mein Interesse erwecken. Die haben was zu verbergen. Abgesehen davon dürften nur absolute Amateure so arbeiten. Alle anderen, die Profis, brauchen keine Fotos für einen Einbruch. Die brauchen nur maximal eine halbe Stunde Zeit. Und gegen die hilft nur ein gutes Sicherheitskonzept, aber sicher kein Einspruch bei Google.
Also, liebe Medienlandschaft, frag doch mal in Paris nach, ob die Einbrecherszene dort dank Streetview gerade boomt. Glauben kann ich es allerdings nicht.
Alles nur künstlich aufgebauschte Hysterie. Der aber nur ein Viertel Prozent der Bevölkerung auf den Leim geht. Und das ist irgendwie sehr beruhigend.

Montag, 16. August 2010

14.000

Endlich geht es mal wieder ums Schreiben.
Als ich mich gestern Abend auf Fanfiktion.de eingeloggt habe, war ich hoch erfreut. Tatsächlich hat die Zahl der Aufrufe meiner Geschichten die 14.000er-Marke geknackt. Mittlerweile sind es sogar 14.052. Ich bedanke mich bei allen meinen Lesern.
Allerdings hätte ich wirklich gerne mehr Kommentare, denn nur so kann ich mich noch verbessern.
Auf zur 15.000!

Freitag, 13. August 2010

Auf Umwegen an Googles Geldtöpfe - Google Streetview Bashing

Seit einiger Zeit beherrscht die Google-Diskussion unsere Medien. Beziehungsweise sie füllt das Sommerloch, wie böse Zungen behaupten.
Es geht darum, dass Google auf deutsch Verlagseiten verlinkt, dafür aber nichts bezahlt, um ein Beispiel zu nennen. Das ist in etwa das Gleiche, wie wenn ich zum Kiosk meines Vertrauens finde, und für den Weg belohnt werden will. Oder anders ausgedrückt, die Medien wollen Geld dafür haben, dass Google ihnen Leute auf die Seiten schaufelt.

Ein besonderer Auswuchs ist zur Zeit die Diskussion um Google Streetview. Oder vielmehr die Hysterie, die darum gehyped wird. Google ist wieder einmal der Böse, weil er Geld mit dem Bild meiner Häuserfassade verdient... Und natürlich braucht Deutschland eine Sonderbehandlung, und die armen Bürger müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Front verpixeln zu lassen. Google muss das einfach gewährleisten können.
Das Problem an der Geschichte ist schlicht und einfach, dass der Informationskonzern selbst in Deutschland mit seinem Streetview nichts Illegales tut. Das Entgegenkommen der deutschen Sektion, jedermann eine Verpixelung anzubieten, der darauf hinweist, ist eine freiwillige Leistung. Die Medien bashen also auf Google ein, weil der Konzern Fotos schießen lässt. Punktum.
Und die Aufregung kommt natürlich in erster Linie von den Konzernen und Verlagen, die das Leistungsschutzrecht haben wollen (aber frech fremde Fotos und Blogs im Internet abgrasen, ohne dafür zu bezahlen), die nichts dagegen haben, wenn die USA alle europäischen Kontoaktivitäten gegenkontrollieren, die absolut kein Problem damit haben, dass deutsche Fußgängerzonen mehr Überwachungskameras haben als ein x-beliebiger Hollywood-Blockbuster. Diese Medien wollen den Leuten tatsächlich weis machen, ein Foto ihres Hauses würde sofort eine Division Einbrecher scharf machen, die danach bei ihnen einsteigen. Ein Foto, wohlgemerkt, kein Live-Bild.
So weit ist es also schon gekommen in Deutschland. Und so weit ist es mit mir gekommen, wenn ich einen US-Konzern gegen ungerechte Presse verteidige.

...sacken lassen. Es gibt vieles zum Thema zu schreiben, aber Bildblog.de hat heute auf den Artikel Burka für Fassaden? verlinkt, der nahezu alles erklärt. Jeder mündige User sollte sich diesen Artikel durchlesen, und danach entscheiden, wie gerchtfertigt das Google-Bashing ist.

Alle anderen Fragen beantwortet Google übrigens selbst. Auf seinen Streetview-Seiten äußert sich der Konzern - wie war es auch anders zu erwarten - zu den Vorwürfen und räumt in seinen FAQ mit ihnen auf. Natürlich kann man Google, einem amerikanischen Großkonzern nicht trauen. Oder glauben, das er die Wahrheit schreibt. Aber es sollte mich doch wirklich wundern, wenn sich die derart ungerecht angespitzte Presse einen Hauch von Chance entgehen lassen würde, Google ans Bein zu pinkeln.
Noch eine Passage, für die Hysteriker in der Bevölkerung, aus der Sektion Datenschutz der FAQ möchte ich direkt zitieren:
"Vor der Veröffentlichung in Deutschland
Antrag auf Unkenntlichmachen eines Bildes

Google und die deutschen Datenschutzbehörden haben sich geeinigt, dass Google vor der Veröffentlichung von Street View-Bildern in Deutschland eine Funktion zur Verfügung stellt, mit der jeder uns mitteilen kann, wenn sein/ihr Haus nicht in Street View abgebildet werden soll. Diese Funktion befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, wird jedoch rechtzeitig vor der Veröffentlichung der Bilder zur Verfügung gestellt. Eine solche Funktion ist notwendig, weil die eindeutige Identifizierung eines Hauses oder Grundstücks allein anhand der Adresse technisch nicht möglich ist. Google nimmt aber auch bereits vor Fertigstellung der Funktion Widersprüche entgegen."

Sprich, selbst wenn es gewissenlose Menschen geben würde, die mit Hilfe von Streetview einen Bruch planen, müssen sie Eure Häuser auch erst suchen.
...Hoffentlich ist das Sommerloch bald vorbei. Hoffentlich haben wir bald eine vernünftige Diskussion. Und die großen Städte Deutschlands durch die dreidimensionale Straßenkarte Googles einen Tourismus-Schub.

Donnerstag, 12. August 2010

Dieser Nacktscanner hat die Qualität einer Bombe

Eifrige Leser meines Blogs werden sich erinnern, dass ich am Montag einen Leserbrief an Herrn Christof Schneider geschrieben habe, der sich im der LDZ zum leidigen Thema Nacktscanner mit einem Kotau gegenüber der Industrie per Kommentar zu Wort gemeldet hatte.
Heute meldet sich Herr Schneider erneut mit einem Kommentar zu Wort, zum gleichen Thema, aber der aktuellen Diskussion angepasst.
Wie der Spiegel meldete, wollte der Hamburger Flughafen, wo die Nacktscanner aufgestellt werden sollen, die Geräte von L3 Communications Security beziehen, die ein Tochterunternehmen von L3 Communications ist, einem US-amerikanischen Rüstungskonzern. Dieser Konzern steht seit der internationalen Ächtung von Streubomben in Dublin in der Kritik, weil er diese speziellen Waffen noch immer produziert. Hauptsächlich für die USA selbst, die an den Beratungen und dem Ächtungsbeschluss nicht beteiligt waren, bzw. durch Abwesenheit glänzten.
Nun wurden Stimmen laut, die einen Rücktritt vom Kaufvertrag forderten, eben wegen der Vernetzung mit einem Streubombenhersteller.

Herr Christof Schneider hat dazu seine eigene Meinung. Er findet das schon "etwas peinlich", aber ein kleiner Angestellter im Ministerium kann ja doch nicht "alles wissen, was dieser Konzern so produziert". Und abgesehen davon "wollte man halt die besten Geräte auf dem Markt erwerben".

...sacken lassen.
Lieber Herr Schneider, haben Sie vielen Dank für diesen entlarvenden und ein wenig peinlichen Kommentar. Abgesehen davon, dass Sie Ihrer Linie treu bleiben und schon wieder vor der Nacktscanner-Industrie einknicken - waren Sie schon mal in einem Nacktscanner, Herr Schneider? - birgt er ein wunderbares Fazit. Sie sind nicht der einzige, der mit dem Argument des "besten Gerätes auf dem Markt" hausieren geht, aber erlauben Sie es mir, Ihnen mein Gegenargument stellvertretend für alle anderen um die Ohren zu hauen: Wenn L3 Communications Security die besten Nacktscanner weltweit herstellt, und wenn der Hamburger Flughafen so verbissen darauf bedacht ist, nur bei L3 zu kaufen... Wie verdammt Scheiße sind dann eigentlich alle anderen Geräte auf dem Markt? Vermutlich sehr Scheiße, wenn es unbedingt L3 sein muss.
Das wirft einen bezeichnenden Blick sowohl auf die Branche, als auch auf die Qualität, bzw. Funktionsfähigkeit dieser Technologie.

Montag, 9. August 2010

Leserbrief an die LDZ zum heutigen Kommentar

Sehr geehrter Herr Schneider,

mit großem Interesse habe ich heute Ihren Kommentar im überregionalen Teil der LDZ zum Thema "Körperscanner" gelesen. Der Kommentar trug die Überschrift: Keine Peepshow.
Hierzu muss ich Ihnen sagen, dass ich von Ihrer Unsachlichkeit und schlechten Recherche überrascht und enttäuscht bin. Ihr Kotau vor der Nacktscanner-Industrie ist schlicht und einfach peinlich. Lassen Sie mich das näher erläutern, in der Hoffnung, dass ein gestandener Journalist wie Sie ein Profi ist, der aus Fehlern lernen kann.

Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich am Thema Nackt/Körperscanner sehr interessiert bin und es aufmerksam verfolge. Nicht weil ich ein Gegner der Technologie an sich bin, oder eine "Peepshow" befürchte, sondern weil sie schlicht und einfach nicht funktioniert. Das hat Markus Lanz bereits letztes Jahr in seiner Sendung eindrucksvoll bewiesen, als der aus amerikanischer Produktion stammende Körperscanner nicht in der Lage war, eine mit Klebeband ans Knie eines Gastes befestigte sogenannte Sprengkapsel zu entdecken. Auch war er nicht in der Lage, das Termit in seiner Jackentasche abzubilden. Das Termit wurde anschließend in einem Feldversuch in einer Stahlpfanne entzündet und durchschnitt sie bei viertausend Grad.
Ich sehe zwei Dinge nicht ein: Warum für eine Technologie Geld ausgeben, die nicht funktioniert?
Und: Warum Sie Ihre journalistische Integrität auf dem Altar der Industrie opfern.
Das erinnert doch stark an jene Zeiten in den USA, in denen ein Plastikbeutel mit Klebeband das eigene Haus vor Gasangriffen schützen sollte. Eine solche Hysterie und Geldverschwendung brauchen wir in Deutschland nicht. Der internationale Flughafen von Tel Aviv, der sicherste Flughafen der Welt, geht vollkommen andere Wege und wird den Nacktscanner gewiss nie aufstellen. Ihre Methode des "profiling" der Fluggäste erlaubt einen weit höheren Sicherheitsstandard als die Nacktscanner-Technologie.

Sie haben im Kommentar gesagt, zwei Drittel aller Deutschen hätten sich aus Sicherheitsgründen für den Nacktscanner ausgesprochen. Sie sehen mich überrascht. Diese Umfrage ist an mir vollkommen vorbei gegangen, und ich bin an dem Thema SEHR INTERESSIERT.
Sie haben keinerlei Quelle für diese Aussage angegeben, deshalb unterstelle ich Ihnen, dass Sie sich diese Zahlen aus den Fingern gesogen haben. Bitte belehren Sie mich mit einer Quellenangabe eines Besseren. Aber die Zahl ist defacto falsch, da Sie suggerieren, die gesamte Bevölkerung Deutschlands mit zweiundachtzig Millionen Menschen wäre befragt worden, nicht etwa ein repräsentativer Teil. Das ist peinlich für einen professionellen Journalisten.

Das Schlimmste an Ihrem Kommentar ist jedoch folgende Aussage:
"Nun führen die Kritiker an, die Geräte garantierten auch keine Sicherheit und könnten von skrupellosen, technisch versierten Terroristen umgangen werden, indem sie die Bomben im statt am Körper tragen. Korrekt. Doch nicht alle Terroristen sind Vollprofis."
Herr Schneider, was ist das für ein Quatsch, den Sie hier geschrieben haben?
Erstens: Wollen Sie sich darauf verlassen, dass Ihr nächster Flug von einem Terroristen gesprengt werden soll, der kein "Vollprofi" ist?
Zweitens: Diese Geräte sollen die Sicherheit verbessern, und sie sollen gerade die "Vollprofis" heraus fischen. Für einen professionellen Journalisten ist diese Aussage unkorrekt, schlecht recherchiert und blauäugig wiedergegeben. Mit anderen Worten: Setzen, sechs.

Lediglich mit dem Schlussabsatz stimme ich überein. Kompetenzwirrwarr verhindert Absprachen, und schlecht ausgebildetes Billigpersonal in der Flughafensicherheit erhöht die Fehlerquote. Das sind allerdings Baustellen, auf denen das Geld für die Nacktscanner besser investiert wäre.
Und ja, absolute Sicherheit im Flugzeug kann und wird es nie geben. Immerhin können die Mistdinger immer noch abstürzen.
Mit diesem Teil Ihrer Aussage kann ich mich identifizieren. Der Rest ist, Entschuldigung, Industriepropaganda. Ich hoffe, Sie wurden wenigstens dafür von den Herstellerfirmen bezahlt. Sonst war ihr Kotau nicht nur peinlich, sondern auch umsonst.

Mit freundlichem Gruß,

Alexander Kaiser


Anmerkung: Dieser Leserbrief ging heute per E-Mail an die Redaktion. Ich bin gespannt, ob und wie Herr Schneider reagiert.

Nachtrag am Mittwoch: Noch keine Reaktion. Dafür aber ein neuer Kommentar von Herrn Schneider in der Zeitung, in dem er eifrig auf Google Street View einbasht. Er suggeriert tatsächlich, Streetview hätte ein Interesse daran, SÄMTLICHE STRAßEN z.B. Hamburgs und damit auch die Wohnviertel aufzunehmen. Ein derart logistischer Aufwand erscheint mir doch zu hoch zu sein. Herrn Schneider allerdings nicht.

Nachtrag am Montag: Nach einer Woche noch immer keine Reaktion von Herrn Schneider. Ich hoffe, dass ihn meine Mail schlicht und einfach nicht erreicht hat; andernfalls wäre das ein Armutszeugnis für einen professionellen Journalisten.

Nachtrag am 06.05.2011: Natürlich nie eine Reaktion. Entweder ist die überregionale Redaktion der LDZ des E-Mailens nicht fähig, oder mein Leserbrief ist stantepede im Datenpapierkorb gelandet. Beides sehr peinlich für eine Zeitung, die in heutigen Zeiten bestehen will.

Sonntag, 8. August 2010

Moderne Sklavenhaltung oder auch Tagesschau.de

Meine lieben Leser. Es ist schon über ein Vierteljahr her, seit ich durch die Berichterstattung von Tagesschau.de in ein großes, breites Fettnäpfchen getreten bin, das sich damals "Rothemden" nannte. Durch die einseitige und unvollständige Berichterstattung habe ich damals tatsächlich geglaubt, die Proteste der "Opposition" in Bangkok seien friedlich verlaufen. Später entlarvte sich Tagesschau.de mit widersprüchlichen Aussagen und einem sehr informativen Interview mit dem deutschen Botschafter in Thailand weitestgehend selbst. Seither lese ich Tagesschau.de-Nachrichten mit einer gesunden Portion Skepsis. Wie ich heute sehen muss, zu Recht.

Heute steht ein wundervoller Artikel über die Auslastung des Internets des Online-Redakteurs Jan Starkebaum auf der Titelseite. Herr Starkebaum propagiert einerseits, dass das Internet überlastet ist, andererseits bietet er verschiedene Lösungen an, um dieses Problem zu lösen. Diese Lösungen stammen natürlich nicht von ihm, sondern von den Anbietern.
...sacken lassen.

Es ist nicht meine Art, meine Meinung über die Analyse zu setzen, aber diesmal tue ich es einfach: Was Herr Starkebaum sich da geleistet hat, das geht auf keine Kuhhaut. Nicht nur, dass er, wie es in den Medien gerade üblich ist, Google einen Seitenhieb verpasst; nicht nur, das er den Gedanken schürt, dass die Anbieter von Flatrates zu Volumenbasierten Tarifen zurückkehren wollen; nicht nur, das er suggeriert, dass Youtube-Nutzer und Leute, die sogenannte Warez (also illegal Filme und Musik downloaden)ziehen, am Kollaps des Internets Schuld sind; nein, der liebe Herr Online-Redakteur bemüht neben der urbanen Legende des kurz vor dem Kollaps stehenden Internets jedes ihm mögliche Argument, um Werbung vor Videos, Volumentarife vor Flatrates und Mehrkosten durch den Netzausbau mit Glasfaserkabeln zu rechtfertigen. Damit macht er sich der modernen Sklaverei durch den Kotau vor den Netzanbietern schuldig.

Aber gehen wir im Detail auf seine Ideen und Argumente ein.
1) Der Dateninfarkt des Internet, ein Fake wie die regelmäßig nicht einschlagenden Meteore?
Bereits 2007 prognostizierte der Spiegel für 2010 den Infarkt des Internets, also den totalen Zusammenbruch. Nun, wir haben 2010. Bin ich zu früh? Ist der Infarkt des Intenets zu spät? Fragen über Fragen. Aber ich nehme an, hier verhält es sich genauso wie bei einer Prophezeiung von Nostradamus: Erst wenn das Ereignis eingetreten ist, kann man es einer Prophezeiung zuordnen.
Also haben die Anbieter entweder in den letzten drei Jahren Unsummen investiert und herkuleanische Leistungen vollbracht, um den kommenden Infarkt abzuwehren, oder fünfundzwanzig Prozent Belastung durch Youtube, Videostreaming und ähnliches im Internet haben dann doch nicht für den Super-GAU gereicht.
Wie immer man es auch sieht, Herr Starkebaum hat ein uraltes Mysterium aus seinem feuchten Grab gezerrt, und mangelhaft wiederbelebt. Zudem nennt er im Gegensatz zum Spiegel 2007 keinen Termin für "seinen" Infarkt des Netzes. Das klingt für mich wie der Versuch, höhere Gebühren der Netzbetreiber schönzureden.

2) Wer mehr zahlt, hat auf der Datenautobahn Vorfahrt?
Oh mein Gott. Was für ein Schrott. Was für ein Witz. Das Internet funktioniert folgendermaßen: Von meinem PC geht eine Anfrage an eine bestimmte Seite. Diese Seite reagiert auf meine Anfrage und schickt die Antwort in vielen kleinen defragmentierten Datensätzen zu mir zurück. Diese Datensätze sind so codiert, dass sie auch bei mir ankommen. Dabei gibt es ab und an Verluste, und das bedeutet geringfügig längere Ladezeiten. Kann passieren, muss aber nicht. Mein Internet-Speed wird allerdings dadurch geregelt, wie hoch der Download ist, den mein Anbieter mir vermietet.
Um ein Zwei Klassen-Web zu ermöglichen, in dem der Mehrbezahler unabhängig von seinem Download-Speed Vorfahrt vor anderen Datenpaketen hat, müssten nicht nur die Severbetreiber weltweit mitspielen, man müsste in die gesamte Infrastruktur auch Zwischenserver setzen, die kontrollieren, ob das aktuelle Datenfragment eine Signatur hat, die sie einem Premium-Nutzer zurechnet. Auf diese Weise kann man das Internet verlangsamen, aber sicher keinen Premium-Zugriff ermöglichen.

3) Qualitätsklassen und Geschäftsmodelle?
Die Welt schrieb zum gleichen Thema (und endlich weiß ich, wo dieser ganze Quatsch her ist), Zitat: "Die Videoplattform YouTube verursache in drei Monaten den gleichen Datenverkehr im Internet wie alle Rundfunkstationen dieser Welt in einem ganzen Jahr..." Zitat Ende.
Dabei beruft sich Welt.de auf den Economist, hat also gar nicht selbst recherchiert und käut wieder. Etwas, was Tagesschau.de anscheinend auch sehr gut beherrscht. Einmal ganz davon abgesehen, dass eine Viertelmillion Homepages sicher nicht soviel Datenverkehr verursachen wie Clipfish und Konsorten, selbst wenn man den Radiostream dazurechnet. Aber wer versucht, Äpfel mit Birnen zu addieren, kommt eben immer zum gleichen Ergebnis: Beides ist Obst.

4) Werbeclips vor Videos schalten?
Eine mögliche Kostenbremse sieht Herr Starkebaum darin, vor Videoclips Werbeclips zu setzen, wie es zum Beispiel Web.de/Gmx.de und manchmal auch Youtube schon einige Zeit tun. Damit kann das Web refinanziert werden. Oder anders ausgedrückt: Ich bezahle die Telekom für meinen Internet-Anschluss, und große Firmen bezahlen Inhalte-Anbieter, nicht Provider, im Netz dafür, dass sie mich mit überflüssiger Werbung nerven.
Herr Starkebaum, ich dachte es geht um die Überlastung des Netzes, nicht um dessen Finanzierung? Wie soll ein vergrößertes Übertragungsvolumen durch MEHR VIDEOS das Web entlasten? Ein etwas durchsichtiges Argument, dass vermuten lässt, dass Sie versklavt sind, Herr Starkebaum. Versklavt von der Industrie.

5) Sorgen um freien Datenverkehr?
Der Artikel rührt einen schönen großen Pott an. Ingredienzien sind eBay, Google, Youtube und Amazon, die besonderen Wert auf freien Internet-Zugang setzen sollen.
Noch einmal, Herr Starkebaum, ich dachte, es geht hier um die Belastung durch zuviel Traffic? Freier Datenverkehr ist selbst dann gewährleistet, wenn mein Internet wie zu Modem-Zeiten schleicht, und ich mit 56KB durch das Internet surfe. Bitte lernen Sie doch das Vokabular der Branche, bevor Sie sich wieder mutwillig blamieren.
Die einzige Firma, die einigermaßen von Premium-Geschwindigkeiten und Usern zweiter Klasse betroffen sein würde, wäre ohnehin Youtube. Und damit das für diese Seite Folgen hat, müssten sich Provider weltweit für ein gemeinsames Zwei Klassen-Web entscheiden. Ansonsten werden nämlich zweieinhalb Milliarden Chinesen und Inder wesentlich schneller im Web sein, als es den Europäern dann möglich ist. Aber wir sind ja auch nur ne Viertelmilliarde. Und die Chinesen wird es freuen, wenn wir ihre Bandbreite in Ruhe lassen.
Noch einmal: Von langsamen Datenverkehr ist die Freiheit im Internet nicht bedroht. Wovon sie allerdings bedroht ist, das ist zum Beispiel der Anspruch der Bundesregierung, Google zu zensieren. Und im Gegensatz zu Chinas Forderungen werden Berlins Forderungen umgesetzt. DAS ist die richtige Gefahr für das freie Internet.

6) Netzanbieter werden zu Schrankenwertern?
Tschuldigung. Gerade ich, der öfter mal einen Tippfehler in seinen Blogposts hat, sollte mich nicht darüber lustig machen, wenn es einem anderen passiert. Aber einem Bezahlmedium des führenden öffentlich-rechtlichen Senders ARD darf so etwas nicht passieren. Es heißt SchrankenwÄrter. Mit ä, nicht mit e, Herr Starkebaum. Sicherheitshalber habe ich das mit Hilfe des Duden verifiziert. Zu den offensichtlichen Nachbetungen überholter Argumente kommen jetzt auch noch peinliche Tippfehler. Hat Tagesschau.de keinen Lektor in der Redaktion?

7) Netzausbau und Berlins vorsichtiges Bekenntnis zur Netzneutralität?
Hm. Hm. HM! Erst neulich hat mir die Telekom angeboten, meine Flat mit 16Mbit auf den VDSL-Standard von 25Mbit zu erhöhen. Und sobald das bei mir verfügbar ist, werde ich das auch tun. Der Netzausbau scheint in vollem Gange zu sein. ;D
Was Berlin allerdings von Netzneutralität hält, kann man absehen, wenn man sich die Diskussion über Bezahlinhalte, Internetzensur durch Zensursula, Stoppschilder vor bösen Seiten (anstatt sie zu löschen) und die Urheberrechtsdiskussion vor Augen hält.
Letztere ist meiner Meinung nach nichts weiter als eine Farce, da sich z.B. die BILD (als einer der Begründer der Urheberrechtsdiskussion) bei der Berichterstattung über die Loveparade ungeniert über das Urheberrecht der tödlich Verunglückten hinweg gesetzt hat, und eiskalt in der Druckausgabe abgelichtet hat. Das wäre mal ein Punkt für Netzneutralität; nämlich die Rechte unschuldiger BILD-Opfer zu wahren, und nicht darüber zu diskutieren, wie einem amerikanischen Großkonzern Geld für nix aus den Rippen geschnitten werden kann.

8) Bezahlmodelle und Kabelanbieter für Internet?
Herr Starkebaum beweist einmal mehr, dass er sein Vokabular nicht beherrscht.
Im letzten Block, in dem es wieder einmal um teureres Internet und die Polemik geht, selbiges für die User schmackhaft zu machen, referiert er über Internetanbieter über Kabel. Zitat: "Kabelanbieter drängen mit hundert Megabit-Raten auf den Markt." Zitat Ende.
Ich kann mich irren. Nein, ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht irre. Diese 100 Mbit-Rate klingt doch nach genau der Leistung, die moderne WLAN-Netze zur Zeit leisten können. Ein Blick auf eine große Kabel-Internet-Vergleichsseite zeigt uns dann auch, dass Begriffe wie 100Mbit im Zusammenhang mit keinem Kabelbetreiber auftauchen.


Fazit: Tagesschau.de und besonders ihr Redakteur Jan Starkebaum macht mit diesem Artikel gleich mehrere Dinge klar. Zum Beispiel, dass sie ein willfähriger Sklave der Internet-Industrie ist und Preiserhöhungen schönredet, bevor sie überhaupt angedacht sind. Zum Beispiel, dass Herr Starkebaum keine Ahnung von dem hat, was er da (ab)geschrieben hat. Zum Beispiel, dass nicht nur deutsche Politiker absolut keine Ahnung vom Internet haben. Zum Beispiel, dass Videos und Google für Tagesschau.de die neuen Superbösen sind, und das obwohl sie dem modernen Internet nach eigener Aussage nur ein Viertel der Bandbreite kosten. Wäre es da nicht interessant gewesen, die anderen drei Viertel unter die Lupe zu nehmen, jetzt wo das Netz vor dem endgültigen Kollaps steht?

Setzen, sechs. Aufgabenstellung nicht erfüllt. Aber keine Sorge, die BLÖD sucht eigentlich immer ein paar alles nachplappernde, Recherchefaule Reporter und Redakteure.

Donnerstag, 5. August 2010

Für den Kaiser

Sollte jetzt einer meiner eifrigen Blog-Leser - ja, ich meine Euch zwei - bei diesem Titel und meinem realen Nachnamen irritiert sein, dann kennt er mit Sicherheit meine Story Für den Kaiser nicht. Diese Science Fiction-Geschichte, für die ich zweieinhalb Millionen Anschläge in vier Einzelromanen verbraten habe, erfreut sich auf Fanfiktion.de einer gewissen Beliebtheit.
Das erste Fragment reingestellt habe ich Anfang Juli letzten Jahres. Beendet hatte ich die Arbeit an den vier Romanen pünktlich zum Jahreswechsel.
Nun haben wir den August des Folgejahres, und ich habe schon im Juli festgestellt, dass Für den Kaiser alleine über eintausend Aufrufe erreicht hat. Im Anbetracht der Größe der Geschichte, ihrer Komplexität und inneren Struktur finde ich das schon beachtlich. Allerdings auch irgendwie ärgerlich, denn die Resonanz könnte höher sein. So um die drei bis vier Millionen Aufrufe wären mir schon ganz Recht. ^^
Heute steht die Zahl der Aufrufe bei eintausendundvierzig. Und ich hoffe, dass noch viele Leser Gefallen am Leben und den Anstrengungen von Lord Arling und seinen Wegbegleitern haben werden.

Mittwoch, 4. August 2010

Die wundersame Wandlung einer Psychologin zum Manne, oder wie Kachelmann rennen lernen sollte

Es gibt doch noch immer Wunder auf dieser Welt. Wunder von erschreckender Schönheit, Wunder von einmaliger Brisanz. Und Wunder, die von Menschen gemacht werden...

Eines dieser Wunder ist mir heute begegnet. Es betrifft den Fall Kachelmann. Genau. Die Geschichte, die seit Monaten die Runde macht, wie letztes Jahr die H1N1-Seuche, die keine war. Die Geschichte, bei der Kachi wegen vorgeblicher schwerer Vergewaltigung monatelang in Untersuchungshaft bleiben musste, und erst vor kurzem entlassen wurde, weil das mutmaßliche Opfer zwei Punkte der Anklage zurückzog.

Versteht mich nicht falsch: Vergewaltigung gehört zu den schlimmsten Verbrechen, die ein Mensch einem anderen antun kann, und Vergewaltiger gehören therapiert, und das dringend, je nach Gefährlichkeit auch weggesperrt. Aber wie immer gilt auch hier, dass Kachi zwar angeklagt, aber nicht verurteilt ist. Also sparen wir uns diesen Aspekt doch bitte für nach den Prozess auf.
Zweifel am Tathergang gibt es natürlich. Unter anderem durch das Gutachten der Bremer Psychologin Luise Greuel, die die Aussage des Opfers massiv in Frage stellte.

Wie gesagt, Herr Kachelmann ist seit einigen Tagen frei. Und das soll er kräftig gefeiert haben. Gerade eben lief auf Vox die Sendung Prominent, und sie berichtete nicht nur über die Feier, sondern das bei dieser auch der von Kachelmanns Anwalt bestellte Psychologe* anwesend gewesen sein soll. Dies soll nun zur Folge haben, dass sein belastendes Gutachten erschüttert und vor Gericht an Wert verlieren soll. Prominent wartete dazu auch mit Fotos des Herrn auf, einem Mittfünfziger mit leicht schütterem Haar.
...sacken lassen.

Gut, gut, von Frau Greuel habe ich noch keine Bilder gesehen, aber ICH frage mich hier vor allem eines: Wann, zum Henker, hat sie sich zum Mann umoperieren und sich gerichtlich auch zum Mann erklären lassen? Das muss vollkommen an mir vorbei gegangen sein. Ich meine, so muss es doch sein, oder? Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Frau Greuels Gutachten die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers erschüttert hat, JETZT aber Prominent behauptet, das Gutachten des männlichen Psychologen würde durch seinen Kontakt zu Kachi erschüttert werden, und suggerieren, dies wäre für den Prozessverlauf interessant.
Wäre das nicht was für VOX? Deutschland, deine schnellsten Geschlechtsumwandlungen?

Die alternative Erklärung wäre hier, dass Prominent entweder vergessen hat, von wem das unabhängige Gutachten ursprünglich stammt... Oder dass sie hier den von Kachis Anwalt bestellten Gutachter einfach mal gepflegt in die Pfanne hauen, für einen Header verheizen, um ganz Deutschland zu verarschen. Und um den Fall Kachelmann wieder mal ein klein wenig anzuheizen.
Ich frage mich hierbei zwei Dinge:
1) Wer wird sich noch daran erinnern, dass Luise Greuel, die Verfasserin des unabhängigen Gutachtens, eine FRAU ist?
2) Wie viele Medien werden auf diesen Zug aufspringen, und diese Fehlermeldung mit verbreiten, um dem Kachelmann-Fall "anzuheizen"?

Den Rest, meine liebe Mediennation Deutschland, sollten wir dann getrost dem Gericht überlassen. Allerdings verhehle ich nicht, dass ich von Anfang an massive Zweifel an Kachelmanns Schuld hatte.
Das ist jedoch meine eigene Meinung. Was VOX, speziell Prominent da gemacht hat, ist jedoch einfach nur dreist.

* Noch eine Bitte in eigener Sache: Ich habe eher aus Versehen in die Sendung reingezappt, und mir leider keine Notizen gemacht. Wenn mir also jemand den Namen des Psychologen besorgen könnte, wäre ich dafür dankbar. Nur der Vollständigkeit halber. Danke im voraus.

Montag, 2. August 2010

Der Feldzug von Foodwatch geht weiter - zu unser aller Vergnügen.

Aufmerksame Beobachter meines Blogs wissen, dass ich die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch nicht mag. Ich habe schon oft über sie und ihre Projekte gebloggt, und selten, eigentlich nie, war ich mit ihnen einer Meinung. Egal ob es nun gegen die Capri-Sonne geht, die zuviel Zucker enthält, egal ob Foodwatch meint, die Grenzwerte für Uran im Wasser seien zu niedrig, oder ob sie das Essen in den Zügen der Bahn kritisiert, weil es ihrer Analysen nach Konservierungsstoffe enthält - die Projekte haben mir nie gefallen. Es ging immer um schnelle, leichte Sachen, und die Organisation schreibt sich meines Erachtens die Erfolge anderer als eigene auf ihre Fahnen.

Auch diesmal hat Foodwatch einen Gegner - Supermärkte und Discounter wie LIDL, ALDI, REWE und Marktkauf.
Die Verbraucherschutzorganisation bemängelt das SB-verpackte Fleisch der Endverkäufer, weil es unter Sauerstoffschutzatmosphäre verpackt wird. Nach Angaben von Foodwatch erhält es zwar lange die Optik, dafür schadet der Sauerstoff aber der Qualität, das Fleisch wird im Endeffekt zäh und schmeckt/riecht ranzig.
Die Handelsketten haben sich aber gegen diese Kritik gewehrt.

Ich persönlich finde: Selten war es so einfach für jeden Verbraucher, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Capri-Sonne schmeckt nun mal süß, und wer hat schon ein Labor Zuhause? Mit der Bahn fahren und im IC oder ICE essen kommt nun auch nicht jeden Tag vor, und dementsprechend greift man eben auf vorgefertigte Meinungen zum Bordessen, selbst den Gourmet-Menüs, zurück. Und letztendlich hat kaum jemand einen Geigerzähler daheim, um den Gehalt an radioaktiven Elementen im Trinkwasser zu überprüfen.
Dieser Fall liegt jedoch vollkommen anders. ALDI, LIDL, und die anderen großen Unternehmen der Branche, die ihr SB-Fleisch tatsächlich unter Sauerstoffschutzatmosphäre verpacken (was nach Informationen der Unternehmen die Bakterienbildung unterbinden soll), sind für uns alle erreichbar. Und wir kaufen auch fast* alle bei ihnen ein.
Dementsprechend ist es sehr leicht, beim nächsten Einkauf einfach mal ein wenig SB-Fleisch mitzunehmen, Zuhause zu öffnen, und es auf ranzigen Geruch zu überprüfen. Oder nach der Zubereitung festzustellen, ob es tatsächlich zäh war, fade oder ranzig geschmeckt hat.
Letztendlich muss sich jeder eine eigene Meinung bilden.

Spoiler für alle, die MEINE Meinung nicht wissen wollen, um unbeeinflusst einzukaufen, zuzubereiten und probieren zu können:
Ich bin ein großer Esser. Ein sehr großer Esser. Und zu meiner Ernährung gehört auch SB-verpacktes Fleisch. Nun will ich nicht verneinen, dass das Fleisch von Landschlachtern generell besser ist als das von Discountern und Supermärkten. Aber mangelnde Qualität, fader Geschmack oder ranziger Geruch wären mir schon tausendmal aufgefallen. Für mich hat sich Foodwatch wieder einmal nach vollem Herzen bemüht, um meine Meinung über diese Verbraucherschutzorganisation zu festigen. Dies sind nicht die Kampagnen, die ich von einem wahren Verbraucherschützer im Dienste des Kunden erwarte. Und es ist mir absolut schleierhaft, warum ausgerechnet der Spiegel über diese Organisation berichtet.

Wie dem auch sei: Bildet Euch eine Meinung über das unter Schutzatmosphäre verpackte SB-Fleisch in Supermärkten und Discountern. Und bei der Gelegenheit auch gleich über Foodwatch.

Dienstag, 27. Juli 2010

Wer büßt für die BILD?

Eigentlich wollte ich zur Loveparade in Duisburg nichts schreiben, nicht auf den Zug aufspringen und bereits Gesagtes bis zur Unkenntlichkeit wiederkäuen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sich jeder denken kann, dass zu einer Loveparade mehr als die rund dreihunderttausend Menschen kommen würden, die auf das alte Güterbahnhofsgelände gelassen werden sollten. Und eigentlich sind Stadt und Veranstalter, so brutal das jetzt aus meiner Feder klingt, mit zwanzig bestätigten Toten und über fünfhundert offiziell gezählten und behandelten Verletzten, noch ziemlich glimpflich davon gekommen. Das hätte noch viel schlimmer ausgehen können.
Dennoch, zwanzig Tote sind zwanzig Tote zuviel, sind zwanzig Familien, die Angehörige verloren haben, sind zwanzig Schicksale, sind zwanzig unglaubliche Unglücksfälle, die hätten vermieden werden können.
Doch beinahe mag man aufatmen, weil es keine hundert oder tausend Tote waren.
Und man (in diesem Fall ich) kann nur hoffen, dass das derzeitige Hin und her-Schuldzugeweise bald einer sachlichen Analyse Platz macht, und die Verantwortlichen im Rahmen unserer Gesetzgebung angemessen bestraft werden. Hoffen wir auf eine Diskussion, die auf dem Boden bleibt, analysiert und erklärt, und nicht hetzt, beschämt und das Schicksal der Toten ausschlachtet.

Apropos Schicksal der Toten ausschlachten. Wer den Titel aufmerksam gelesen hat, der weiß was jetzt kommt. Richtig, wir haben natürlich einen berühmten Ausreißer in der Gruppe der brichtenden Medien, der ohne einen Hauch von Hemmungen Bilder der Verstorbenen auf der Titelseite präsentiert. Bilder, die sie fröhlich zeigen, lebendig, und die deshalb vermuten lassen, dass die BLÖD-Redakteure auf Teufel komm raus Bilder gesucht haben, und dazu meines Erachtens StudiVZ, MySpace und andere Dienste geplündert haben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass hier zwanzig Familien das Recht am Bild ihrer toten Kinder verramscht haben, um sie dem geifernden Publikum wie ein Kuriosum zu präsentieren. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, dass sie das wünschen. Übrigens wäre auch denkbar, das ein Teil der Bilder von der Loveparade selbst stammt, quasi von unbeteiligten Dritten, die des schnöden Mammons Willen an BLÖD verkauft haben. NOCH SCHLIMMER.

Und als wären die Bilder nicht schon schlimm genug, und würden sie nicht bereits massiv gegen den Pressekodex verstoßen, so titelt die BILD: "Dies sind die Toten der Loveparade." Weiter schreibt sie: "Wer büßt für die Toten?"*
Lieber Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD: Wer büßt in der Redaktion der BILD-Zeitung für diese Berichterstattung? Für die obszöne Entehrung der gestorbenen Unfallopfer auf dem Küchentisch der Nation? Wer hat die Eier zu sagen: Wir hätten die Gesichter aus Respekt vor der Trauer und den Gefühlen der Angehörigen verpixeln müssen!? Wer hat bei Euch die Chuzpe zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben?
Das Schreckliche an der BLÖD ist leider, dass dort niemand diesen Fehler einsehen, eingestehen wird. Sie werden lieber ein paar zehntausend Euro Strafe für private Klagen zahlen, nur um ihre reißerischen Schlagzeilen behalten und die Bilder der Toten zeigen zu können.
Noch mal, und das aus tiefstem Herzen: Es ist journalistisch gesehen vollkommen unnötig, Bilder der Toten zu zeigen. Dies verletzt die trauernden Hinterbliebenen, verletzt das Schamgefühl einer Nation und degradiert uns zu Voyeuren, die wir nach Meinung der BILD-Redaktion sind. Ich bin entsetzt.

Es schmerzt ja beinahe schon das zu sagen, aber wir können wahrscheinlich froh sein, dass die BILD keine Fotos der Opfer auf der Titelseite zeigt, die nach dem Unglück aufgenommen wurden. Selbst das ist der BLÖD-Redaktion zuzutrauen.
Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen. Mein Ärger Kai Diekmann.



*Die Schlagzeilen habe ich aus dem Kopf nachgeschrieben. Ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit jeder einzelnen Silbe. Man möge mir das verzeihen. Ich hatte einfach Hemmungen, für die BILD auch noch Geld auszugeben.

Sonntag, 25. Juli 2010

Shit happens - meistens

Tja, jetzt habe ich schon ein paar Tage diese Buttons unter meinen Beiträgen.
Und es gibt tatsächlich mindestens zwei Personen, die beim Button "uninteressant" gevotet haben.
Das ist natürlich für einen Blogger wie mich ein hartes Brot, ein Schlag ins Gesicht, quasi, und eine große Selbsterkenntnis. Sprich: Nach diesem harschen Voting bleibt mir gar nichts anderes übrig, als sofort das Bloggen einzustellen, nie wieder einen Beitrag zu schreiben, und fortan nur noch passiv am Internet teil zu nehmen.

...
War nur Spaß. Die Tatsache, dass meine unbekannten Kritiker lediglich die Beiträge bewertet haben, die sie auf der Frontpage sehen konnten, lässt mich nicht auf einen verärgerten Leser schließen, sondern eher auf zwei Trolle, die mir eins auswischen wollen. Warum auch immer. Ich habe solche Menschen nie verstanden, die glauben, im Internet seien sie anonym, und die ungezügelte Ausnutzung dieses Fakts würde keine negativen Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit haben. Aber das steht sicher auf einem anderen Blatt.
Denn an dieser Stelle muss ich mich bei meinen beiden Kritikern entschuldigen: Eure Votings sind leider verloren gegangen, als ich die Texte der Buttons angepasst habe. Sorry. Ihr dürft aber noch mal voten. So oft Ihr wollt.
Allerdings weiß ich noch nicht, ob meine Button-Beschriftung so wirklich schon optimal ist. Das Beste ist wohl tatsächlich, wenn Ihr mir was zu sagen habt, dass Ihr mir einen Kommentar schreibt.
...
sacken lassen. Eher unwahrscheinlich bei Trollen.

Edit am 27.07.: Heute zieren meine Beiträge wieder Einträge am Negativ-Button "nicht mein Ding". Diesmal, das muss ich wirklich anerkennen, hat sich mein Troll richtig Mühe gemacht, und sogar Artikel benotet, die er nicht nur als Titelansicht findet.
Ehrlich, ich weiß die Mühe zu schätzen. Deshalb lasse ich das jetzt so stehen.

Freitag, 23. Juli 2010

Unverhofft kommt oft

Ich gebe zu, ich bin überrascht. Denn heute hat mich etwas erreicht, was man nur als Fangeschenk bezeichnen kann.
Seit einiger Zeit kommuniziere ich mit Terence aus Berlin, der eifrig meinen Blog verfolgt, ein großer Fan meines Romans Für den Kaiser ist, und für mein Buch Die Allianz - Im Korridor der Sterne mein persönliches Signum wünscht. Heute hat er mir das Buch tatsächlichzum signieren zugeschickt. In einem Paket. Und das Paket war selbstverständlich nicht nur mit dem Buch gefüllt. Neben sorgfältigem Verpackungsmaterial fand ich im Paket noch sorgfältiger eingepackte Souvenirs des Berliner Ampelmann-Shops, sowie ein komplettes Kalligraphie-Set mit zwei Farben und Glasfeder. Wie ich schon sagte, ich bin überrascht. Schwerstens überrascht. Und hocherfreut. Mein erstes Fanpaket. Kann ich das so stehen lassen, Terence?
Und das erste Fanpaket ist mir natürlich auch einen eigenen Blogeintrag wert. ^^
Er hat mir sogar ein Päckchen Arami-Salz eingepackt, ein spezielles katalaunisches Gewürz, das in meinem Roman Für den Kaiser zum Süßen von Tee und Kaffee verwendet wird...
Also ehrlich, Terence, das muss ein weiter Weg gewesen sein, die eintausend Lichtjahre bis Sanssouci. ;)

Donnerstag, 22. Juli 2010

Veränderungen machen vor niemandem Halt

Meine lieben Leser. Mit großem Interesse betreibe ich nun seit etwas mehr als anderthalb Jahren diesen Blog. In dieser doch sehr langen Zeit habe ich einhundertachtundvierzig Blogeinträge verfasst. Dies hier ist der einhundertneunundvierzigste. In dieser Zeit habe ich auch viele Kommentare erhalten. Wie es das Schicksal des unbekannten Bloggers aber nun mal ist, waren diese Kommentare im Anbetracht der Masse an Blogeinträgen, nun, leicht unterlegen.
Mich hat eigentlich immer interessiert, wie viele Leser mein Blog hat. Wie viele ich erreiche. Wie viele ich vergraule. Ich war schon drauf und dran, einen Counter als Plugin zu suchen, oder eine Umfrage zu starten, um wenigstens mal einen Ansatz erlangen zu können, um mich über die Zahl meine Leser und über ihre Meinung zu meinen Blogeinträgen orientieren zu können.
Nun, das hat sich seit gestern erledigt.
Seit gestern habe ich ein neues Plugin unter jedem Post, das sogar noch besser als ein Counter oder eine Umfrage ist: Ab sofort kann jeder Leser unter drei Kategorien abstimmen (die ich aber eventuell noch modifizieren werde): Jeder, dem mein Blog gefällt, kann bei Lustig, interessant oder cool ein Häkchen setzen. Seine Stimme wird gezählt.
Also werde ich endlich wenigstens eine Ahnung davon bekommen, wie mein doch recht sprunghafter, durch die Themen hüpfender Blog so ankommt. Also nutzt diese Funktion doch bitte Zuhauf.
Und natürlich, das verspreche ich, werde ich einen der Button umbenennen oder noch einen vierten einfügen, mit dem Ihr, meine Leser, auch Euren Unmut ausdrücken könnt - sobald ich eine Ahnung habe, wie ich das machen kann. ^^

Und wenn wir schon dabei sind: Es gibt noch eine neue Leiste. Ab sofort könnt Ihr meine Blogtexte mittels der praktischen Direktlinkbuttons über Mail, Twitter, Facebook, GoogleBlitz oder den eigenen Blog verlinken, bzw. weiterleiten.
Ich schätze, ich bin jetzt mit meinem Blog im Internet 2.0 angekommen. Schön ist es hier. Aber tapezieren sollte man mal...


Edit: So, die Texte der Buttons wurden geändert. Erstaunlich, wie leicht manche Dinge sind, wenn man sie einfach mal ausprobiert. ^^V

Mittwoch, 21. Juli 2010

Es weht ein scharfer Wind aus Winnenden - naja, fast...

Ihr, meine aufmerksamen Leser, wisst natürlich, dass ich den Feed von Tagesschau.de mehr als reichlich nütze. Heute fiel mir eine Meldung von SWR.de ins Auge, in der sich u.a. Eltern von Opfern des Amoklaufs in Winnenden in der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" engagieren, um eine Verschärfung des Waffenrechts zu erreichen. Die Initiative, die laut SWR.de schon über einhundertachtzigtausend Unterschriften gesammelt hat, fordert darin konsequent ein Verbot von allem Waffen für Sportschützen, die zum Töten oder Verletzen von Menschen produziert wurden.

Und natürlich lässt es sich SWR.de nicht nehmen, ganz versteckt im letzten Satz zu erwähnen, dass "sich die Initiative gegen tödliche Sportwaffen und Killerspiele richtet". Okay, bevor ich zum Kernpunkt zurückkomme, hier ein kurzer Einwurf für die anonymen SWR.de-Autoren: Wie immer, wenn das Totschlagwort "Killerspiel" eingebracht wird, schlage ich die Hände über den Kopf zusammen. Leute, Killerspiele sind bereits verbotene Spiele. Warum sollte man dagegen Petitionen einreichen? Alle anderen Spiele auf dem deutschen Markt sind entweder Altersindiziert, oder nicht indiziert, weil die Freiwillige Selbstkontrolle dies nicht für nötig sah. Habt doch mal ein klein wenig Vertrauen in Eure Kollegen. Oder lernt Euer Vokabular besser, nämlich hier. Die Seite Stigma-Videospiele.de erklärt Euch hier, wie groß die Fettnäpfchen sind, die Ihr gerade breit getreten habt.

Aber kommen wir zurück, kommen wir zur Initiative, die Mordfähige Waffen verbieten lassen will. Okay, das stößt mir schon mal sauer auf, denn wie man auf der Homepage nachlesen kann, sollen nur solche Waffen verboten werden, die dafür gebaut wurden, um Menschen zu töten oder zu verletzen. Merkt jemand, worauf ich hinaus will? Richtig: Was ist dann aber mit all den Waffen, welche von Jägern genutzt werden? Die teilweise genauso tödlich, wenn nicht tödlicher als diese "Sportwaffen" sind?
Wenn mich mein nicht so phänomenales Gedächtnis nicht gerade im Stich lässt, dann kommen bei den Amokläufen in Deutschland neben Kurzwaffen (also Pistolen und Revolver im weitesten Sinne) auch Jagdwaffen zum Einsatz.
Natürlich ist jeder Amoklauf einer zuviel, und man muss sich fragen, was junge Menschen zu solchen Handlungen treibt... Man muss sich fragen, wie man ihnen vorher helfen kann, damit sie gar nicht erst eine so unsinnige, tödliche und schwachsinnige Tat begehen. Aber man muss sich auch fragen, ob die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" inkonsequent ist.

Ich stelle mal außen vor, ob und wie viel Sinn es machen würde, deutschen Schützenvereinen Kurz- und Langwaffen zu verbieten, denn letztendlich werden Waffen dieses Typs bei Amokläufen verwendet. Aber ich frage mich schon, ob da nicht mit zwei fest zugekniffenen Augen übersehen wird, dass es in der letzten Jagdsaison laut Jagd-online.de über dreihundertfünfzigtausend Jagdscheine in Deutschland gab. Wenn ich für jeden Jagdschein auch mindestens ein Gewehr annehme, macht das über dreihundertfünfzigtausend Jagdwaffen, die zwar nicht fabriziert wurden, um Menschen zu töten oder zu verletzen - dies aber ohne jedes Problem können.
Ohne den Schützenvereinen ihre Kleinkaliber madig machen zu wollen, ohne den Jägern das Hobby vergrätzen zu wollen (das sie überdies verrichten, um unsere Wildbestände zu regulieren), denke ich, dass die Initiative halbherzig vorgeht.
Wenn schon Waffen verbieten, dann alle Waffen verbieten. Das ist natürlich nicht durchführbar. Und es führt mit Sicherheit auch nicht zu dem angestrebten Ziel. Aber es wäre konsequent und hätte meinen Respekt verdient.

Liebe Unterzeichner der Initiative, natürlich erkenne ich den guten Willen und die Sorge vor weiteren Amokläufen an, natürlich weiß ich den Kraftakt zu schätzen, den ihr für einhundertachtzigtausend Unterschriften aufbringen musstet. Und natürlich kann ich nicht einmal ansatzweise nachempfinden, was die Eltern der getöeteten Schüler, die ebenfalls unterschrieben haben, empfinden. Aber ich erkenne einen falschen Ansatz, wenn ich ihn sehe.
Eine inkonsequente Idee, die mindestens dreihundertachtzigtausend latent tödliche Waffen in Deutschland geflissentlich übersieht und all den Sportwaffenbesitzern ein schlechtes Zeugnis ausstellt, sie zu Alleinschuldigen stigmatisiert, die sich zudem nahezu alle nie einen Waffenrechtlichen Verstoß haben zuschulden kommen lassen, ist vielleicht nicht der optimale Weg.

Es ist ein Anfang, man kann auf der Petition aufbauen, etwas beginnen. Aber wirkliche Erfolge erzielt man m.E. mit psychologischen Präventionsmaßnahmen in den Schulen und während der Ausbildung. So etwas bringt weniger Schlagzeilen als ein Amoklauf mit Todesfolge, und sicher kostet es auch mehr, wenn Psychologen sich um die geistige Gesundheit von Schülern und Azubis kümmern - das womöglich in Vollzeit. Und sicher höre ich schon die eine oder andere zynische Stimme, die auf Menschenverachtende Weise verlauten lässt, dass die "geringe Zahl der Amokläufe in Deutschland solche teuren Maßnahmen nicht rechtfertigt", um mal den Advocato Diabolis raushängen zu lassen.
Aber Waffen töten Menschen, weil andere Menschen sie halten und abdrücken. Den Zugang zu Waffen zu erschweren (unmöglich machen kann man es nicht, davon bin ich überzeugt), mag eine kurzfristige Lösung für ein Symptom sein. Aber was wir in Deutschland brauchen, ist Heilung. Heilung direkt in den Köpfen jener, die aus welchen Gründen auch immer sich selbst treiben oder in einen Amoklauf getrieben werden. Denn seien wir mal ehrlich: Kein gesunder Mensch bei klarem Verstand würde eine solch abscheuliche Tat begehen, geschweige denn begehen wollen. Diese Menschen sind krank, und Kranke brauchen Hilfe. Möglichst vorher. Weit, weiiit vorher.


Auf der anderen Seite aber bin ich gespannt. Gespannt darauf, was passieren wird. Immerhin wird Kleinkaliberschießen bei den Olympischen Spielen bereits mit Laserwaffen durchgeführt, immerhin startet die Polizei immer wieder sehr erfolgreiche straffreie Abgabe-Aktionen für illegale Waffen.
Und immerhin ist Deutschland auf dem Gebiet der Kurz-, Lang-, und Militär-Waffen ein verdammt wichtiger Exporteur und Produzent. Ich frage mich, wann die Lobby einkickt.
Ich frage mich, was passiert.
Was ich nicht sehen will, ist, dass die Initiative wirkungslos verpufft, denn wenn auch keine Ursachen bekämpft werden, so sind dies doch schon einmal einhundertachtzigtausend Stimmen, die Amokläufe nicht "cool" erscheinen lassen, so wie es manche Medien so gerne tun, und damit Nachahmer anstacheln.
Oder wie Bild.de zum Anlass nehmen, endlos darüber zu berichten... Was in meines Erachten nach etwa den gleichen Effekt hat.

Samstag, 17. Juli 2010

13003

Erfreuliches habe ich auch von anderen Fronten zu berichten.
Diesmal geht es ums Schreiben, meinem Lieblingshobby.
Als ich mich gerade eben auf Fanfiktion.de eingeloggt habe, sprang mir die Zahl der Aufrufe geradezu ins Auge: Meine Geschichten wurden inzwischen über dreizehntausendmal aufgerufen. Leute, ich bin schwerstens beeindruckt und bedanke mich bei all meinen Lesern. Nur etwas mehr Feedback könnt ihr ruhig da lassen. Ich freue mich über alle Zeilen. ^^

Beatbattle die Zweite - Dritter Abend

Um es mal vorweg zu nehmen: In der Nacht von letzten Freitag auf heute hatte ich einen höllischen Spaß. Alle Bands, die sich gestern im Checkpoint duelliert haben, um in die nächste Runde zu kommen, haben eine Super Stimmung verbreitet. Respekt, Jungs, wirklich Respekt. Ohne jetzt eine Band besonders hervor zu heben, es war ein Abend wirklich guter Musik.

Antreten sollten vier Bands, weil Leave Yesterday nachnominiert wurden. Da aber Dowjones wegen akuter Sommergrippe ausgefallen waren, durften wir mit Zehn vor Zehn und Treehouse insgesamt drei Bands erleben. Drei gehen rein, zwei kommen raus. Zwei Bands pro Vorrundenabend kommen weiter. So war es auch am dritten Abend. Und selten war es so schade, dass eine der Bands raus fliegen musste. Aber es gibt einen dicken Trost: Die Bands, die in der Vorrunde ausscheiden, sind automatisch für den Beatbattle 3.0 gesetzt - so sie denn wollen. Und das ist keine schlechte Idee, immerhin gibt es schon elf Anmeldungen für die limitierten achtzehn Plätze.
Ich schätze, der Freitag im Checkpoint wird langsam aber sicher zu Qualitätsschmiede von gutem Rockpop zwischen Göttingen und Hannover. Gut, gut. Ja. Auch für Metal und Hardrock. Überredet.


Aber kommen wir zu Wichtigerem, kommen wir zu den Bands. Als Erstes traten Leave Yesterday an. Wie jeden Abend habe ich die Bands angekündigt, und letztendlich haben sich Artur, Philip, Leo und Denny folgenden Spruch von mir gewünscht: Gute Musik kennt kein Genre. Technisch perfekt verbreiteten sie anschließend eine Menge Spaß auf der Bühne und im Publikum, während sie auf Englisch abgerockt haben.
Ich weiß, ihr hört das nicht gerne, Jungs, aber ich würde euch einfach vom Gefühl her in Richtung Punkrock einordnen. Hart, schnell und mit viel Herz.
Der Link führt auf ihre MySpace-Seite, auf der zwei Samples bereit liegen. Die wurden aber, wie mir die Jungs erzhlt haben, am Laptop zusammengemischt, deshalb sind die Stücke auch nur ein sehr unzureichender Beleg für das was sie drauf haben.
Und, Jungs, ihr habt es drauf. ^^b Wer sich also wirklich einen Eindruck von ihnen machen will, sollte sie unbedingt live hören.

Zehn vor zehn war die nächste Band.
Knallig-harter Deutschrock, fliegende Drumsticks (die zum Glück niemand verletzt haben XD ) und eingängige deutsche Texte, das ist Zehn vor Zehn. Die vier Jungs aus Hameln haben hart und knallig gespielt. Die Vorstellung kriege ich nicht mehr zusammen, aber wir haben uns dann schließlich drauf geeinigt, dass ich einen Gag auf den Bandnamen reißen darf. Nach meinem herzigen: "Es ist zwar schon zwei nach zwölf, aber hier sind Zehn vor Zehn!", rockten die Jungs auch prompt die Bühne.
Wenn ich Zehn vor Zehn auf ein Genre festlegen sollte, fällt es mir etwas schwer. Deutschrock, klar, aber mit einem düsteren Touch, Richtung Rammstein. Aber ohne die düstere Stimme. XD
Auch Zehn vor Zehn brachten eine technisch perfekte Leistung. Klang alles wunderschön handgemacht. Und eure Bühnenpräsenz war Klasse.
Ich wünschte, ihr hättet mich nur nicht nach dem Gig in die Enge gedrängt und gefragt, was ihr verbessern könnt. ^^°°° Gleich nach dem Auftritt wäre das eine bessere Frage gewesen als um drei Uhr morgens. ;)

Kommen wir zu etwas völlig anderem, kommen wir zu Treehouse, der letzten Band des Abends.
Die Jungs aus Göttingen wollten auf Nummer sicher gehen, und haben mir auf halbem Weg durch den Abend einen Spickzettel in die Hand gedrückt, auf dem ihre absolute Wunschvorstellung stand: "Viel Gitarre, eingängige Melodien und eindrucksvoller Rock-Pop-Sound... Willkommen bei Treehouse."
Oooookay, ich habe jetzt nicht jede einzelne Silbe so ausgesprochen, aber der Sinn war zu verstehen. ^^
Ich hoffe, ihr wart trotzdem zufrieden, Jungs.
Und auch wenn es jetzt gegenüber Gabriel, Julian und Janos ein wenig unfair ist, ich kann nur wiederholen, was ich um drei Uhr morgens gesagt habe: Der beste Mann auf der Bühne war Daniel, euer Drummer. Und das ist eine Entscheidung, die mir schwer gefallen ist, weil euer Auftritt an sich schon hammergeil war.
Genre: Englischsprachiger Pop, definitiv. Geht so in Richtung Green Day und klopft dann vorsichtig bei den ruhigen Linkin´ Park-Balladen an, nur ohne das Schreien.


Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend, und es tat mir nicht das erste Mal während des Beatbattle 2.0 leid, dass schließlich nur zwei Bands weiter kommen konnten. Verdient hätten es alle drei gehabt, aber so tickt der Beatbattle nun mal nicht.
Letztendlich gewann Treehouse die meisten Stimmen von Jury und Publikum (da stimmten auch die anderen beiden Bands zu: Bester Auftritt des Abends), sehr dicht gefolgt von Zehn vor Zehn. Für einen Beatbattle-Abend erreichte Leave Yesterday eine verdammt hohe Wertung, aber es war eben kein normaler Abend. Und deshalb ist die sympatische Truppe um Artur leider raus. Aber Leave Yesterday haben gleich nach dem Konzert zugesagt, dass sie ihren freigehaltenen Slot für den Beatbattle 3.0 annehmen. Wir sehen uns also spätestens dann wieder, Jungs. Wenn ihr euren Gutschein verbratet, bin ich garantiert in der Nähe. ^^V

Zehn vor Zehn, Treehouse, es wird mir eine Freude und ein Vergnügen sein, eure nächsten Abende zu moderieren. Wir werden eher noch mehr Spaß haben.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Homöopathie in der Politik

Alle, welche die aktuelle Tagespolitik ein wenig mit verfolgen, wissen, dass die schwarzgelbe Koalition in Berlin gerade versucht, ihr Sparpaket zu formulieren. (Und das, nachdem sie ihr spezielles Sparpaket für Hoteliers geschnürt hat...)
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach, leicht zu erkennen an seiner Talkshow-Präsenz und der roten Fliege, brachte in diesem Zusammenhang das Thema auf, die umstrittene Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Ihre Wirksamkeit ist nicht erwiesen, und normalerweise bezahlen die Kassen auch nur, was funktioniert.
Die Fraktionssprecherin der Liberalen, Ulrike Flach, kommentierte dies gleich als einen Anschlag auf die Wahlfreiheit der Versicherten und Patienten.
Und auch aus der SPD kommen kritische Stimmen. Marion Caspers-Merk, fürchtete um die Therapievielfalt in Deutschland, betonte, dass mit einer Streichung der Homöopathie mit acht Millionen Euro nicht einmal ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden würde, und dass es Studien gäbe, die zeigen würden, dass diese Verfahren durchaus ihre Berechtigungen haben.
...sacken lassen.

Es gibt hier viele Punkte, an denen man sich aufreiben kann. Daran, dass die Kassen tatsächlich für ein Verfahren zahlen, das mit "der Erinnerungsfähigkeit von Wasser" arbeiten, deren Wirksamkeit über einen Placebo-Effekt hinaus nicht eindeutig erwiesen ist, dessen Mittel noch nie als Medikament anerkannt wurden, und so weiter und so fort. Ohne das Thema wirklich auf den Prüfstand zu stellen, wird es geblockt. Und das, obwohl die Krankenkassen klamm sind, und für jede ersparte unnötige Ausgabe dankbar sein müssten.
Es verwundert mich jetzt nicht, dass sich die Lobby-Partei FDP nun dafür stark macht, die Homöopathen zu "beschützen", obwohl ihnen niemand ihre "Medikamente" weg nehmen will, nur ihre staatlichen Zuschüsse aus unserer Tasche. Eine eindeutige Betrachtung der Thematik und eine endgültige Klärung über Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wirkungsweisen der Homöopathie wären da der bessere Ansatz gewesen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich von ernsthaften Medizinern bisher nie etwas gelesen habe, was dieser alternativen Medizinmethode mehr zugestanden hätte als eine Placebo-Wirkung. Nein, ich habe nichts anderes von der Hotellobby-Partei mit ihrem Spaß-Vizekanzler erwartet.

Nun ist es nicht meine Art, auf meine eigene Partei, die SPD, einzubashen. Es ist aber auch nicht meine Art, die Klappe zu halten. Damit habe ich schon einiges an Unheil angerichtet, andere ungewollt verletzt, und noch einiges mehr. Aber ich habe auch viele Menschen erreicht, Zustimmung bekommen, und vielleicht sogar ein klein wenig bewirkt.
In diesem Fall muss ich Karl Lauterbach ganz klar in Schutz nehmen. Und das vor seiner Parteigängerin Frau Caspers-Merk.
Denn die Frau hat den größten Unsinn gesagt, den ich jemals von einem Mitglied der SPD gelesen habe. Und glaubt mir, ab Unterbezirk abwärts bekommt man einige skurrile Meinungen zu hören.
Frau Caspers-Merk wird frech, um nicht zu sagen dreist, wenn sie betont, dass mit der Streichung der Homöopathie "nicht einmal ein zweistelliger Millionenbetrag gespart wird".
...sacken lassen.

Liebe Frau Caspers-Merk, haben Sie die Bodenhaftung verloren? Haben Sie den Kontakt zum Volk verloren? DAS SIND ACHT MILLIONEN EURO! ACHT MILLIONEN! JEDES JAHR!
Ich weiß nicht genau, was ACHT MILLIONEN EURO für Sie wert sind - für mich ist es eine Summe jenseits der Beschreibung! Und die Tatsache, dass der Bundeshaushalt ein vielfaches dieser Summe hantiert, ist absolut keine Ausrede dafür, dieses Einsparungspotential klein zu reden. Ich meine, ACHT MILLIONEN VERDAMMTE EURO!
Ich finde, das sind acht Millionen verdammt guter Gründe, um die Homöopathie auf den Prüfstand zu stellen. Zumindest was die Krankenkassen-Erstattung angeht. Wer auf Homöopathie schwört, soll sie m.E. auch nutzen. Aber bitte privat, wenn ihre Wirksamkeit nicht wie bei allen anderen Medikamenten und Arzneien bewiesen werden kann.
Acht Millionen Gründe sprechen dafür. Und, Frau Caspers-Merk, die sind bei weiten "noch nicht mal ein zweistelliger Millionenbetrag", sondern vier bis sechzehn Kernspintomographen!
Bitte, Frau Caspers-Merk, überdenken Sie diese Relation. Und verschonen Sie mich mit Lobby-Politik für alternative Mediziner, die auf Homöopathie schwören.

Montag, 12. Juli 2010

Gute Verlierer sehen anders aus

Es ist nicht zu leugnen, und nicht rückgängig zu machen: Deutschland ist NICHT Weltmeister geworden. Stattdessen hat unsere Mannschaft in einem fairen, aber heiß umkämpften Spiel am Samstagabend gegen Uruguay mit zwei zu drei gewonnen.

Gestern spielten dann Spanien und die Niederlande um Platz eins. Gewonnen hat letztendlich Spanien in der Verlängerung mit einem Tor. Es blieb nicht aus, dass man sich sagte: Hätte Spanien so gegen uns gespielt, wären wir aber im Finale gewesen.
Gut, solche Gedanken sind berechtigt. Aber es ist wie es ist, und es wird kommen, wie immer es kommt. So läuft der Hase halt. Wir sind Dritter, immerhin. Die Drittbeste von zweiunddreißig Mannschaften, die es in die Endrunde geschafft hat. Klar, wir alle hatten mit gierigen Augen den Pokal vor Augen, aber es hat halt nicht sein sollen. Basta.
Versuchen wir es mit dieser innovativen Mannschaft halt in zwei Jahren als Europameister.

So oder ähnlich würde ich gerne die Reaktionen der Fans und auch der Zeitungen sehen.
Eigentlich.
Dann fiel mein Blick zufällig auf die gedruckte Ausgabe der BILD. Dort stand als Kommentar zum Endspiel folgender Text: "Treter-Finale. Da hätten wir mit unserem schönen Fußball nur gestört."
Und wieder einmal bin ich versucht, beim Thema BLÖD-Zeitung die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen. Lassen wir mal weg, dass Spanien gegen uns verdient gewonnen hat. Lassen wir mal weg, dass Holland sich seine Chance mit einem Sieg gegen Brasilien erkämpft hat. Lassen wir auch mal weg, dass das Finale Kampfbetont war, und am Schluss nur vier oder fünf Holländer auf dem Platz nicht verwarnt waren.
Nein, gehen wir noch mal über den Kommentar, lassen wir ihn auf der Zunge vergehen.
Und dann sagen wir alle im Chor: Kai Diekmann, Ihre Redaktion ist ein verdammt mieser Verlierer!
Das musste doch mal gesagt werden.

Sonntag, 11. Juli 2010

Beatbattle die Zweite - Zweiter Abend

So, heute möchte ich meinen Blogeintrag zum Beatbattle mit etwas persönlichem beginnen - etwas sehr persönlichem: Bei diesen Scheiß hohen Temperaturen solltet Ihr beim Autofahren darauf achten, genügend zu trinken dabei zu haben. Selbst wenn es nur eine kurze Strecke ist. Und gerade wenn Ihr einen dunkel lackierten Wagen ohne Klimaanlage habt.
Und solltet Ihr in großen Menschenmengen in überheizten Räumen mehrere Stunden verbringen, vergesst ums Verrecken nicht, auch hier möglichst viel zu trinken. Und ich meine die ganze Zeit über. ^^°°° Versprochen, das bringt was.


Zurück zum Thema. Zurück zum zweiten Abend, den ich moderieren durfte.
Drei Bands standen zur Auswahl, und leider konnte nur eine Band ins Viertelfinale kommen.
Als Erstes starteten 3 Akkorde Superstars aus Paderborn. Die Jungs haben sich von mir gewünscht, mit Voll auf die Fresse-Pop anmoderiert zu werden, und sie haben gehalten, was sie versprochen haben... Der Link führt zu ihrem Myspace-Profil mit Demoliedern.
Man hat gesehen, dass die Jungs nicht nur ihr Handwerk drauf haben, sondern auch Spaß an der Musik. Ihr Stil orientiert sich stark an berühmten amerikanischen Collegebands wie Blink 182 oder Jonas Brothers. Gut umgesetzt, nicht zu schmalzig. Und definitiv für Jedermann.

Startplatz Nummer zwei hatten H.O.S. aus Nienburg, und damit hielt die härtere Gangart, wie sie im Checkpoint auch mal üblich ist, Einzug. Homepage habe ich keine gefunden, deshalb führt der erste Link zum Myspace-Profil mit Hörproben. Es ist mir schleierhaft, warum H.O.S. drauf bestanden hat, dass ich ihren Stil als Kuschelmusik vorstellen sollte. XD
Der Gag zog sich jedenfalls über den ganzen Auftritt hin. Die Jungs versorgten uns mit Hardrock und Metal vom Feinsten. Haut mich jetzt, aber instrumental fühlte ich mich an Metallica erinnert, die Vocals gingen dann eher Richtung Kiss. Spaß hatten wir in jedem Fall.

Zum Schluss stand Inhale Blaze an, frisch aus Hannover. Auch hier lohnt sich ein Blick ins Myspace-Profil zu den Probeliedern.
Vorstellen durfte ich sie als "geilste Scheiße der Welt".
Diesmal eher klassischer Pop, aber wunderbar getragen von Alla, der Sängerin. Ihre Stimme, die ich dem kleinen, dünnen Persönlichen überhaupt nicht zugetraut habe, erinnerte mich spontan an Melissa Etheridge.
Solide Arbeit der ganzen Truppe, und ein krönender Abschluss des Abends.

Technisch perfekt waren alle drei Bands. Vom Stil hingegen sehr unterschiedlich. Letztendlich konnten nur zwei Bands weiterkommen, und das waren am Schluss Inhale Blaze und 3 Akkorde Superstars. Wo waren all die Metal-Fans am Freitag Abend? Verdient gehabt hätten es alle, aber so grausam ist ein K.O.-System nun mal.
Sorry, Jungs, ich hätte euch gerne auch im Viertelfinale noch mal gesehen.

Damit habe ich etwas unzureichend einen geilen Abend beschrieben, der mir wieder mal eines deutlich gemacht hat: Verdammte Scheiße, was haben wir für guten Band-Nachwuchs hier in Südniedersachsen!


So, nächsten Freitag treten durch eine Nachnominierung gleich vier!!! Bands an, es kommen aber erneut nur zwei weiter. Mal schauen, wie es wird. Mit Sicherheit aber nicht langweilig.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Beatbattle die Zweite - Bands zwischen Hannover und Harz

Letzten Freitag war es also wieder soweit: Der Beatbattle in der Diskothek Checkpoint bei Coppengrave geht in die zweite Runde.
Wie auch schon beim Finale des ersten Contest habe ich die Bands anmoderiert.
Diesmal sollten gleich drei Bands auftreten, und zwei von ihnen ins Viertelfinale kommen. Letztendlich konnten nur zwei, Avian und Die Drolls, die beide auf Punkrock spezialisiert sind. Sie waren automatisch weiter... Hat das der Stimmung Abbruch getan? Hat es sie eine schlechtere Leistung abliefern lassen? Nein, natürlich nicht.
Beide Bands gaben sich richtig Mühe, und man konnte ihnen den Spaß an der Musik ansehen. Glücklicherweise, möchte man sagen, musste gestern keine Band ausscheiden. Das tut immer besonders dann weh, wenn die Bands so gut sind wie Avian und Die Drolls am letzten Freitag.

Ich für meinen Teil werde Freitag Abend wieder die Bands ansagen, im Beatbattle II, zweiter Abend der Vorrunde. Und ich freue mich diesmal auf Hos, 3 Akkorde Superstar und Inhale Blaze. Ich kenne alle drei noch nicht, aber ich weiß aus Erfahrung, dass es auf magische Weise immer sehr talentierte Bands in den Checkpoint zieht.
Falls ihr auch am Freitag da seid, sprecht mich ruhig an. ^^V

Donnerstag, 1. Juli 2010

Ich habe da mal eine Frage... lulu.com betreffend

Hallo, meine lieben aufmerksamen Blog-Leser. Heute habe ich mal keinen Artikel zum Weltgeschen, und auch keine Information über mein Hobby, das Schreiben.
Heute möchte ich Euch allen eine Frage stellen.
Zu den Facts: Ich habe ein Buch bei lulu.com, einen Science Fiction-Roman mit dem Titel "Die Allianz - Im Korridor der Sterne". Er hat eine ISBN-Nummer.
Vorletztes Jahr wollte deshalb die Staatsbibliothek zwei Belegexemplare.
Im März kontaktierte mich die Landesbibliothek Hannover und wollte ebenfalls ein Belegexemplar. Um den Verkauf über Amazon.de zu testen habe ich mein eigenes Buch dort gekauft und direkt nach Hannover schicken lassen. Das war im März. Btw, es kam an. Über Amazon.de kann ich mich in keinster Weise beschweren.
Nun beobachte ich ab und zu mein Konto auf lulu.com, wo unter anderem meine Verkäufe aufgeführt werden. Es wäre übertrieben zu sagen, das Buch wäre erfolgreich gelaufen. Ich habe nicht einmal ein halbes Dutzend verkauft. Leider. ^^°
Also ist das Konto sehr übersichtlich. Dadurch stellte ich nach sechs Wochen fest, dass der Verkauf über lulu.com das verkaufte und bezahlte Buch noch nicht abgerechnet hat.
Heute haben wir den ersten Juli. Und wen wundert es, das Buch wird immer noch nicht aufgeführt, obwohl der Kundenvertrieb von lulu.com mir zusagte, das Buch würde spätestens nach vier bis sechs Wochen auftauchen.
Langer Rede kurzer Sinn: Es ist natürlich überfällig.
Nun geht es mir nicht um ein paar Euro, sondern um die Zuverlässigkeit von lulu.com.
Bisher hatte ich da absolut keine Probleme, aber langsam werde ich ärgerlich.

Deshalb hier meine Frage an alle meine Leser: Habt Ihr in diesem Jahr über die lulu.com-Homepage oder über Amazon.de mein Buch oder das andere ohne ISBN gekauft?
Bitte antwortet mir auf meine E-Mail: Tiff26@Gmx.de.
Ich möchte einfach nur wissen, ob sich lulu.com hier in einen Einzelfall verheddert hat, oder ob das Unternehmen absolut unzuverlässig ist.

Ich bedanke mich im voraus.
Euer Ace

Samstag, 26. Juni 2010

Hätte, könnte, würde - der WDR-Film "Die Vitamin-Falle"

Heute Mittag lief eine Reportage auf WDR. Sie widmete sich einem wichtigen Thema, nämlich der Frage, ob Vitamine, in Neusprech Antioxidanzen, einen Nutzen haben. Tatsächlich könnte und würde laut dem Bericht die Einnahme in verschiedenen Fällen zum Tode führen.

Ich bin nun weder Mediziner, noch Laie auf dem Gebiet der Vitamin-Forschung. Und von der übermäßigen Einnahme von Vitaminen, sprich Tablettenschlucken, halte ich persönlich auch nicht viel. Vom zweifelhaften Nutzen der künstlichen Vitamine auch als Antioxidanz und Schutz vor den "Freien Radikalen" einmal ganz abgesehen. Kümmern wir uns nicht um diesen Teil des Films. Kümmern wir uns auch nicht um die skandinavische Studie, auf der dieser Bericht basiert, und in der laut WDR die "Gefahr von Vitamin-Präparaten aufgedeckt" wurde. Schauen wir uns den Bericht an.

Tatsache ist, der Mensch braucht Vitamine. Bis auf Vitamin C produziert der menschliche Körper sie allesamt selbst, zum Teil aus Provitaminen. Vitamin C erhält man auf natürlichem Wege aus Obst. Zum Beispiel Äpfeln. Dieser Fakt ist unumstritten, und sogar ich kenne ihn. Ich glaube, das kann ich so stehen lassen, ohne für Tablettenpresser Partei zu ergreifen, oder so im Licht da zu stehen, die Studie, auf der der Bericht basiert (und die ich nur als Zitat aus dem Report kenne), anzuzweifeln.

Tatsache ist aber auch, dass der Bericht höchst parteiisch ist. Wenn ich einen Bericht sehe, in dem der potentielle "Gegner" zwar zu Wort kommt, aber seine Statements zu zwei halbherzigen Sätzen zusammengestrichen werden, dann bekomme ich Zweifel am Motiv des federführenden Journalisten.
Wenn ich einen Bericht sehe, in dem alles getan wird, um die These über die Nutzlosigkeit, ja Gefährlichkeit des angeprangerten Produkts zu untermauern, dann sind wir normalerweise einen gigantischen Skandal auf der Spur.
Normalerweise.
Aber reißerische Musikuntermalung, Herumgespringe durch ein halbes Dutzend Themen und geschickter Schnitt lassen mich gleich an "Heilung unerwünscht" denken, jenen unsäglichen Werbefilm für die kleine rosa Paste, die vor kurzem aus Copyrightgründen umbenannt werden musste.
Gut, gut, ein amerikanischer Forscher kommt zu Wort, der sagt, dass der Körper freie Radikale braucht und dass Antioxidanten damit augenscheinlich ihr Ziel verfehlen, dem Menschen zu nützen. Aber was hat das mit der Gefahr der Todesfälle durch die Einnahme von Vitaminpräparaten zu tun?
Und wenn dann ein Sportler zu Wort kommt, der an einer Versuchsreihe mit Antioxidanten teil genommen hat, und zu berichten weiß, dass eine Gruppe beim Training Muskelkater hatte, die andere aber nicht...
Dann fragt man sich schon: Wenn eine Gruppe Antioxidanzen bekam, und die andere nicht, welche hatte dann bitte Muskelkater? Das klärt der Film leider nicht.
Und übersehen wir mal geflissentlich die Frage, ob es Sinn macht, den Sportlern zu sagen, in welcher Gruppe sie überhaupt sind, um PLacebo-Effekte zu vermeiden.
Kümmern wir uns nur darum, wie der Film berichtet, wie er die Fakten behandelt. Halbherzig. Und halbfertig, wie man am Sportler sieht. Welche Gruppe hatte denn jetzt den Muskelkater? Warum fragt man nicht den Chef der Studie? Und was ist so bahnbrechend am Muskelkater, dass er die Gefährlichkeit von Vitamin-Präparaten untermauert?
Der Film will viel beantworten, hinterlässt aber noch viel mehr Fragen.

Okay, ich will nicht kleinlich sein. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Vitaminpräparate in hohen Dosen schädlich sind. Die ist sogar recht hoch. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass künstliche Vitamine nicht nützen. Dass sie sogar zu Todesfällen führen können, meinetwegen.
Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Vitamine gar keine "Freien Radikalen" binden können, oder eben dass sie damit dem menschlichen Körper keinen guten Dienst erweisen.
Und natürlich gibt es die Möglichkeit, dass die Industrie sich mit gekauften Fachleuten und gekauften Studien sowie einer geschickten Propaganda einen gigantischen Markt offen hält, auf dem sie mit wertlosen, ja gefährlichen Produkten groß verdienen. All das ist möglich. All das versucht dieser Report zu vermitteln, ja, aufzudecken. Ich will dazu als Nicht-Fachmann auch nicht mehr sagen, als ich schon getan habe.
Aber hektische Schnitte und eilig zusammengemixte Fachleute gegen unterschiedliche Aspekte sind keine stringente Erzählung, und erst Recht keine logisch durchdachte Beweisführung.

Angenommen, wir stehen hier wirklich am Anfang eines Skandals, der enthüllt, dass ein paar Tausend Menschen in den letzten Jahren nicht hätten sterben müssen, wenn große Chemiekonzerne keine Vitaminpräparate unters Volk gebracht hätten...
Angenommen, wir stehen vor einem Skandal, dessen Tragweite Korruption von unglaublichem Ausmaß enthüllt...
Angenommen, wir stehen vor diesem Skandal, dann hat der WDR sich mit "Die Vitamin-Falle" einen Auftakt geleistet, der auf BLÖD-Niveau rangiert.
Von einem Bezahlmedium wie dem WDR erwarte ich seriösen Journalismus, keine reißerischen Schnitte und Halbwahrheiten. Ich erwarte, dass entweder die Kripo bei den Produzenten von Vitaminpräparaten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in tausenden Fällen Razzien veranstaltet, oder aber die Befürworter der Vitaminpräparate in einem stärkeren Maße zu Wort kommen als in zwei Sätzen.
Bitte kein "Alarm für Cobra 11" in einem ernsten, seriösen Thema, in dem es um Leben und Tod geht.

Btw: Ich persönlich halte Vitamin-Präparate für nicht sehr hilfreich bis sinnlos; man sollte doch verdammt noch Mal seinen Tagesbedarf mit der regulären Ernährung abdecken können, vielmehr müssen. Aber bei einem so einseitigen Bericht stellen sich mir die Nackenhaare auf. Eventuell kriegen wir einen Skandal. Nur könnte er die Wissenschaftsredaktion des WDR betreffen, weniger die Produzenten von Vitamin-Präparaten.

Ich beobachte das Thema weiter. Eine Entschuldigung meinerseits wird es nie geben. Dazu war der Bericht zu schlecht, dem ernsten Thema nicht angemessen. Schade, WDR.